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Hanalier Anzeiger.

Kugkeich Arnttiches ^rgan für Skaöl- unö LanöKvers Kancru.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Die 2fpaIL 8e«*

20 Psg.

Die 3fpaltige8«ae

30 Psg.

Nr. 101.

Freitag den 1. Mai.

1891

Amtliches.

BekanntmaKungem König!. Landrathsamts.

Nachstehende Bekanntmachung wird hiermit veröffentlicht.

Hanan am 30. April 1891.

Der Königliche Landrath

P. 2898 v. Oertzen.

Bekanntmachung.

Am 17. d. Mts., Morgens 6 Uhr, ist im hiesigen Stadtwalde in der Nähe derSchillerruhe" die Leiche eines unbekannten Mannes (erhängt) aufgefunden worden.

Der Verlebte ist etwa 50 Jahre alt, 1,69 m groß, von schmaler Statur, mit bleichem, mageren, rastrten Gesicht, schwarzen graumelirten Haaren, kleinem schwarzen Schnurrbärtchen und gehörte augenscheinlich dem Arbeiterstande an.

Bekleidet war die Leiche mit dunklem Jaquet, dunklen Hosen und Weste, braun gestricktem Kamisol, lilablauer Unterjacke, weiß und blau ge­streiftem Hemd, weißen Unterhosen, wollenen Socken, gez.K. A." oder K. U.", halblangen Schaftenstiefeln mit Nägeln beschlagen, schwarzer Schirmmütze.

Bei der Leiche wurden vorgefunden: Eine leere Schnapsflasche, eine Zylinderuhr mit römischen Zahlen und Sekundenzeiger, ein rothes, gelbge­blümtes Taschentuch, ein weiß und blau karrirtes Halstuch, ein lederner Leibriemen, eine lederne Tasche, enthaltend: zwei Messer, einen Kamm und eine Brille mit Etui, ferner ein Naturstock mit gebogenem Griff und eiserner | Zwinge.

Die Leiche kann 24 Tage an dem Fundorte gehangen haben.

Die Kleidungsstücke werden zur ev. Agnition der Leiche hier aufbe­wahrt.

Um Anzeige wird ersucht, falls die Persönlichkeit der Leiche bekannt sein sollte.

Frankfurt a. M. den 23. April 1891.

Der Polizei-Präsident Freiherr von Müffling.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Briefmarke auf der Post. Eine gelbe Vorsteck­nadel. Eine Peitsche.

Zugelaufen: Ein kleiner rother langhaariger Hund m. Geschl.; Empfangnahme bei Ackermann Konrad Strauß zu Niederrodenbach.

Entlaufen: Auf dem Wege von Hanau nach Langendiebach ein brauner hellgeschäckter Jagdhund m. Geschl.

Vom Wasenmeister eingefangen: Ein gelber Spitz w. Geschl. und ein kleiner schwarzer Hund m. Geschl.

Hanau am 1. Mai 1891.

Tagesschau.

Berlin, 30. April. Heute Vormittag um 10 Uhr haben Sich Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit dem Großherzog, der Großherzogin, sowie dem Erbgroßherzog und der Erbgroßherzogin bei präch­tigem Wetter nach der Wartburg begeben. Auf der Fahrt nach dem Bahn­höfe begrüßte die zahlreich herbeigeströmte Menge die Allerhöchsten Herr­schaften auf das Lebhafteste.

Berlin, 30. April. DiePost" meldet: Der Kaiser legte dem Infanterie-Regiment Nr. 38 den NamenMoltke" bei.

Berlin, 30. April. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich, welche mit der Prinzessin Margarethe heute hier angekommen ist, um der morgi- 8 gen Eröffnungsfeier der internationalen Kunstausstellung beizuwohnen, wird morgen Abend bereits wieder nach Homburg v. d. Höhe zurückkehren.

Berlin, 30. April. (Reichstag.) Der deutsch-marokkanische Handelsvertrag wird in erster und zweiter Lesung genehmigt. Auf eine Anfrage erklärte Staatssekretär Frhr. v. Marsch all, die Hoffnung auf Erneuerung des deutsch-rumänischen Handelsvertrags sei gering, doch herrsche eine schutzzöllnerische Strömung. Die Regierung behalte diese Handelsbe­ziehungen stets im Auge. Hierauf wurde das internationale Uebereinkommen , über den Eisenbahnfrachtverkehr in zweiter Lesung, ferner wurden die Ge- I setzentwürfe, betreffend die Prüfung der Handfeuerwaffen und betr. den j Schutz von Gebrauchsmustern, in dritter Lesung unverändert angenommen.

Es folgen Petitionen. Bei den Petitionen, betreffend eine Revision des Wuchergesetzes, sprechen sich S^ier (konservativ) und Strom deck (Zentrum) für eine solche Revision aus. Da der Reichstag beschlußunfähig, wird die Sitzung aufgehoben. Die nächste Sitzung findet morgen. Nach­mittags zwei Uhr, statt. (Rh. K.)

Berlin, 30. April. Das Abgeordnetenhaus nahm den Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung an. Im Laufe der Debatte erklärte der H aud elsminister die Frage, ob die Bergwerkssteuer ganz abzuschaffen oder einer Reform zu unterwerfen sei, für eine offene. Nach Fertigstellung der Entwürfe über die Einkommen- und Gewerbesteuer werde er mit dem Finanzminister in eine erneute Erörterung treten, deren Ergebniß hoffentlich die Wünsche der Gewerbetreibenden erfüllen werde. Bei dem Justizetat erklärte der Regierungskommissar Eichholz, die Justizverwaltung wolle etatsmäßige' Stellen für Assessoren überall, wo sie nothwendig seien, schaffen. Sollte die Zahl der Gerichtsaffessoren sich nicht erheblich vermindern, sei zu erwägen, ob nicht die Gesetzgebung dahin zu ändern sei, daß die Justizverwaltung nicht mehr gezwungen sei, Jeden, der das Assessor-Examen bestanden habe, anzustellen. Der Justizminister erklärte sich damit einverstanden, eine möglichste Verjüngung des Richterstandes herbeizuführen, doch sei es mit der Unabhängigkeit der richterlichen Gewalt unvereinbar, wenn jeder Richter befürchten müßte, im 65. Lebensjahre pensionirt zu werden. Rickert gegenüber erklärt Geheimrath Lucanus, der Oberlandesgerichtspräsident in Breslau habe mit der Verfügung bezüglich der Wahl von Israeliten zu Geschworenen die Rechtsplege zu fördern be­absichtigt ; er habe aber damit einen Fehlgriff gethan, und der Justizminister habe die Verfügung nicht gebilligt. Er müsse annehmen, daß sie inzwischen ganz zurückgezogen sei. Krause regte verschiedene Reformen in der Strafrechtspflege an, Aenderungen im Strafvollzug und des Strafen- systems. Im weiteren Verlaufe der Sitzung fand eine lebhafte Ausein­andersetzung zwischen S to ecker-Munckel über den Prozeß Stoecker mit Witte und den Prozeß Baecker statt. Der Präsident beendete dieselbe, indem er die Debatte schloß. Der TitelMinistergehalt" wurde bewilligt. Das Haus begann sodann die Berathung des TitelsOberlandesgerichte" und vertagte dieselbe schließlich auf morgen. (Fr. N.)

Berlin. Für die kaiserlichen Kommissare in Ostafrika ist, der A. R.-C." zufolge, nach den eigenen Entwürfen des Kaisers eine äußerst kleidsame Uniform angefertigt worden, welche sich zwar im wesentlichen an diejenige der Schutztruppe anlehnt, aber in manchen Einzelheiten doch von derselben abweicht. Die Galauniform besteht aus einem marineblauen Waffenrock mit Umlegekragen und weißer Paspoilirung. Auf den Schulter­stücken befinden sich die goldenen Raupen der Stabsoffiziere mit dem Ab­zeichen der Oberstlieutenants, welchen militärischen Rang die Reichskommissare bekleiden. Die gelben Kröpfe tragen die Kaiserkrone. Die Hose ist gleich­falls aus marineblauem Tuch und hat eine weiße Biese. Der Säbel ist der gewöhnliche Kavalleriesäbel, jedoch mit vergoldetem Korb und goldenem Portepee. Die Paradeschärpe ist gleichfalls golden, die Sporen gelb. Als Kopfbedeckung dient der Kavalleriehelm mit heraldischem Adler bezw. eine weiße Tuchmütze mit schwarzledernem Sturmriemen. In Afrika wird der Tropenhelm aus Kork getragen und als Dienstanzug ein lederbrauner Rock und Hose ohne Paspoilirung und Biese, dazu gelblederne Gamaschen.

Berlin, 30. April. S. M. S.Nixe", Kommandant Korvetten- Kapitän Freiherr v. Maltzahn, ist am 28. April in Havanna eingetroffen und beabsichtigt am 6. Mai nach Norfolk, Vereinigte Staaten, wieder in See zu gehen.

Berlin, 30. April. (K. Z.) Die sozialdemokratische Fraktion bringt eine Interpellation ein, was die Regierung infolge der beunruhigen­den Steigerung der Getreidepreise zu thun gederke.

Zur Frage des Welfenfonds gab der Reichskanzler von Caprivi in der Mittwochsitzung des preußischen Abgeordnetenhauses eine beifällig aufgenommene Erklärung ab. Die Regierung hat sich mit der Materie eingehend beschäftigt und wird im nächsten Jahre ein Gesetz über die Ver­wendung des Welfenfonds erubringen. Von der Rückgabe an die Nachkommen des Königs Georg von Hannover, von einer blanken Vereinnahmung für Staat oder Reich, von der Bildung einer Sparkasse sür die Eiben des Königs Georg werde allerdings abzusehen sein, wohl aber solle die Ver­waltung des Welfenfonds durchsichtiger gemacht und eine größere Kontrolle ermöglicht werden.

Ueber den mitgetheilten Unfall auf Zeche Graf Bismarck wird de K. Z." von zuständiger Seite mitgetheilt, daß auf dem alten Schachte eir