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Mittwoch den 6. Mai.
Nr. 105.
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Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein Huhn.
Gefunden: Eine Hemmvorrichtung. Zwei Arbeitszeugnisse für Peter Schmauch aus Hormel. Eine Quittungskarte, ausgestellt zu Nidda für den Bierbrauer Michael Bauer aus Altfalter. Ein Schirmzeichen von Ph. Heinzinger (auf der Post). Ein rother Kinderschirm mit gelbem Spitzenbesatz.
Hanau am 6. Mai 1891.
Tagesschau.
Berlin, 5. Mai. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin traf gestern Vormittag in Berlin ein, um dem Professor Begas eine Sitzung zu gewähren, und kehrte Mittags nach dem Neuen Palais zurück. Dort ertheilte Ihre Majestät um 3 Uhr der Gemahlin des spanischen Botschafters Gräfin Banuelos und Töchtern die nachgesuchte Audienz. Heute traf Ihre Majestät ebenfalls Vormittags in Berlin ein und kehrte Mittags nach dem Neuen Palais zurück.
Berlin, 5. Mai. (Fr. N.) Im Reichstage wird der Antrag Adelmann, betreffend die Abänderung des Jnvaliditäts- und Altersver- ficherungsgesetzes (Verminderung der Wartezeit für diejenigen, welche beim Inkrafttreten des Gesetzes das 40. Lebensjahr vollendet haben, behufs Erreichung des Rentengenusses) nach einer zustimmenden Erklärung von Bötticher's mit einer redaktionellen Aenderung in zweiter Lesung angenommen. Es folgt die dritte Lesung der Novelle zur Gewerbeordnung. In der Generaldebatte erkennt Lingens an, daß in dem Gesetze ein Fortschritt auf dem durch die Kaisererlaffe vorgezeichneten Wege gegeben sei. Bei der Spezialdebatle wird der § 41 a (Sonnlagsrube) nach unwesentlicher Debatte genehmigt. Beiin § 105b (Sonntagsruhe der Arbeiter und Handlungsgehilfen) erklärt der Minister von Berlepsch, die Behörden seien selbstverständlich bestrebt, je nach Lage der örtlichen Verhältnisse den Handlungsgehilfen einen freien Sonntag Nachmittag zu sichern. Der Paragraph ■ wird mit eines redaktionellen Aenderung angenommen, ebenso die Paragraphen i bis 114. Schließlich werden nach langer, aber wenig erheblicher Debatte ; die Paragraphen 115 bis 120 c mit unwesentlicher Aenderung genehmigt, i Fortsetzung der Berathung morgen.
Berlin, 5. Mai. Das Abgeordnetenhaus trat heute in die f Berathung des vom Herrenhause abgeänderten Gesetzentwurfs über die Ein- ; kommensteuer ein. Finanzminister Dr. Miquel erklärt, das Haus stehe i vor der verantwortungsvollen Entscheidung, ob es das Risiko übernehmen ! wolle, daß durch das Scheitern der wenig wichtigen Frage, ob die höheren Einkommen mit 3 oder 4 pCt. zu besteuern seien, das ganze Gesetz ge- ' fährdet werde. Eine wirklich gerechte Steuerskala sei gegenwärtig überhaupt nicht aufzustellen, weil wir nicht in der Lage seien, eine Scheidung des fundirten und nicht fundirten Einkommens vorzunehmen. Das Herrenhaus sei weit genug entgegengekommen. „Dieses Haus ist der Träger der Re- form. Ich bitte, in Kleinigkeiten nachzugeben, und schließe mit den Worten: ■ „Dixi, animam meam sa:yavi i" In der Einzelberathung des Einkommensteuergesetzes wurde 8. 17 (Steuertarif) auf Antrag Ärendt's in i der Fassung des Abgeordnetenhauses mit 231 gegen 80 Stimmen ange- ' nommen. Daranf wurde das ganze Gesetz mit großer Mehrheit angenom- ■ men. Die nächste Sitzung findet am Mittwoch statt. (Rh. K.) t
Berlin, 5. Mai. Im Seniorenkonvent des Reichstages theilt der ' Präsident mit, die Regierung sei einverstanden, daß der Reichstag abermals . bis zum November vertagt werde; vorausgesetzt sei dabei die vorherige Erledigung des Telegraphengefitzes. Da solchenfalls eine Vertagung vor Pfingsten nicht durchführbar sei, will der Präsident nochmals mit dem Staatssekretär v. Bötticher Rücksprache nehmen, damit die zweite Berathung des Telegraphengesetzes bis zum Herbst verschoben werde. Die Vertagung : würde alsdann am 13. Mai eintreten. (Fr. N.)
Berlin, 5. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg.", eine bezügliche Aeußerung der „Hamburger Nachrichten" von gestern wiedergebend, konstatirt, daß die Behauptung, bei dem Abschluß des deutsch - österreichischen Handels- i reitrageâ seien deutsche wirthschaftliche Interessen preisgegeben, um die ■ Sßtener und Pester Herren bei guter Laune zu erhalten, eine willkürliche
1891
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Erfindung des Hamburger Blattes sei, die ersichtlich keinen andern Zweck verfolge, als die öffentliche Meinung zu verwirren und zu beunruhigen.
Berlin, 5. Mai. Die deutsch-ostafrikanische Gesellschaft beschloß heute, eine aus ihren Mitteln mit einem Kapital von vier Millionen Mark zu konstituirende Eisenbahnaktiengesellschaft für den Bau der Linie Tanga- Usambara zu begründen. (Rh. K.)
Die „Köln. Ztg." schließt einen Artikel über die bereits gemeldeten Kämpfe in Fourmies wie folgt: Die Vorgänge in Fourmies sind vom menschlichen Standpunkt aus sicherlich zu bedauern, ebenso wie es die blutigen Zusammenstöße zwischen Truppen und Arbeitern in Biala und in Bochum waren, anderseits aber sind sie als abschreckendes Beispiel von großer Bedeutung und durch die praktische Bethätigung der gewaltigen Ueberlegenheit der bestehenden Staatsordnung über ihre Widersacher geeignet, größern Blutvergießen vorzubeugen. Ob im einzelnen Falle das Militär alle Vorschriften des Reglements erfüllt hat oder nicht, kommt dabei weniger in Betracht, als daß es immer und stets, also auch bei der Entscheidung, gegen überlegene Massen Sieger bleibt und sich selbst in Frankreich als eine Korporation fühlt, die den Feind annimmt, wie und wo sie ihn findet, mag er nun die Pickelhaube oder die Arbciterbluse tragen.
Der „Reichsanz." berichtet über antisozialdemokratische Arbeitervereine folgendes: Der Stadtverordnete Schmidt in Halle a. S. hat einen neuen „Arbeiter-Bildungsverein" gegründet, dessen Aufgabe es sein soll, die Arbeiter über die Irrlehren der Sozialdemokratie aufzuklären. Der in Halle a. S. schon längere Zeit bestehende „Evangelische Arbeiterverein" ; erfreut sich eines steten Wachsthums. — Im Kreise Querfurt besteht seit einiger Zeit ein Verein bezw. Ausschuß „zur Förderung des sozialen Friedens", welcher, wie der Nanic sagt, es sich zur Aufgabe macht, die einzelnen Gesellschaftsklassen durch Veranstaltung von Familiew Abenden 2C. einander näher zu bringen und durch Einwirkung auf die Presse, durch Vcrtheilung geeigneter Schriften, Flugblätter rc. der Sozialdemokratie entgegen zu wirken.
S. M. Kreuzer „Falke" ist mittelst Allerhöchster Ordre vom 24. März d. J. der Marinestation der Ostsee zugetheilt worden.
Köln, 5. Mai. Nach der Rückkehr von der Parade empfing Kaiser Wilhelm, nach den „Fr. N.", die belgischen und holländigen Offiziersabordnungen. Um 1 Uhr 40 Minuten begann die Umfahrt des Kaisers durch die reichgeschmückten Straßen zum prächtig gezierten Gürzenichsaal, wo das von der Stadt gegebene Festmahl mit 270 Gedecken stattfand. Ueberall ließ die zahllose begeisterte Menschenmenge donnernde Hochrufe erschallen. — Bei dem Festmahl der Stadt zu Ehren des Kaisers in Gürzenich dankte der Oberbürgermeister Becker in seinem Trinkspruch für die festen und thatkräftigen Bemühungen für Frieden im Innern und nach außen. Köln stand allezeit zu Kaiser und Reich und sei dankbar für die fortdauernde Förderung seines Aufblühens. Zum Schluß überreichte Becker einen goldenen Becher zur Erinnerung. Der Kaiser dankte für den herzlichen Empfang, der ihn gerührt und ergriffen habe; Köln habe zu allen Zeiten seine Treue und Begeisterung bewährt; ihm ständen nicht so begeisternde Worte, wie der Kaiser Friedrich hier gesprochen, zur Versügnng, wohl aber könne er danken und bitten, der Bürgerschaft seinen kaiserlichen Dank zu vermitteln. Der Kaiser gedachte Köln's als Hansastadt und hofft, daß bald wieder wie früher englische Schiffe vor dem kölnischen Thor erscheinen werden. Zum Schluß trank der Kaiser auf das Wohl Kölns als der kerndeutschen Stadt.
Bonn, 5. Mai. Der Kaiser traf um 7 Uhr 10 Min. bei herrlichstem Wetter hier ein und wurde am Landungsplätze von den Prinzenpaar von Schaumburg empfangen. Von einer zahlreichen Menge enthusiastisch begrüßt, begab der Kaiser sich nach der Villa Löschigt durch die Via Triumphalis, wo Schulen und Vereine Spalier bildeten. Abends fand ein Fackelzug der Studirenden und eine Serenade von 400 Sängern statt. (Fr. N.)
Essen, 5. Mai. Auf den fünf Zechen: General, Engelsburg, Hasenwinkel, Marianne und Dahlhanser Tiefbau standen gestern 1349 Mann aus. Heute b> findet sich nur noch Engelsburg im Ausstand. Die Ansstandsb.wegung kann somit als beendigt angesehen werden.
Hamburg, 5. Mai. Soeben traf Fürst Bismarck hier zur Besichtigung des seinen Namen führenden neuen Riefendampfers der Paketfahrt-