Ausgaben werden zur Aufstellung von Plänen und zu Vorarbeiten zum Neubaue des Doms, sowie zur Bestreitung der Kosten für die Jnterims- kirche 600 000 M. gefordert. Die Kommission beantragt die Ablehnung. Der Antrag wird ohne Debatte angenommen. Der Rest des Kultusetats wird ohne Debatte genehmigt, ebenso die allgemeinen Bemerkungen zum Etat und zum Etatsgesetz. Die nächste Sitzung findet Montag, 11 Uhr Vormittags, statt; Tagesordnung: Kleine Vorlagen, darunter die Wegeordnung für die Provinz Sachsen. (RH. K.)
Berlin, 9. Mai. In der gestern unter dem Vorsitz des Vize- Präsidenten des Staats - Ministeriums, Staatssekretärs des Innern Dr. von Boetticher, abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde über die geschäftliche Behandlung mehrerer vom Reichstage überwiesener Petitionen, einer Vorlage, betreffend die Abänderung des Betriebsreglements für die Eisenbahnen Deutschlands in Bezug auf die Beförderung von rauchschwachem Pulver, Schwefelkohlenstoff und Kienruß, sowie eines Antrags auf Ertheilung der Ermächtigung zu einem strafrechtlichen Einschreiten wegen Beleidigung des Bundesraths Beschluß gefaßt. Von der vorgelegten Uebersicht über die Ausprägung von Reichs - Goldmünzen im Jahre 1890 nahm die Versammlung Kenntniß.
Berlin, 9. Mai. Von den Herren v. Kardorff und Frhru. v. Stumm geht der „Post" folgende Erklärung zu: In der Freisinnigen Zeitung vom 9. ds. findet sich folgende Notiz über einen Besuch der Unterzeichneten bei dem Fürsten Bismarck in Friedrichsruh: „Fürst Bismarck soll die Herren auch ermuntert haben zu zähem Widerstände gegen die Zuckersteuervorlage der Regierung. Es sei nicht richtig, daß er dieselbe vorbereitet habe." Diese Mittheilung ist von Anfang bis zu Ende erlogen."
BSplitt, 9. Mai. Der Grundstein für das Kaiser Wilhelmdenkmal, weiches der deutsche Kriegerbund Kaiser Wilhelm auf dem Kyffhäuser errichten will, wird am 18. Oktober gelegt werden. Die Bausumme, 7- bis 800 000 M., ist nahezu zusammengebracht.
Gegen die Verlegung des Butz- und Bettugs auf Ende November macht sich mehrfach Widerspruch geltend, weil alsdann eine Unterbrechung der Arbeit durch einen Feiertag für alle vor Weihnachten besonders stark beschäftigten Industriezweige ebenso hinderlich wäre, wie es der Bußtag im Frühling für die landwirtschaftlichen Arbeiten ist. Die National- Zeitung empfiehlt daher, den Bußtag entweder in die Zeit vor der Ernte oder in den Anfang des Herbstes zu verlegen.
Der EvÄNgeltsch-doziule Kongretz wird seine diesjährige Ver- fammlung am Donnerstag, den 28., und Freitag, den 29. Mai, in Berlin abhalten. Er hat es sich zur Aufgabe gestellt, die sozialen Zustände unseres Volkes vorurtheilslos zu untersuchen, ' sie an dem Maßstabe der fittlichen Forderungen des Evangeliums zu messen und diese selbst für das heutige Wirthschastsleben und die in ihm Stehenden fruchtbarer und wirksamer zu machen als bisher.
Die kritische Broschüre über die österreichische Armee soll nach der „Neuen Freien Presse" von einem verabschiedeten österreichischen Offizier v. Levetzow herrühren. Derselbe soll aus Rache wegen der Verabschiedung die Schmähschrift veröffentlicht haben.
Aachen, 9. Mai. Im Requisitenhause des Stadttheaters ist in vergangener Nacht eine Feuersbrunst ausgebrochen, welche fast alle Requisiten und Dekorationen zerstörte. (Rh. K.)
Hamburg, 10. Mai. (Fr. ZI Heute Nacht wurde bei Cuxhaven der Schlepper „Magnet" durch och Barke „Gustavo Adolfo" angerannt und sank sofort. Der Kapitän des Schleppdampfers Sohst ist ertrunken, die Mannschaft jedoch gerettet.
München, 9. Mai. Der Maler Papperitz, Sekretär der Münchener Künstlergenosfenschaft, und Rath Paulus reisen im Auftrage des Preisgerichts nach London, um eine zahlreiche Beschickung der Jahresaus- stcllung zu erwirken. (K. Z.)
Wien, 9. Mai. Das Fremdenblatt veröffentlicht einen Erlaß des Handelsminister an die Fachkorporationen des Reichs, in welchem unter Hinweis auf die bevorstehenden Unterhandlungen mit der Schweiz, Serbien Italien und Rumänien auf Grund des paraphirten österreichisch - deutschen Tarifvertrags zunächst betreffs der Schweiz Gutachten unter besonderer Hervorhebung der österreichischen Ausfuhrwaaren begehrt werden, die künftig unter den neuen Schweizer Zolltarif fallen. Die Italien betreffenden Gutachten seien bis zum 15. Juli, ein Bericht über den Einfluß der am 10. Juli eintretenden neuen rumänischen Zollordnung auf die österreichische Ausfuhr binnen zwei Monaten vorzulegen.
^Wie aus Wien gemeldet wird, nahm der Strike der Buchdrucker und Schriftgießer im Laufe des vergangenen Freitags zu. Nur in vier Buchdruckereien, in welchen die Prinzipale sich mit den Arbeitern auf Grund der von diefen gestellten Forderungen geeinigt haben, wird voll gearbeitet. Eine Koufecenz der Besitzer der 35 hervorragendsten Wiener Buchdruckereien und Schriftgießereien beschloß, an dem Ende Dezember d. I. ablaufenden Tarifvertrag festzuhalten und nöthigenfalls den Betrieb ganz einzustellen oder doch möglichst einzuschränken. Die Prinzipale erklären sich für solidarisch und forderten die übrigen Arbeitgeber zu dem gleichen Vorgehen auf.
Lüttich, 9. Mai. Die Behörde verhaftete gestern vier Brüsseler Arbeiterführer. Die sozialistische Partei verbreitete in mehreren Arbeiter
zentren Kundgebungen, worin sie gegen die Einberufung der Miliztruppen zwecks Verhinderung der Streiks und Bekämpfung der Ausständigen, welch: Brüder der Soldaten seien, protestirt. In den Kohlengruben von Lüttich Herstal, Jemappes und Tillar macht sich, nach dem „Rh. K.", eine Besserung der Lage bemerkbar. ' s
Charleroi, 10. Mai. In der vergangenen Nacht wurde, nach der „Fr. Z.", von einem Unbekannten eine Dynamitbombe gegen das Haus eines am Ausstande nicht beteiligten Arbeiters geschleudert, ohne erheb'- licheren Schaden anzurichten. Das Gericht hat Erhebungen eingeleitet.
Toronto, 8. Mai. Die Ortschaft Alliston (Grafschaft Simcoe) wurde, nach einer Mittheilung des „Reichsanz.", heute Morgen durcheiln mehrere Stunden anhaltende Feuersbrunst vollständig zerstört. Der Schg, den ist ein sehr erheblicher.
Paris, 9. Mai. (Fr. N.) Die Morgenblätter heben einstimiM die Bedeutung der gestrigen Kammersitzung hervor, in der die Spaluch der Republikaner eine offene und endgiltige geworden sei. Bezüglich Amnestiefrage betonen die gemäßigten Organe, durch die Annahme k Amnestie wäre die Unfähigkeit der Republik, die öffentliche Ruhe ausrH zu erhalten, und damit ihre Regierungsunfähigkeit erwiesen worden; üte dies wäre die beantragte Amnestie eine Präsentir-Amnestie gewesen. A Radikalen erblicken in dem gestigen Votum einen schweren Fehler und ein starke Schädigung der Republik. Die Monarchisten drücken offen ihr Genugthuung aus über die Spaltung der Republikaner und meinen, di Stellung des Kabinets sei gestern jedenfalls geschwächt worden.
London, 9. Mai. Unter den Opfern der Grippe ist" die Spiri tistin Madame Blavtzki, die Gründerin der spiritistischen „Theosophia Society", zu erwähnen. Nicht weniger als 25 Parlamentsmitglieder lit gen an der Grippe darnieder. Im Kriegsministerium hat die Kraukh« das ganze Personal desvrganisirt. Das Hospitalschiff Queen Viktoria ij in Parmouth eingelaufen, da die ganze Mannschaft von der Krankheit befallen war. (K. Z.)
Wie man der „Polit. Korresp." aus Petersburg meldet, va schärfte sich in der letzten Zeit die Opposition der deutschen Bevölkert« in den baltischen Provinzen gegenüber den auf die Russifizirung diese- Landes abzielenden Maßregeln der russischen Regierung. Die kürzlich er folgte Wiedereinsetzung des Barons Heiking auf den Posten eines Adek marschalls von Kurland, nachdem derselbe fünf Monate früher diese Stellu»! in Folge eines zwischen ihm und der Regierung des Landes ausgebrochem Konfliktes hatte niederlegen müssen, bestärke die bezeichnete Bevölkerung \ ihrer frondirenden Haltung. Speziell die Einführung des russischen Sprach Unterrichtes in den lutherischen Kirchenbehörden unterstehenden Land schulen rufe einen immer schärfer zu Tage tretenden Widerstand in Liviau und Esthland hervor.
Chicago, 7. Mai. Es ist noch gar nicht über allen Zweifel er haben, ob die Weltausstellung wenigstens in der geplanten Weise zur Aus führung kommt. Mehrere Herren des Verwaltungsrathes sind, nach deü „Frankf. Jourm", längst davon überzeugt, daß es verlorene Mühe-ffft-M Ausstellung einen internationalen Karakter zu geben. Dafür hat die Ms Kinley-Bill gesorgt. Sie sind deshalb dafür, statt einer Weltausstellung eine großartige nationale Ausstellung abzuh alten, auf welcher jedoch and ausländische Erzeugnisse eine Stelle finden können. i
Buenos Aires, 10. Mai. Die Rede, mit der gestern der Präs! dent Pellegrini den argentinischen Kongreß eröffnete, hebt die guten Be Ziehungen zu allen auswärtigen Mächten hervor, und beschäftigt sich it klebrigen vorwiegend mit den inneren Angelegenheiten. Die Regierum heißt es darin u. A., sei jeder neuen Ausgabe von Papiergeld entschiedet abgeneigt und schlage eine eingehende Untersuchung der thatsächlichen Lac der Banken vor, um sowohl ohne Intervention der Regierung, als aus ohne Liquidation der Banken eine Reorganisation derselben zu ermögliche! Infolge der Einführung des Silbers als Münzfuß würden wichtige Amd rungen in der Organisation des Finanzwesens nothwendig. (Fr. Z.) j
Bremen, 10. Mai. Der Dampfer des Norddeutschen Sloi „Elbe" ist gestern in New - Port eingetroffen.
Philadelphia, 8. Mai. Der Postdampfer „Switzerland" von N „Red Star Linie" ist von Antwerpen gestern wohlbehalten hier anx kommen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Stimmen von auswärts. Ueber den kürzlich erschienenen 8i waltungsbericht der Stadt Hanau für die Jahre 1885/86 bis 1889/$ finden wir in zahlreichen größeren Zeitungen anerkennende Referate. ® schreibt u. A. der „Rheinische Kurier" :
„Hanau, 29. April. Ueber die Entwickelung unserer industriereich!! Stadt während der letzten fünf Jahre hat Herr Oberbürgermeister West bürg, bekanntlich ein Nassauer von Geburt, einen ausführlichen Bericht oe faßt und im Drucke erscheinen lassen. Der Zeitraum, um welchen es st handelt, ist einer der wichtigsten in der Geschichte der Stadt, denn es st während desselben eine Reihe von Reformen und grundlegenden Eimst langen angcbahnt worden, welche Hanau auf die Höhe einer moderne größeren Stadt heben. Die Mittel sind durch eine überraschend gelang« Reform des städtischen Gaswerks gewonnen worden, dessen Jahre