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Augteich Amtttches Kvgcm für Skcröt- unö Fcrnökveis Kcrncru.

Erscheint täglich mit MSmhme her Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 104.

Dienstag den- 5. Mai.

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1891

Amtliches.

Das Preußische Staatsschuldbuch ist in dem eben abgc- laufenen Geschäftsjahre noch lebhafter als früher in Anspruch genommen worden.

Die Zahl der eingetragenen Konten betrug am

1. April 18-9 : 6781 über 387 804 400 Mk. Kapital,

1890: 7871 451137 600 .

Sie ist zum 1. April 1891 auf 9632 über 543 013100 Mk. Kapital gestiegen.

Von den letztgedachten Konten fallen 84 % auf Kapitalien bis zu 50000 Mk. und 16 % auf größere Kapitalsanlagen

Für physische Personen waren am 31. März d. Js. 6203 Konten über 275 899 050 Mk.; für juristische Personen 1537 Konten über 158 207 850 Mk. und für Vermögensmassen ohne juristische Persönlichkeit 1849 Konten über 94 517 900 Mk. angelegt. Die Zahl der Konten für bevormundete oder in Pflegschaft stehende Personen ist im letzten Jahr um 120, von 521 auf 641 gestiegen.

Von den Zinsen ließen sich die Empfangsberechtigten halbjährlich 5261 Posten von der Staatsschulden-Tilgungskasse in Berlin durch Werth­brief oder Postanweisung direkt zusenden, 1088 Posten durch Gutschrift auf Reichsbank-Girokonto berichtigen und 5520 Posten wurden bei den, mit der Auszahlung beauftragten Königlichen Kassen abgehoben,

Von den Konteninhabern wohnen 8438 in Preußen, 1094 in anderen Staaten Deutschlands, 16 in Großbritanien, 14 in Oesterreich, 52 in verschiedenen anderen außerdeutschen Staaten, 18 in außereuropäischen Ländern.

Das Staatsschuldbuch ist allen denjenigen Besitze» n Preußischer Konsols von Nutzen, für welche diese Papiere eine dauernde Anlage bilden

und welche Kapital und Zinsen gegen den Schaden unbedingt sichern ;

wollen, der ihnen, so lange ihr Recht von dem jeweiligen Besitze der Schuldverschreibungen und Zinsscheine abhängig ist, durch Diebstahl, Ver­brennen oder sonstiges Abhandenkommen dieser Effekten nicht selten entsteht.

Augenblicklich ist das Buch allerdings nur den Besitzern vier- und drei und einhalbprozentiger Konsols zugänglich. Es ist aber dem Landtage bereits der Entwurf eines Gesetzes zur Beschlußnahme zugcgangen, Inhalts dessen die Besitzer dreiprozentiger Konsols, sobald das Gesetz erlassen sein wird, ebenfalls von dem Buche Gebrauch machen können.

Laufende Verwaltungskosten werden von dem Konteninhabern nicht erhoben; für jede Einschrift ist ein e i n m a l i g e r Betrag, nämlich 25 Pfg von jeden angefangenen 1000 Mk. des Kapitalbetrages, über welchen verfügt wird (mindestens 1 Mk.) zu zahlen.

Die von uns veröffentlichtenAmtlichen Nachrichten über das P r e u ß i s ch e S t a a t s s ch u l d b u ch", welche über Zweck und Ein­richtung Genaueres ergeben, können durch jede Buchhandlung oder direkt von dem Verleger I. Guttentag (D. Collin) Berlin und Leipzig für den Preis von 40 Pfennig oder per Post franko 45 Pfennig bezogen werden.

Berlin am 4. April 1891.

Hauptverwaltung der Staatsschulden.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein weißer Strohhut. Eine weiße wollene Kindermütze. Eine schwarze Knabenmütze mit Schild und gelber Verzierung. Eine Eisen­stütze von einem Wagen. Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein blau-seidenes Halstuch. Ein Mitgliedsbuch des Sauitätsvercin Hanau für Konrad Kreß. Eine Anzahl Bescheinigungen, Hundevisitation betr.

Verloren: Ein seidener Regenschirm. Ein Portemonnaie mit ca. 30 Pf. nebst Schlüssel und 1 Schirmzeiche».

Entlaufen: Ein weißer Spitz m. Geschl.

Hanau am 5. Mai 1891.

t Der Strike der Bergarbeiter.

Bei dem großen Bergarbeiterausstande im Frühjahr 1889 fand manche Forderung der Grubenleute im Allgemeinen die Billigung der öffentlichen Meinung. Man war der Ansicht, daß Grund zu Klagen über ungerechte

Härten in Bezug auf Berechnung der Schichtzeiten, des Gezähes, ferner in Bezug auf das sogenannte Wagennullen und dergleichen vorlag und daß sich die Unternehmer gegenüber dem Verlangen einer Beschränkung der Ar­beitszeit und höherer Löhne nachgiebiger hätten zeigen können. Ziemlich allgemein wurde es aber auch getadelt, daß die Arbeiter ohne Einhaltung der Kündigungsfrist, also unter Kontraktbrnch, die Arbeit eingestellt hatten. Auch unser Kaiser hob in seiner Ansprache vom 14. Mai 1889 das Un­recht, das die Sirbeiter hiermit begangen hatten, scharf hervor und ermahnte sie, sich an den gesetzlichen Weg zu halten und sich vor sozialdemokratischen Tendenzen zu hüten.

Ganz anders steht die öffentliche Meinung zu der gegenwärtigen Be­wegung unter den Bergleuten des Ruhrreviers. Die Uebelstände, die vor zwei Jahren zum Strike führten, sind beseitigt; bei verminderter Arbeitszeit hat sich der Wochenverdienst des einzelnen Arbeiters beträchtlich erhöht. Die neuen Forderungen weitere Herabsetzung der Schichtdauer und Erhöhung der Löhne um 2040 pCt., Arbeiterausschüsse mit sehr weitgehenden Be­fugnissen, z. B. in Bezug auf Entlassung von Arbeitern rc. sind fast allgemein in der Presse gemißbilligt worden. Ferner hat wieder der Strike mit Massenkontraktbrüchen begonnen und endlich ist ein enger Zusammen­hang mit aufsässigen internationalen Elementen deutlich zu Tage getreten.

Die westfälischen Bergarbeiter waren auf dem internationalen Kongreß in Paris vertreten. Ihre Dclegirten feierten dort die Pariser Kommune, das klassische Beispiel einerDiktatur des Proletariats" und hielten wilde Reden über die Verbrüderung der Proletarier zum Sturze der bestehenden Gesellschaftsordnung. Dieselben Delegirten, Schröder, Siegel, Dieckmann rc. stehen jetzt an der Spitze der Ausstandsbewegung. Zwar stellten sie es auf der Bochumer Versammlung vom 26. April so dar, als habe gegen­wärtig ein Strike keine Aussicht auf Erfolg und als würden sie wider ihre bessere Einsicht zum Vorgehen gedrängt; dabei aber wirkten sie durch Be-

i rufung auf die Hilfe der Belgier und durch aufregende Reden dahin, daß I trotz des ihnen bekannten Widerwillens eines großen Theils der Belegschaften der allgemeine Strike beschlossen wurde.

Ganz ähnlich verhielt sich das sozialdemokratische ZentralorganVor­wärts": es rieth vom Strike ab, aber wie? Am 26. April schrieb es: Was nutzt Euch Euer Recht, wenn Ihr die Macht nicht habt, es zur Geltung zu bringen? Die Grubenbesitzer sind gesichert gegen den Hunger, der an Eure Thüre pocht und wenn Ihr die Arbeit cinstellt, füllt Ihr ihnen durch Eure Nicht arbeit die Taschen, wie bisher durch Eure Arbeit die Kohlenpreise steigen und die Dividenden schnellen in die Höhe. Und während EureHerren" von Eurem Hunger sich mästen, habt Ihr von keiner Seite ans Hilfe zu rechnen." Die Verzweiflung treibe die Bergleute in den Kampf,komme was kommt". In einem Artikel vom 28. April heißt es:Lieber Kampf ohne Aussicht auf Sieg, als diese Bedrückung und Quälerei und Schinderei ohne Ende." Danach folgt die Mahnung:Laßt Euch durch keine Herausforderung, durch keine Maßregel, und kocht auch das Blut auf, zu irgend einer Gewaltthätigkeit, zu irgend einer Ungesetzlichkeit hinreißen ! Die Feinde lauern darauf, daß Ihr Gelegenheit bietet,das rauchlose Pulver" an Euch zu erproben und auf Euren zuckenden Leibern eine Schreckensherrschaft des Kapitalismus aufzu­richten." Und in demselben Athem wird dann noch behauptet, das Gerede von denaufhetzerischen Agitatoren" müsse hier verstummen!--

Die Zahl derjenigen, die am Montag die Arbeit niedergelegt hatten, ist nicht genau fcstgestellt. Die Angaben schwanken zwischen 9 und 15 000. Seitdem hat sich der Strike nicht weiter ausgedehnt, sondern ist zurückge­gangen. Die Arbeitgeber hatten angekündigt, daß sie alle Kontraktbrecher, die in bestimmter kurzer Frist die Arbeit nicht wieder aufnähmen, entlassen würden. Die Staatsregierung untersagte den Behörden, auf Anrufen kon­traktbrüchiger Arbeiter ihre Vermittelung eintreten zu lasten. Die Presse aller Parteien bezeichnete den Strike als unbesonnen oder frivol. So ist bis jetzt ein weiteres Umsichgreifen vermieden worden und die Hoffnung begründet, daß es nicht zu einem allgemeinen Ausstand komme. Allein wenn man die Art, wie der Theilausstand angezettelt wurde und wie die sozialdemokratischen Führer für jetzt das Pulver trocken zu halten riethen, ins Auge faßt, so kann man sich der Besorgniß nicht entschlagen, daß der wirthschaftliche Kampf bei nächster Gelegenheit auf breiterer Grundlage aus-