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Hanauer Anzeiger.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Dienstag den 28. April.

1891

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Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Briefmarke (auf der Post).

Zugelaufen: Am 25. b§. Mts. ein großer gelber Mopshund m. Geschl.

Hanau am 28. April 1891.

Tagesschau.

Berlin, 27. April. Der Königliche Hof legt vom 26. d. Mts. für Seine Kaiserliche Hoheit den Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch den Netteren von Rußland die Trauer auf vierzehn Tage an.

Berlin, 27. April. Zur Trauerfeier Moltke's sind die Präsidien des Reichstags, des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses eingeladen. Dieselben ließen an der Bahre Loiberkränze niederlegen. Die Stadtgemeinde Berlin wird durch eine Deputation von 11 Mitglied ein mit dem Bürger­meister Duncker vertreten sein. Der Feldprobst Richter wird die Gedächt- nißredc halten und der Oberhofprediger Kögel die Leiche einsegnen. Die kommandirenden Generäle find bereits in Berlin eingetroffen. Von einer Leichenparade wird auf allerhöchsten Befehl Moltke's Wunsch gemäß abge­sehen. Im Generalstabsgebäude langen fortwährend kostbare Blumenspenden von fürstlichen Personen und Privaten ein. Vom Kolberg'schen Grenadier- regiment wird von jeder Charge ein Mann als Deputation erscheinen. Die Leiche wird unter großem Gefolge hinter dem Kaiser und dem König von Sachsen geht der Major Moltke zum Lehrter Bahnhof gebracht und bleibt bis Mittwoch früh dort in den Fürstenzimmern stehen. Dann erfolgt durch einen Extrazug die Ueberführung nach Kreisau. Heute legte der Feldmarschalllieutenant Beck namens des österreichischen Generalstabes einen prachtvollen Kranz, ebenso ein Oberst eines österreichischen Regiments einen laichn nieder. Die russische Deputation trifft abends ein. Heute stehen I Ehrenposten, je 2 Mann der Marineinfanterie, 2 Matrosen des Panzer- ' schiffesMoltke", 2 des Kolbergischen Grenadierregiments und 2 hiesiger; Regimenter. Der große Saal des Generalstabsgebäudes, wo die Leiche. Moltkes aufgebahrt ist, wurde Abends 7 Uhr für das Publikum geschlossen. Um 8 Uhr fand eine Trauerandacht statt, woran nur der engste Familien­kreis theilnahm. (Fr. N.)

Berlin, 27. April. Seine Majestät der Kaiser und König hat; befohlen, daß die Dienftgebäude der Reichs- und Staatsbehörden in Berlin

am Dienstag die Flaggen auf halbem Mast zeigen sollen.

Berlin, 27. April. Der Chef des Generalstabes der Armee, General-Lieutenant Graf v. Schlieffen widmet dem Grafen Moltke in den öffentlichen Blättern folgenden Nachruf:Gestern Abend vollendete sein Heldenlebcn der General Feldmarschall Hellmuth Graf v. Moltke. 55 Jahre hat er dem Generalstabe augehört, 31 an der Spitze desselben gestanden. Chef des Generalstabes, hat er doch seinen Platz unter den ersten Feld­herren aller Zeiten eingenommen. Damit gab er nicht nur beni General­stabe unserer, sondern aller Armeen eine Bedeutung, welche zu bewahren die schwere Aufgabe bildet, die er uns hinterlassen. Berlin, den 25. April 1891. Im Namen der Offiziere des Generalstabes Graf v. Schliessen, General-Lieutenant und Chef des Generalstabes der Armee."

Berlin, 27. April. Anton von Werner hat von demGrafen Moltke auf dem Todtenbette" eine Zeichnung gefertigt, deren Vervielfälti­gung alsbald in dem Verlage von Paul Bette erscheinen wird, wo auch desselben Meisters Zeichnungen der hochseligen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. auf dem Sterbebette seiner Zeit erschienen waren.

Berlin, 27. April. Der tiefe Eindruck, welchen die Kunde von dem Ableben des Feldmarschalls in der ganzen Welt hervorgerufen, spiegelt sich in den zahlreichsten Kundgebungen von außerhalb wider.

Berlin. Bei dem Bundesrath ist ein Antrag über den Beitritt Rumäniens zu den auf der Berner Konferenz vom Mai 1886 vereinbarten einheitlichen Vorschriften über die zollsichern Einrichtungen der Eisenbahn­wagen eingegangen; es wird ein zustimmender Beschluß beantragt.

Berlin, 27. April. S. M. KanonenbootHyäne", Kommandant Kapitän Lieutenant Plachte, hat am 25. April Bissao verlassen. S. M. FahrzeugLoreley", Kommandant Kapitän-Lieutenant Graf v. Moltke I., 'st am 25. April in Athen eingetroffen und beabsichtigt am 27. April nach Syra in See zu gehen. 1

. Berlin, 27. April. Dem Reichstage liegt das Zuckersteuer- i gesetz für die heute begonnene zweite Lesung in der Form der Regierungs- : Vorlage vor, da die Kommissionsberathung resultatlos verlaufen ist. Schatz­sekretär Frhr. v. Maltzahn führt aus, die Gründe des Bruches mit dem seitherigen System der Zuckersteuer lägen erstens in dem Bedürfnisse nach gesteigerten Einnahmen, zweitens in der Doppelnatur der Steuer, da der auf der Verbrauchsabgabe beruhende Steuertheil mit dem Konsum steige, der auf der Rübensteuer beruhende dagegen eine sinkende Tendenz zeige. Bei der hohen dieser Industrie gewährten Prämie sei ein schonender Ueber- gang nöthig; er halte hierfür vier Jahre für erforderlich. Die Regierungen hofften auf eine Vereinbarung, da sic sonst eine ungünstigere Vorlage wür­den machen müssen. Im Laufe der Debatte weist der Reichskanzler von Caprivi die Vorwürfe einer ungenügenden Wahrung der Interessen der Landwirthschaft zurück. Von dem Gegentheile könne man sich bei Vorlegung des österreichischen Handelsvertrages überzeugen. Die Vorlage komme keines­wegs überraschend, weil sie schon unter seinem Vorgänger geplant worden sei. Die Regierung sei jedoch bereit, in Verhandlungen einzutretcn. Die Vorlage wolle die weitere Entstehung von Zuckerfabriken verhindern. Eine Steigerung der Einnahmen sei für die Alters- und Invalidenversicherung, sowie für eine erhöhte Amortisation der Reichsanleihen erforderlich. Rach längerer Berathung, worin v. Bennigsen erklärt, daß die Nationallibe­ralen nur in der Voraussetzung, daß bis zur dritten Lesung ein besserer Weg aufgefunden werde, für §. 1 stimmten, werden die §§. 1 und 3 bis 63 angenommen, die Abstimmung über §. 2 wird dagegen ausgesetzt und die Fortsetzung der Berathung auf Mittwoch um 11 Uhr vertagt. An der Trauerfeier für Gras Moltke nimmt morgen in dem Generalstabsgebäude außer dem Präsidium nur eine Deputation von drei Mitgliedern Theil, die übrigen Abgeordneten erhalten Plätze an der Alsenstraße. (RH. K.)

Berlin, 27. April. Das Herrenhaus erledigte nach wenig erheblicher Debatte den Rest des Einkommensteuergesetzes fast durchgängig nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses. Die Petitionen wurden durch die Beschlußfassung für erledigt erklärt. Das Erbschafts- steuergksetz wurde nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses unverändert angenommen, ebenso nach längerer Erörterung, woran Schmieding, Struckmann, Generalsteucrdirektor Burghart, Frankenberg und Minister Miquel theilnahmen, das Gewerbesteuergesetz auf den Antrag Woyrsch's en bloc. Nächste Sitzung am Mittwoch: Wegeordnung für die Provinz Sachsen und Landgemeindeordnung. Das Abge­ordnetenhaus erledigte ohne Debatte in dritter Lesung die Gesetzent­würfe betreffend Grenzveränderung in einigen Kreisen der Provinzen Ost­preußen, Brandenburg, Sachsen, Hannover und Rheinland, betreffend die evangelische Kirchenverfassung in den acht älteren Provinzen der Monarchie und betreffend die Form von schriftlichen Willenserklärungen der Presbyterien der evangelischen Gemeinden Westfalens und des Rheinlands. Die Renten­gütervorlage wurde nach wenig erheblicher Debatte, woran Below-Sale s ke Sattler, Brandenburg und Gerlich theilnahmen, einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Die Berathung des zweiundvierzigsten Berichts der Staatsschuldenkommission wurde durch Kenntnißnahme für erledigt erklärt. Der Antrag S ch n ltz-Lu p i tz, betreffend die Errichtung einer Versuchsanstalt für Pflanzenschutz, wurde in der Kommissionsfassung angenommen, der Antrag Schultz-Lupitz, betreffend die Verlegung des Bußtages, vom Antragsteller zurückgezogen, dagegen der Antrag Seer auf Festsetzung eines einheitlichen Bußtages für ganz Deutschland, ange­nommen, nachdem der Kultusminister erklärt hatte, die Regierung stehe beiden Anträgen sympathisch gegenüber. Die nächste Sitzung findet am Mittwoch statt. sFr. R.)

Berlin, 26. April. Der Zentralverband deutscher Bergleute ist in ; den letzten Tagen unablässig bemüht gewesen, den Bergleuten vom Ausstand abzurathen; er hat erklären lassen, der Ausstand müsse unbedingt verloren gehen, die Organisation sei schwach, die Konjunktur für die Bergleute un­günstig, Unterstützungsgelder seien nicht zu beschaffen und die Sympathieen des Publikums, auf die sehr viel zu geben wäre, nicht auf Seiten der Bergleute. Die Abmahnungen, verbunden mit den indirekten Versuchen der offiziellen sozialdemokratischen Führer, haben', wie bekannt, wenig genützt; die ausständischen Bergleute aber werden bald gezwungen sein, die Arbeit ' wieder aufzunehmen. (K. Z.)