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Hanauer Anzeiger.

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Erscheint täglich mit AuSvahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 106. Freitag den 8. Mai. 1891

- Gekanntmamungen König!. Landrathsamts.

Der Besitzer der chemischen Fabrik Gustav Wolff zu Main­kur beabsichtigt in seinem Fabrikterrain, auf den Grundstücken der Karte * D. 67 bis inkl. 70 der Gemarkung Fechenheim eine räumliche Veränderung des Betriebs der Lack- und Firnißfabrikation. Die Veränderung soll darin bestehen, daß in einem nach Osten offenen Bretterschuppen auf zwei guß­eisernen eingemauerten Heerden die Schmelzung von Harzen in transportab­len gußeisernen Töpfen und Kesseln vorgenommen wird.

Die beabsichtigte Veränderung der Fabkrikanlage wird mit der Auf­forderung zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß etwaige Einwendungen gegen dieselbe, wozu die Zeichnungen und Beschreibungen in dem Büreau des Unterzeichneten zur Einsicht offen liegen, binnen 14 Tagen vom Tage der Publikation dieser Bekanntmachung an gerechnet, bei dem Unterzeichneten schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen sind.

Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf

Montag den 25. Mai er., Vormittags 10 Uhr,

in das Büreau des Unterzeichneten anberaumt.

Im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechen­den wird gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden.

Hanau am 2. Mai 1891.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses

I J.-Nr. A. 738. v. Oertze n.

Unter den Pferden der Wilhelm Clauß Wwe. zu Ravolzhausen ist die Pferdestaupe (Influenza) konstatirt worden.

Hanan am 8. Mai 1891.

, Der Königliche Landrath

v. O e r tz e n.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Vom Wasenmeister am 7. d. Mts. eingefangen: Ein grauer Pinscher m. Geschl. und ein schwarzer Hund mit gelben Abzeichen, w. Geschl.

Zugelaufen: Am 30. v. Mts. ein weiß und braun gefleckter Jagdhund m. Geschl.; Empfangnahme bei Förster Remy zu Langendiebach.

Gefunden: Ein Haarzspf.

Hanau am 8. Mai 1891.

Tagesschau.

Berlin, 6. Mai. Seine Majestät der Kaiser und König, wohn­ten, wie derReichsanz." aus Bonn meldet, heute Vormittag einer Uebung des 2. Bataillons des Infanterieregiments von Göben und des Husaren- Regiments König Wilhelm auf dem Exerzierplätze bei.

Berlin, 6. Mai. Einem Wunsche Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich entsprechend, hat Seine Majestät der König von Italien angeord­net, daß fünfzehn der hervorragendsten Bilder der Königlichen Sammlung zur Internationalen Kunstausstellung nach Berlin abgesandt werden; die , Wahl der Kunstwerke ist mit Ermächtigung des Königs von Professor Hertel getroffen worden.

Berlin, 6. Mai. Der Reichstag genehmigte den Gesetzentwurf, betreffend das Reichsschuldbuch, in dritter Lesung. Bei der Fortsetzung der Berathung der Gewerbenovelle wird zunächst §. 120 d unter Erweiterung der Bcschwerdefrist gegen die höhere Verwaltungsbehörde auf vier Wochen angenommen, desgleichen die folgenden Paragraphen unter lediglich redak­tionellen Aenderungen. Der sozialdemokratische Antrag, betreffend Streichung der Buße für den Kontraktbruch, wurde abgelehnt. Zu §. 134 b (das Strafgeldmaximum bildet der ortsübliche Tagelohn) beantragen Gutfleisch und Genossen, daß das Stratgeldmaximum generell die Hälfte des durch­schnittlichen Verdienstes der Tagesarbeit und nur in besonderen Fällen den vollen Betrag derselben bilden soll. Minister Frhr. v. Berlepsch erklärt das Einverständniß der Regierungen mit diesem Kompromißantrage, welcher die Strafbestimmungen auf ein wirksames Maß bringe; in dieser Auffassung fei die Regierung durch den westfälischen Bergarbeiterstreik bestärkt worden,

, welcher ohne Grund und ohne Einhaltung der Kündigungsfrist begonnen * habe. Für die Regierung habe nach der Ablehnung des §. 153 (Bestra- i fung des Kontraktbruches) die Erwägung vorgelegen, ob das Gesetz ohne denselben überhaupt annehmbar sei. Die Regierungen halten denselben für nothwendig. Singer bezeichnet den Kompromißantrag als eine Unter­werfung des Reichstages unter den gnädigen Herrn in Neunkirchen (Freih. von Stumm), welcher das Gesetz ohne den §. 153 als unannehmbar be­zeichne. Freih. v. Stumm: Der §. 153 bezwecke den Schutz der nicht streikenden Arbeiter gegen die streikenden. Der neue Kompromißantrag ent­halte das mindestens Nothwendige. Hirsch, Wöllmer, Bebel sprechen gegen den Kompromißantrag, Möller und Hitze dafür. Minister Frhr. v. Berlepsch weist die Behauptung Bebels zurück, daß die Bergwerksbe- fitzer bei dem neuesten westfälischen Streike die Hand im Spiele gehabt hätten; er werde stets unsauberen Praktiken zuerst entgegentreten. Auch Bebels Behauptung sei falsch, daß die sozialistischen Führer vor dem Streike gewarnt hätten. Der Kompromißantrag wird schließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Mehrzahl der Freisinnigen angenommen und der Rest des Gesetzes bis auf die Uebergangsbestimmungen (Titel 7) nach dem Ergebniß der zweiten Lesung .genehmigt. In den Uebergangsbestim- mungcn wird das Inkrafttreten des größten Theils des Gesetzes auf den 1. April 1892, der Bestimmungen für die Kinderarbeit auf den 1. April 1894 festgesetzt. Die nächste Sitzung findet am Freitag, 12 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung steht die Generaldebatte der Amisklavereikonferenz und die dritte Lesung der Zuckerstener. (Rh. K.)

Berlin, 6. Mai Im Abgeordnetenhause wird die Be­rathung des Kultusetats fortgesetzt. Johannsen beklagt die Unter­drückung der dänischen Sprache in Nordschleswig und bittet um Abhilfe. L o h r e n bittet, die Ausbildung und Hebung des Lehrerstandes insbesondere die Wahrung des religiösen Sinnes zu beachten. Kultusminister v. Zedlitz erwidert, die dänische Sprache komme in den Schulen Nordschleswigs in Anwendung. Der Minister werde die in einer Kundgebung des Kaisers bezeichneten Ziele des Unterricht energisch zum Ausdruck bringen. Die Aeußerung, daß in den großen Städten die Volksschulen die Vorschulen der Sozialdemokratie seien, müsse er zurückweisen. Im Laufe der weiteren Debatte, woran Strombeck, Graf, Arendt, Kropatscheck, Langer- Hans, W ürmel ing und L o h re n theilnahmen, welche einzelne Wünsche und Beschwerden vorbrachten, erklärte der Kultusminister, der kaiser­liche Erlaß vom 1. Mai 1889 sei thatsächlich ein Anstoß, welcher den Unterricht mit neuem Sinn erfüllte. Die freundliche Anregung des Hauses, mich zu entlasten, hat mich gefreut, aber ich kenne noch das Gebiet meines Resforts zu wenig und will mich erst fest in den Sattel setzen. Eins will ich noch hervorheben, die Verhandlungen und Beschlüsse der Schulreform­konferenz sind sehr wenig und sehr ungenau bekannt. Die Vorwürfe, daß in der Konferenz die Vertreter der humanistischen Richtung überwogen hätten und das Nichtfachpublikum ungenügend betheiligt gewesen sei, seien nicht berechtigt. Ueber das von Würmeling erwähnte Verbot in Westfahlen, wonach den Kindern untersagt sei Priester bei Krankenbesuchen und Leichen­begängnissen zu begleiten, sei er erst gestern informirt worden. Er könne aber versichern, daß er ein so rauhes Eingreifen, wie es in einem solchen Erlaß liegen würd, in die Gewohnheiten einer Bevölkerung und Konfession nicht für richtig halte. (Lebhafter Beifall des Zentrum.) Beim Kapitel Bisthümer" erklärte der Minister auf eine Anfrage Jazdzewskr's, bei den Verhandlungen im Jahre 1886 mit dem Erzbischof von Posen über den Vorsitz der Geistlichen im Kirchenvorstand, erklärte der Erzbischof sich bereit, den Kirchenvorständen die Verpflichtung aufzülegen, mit den Kirchen­patronen deutsch zu korrespondiren, auch, wenn der Patron deutsch wäre, deutsch zu verhandlen. Die Forderungen, daß in Gegenden, wo das Deutsch die Umgangssprache ist, auch im Kirchenvorslande die Sprache deutsch sein müsse, sei eine politische und habe mit der Kirche nichts zu thun. Die Polen mögen ihren prinzipiellen Widerstand aufgeben und auf die bischöflichen Organe einwirken. Er sei bereit, in neue Verhandlungen einzu­treten. Das Kapitel wird bewilligt. Beim KapitelGehalt für den alt­katholischen Bischof" stellt sich die Beschlußunfähigkeit heraus. Fortsetzung der Berathung am Freitag.

Berlin, 6. Mai. DerReichsanzeiger" theilt mit: Die Ver­handlungen zwischen den deutschen und österreichischen Kommissaren zur ge-