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Donnerstag den 21. Mai.
1891
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Am 19. ds. Mts. ein gescheckter Dachshund m. Geschl.
Verloren: Vom Nürnbergerthor bis zum Friedhof ein Zwicker; dem Wiederbringer eine Belohnung. Auf dem Wege von Wachenbuchen bis Hanau ein Portemonnaie mit 8 Mk.
Gefunden: Ein kleiner goldener Ring.
Hanau am 21. Mai 1891.
Tagesschau.
Berlin, 20. Mai. Kaiser Wilhelm dürfte kaum vor dem 25. nach Potsdam zurückkehren. Heute war er noch zur Jagd in Schlobitten, morgen fährt er auf mehrere Tage zur Jagd nach Prökelwitz.
Berlin, 20. Mai. Das „Marine - Verordnungsblatt" schreibt: Nach einer Mittheilung des Auswärtigen Amts ist der Präsident der Republik von Salvador, General Carlos Ezeta, von Seiner Majestät dem Kaiser und König als im Besitz der Regierungsgewalt bestndlich anerkannt worden.
Berlin, 20. Mai. Es bestätigt sich, daß der hiesige Gesandte der Schweiz, Oberst Roth, morgen (Donnerstag) früh nach Wien abreisen wird. Die Einladungen zu den Verhandlungen wegen der Handelsverträge waren zu Ende dieser Woche, den 23. Mai, ergangen, an welchem Tage die Eröffnung stattfinden sollte. — Das Präsidium des deutschen Handelstages versendet ein Rundschreiben an seine Mitglieder, in welchem bis zum 1. Juli um Auskunft gebeten wird, ob der Plan einer im Jahre 1895 in Berlin zu veranstaltenden deutsch-nationalen Ausstellung Billigung und Unterstützung namentlich in industriellen Kreisen finde. Der Ausschuß habe diesen Plan beifällig ausgenommen und empfehle ihn den Handelskammern und wirthschaftlichen Vereinen zu gründlichster Erwägung. Aus dem beigefügten Protokoll der Ausschußsitzung geht hervor, daß vom Ausschuß nur ein Mitglied für eine internationale Ausstellung war, alle andern für eine deutsche. (K. Z.)
Berlin, 20. Mai. S. M. Schiffsjungen-Schulschiff „Nixe", "Kommandant Korvetten - Kapitän Freiherr von Maltzahn, ist am 17. Mai in Norfolk eingetroffen und beabsichtigt am 10. Juni nach Halifax in See zu gehen. — S. M. Kanonenboot „Iltis", Kommandant Korvetten -Kapitän ! Ascher, ist am 18. Mai in Kinkiang angenommen und an demselben Tage I nach Ngankin weitergegangen.
Berlin, 20. Mai. S. M. Kanonenboot „Wolf", Kommandant i Korvetten-Kapitän Hellhof, ist am 20. Mai in Kelung eingetroffen und i beabsichtigt am 21. Mai nach Shanghai in See zu gehen.
Im „Reichsanzeiger" wird bekannt gemacht: „Nachdem der Bundesrath beschlossen hat, daß die Seitens der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ergangene Einladung zur Theilnahme an der Weltausstellung in Chicago angenommen, und daß für die Leitung der deutschen Abtheilung ein Reichskommissar bestellt werde, ist, wie bereits bemerkt, der kaiserliche Geheime Regierungsrath und vortragende Rath im Reichsamt des Innern, Wermuth, zum Reichskommissar für diese Ausstellung ernannt worden. Die Geschäftsräume des Reichskommisfars befinden sich hierselbst, Wilhelmstraße 74. Anfragen sind dahin zu richten."
Breslau, 20. Mai. Das Schöffengericht in Reichenbach u. E. verurtheilte, wie die Schweidnitzer „Tägl. Rundschau" meldet, den Herausgeber des „Proletariers aus dem Eulengebirge" Baginsky wegen eines gegen den Pastor Miethe in Peilau gerichteten' Schmähartikels zu sechs Monaten Gefängniß und verfügte sofortige Inhaftnahme. In der Begründung des Strafmaßes wurde betont, daß ein neuerdings an alle Gerichte ergangenes Reskript dazu mahne, die volle Strenge des Gesetzes walten zu lassen, wo es sich um Verhöhnung und Verspottung des Glaubens und um Roh- ; Hecken gegen Träger des geistlichen Amtes handle.
Koblenz. Der Feldzug von 1870/71 hat bei dem diesjährigen Aushebungsgeschäft seine Wirkung dahin geäußert, daß die Hahl der Ge- ; ftellungspflchtigen des ersten Jahrgangs im Regierungsbezirk Koblenz mehr- - um /o gegen die früheren Jahre zurückgegangen ist. (Reichsanz.) .
Rhein. Vor mehreren Jahren wurden Versammlungen von
: Lehrern an Realgymnasien und Realprogymnasien der Provinz veranstaltet, ; auf denen die dieser Schulgattung eigenthümlichen Aufgaben zur Besprechung i gelangten. Die nächste Versammlung ist auf Samstag, 23. Mai, in i Düsseldorf anberaumt, auf welcher nachstehender Gegenstand zur Verhand- ■ lung kommen wird: „In welchen Lehrfächern erträgt das Realgymnasium am ersten eine Verminderung der Stundenzahl und demgemäß eine Herabsetzung der Lehrziele?"
Der „Saatbr» Ztg." zufolge waren für den 2. Pfingstfeiertag Bergmannsversammlungen vom Rechtsschutzverein anberaumt: in Gennweiler, woselbst Marken, in Nalbach, wo in zwei Lokalen Schillo und Leidinger präsidiren und reden sollten. Die Belegschaften sämmtlicher Gruben sind, wie demselben Blatte geschrieben wird, dem Strike total abgeneigt. Die zahlreichen Aufforderungen der Vertrauensmänner des Rechtschutzvereins zur Zahlung der Beiträge und Anmeldung neuer Mitglieder, welche „Schlägel und Eisen" in seiner letzten Nummer bringt, deuten darauf hin, daß die Begeisterung für den Verein des Herrn Marken sehr nachgelassen hat. Besonders verschnupft hat es die Bergleute, daß die Beiträge um das i Dreifache erhöht worden sind, um „gemaßregelten, unbotmäßigen Kameraden ; Geschäfte zu gründen", mit welchen diese es sich wohl sein lassen, während die i andern armen Teufel im Schweiße ihres Angesichts in der Grube arbeiten ; müssen. Zu der Erböhung der Beiträge des Rechtschutzvereins schreibt man ; der „Rhein.-Westf. Ztg." aus dem Saar-Revier: Mit der Zeit werden i die Bergleute das stete Zahlen satt, denn der Leib des Rechtsschutzvereins ; ist unersättlich. Am besten stehen sich die Leiter desselben, denn sie leben i herrlich und in Freuden und lassen die Dummen ruhig sich plagen.
Homburg, 19. Mai. Die Hamb. Nachr. stellen in ihrem heutigen Abendblatt wiederholt auf das nachdrücklichste ihre von einem Theil der Presse behauptete Mitschuld an der bekannten österreichischen Armee- ; broschüre, ebenso diejenige des Fürsten Bismarck in Abrede. Durch Veröffentlichung der Urschrift habe nur angebeutet werden sollen, der Urheber gehöre den hohen österreichischen Kreisen an; dadurch wäre der Verdacht des deutschen Ursprungs beseitigt. (K. Z.)
Hamburg, 20. Mai. Nach einem Telgramm der „Hamb, Bör- senh." ist die Angelegenheit des chilenischen Dampfers „Jtata,, mit dem amerikanischen Admiral in Jquique geordnet worden.
Hamburg. Der Hamburger Bürger Heinrich Schmilinsky nebst Gattin hat laut Meldung des „D. B. H." den Hamburger Senat zum Erben seines viele Millionen betragenden Vermögens eingesetzt mit der Bestimmung, daß es zur Errichtung eines Asyls für unverheirathete evangelische Damen, besonders alte Lehrerinnen, verwendet werden soll.
München, 20. Mai. Die 41. Versammlung der deutschen Philologen und Schulmänner wurde heute in Gegenwart des Prinzen Rupprecht und der Spitzen der Behörden eröffnet. Die Versammlung ist von etwa 700 Mitgliedern besucht. Professor Christ hielt die Begrüßungsansprache, in welcher er das Wesen und die Bedeutung der Philologie darlegte. Kultusminister Dr. v. Müller begrüßte die Awesenden Namens der Regierung und bezeichnete als Aufgabe der Philologie, an den Universitäten die Wissenschaft und Pädagogik gleichmäßig zu pflegen. Namens der Stadt begrüßte der Bürgermeister Dr. von Widenmayer die Versammlung und Namens der Akademie Geheimer Rath von Pettenkofer. (Reichsanz.)
Karlsruhe, 20. Mai. Heute Nacht wurde die Leiche der verewigten Prinzessin Elisabeth von Baden aus dem Palais nach der Stadtkirche übergeführt, woselbst Vormittags 11 Uhr die feierliche Beisetzung erfolgte. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, sowie die übrigen Mitglieder des Großherzoglichen Hauses wohnten mit einer zahlreichen Trauerversammlung der Trauerfeier bei.
Wien, 20. Mai. Der Wèltpostkongreß wurde Mittags vom Handelsminister mit einer Ansprache eröffnet, worin er die Theilnehmer Namens der Regierung begrüßte und des Berner' Vertrages sowie der vergangenen Kongresse in Paris und Lissabon gedachte. Die besonderen zwei großen Aufgaben des Kongresses seien die Schaffung einer möglichst unveränderlichen Grundlage des Vereins und die Verwirklichung des Gedankens, aus allen civilistrten Ländern ein einziges Postgebiet zu bilden. Der deutsche Vertreter, Staatssekretär Stephan/ dankte namens der Versammlung für den herzlichen Empfang. Das Werk des Weltpostvereins sei ein Werk des Friedens und der Civilisation. Der österreichische Sek-