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Hanmer Anzeiger.
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Erscheint täglich mit Slvsnâhm« der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Samstag den 9. Mai.
Nr. 107.
Amtliches.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsawts.
Nachstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.
Hanau am ö. Mai 1891.
Der Königliche Landrath
P. 3012 v. Oertzen.
Bekanntmachung.
Am 7. d. Mts., VoMittags 8 Uhr, ist am Nadelwehr die Leiche eines unbekannten Manors aus dem Main gelandet worden. Dieselbe wird wie folgt beschrieben: 36—40 Jahre alt, mittelgroß, untersetzt, rundes Gesicht, röthlicher Schnurrbart, dunkelblonde Haare, starke Glatze, klein« dicke Nase, rundes Kinn.
Bekleidet war die Leiche mit schwarzem Ueberzieher, dunklem Jaquet, Heller Piquöweste mit schmalen bunten Streifen, grauen abgetragenen Hosen, wcißleinenem Hemd mit Umlegekragen, langer heller Halsbinde, ledernen Hosenträgern, grauwollenen Strümpfen, weißbaumwsllenen Unterhosen und Zugstiefeln.
In den Taschen wurden 3 buntleinene Taschentücher ohne Zeichen vorgefunden.
An den Fingern der Leiche befanden sich 2 unächte Ringe (1 Trauring und 1 Ring mit blau und weißem Stein).
Die Leiche war bereits stark in Verwesung übergegangen und kann schon mehrere Wochen im Wasser gelegen haben.
Die Kleidungsstücke werden zur ev. Agnoszirung der Leiche hier affervirt.
Um Anzeige wird ersucht, falls die Persönlichkeit des Gelandeten bekannt sein sollte.
Frankfurt a. M. den 29. April 1891.
Der Polizei-Präsident
v. Müffling.
Nachstehendes Ausschreiben wird hiermit veröffentlicht.
Hanan am 6. Mai 1891.
Der Königliche Landrath
P. 3031 v. Oertzen.
Am 28. April l. Js. ist im Main bei Griesheim die Leiche einer männlichen Person, welche bereits mehrere Wochen im Wasser gelegen hat und deren Identität nicht feststeht, geländet. Aeußcre Verletzungen sind nicht vorhanden.
Beschreibung: Größe 1,90 m, Haare schwarz und grau, Augen dunkelbraun, Zähne vorn defekt, Bart: ganz kurz geschorener dunkelbrauner Vollbart.
Bekleidet war dieselbe mit blau und weiß gestreiftem Kittel und weiß gestreiftem Hemd, wollenem Unterhemd, gra» und weiß gestreift, blau mit schwarz karrirtcm Halstuch, englisch ledernen Hosen, braunen wollenen Unterhosen, grau gestrickten Socken, einem Paar Halbschuhcn, einem Paar Gummihosenträgern und einer dunkelen Tuchweste. In der Hosentasche befand sich ein roth und weiß gestreiftes Taschentuch, ein Taschenmesser und ein Zwei- pfennigstück an Geld.
Wiesbaden am 30. April 1891.
Der Erste Staatsanwalt.
J. A.: Kühne.
Interessenten wird bekannt gegeben, daß alle Gesuche um Erlaubniß zur Aufstellung von Schau- und Verkaufsbuden, zum Wirthschaftsbetrieb rc. im Walde für die Dauer des Lambopfestes an die Königliche Polizei- Direktion hier zu richten sind.
Die Platzfrage dagegen wird nach wie vor von der Oberförsterei ; Neuhof geregelt.
Hanau am 5. Mai 1891.
Der Königliche Landrath
2982 v. Oertzen.
1891
Tagesschan.
Berlin, 8. Mai. Ueber den Aufenthalt Seiner Majestät des Kaisers und Königs in Bonn haben wir noch Folgendes nachzutragen: Um lOVt Uhr Vormittags traf Se. Königliche Hoheit der Großherzog von Luxemburg zum Besuche Sr. Majestät in Bonn ein. Vom Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe aus dem Hotel im Wagen abgeholt, wurde der Großherzog zu Seiner Majestät dem Kaiser geleitet, Allerhöchstwelcher, umgeben von dem ganzen Gefolge, den Großherzog auf der Freitreppe empfing. Die Begrüßung war eine überaus herzliche. Nachmittags unternahmen Sein« Majestät der Kaiser, der Großherzog und der Prinz zu Schaumburg-Lippe mit Gemahlin eine Rheinfahrt auf einem Extraschiff nach Neuwied. Bei der Rückkehr geleitete Seine Majestät der Kaiser den Großherzog nach dem Bahnhof, von wo Höchstdersklbe die Reise nach Dessau fortsetzte. Heute Morgen begab Seine Majestät Sich, begleitet von dem Prinzen und der Prinzessin zu Schaumburg Lippe, in aller Frühe zu Wagen nach Godesberg, wo die Ankunft gegen 8 Uhr erfolgte und wo Seine Majestät von dem Bürgermeister Dengler begrüßt wurde. Um 8 Uhr setzte Seine Majestät mittels Extrazuges die Reise nach Karlsruhe fort.
Berlin, 8. Mai. Der Reichstag hat heute in der Gesammt- abstimmung die Gewerbeordnungsnovelle gegen die Stimmen der Sozialisten angenommen. Es folgt die dritte Berathung der Zuckersteuervorlage. Reichskanzler v. Caprivi erklärt die bisherige Besteuerung des Zuckers für unhaltbar. Die Regierung sei geneigt, den Antrag Orterer anzunehmen. Falls dieser Antrag nicht angenommen werde, werde die Vorlage wieder- kommcn; ob mit denselben Vorschlägen, sei fraglich. Er wolle keineswegs drohen, er wünsche nur den Zuckerinteressenten klar zu machen, daß di« Regierung im nächsten Jahre über die Uebergangszeit anders denken könnte. Die Landwirthschaft solle nicht geschädigt werden. Graf v. Mirbach, Richter, Fürst v. Hatzfeldt sind gegen den Antrag Orterer. v. Kosciclski ist gegen die Aufhebung der Prämien, v. Bennigsen erklärt, die Mehrzahl seiner Freunde sei für den Antrag Orterer, welcher ein schonender Ueber- gang sei. Die Regierung würde in 6 Jahren keinen Versuch einer Aenderung machen. Reichskanzler v. Caprivi erklärt diese Voraussetzung für richtig. Der Antrag Orterer wird hierauf mit 146 gegen 143 Stimmen angenommen; dagegen stimmen die Sozialisten, die Freisinnigen, die Volkspartei, die Polen, die Reichspartei und die Hälfte der Deutschkönservativen, dafür das Zentrum, die Nationalliberalen und die andere Hälfte der Deutschkonservativen. Sodann wird der Antrag auf 18 M. Verbrauchssteuer und einen Eingangszoll von 36 M. vom 1. August 1892 ab angenommen. Die nächste Sitzung findet heute Abend 8 Uhr statt; Tagesordnung: Vertagungsantrag, Nachtragsetat, Wahlprüfungen. (Rh. K.)
Berlin, 8. Mai Im A b g e o r d n e t e n h a u s e wird die Berathung des K u l t u s e t a t s fortgesetzt. Die Forderung für den altkatholischen Bischof wird gegen die Stimmen des Zentrums und der Polen bewilligt. Das Kapitel „Provinzialschulkollegium" wird nach unerheblicher Debatte, wobei Nadbyl, Pilgrim, Kecroke, Schmelzer, Czwalina und Würmeling Wünsche hinsichtlich einer Aenderung der Sommerfellen vorbringen, genehmigt. Beim Kapitel „Universitäten" beklagt Kropatschek die knappen Mittel unserer Universitäten. Bei den höheren Lehranstalten wünscht K n ö r ck e Aufbesserung der Gehälter der Gpmasial- lehrer. Minister v. Zedlitz sagt Abhilfe zu; der Titel wird bewilligt. Schmelzer wünscht die Anwendung der neuen Orthographie in der Verwaltung, v Zedlitz sagt Berücksichtigung der Wünsche zu. Fuchs meint, der Kulturkampf verschulde eine Verminderung der sittlichen Reife in der christlichen Auffassung bei dem Lehrerstande. Z a r u b a beklagt, daß in Oberschlesien Lehrer entlassen wurden, welche den Religionsunterricht in polnischer oder mährischer Sprache ertheilten, v. Jazdzewski will den polnischen Sprachunterricht obligatorisch eingeführt wissen. Minister v. Zedlitz hebt hervor, es sei wunderbar, daß mit einemmal die Lehrerschaft eine ganz andere geworden sein solle, und fragt, ob Elternhaus und Kirche an den gegenwärtigen Zuständen nichts verschuldet hätten. In Oberschlesien werde nirgends rein deutscher Religiosunterricht ertheilt. Eine von Fürstbischof Kopp vorgenommene Revision ergab ein durchaus befriedigendes Ergebniß. Wer den Polen den kleinen Finger gebe, von dem verlangten sie die ganze Hand. K n ö r ck e und Virchow wenden sich gegen die Fuchs'schen Ausführungen. Lohren und Schmelzer treten nochmals für eine bessere