Einzelbild herunterladen
 

«WÄich «â GK«.âSO<M. NâitrhEch

»N«u 86 M. M eeimittie« toetttitnten

«M t«e Betreffe«, tat W*»WlM. ««sstMetaHtaB».

w« i» Sto-

mauer Ameiacr.

Krtgkeich AmttiiHes Kvgarr für SkaöL- unâ Lanökvsis Karrcrir.

Erscheint täglich mit Avsvahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Belage.

»»ferstet*

Preis:

»e ifjtattti« stmonbjefte * deren Di Miet

10 Pf,.

Die »Ipalt. gei»

«0 Pf«.

»ieSspsltigejâ

30 Ug.

Nr. 109.

Dienstag den 12. Mai.

1891

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund m. Geschl. Ein kleiner weißer Pudel w. Geschl., mit blauem Bänden um den Hals.

Aufgefangen: Ein kleiner s. g. Wellenpapagei.

Gefunden: Vier Regenschirme, davon zwei auf der Post stehen geblieben. Fünf Paar und eine einzelne Manschette. Ein Paar braune Glacehandschuhe. Vor mehreren Wochen ein feines Flacon.

Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 31 Mk.

Hanau am 12. Mai 1891.

t Der deutsche und der englische Arbeiter.

Diesseits und jenseits des Kanals ist die Ansicht ziemlich weit ver­breitet, daß sich der englische Arbeiter im Allgemeinen in besserer Lage be­finde, als sein deutscher Kamerad. In Deutschland ist diese Ansicht sehr durch Männer der nationalökonomischen Wissenschaft gefördert worden, die sich kürzere oder längere Zeit Studiums halber in England anfhielten und dann in ihren Werken die Erfahrungen uiederlegten, die sie meist nur in der Beobachtung der Wirksamkeit der Trades Unions, d. h. der die Elite der englischen Arbeiterschaft umfassenden Vereine gemacht hatten. Ganz geflissentlich und zu leicht erklärlichen Parteizwecken ist von den sozialdemo­kratischen Agitatoren der Glaube genährt worden, daß die Lebenshaltung des englischen Arbeiters weit über derjenigen des deutschen stehe. Diesem Irrthum tritt die Schrift eines Engländers entgegen, die kürzlich unter dem Titel: Der deutsche und der englische Arbeiter (Verlag von Karl Ulrich & Co., Berlin, Preis 50 Pf.) erschienen ist. Ihr Verfasser ist Sidney Whitman, der in seinem BucheDas Kaiserliche Deutschland" ein seltenes Verständniß für fremdes Volksthum und eine für einen Ausländer unge­wöhnliche Bekanntschaft mit deutschen Verhältnissen bewiesen hat. Auf 30 Seiten wägt der Verfasser sorgsam und parteilos die eigenthümlichen Vor­züge und Nachtheile der Arbeit in England und in Deutschland ab und führt sie von innen, aus der Seele der Arbeiter heraus, auf ihre tieferen Ursachen zurück.

Als die Vorzüge, die der englische Arbeiter voraus hat, führt der Verfasser auf: Freiheit von direkten Steuern (die Steuerpflicht beginnt erst bei 3000 Mark), fast unbeschränkte Rede-, Versammlungs- und Vereins­freiheit, Freiheit von der Militärpflicht, von polizeilicher Ueberwachung und büreaukratischen Einflüssen. Die günstigen Bedingungen bestehen also über­wiegend in einem Freisein von Verpflichtungen. Der Selbsthilfe des eng­lischen Arbeiters in keine Schranke gezogen. Daraus ist seine große Energie, die Selbstständigkeit, Disziplin und Selbstzucht hervorgegangen, Eigenschaften, die ihn vor dem Arbeiter fast aller anderen Nationen auszeichnen. Dafür ist aber seinem sittlichen Wohle von Staats- oder Gesellschaftswegen fast gar keine Beachtung geschenkt. Vertheuerung der Gebrauchsartikel durch denMittelsmann", Lebensmittelverfälschung, außerordentlich hohe Steuern auf Tabak und Getränke, trotzdem weite Verbreitung der Trunksucht, drücken den Lebensstand des englischen Arbeiters wirthschaftlich und moralisch herab. Die Statistik weist nach, daß im Jahre 1889 in England 151 425 Per­sonen beiderlei Geschlechts wegen Trunkenheit festgenommen wurden. Die volle Bedeutung wird aber erst dann klar, wenn man weiß, wie weit der Trunkenbold in England gehen darf, ehe er ein Einschreiten der Exekutiv­beamten veranlaßt. In einer einzigen Prooinzialstadt wurden 2000 Frauen wegen Trunkenheit oder ungebührlichen Betragens festgenommen. In ge­wissen Theilen von Manchester bewegt sich die Sterblichkeitsziffer anstatt zwischen 17 und 28 pro Tausend (wie im Durchschnitt in England) zwischen 80 und 90 pro Tausend.

Was die Aufrechterhaltung der Selbsthilfe für Opfer gefordert hat, schildert die Schrift wie folgt:Die Kriege dieses Jahrhunderts sind Kin- Derspiele im Vergleich mit der Blutrechnung, dem Konto des Elends und der Verzweiflung, welche den englischen Arbeitern die Disziplin der Selbst­hilfe gekostet hat. Wenn auch die heutigen Kämpfe nur noch ein schwaches Spiegelbild der vorangegangenen Leiden sind, so kann auch jetzt noch ein ^zeder selbst das Schlachtfeld beobachten, nur muß er ein Auge und Herz für menschliches Elend mitbringen. Das Schlachtfeld erstreckt sich 'von London nach Westen bis in die Kohlen- und Eisendistrikte von Wales, durch das Innere Englands hindurch nach Schottland bis über Glasgow hinaus nicht zu reden von Irland, wo ein Elend herrscht, wie man es

in Deutschland seit dem dreißigjährigen Kriege nicht gekannt hat. Die Schwachen, die Verwahrlosten, die Betrunkenen, das sind die Verwundeten in diesem gewaltigen Kampfe der Selbsthilfe, der seines Gleichen vergeblich in der gebildeten Welt sucht."

Der deutsche Arbeiter ist dagegen vor dem englischen Kameraden ausgezeichnet: durch den Besitz des freien gleichen Wahlrechts, durch Schutz vor Lebensmittelverfälschung, billige Rechtspflege, leichtere Möglichkeit von Grunderwerb als in dem großgrundbesitzlichen England, höhere allgemeine Bildung und endlich durch die Wohlthaten eines großartigen staatlichen Versicherungswesens. Daß Whitman die Militärpflicht nicht als einen Nachtheil, sondern als eine Quelle sittlicher Kraft ansieht, zeugt von seinem vorurtheislosen Scharfblick. Whitman stellt vor Allem das Familienleben des deutschen Arbeiters, seine Freude an der Natur, sehr hoch und sieht auch seine sonntäglichen Vergnügungen bei Spiel und Tanz harmloser an, als es mancher deutsche Beobachter thun mag. Als Grundunterschied bleibt aber bestehen: In England Disziplin von unten, in Deutschland Disziplin von oben.

Daß trotzdem die Unzufriedenheit des Arbeiterstandes in Deutschland größer zu sein scheint, erklärt Whitman hauptsächlich aus derSubjektivität der Begriffe", die in Deutschland das Urtheil der Masse beeinträchtige und sie bestimme, chimärischen Hoffnungen nachzujagen.Während sich die Be­strebungen der englischen Arbeiter wesentlich in einer praktischen, materiell nützlichen Richtung bewegen, zeigen die der deutschen einerseits eine philo­sophische Idealität des Ziels, andererseits eine Gehässigkeit, welche beide Eigenschaften Jenen durchaus fehlen." Wie wenig aber der deutsche Ar­beiter Grund hat, den englischen Genossen um seine sozialen Existenzbe­dingungen zu beneiden, möge schließlich noch folgende Stelle der auf Grund genauen persönlichen Studiums des Alltagslebens der Arbeiter beider Länder verfaßten Schrift lehren. Unser englischer Autor sagt:Möchte ich doch einigen dieser ehrlichen deutschen Unzufriedenen rathen, nach England zu kommen sagen wir nach London, Edinburgh, Manchester, .Bradfard, Sheffield oder Hull und einen Blick zu werfen auf das sonnenleere soziale Leben der großen Masse der englischen Arbeiter, auf ihre erbärm­lichen Wohnungen, auf die Verwahrlosung ihrer Frauen, auf alle die ver­derblichen Branntweinschenken, die an jeder Straßenecke den Arbeiter ver­locken. In Schottland ist es nichts Allzuseltenes, daß der Arbeiter, der müde und hungrig von der Fabrik heimkehrt, seine Wohnung ausgcleert findet,, weil seine Frau Alles, bis aufs Bett, ins Pfandhaus geschleppt hat, um dem Branntwein zu huldigen. Das sollten die Deutschen berück­sichtigen ; sie würden dann nicht nur von der Zähigkeit des Karakters über­rascht sein, die inmitten solcher Verhältnisse sich dem Elend entziehen und den Kampf des Lebens mit Erfolg fechten kann, sondern sie würden auch mit ihren eigenen Lebensbedingungen etwas weniger unzufrieden sein."

Tagesschau.

Berlin, 11. Mai. Dem zum Kaiserlich und Königlich österreichisch- ungarischen Generalkonsul mit dem Amtssitze in Leipzig ernannten König­lich sächsischen Ober-Regierungsrath a. D. Dr. Friedrich Maximilian Scho­ber ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 11. Mai. Die Abreise Seiner Majestät des Kaisers und Königs wird heute Abend um 10 Uhr 5 Minuten von Salzschlirf, die An­kunft auf der Wildpark-Station am Dienstag früh um 8 Uhr erfolgen.

Berlin, 11. Mai. Im Herrenhause wird auf eine Inter­pellation Frankenbergs, betreffend den ununterbrochenen Fortgang der Kanalisirung der oberen Oder und die Anlegung des Schifffahrtsweges durch Breslau oder um Breslau, von dem Regierungskommissar Schulz erklärt, die Kanalisirung solle ungestört weiter erfolgen, unbeeinflußt durch die Frage, wie die Schifffahrtverhältnisfe um Breslau sich gestalten. Be­züglich der Anlegung eines neuen Schifffahrtweges seien die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen. Es sei aber anzunehmen daß die Regierung sich für den Umgehungskanal entscheide, dessen Vortheile überwiegend seien. Das Haus erledigte sodann eine Reihe von Kommissionsberichten und Petitionen. Morgen: Einkommensteuergesetz und Wildschadengesetz. Im Abgeordnetenhause wird die Wahl Stueve's für ungültig erklärt. Eine Reihe von Petitionen werden als zur Erörterung nicht geeignet be­zeichnet. Der Entwurf, betreffend die Abänderung der Grenzen von Amts-