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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Montag den 27. April.

1891

Amtliches.

In der Königlichen Turnlehrer-Bildungsanstalt zu Berlin wird zu Anfang Oktober d. I. wiederum ein sechsmonarlicher Kursus zur Ausbildung von Turnlehrern eröffnet werden.

Nach den Bestimmungen des Herrn Ministers der geistlichen :c. An- gelegenheittn vom s. Juni 1884, wovon einem jeden Bewerber ein Exem­plar von hier aus eingehäudigt werden wird, ist Bedingung für den Ein­tritt, daß der Aufzunehmende bereits Lehrer einer öffentlichen Unterrichts­anstalt, oder daß er Kandidat des höheren Schulamts ist. Hinsichtlich der Volksschullehrer wird Werth darauf gelegt, daß sie die zweite Lehrerprüfung bereits bestanden haben, und daß sie nach ihrer Stellung geeignet erscheinen, neben Erlangung einer größeren Befähigung zur Ertheilung des Turnunter­richts an ihrer Schule zugleich für die Ausbreitung dieses Unterrichts in weiteren Kreisen des Schulwesens thätig zu sein.

Anmeldungen sind bis spätestens 1. Juni d. J. unmittelbar bei uns einzureichen. Denselben ist beizufügen:

1) Lebenslauf,

. 2) Prüfungszeugniß (bei Volksschullehrern über die 1ste und 2te Prü­fung), bezw. Zeugniß über das abgelegte Probejahr,

3) ärztliches Zeugniß darüber, daß der Körperzustand und die Gesundheit des Bewerbers die mit großer Anstrengung verbundene Ausbildung zum Turnlehrer gestatten,

4) Zeugniß eines staatlich geprüften Turnlehrers, durch welches bekundet wird, daß der Bewerber die für den Eintritt in die Anstalt erforder­liche, von demselben bei der Aufnahmeprüfung nachzuweisende turne­rische Fertigkeit (Armbeugen und Armstrecken im Haug und im Stütz, Hangeln, Felgaufschwung, Wende, Kehre, ein mäßig hoher Sprung in f, nO bereits besitzt.

Cassel aut 16. April 1891.

Königliche Regierung, Abiheilung für Kirchen- und Schulsachen.

v.

zu

Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchster Ordre vom 31sten Mts. dem Vereine vom rothen Kreuz zu Wiesbaden die Genehmigung ertheilen geruht, im Interesse der Erbauung eines Schwesternhauses und

eines Sanatoriums daselbst eine Geldlotterie zu veranstalten und die Loose in der Provinz Hessen-Nassau und der Rheinprovin; zu vertreiben. Zu dieser Lotterie dürfen 120 000 Loose zu je 3 Mark ausgegeben werden, während die Gesammtsumme der auszuspielenden Gewinne mindestens 125 000 Mark betragen muß.

Cassel am 16. April 1891.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: v. Pawel.

Dienstag den 5. Mai d. I., von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 80 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten (meistens bedeckt), Fohlen und 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten, meist- bietend^gegeu Baarzahlung verkauft werden

Sämmtliche 4jährigen uns älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zum Verkauf kommenden gerittenen Pferde werden am 4. Maß von 7 bis 10 Uhr Vormittags, unter dem Reiter, sowie sämmtliche am 3. und 4. Maß von 4 bis 6 Uhr Nachmittags, auf Wunsch an der Hand gezeigt.

Listen über die zur Auktion gelangenben Pferde werden am 22. April jum Versandt :c. fertig gestellt sein und auf Ansuchen zugcschickt werden.

Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhof Trakehnen wird am 3., 4. und 5. Mai gesorgt sein.

Trakehnen am 5. März 1891.

Der Laudstallmeister v. Frankenberg.

nossen, das ganze preußische und deutsche Vaterland trauern au der Bahre ' des großen Schlachtendenkers, der Preußens und Deutschlands Heere von ; Sieg zu Sieg geführt und ihre Fahnen mit unverweltlichem Lorbeer um- - wunden hat. Mit ihm wird einer der größten Helden aller Zeiten, ins- ; besondere dieses Jahrhunderts und der Zeit der nationalen Wiedergeburt : Deutschlands, zu Grabe getragen. Nach dem Hinscheiden des Hochseligen i Kaisers Wilhelm Majestät und des Hochseligen Kaisers Friedrich Majestät ragte Graf Moltke als ein lebendiges Denkmal der großen Zeit des natio- I len Aufschwungs in die Gegenwart hinein: nur Verehrung, Dankbarkeit ; und Liebe empfanden alle Glieder der Nation, Hoch und Niedrig, Alt und i Jung, für diesen Paladin des großen Kaisers, und seibst diejenigen Natio- ! nen, die er im blutigen Kampfe besiegte, konnten ihm die schuldige Ehr- ; furcht und Bewunderung nicht vorenthalten. Ungetrübt wird sein Bild in der Geschichte wie in dem Herzen des deutschen Volks bis in die fernsten Zeiten strahlen, und so lange es ein preußisches und ein deutsches Heer gibt, wird das Andenken an diesen größten seiner Heerführer nicht ver­löschen.

Graf Moltke ist wie sein großer Kaiser, dessen Heerführer er war, im 91. Lebensjahre verschieden. Bei der Vollendung seines 90. Lebens­jahres, am 26. Oktober vorigen Jahres, war es ihm vergönnt, in körper­licher Rüstigkeit und geistiger Frische die vielen Beweise der Verehrung, Dankbarkeit und Liebe entgegenzunehmen, welche unseres Kaisers Majestät, das Heer und das Volk dem großen unb dabei doch schlichten und beschei­denen Manne darzubringen sich gedrungen fühlten. An diesem Tage hat auch die weltgeschichtliche Bedeutung des Grafen Moltke allenthalben in eingehenden Betrachtungen volle Würdigung erfahren. Auch derReichs- unb Staats-Anzeiger" hat in einem kurzen Lebensabriß auf die unsterb­lichen und unvergänglichen Verdienste des nunmehr Heimgegangenen hinge­wiesen. Aber den würdigsten Ausdruck fanden die Gefühle des Heeres und des Volkes für den Grafen Moltke in der Ansprache, welche Seine Maje­stät der Kaiser und König, umgeben von hohen und erlauchten Fürsten, von Führern dès Heeres und von den Fahnen und Standarten der Garde, in dem großen Saal des Generalstabs-Gebäudes an den Gefeierten richtete:

Ich danke Ihnen für Alles, was Sie für Mein Haus und damit zur Förderung der Größe unseres Vaterlandes gethan. Wir begrüßen in Ihnen nicht nur den preußischen Führer, der unserer Armee den Ruhm der Unüberwindlichkeit geschaffen hat, sondern den Mitbegründer und Mitschmie- der unseres Deutschen Reichs."

Und zum Schluß gab Seine Majestät dem Gefühl der Dankbarkeit dafür Ausdruck, daß der Feldmarschallin seiner Größe es verstanden habe, nicht allein dazustehen, sondern eine Schule zu bilden für die Führer des Heeres in Zukunft und alle Ewigkeit, die in seinem Geiste erzogen, die Größe, Stärke und Kraft unseres Heeres ausmachen werden."

An der Bahre des großen Todten erneuert sich dieser Dank, welchen mit dem Königlichen Herrn das ganze deutsche Vaterland ihm nachruft: der Ruhm der Unüberwindlichkeit, welchen das preußische und deutsche Heer erworben, war sein Werk, ihm danken wir es zu einem sehr wesenlichen Theile, daß die Nation zu einem starken Reiche geeinigt ist, ihm danken wir die Ausbildung unserer Heerführer, von welchen das Vaterland erhofft, daß sie den blanken Schild preußischen Ruhmes ungetrübt der Nachwelt

überliefern werden. Gegenüber den Verdiensten des dahingeschiedenen

den müssen aber alle Dantesäußerungen nur blaß Volk werden dermaleinst durch die That zu beweisen großen Mannes würdig gewesen sind.

Die Fahnen des preußischen Heeres senken sich großen Feldherrn; Gewehrsalven werden ihm alsbald

erscheinen: Heer- haben, daß sie

vor der Bahre

Hel- und des

des

den letzten Scheide-

Generalfeldmarschall Graf v. Moltke f.

(A. d. Staatsanz.)

Berlin, 25. April. Deutschlands großer Heerführer, der General- Feldmarschall Graf von Moltke ist aus dieser Zeitlichkeit abberufeu worden : ; «n Herzschlag bereitete gestern in der zehnten Abendstunde dem thatenreichen s And ruhmvollen Leben des großen Mannes ein jähes Ende. t

Seine Majestät'der Kaiser und König, Seine erhabenen Buudesge- i

gruß zurufen: dann wird der im Kriege wie im Frieden nimmer müde Geist zur ewigen Ruhe einziehen, der Geist eines echten Preußen, eines treuen Dieners seiner Kaiser und Könige, und eines wahren, demüthigen Christen! Er ruhe in Frieden!

Ueber die letzten Stunden des General - Feldmarschalls Grafen von Moltke erfahren wir folgende Einzelheiten:

Graf Moltke entschlief gestern Abend um 93/4 Uhr in seiner Woh­nung im hiesigen Generalstabsgebäude sanft ohuè jeden Todeskampf. In altgewohnter Pflichttreue und mit der besonnten geistigen Frische hatte der