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* Nr. 95,

Freitag den 24. Aprils

1891

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' Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Am 18. ds. Mts. auf der Straße von Hanau bis Rückingen eine Laterne; Empfangnahme beim Ortsvorstand zu Rückingen.

Hanau am 24. April 1891.

L K g e s s ch a r».

Berlin, 23. April. Se. Majestät der Kaiser und König haben haben AUergnädigst geruht den bisherigen Gouverneur von Kamerun Frei­herrn v. Soden zum Gouverneur von Deutsch Ost-Afrika, zu bestellen und den mit der Wahrnehmung der Gouvernementsgeschäfie in Kamerun betrau­ten bisherigen Kommissar für das Togogebiet Zimmerer zum Gouverneur von Kamerun zu ernennen; sowie den zur Dienstleistung bei dem Aus­wärtigen Amt kommandirten bisherigen Reichskommissar für Ost-Afrika, Major v. Wißmann, â la suite der Armee, und den Afrikaforscher Dr. Peters als Kommissare zur Verfügung des Gouverneurs von Deutsch-Ost- Afrika zu bestellen.

Berlin, 23. April. Se. Majestät der Kaiser und König ertheil­ten gestern nach der Rückkehr von dem Gottesdienst in der Dreifaltigkeits­kirche dem Fürsten Pleß die erbetene Audienz und arbeiteten bis gegen 1 Mbr allein. Um 21/» Uhr empfingen Seine Majestät den Präsidenten des Evangelischen Oberkirchernaths Barkhausen und um 6l/s Uhr den Staats-

MMekretär des Auswärtigen Amts Freiherrn v. Marschall zum Vortrage.

M Berlin, 23. April. Im Reichstage wird die Beraihung der MGewerbe Novelle beim § 153 (Bestrafung der Aufforderung zum

Kontraktbruche) fortgesetzt. Möller ist namens eines großen Theiles der Nationalliberalen dafür, Stötzel und Förster sind dagegen. Hammacher: Die Arbeiter müßten Gehorsam vor dem Gesetze lernen. Trotz Lohnerhöhung und äußerst!n Zugeständnissen seien neue Streiks entstanden. Besonders erfreu­lich sei der Protest eines ansehnlichen Theiles der Bergarbeiter gegen das Ver­halten der Bergarbeiterdelegirten in Paris und die Kranzniederlegung auf den Kommunistengräbern. Stadthagen sucht den Streik der Bergarbeiter zu rechtfertigen. Eine Art Nöthigung zu Ueberftunben sei lediglich Erpressung. Der hamburgische Bevollmächtigte Burchard erklärt, man beabsichtige nicht, ! den gewerkschaftlichen Vereinigungen das Koalitionsrecht zu verkürzen, man sehr wenig Freude; trotz aller Anstrengungen will es nicht gelingen, eine wolle sie nur von der sozialdemokratischen Agitation befreien. Letztere Einigkeit in der Bewegung zu erzielen; dieDickköpfe", als deren Führer erzeuge Rechtsverwirrurg und Streikbewegung wie im Vorjahre. Stumm man wohl den Regierungsbanmeister Keßler ansehen kann, wollen sich nicht ist für den Paragraph, weil er einer unerhörten Tyrannei der Sozial­demokraten entgegenzuarbeiten geeignet sei. Die Debatte wird geschlossen.

Der Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt. Der erste Absatz der Regierungsvorlage wird in namentlicher Abstimmung mit 142 gegen 78 Stimmen (der Konservativen und Naüonalliberalen außer Siegle, Büsing, Hoffmann und Hastedt) verworfen und dann auch der zweite Theil abge- lehnt. - Der Rest des Gesetzes wird im wesentlichen nach den Kommissions- Vorschläge» mit einigen Abänderungen nach den Vorschlägen Gutfleisch's angenommen. Unter den letzteren befindet sich die Festsetzung des Inkraft­tretens des ganzen Gesetzes am 1. Januar 1892 und eines Theiles bereits am 1. Oktober 1891. Die Angegangenen 11,500 Petitionen werden durch die gefaßten Beschlüsse für erledigt erklärt. Damit ist die zweite Lesung beendet. Nächste Sitzung am Freitag: kleinere Vorlagen und Schutz der Gebrauchsmuster. (Fr. N.)

Berlin, 23. April. Das Herrenhaus beschäftigte sich heute mit Erledigung kleinerer Vorlagen und Petitionen.

Berlin, 23. April. Das Abgeordnetenhaus nahm in seiner heutigen Sitzung die M. 109 bis 137 der Landgemeindeordvuvg fast durchgehends nach den Beschlüssen der zweiten Lesung, theilweise mit einigen unerheblichen Abänderungen, an. Zu §. 109 wird ein Antrag Hue ne s angenommen, wonach der Gemeindeversammlung jeder großjährige männliche GemeinLeangehörige als Zuhörer beiwohnen kann. Der Rest der Landge- meindeortmung wird dann mit einigen unwesentlichen Aenderungen genehmigt und die Schlußabstimmung auf morgen festgesetzt. Minister Herrfurth ' erflârt : Er werde, trotzdem in dritter Lesung verschiedene Bestimviungen in bie Vorlage gekommen seien, die er nicht als Verbesserungen anerkennen könne, als Abgeordneter f ü r die Vorlage stimmen und als Minister die ; 'Vortage, falls sie mit großer Mehrheit angenommen werde, im anderen i Hause vertreten und für unveränderte Annahme derselben eintreten. Die

SA

Wiederholung der zweiten Abstimmung über den Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Wahlverfahrens, wird auf Antrag der Geschâftsord- nungskommission auf heute über 21 Tage festgesetzt. Auf der Ta^esord- nung für morgen sieben kleinere Vorlagen und die Schlußabstimmung über die Sanbgemeinbeoibnnng. (Rh. K.)

Berlin, 21. April. DieKreuzzeitung" schreibt:Der Uebergang des Postens eines Unterstaatssekretärs von Dr. Barkhausen auf Dr. v. Weyrauch kann als die vollste Kontinuität in der Handhabung dieses Amtes angesehen werden. Beide Herren haben die hessische Kirchenverfassung zu­stande gebracht, und es wird unter diesen Umständen ein gutes Einvernehmen zwischen dem Evangelischen Oberkir chenrath und dem Kultusministerium zu erwarten sein. In der vorjährigen Eintheilung der Abtheilungen des

Kultusministerium wird wahrscheinlich keine Aenderung eintreten, da dem Vernehmen nach Herr v. Weyrauch diejenige der evangelischen geistlichen Angelegenheiten ebenfalls in seiner Hand behalten wird."

Berlin, 23. April. S M. KanonenbootIltis", Kommandant Kapitän Ascher, ist am 20. April in Hankau (China) eingetroffen. Das Kreuzer-Geschwader, bestehend aus S. M. SchiffenLeipzig" (Flaggschiff),

Sophie" undAlexandrine", Geschwader-Chef Kontre - Admiral Valois,

beabsichtigt am 3. Mai von Yokohama nach San Franzisko in See zu gehen. S. M. FahrzeugLoreley", Kommandant Kapilän - Lieutenant Graf von Moltke !., ist am 20. April von Konstantinopel nach Salonicht

in See gegangen.

Berlin, 23. April. Die diesjährige Maifeier soll bekanntlich der

Sozidemokratie eine große Ausstar-dskasse schaffen, indem die Arbeiter, welche am 1, Mai arbeiten,/a oder/i ihres Tagelohns an die General- Strikekommissiou in Hamburg abführen. Diese hat zu solchem Zweck Marken anteiligen lassen, aber die in der letzten Zeit in der Sozialdemo­kratie hervorgetretene Erscheinung, welche den Abg. Bebel zu einem Schmer­zensschrei veranlaßte, zeigt sich auch hier wieder; dieGenossen" verhalten sich auch gegen diese Sammlung sehr ablehnend und nach den so schön aus­geführten Marken der General - Strikekommission ist nur wenig Begehr. Natürlich sind die Herren darüber sehr aufgebracht und erlassen einen Auf­munterungsruf. Auch sonst haben die Leiter der Gewerkschaftsbewegung

unterwerfen und die Zentralisation als das einzige Mittel, um die Be- wegung auf den Damm zu bringen, anerkennen. In kürzester Zeit soll i ein allgemeiner Gewerkschafts Kongreß einberufen werden; die General- ; Strikekommission hat einen Organisationsentwurf für die Zentralisation in ! Arbeit und derselbe wird zweifellos auf dem Kongreß der heißeste Streit- ; punkt werden. Allem Anschein nach wird die General-Strikekommission und ihr Anhang siegen; ob damit eine endgültige Einigung in der Gewerkschafts-

bewegung erzielt sein wird, möchten wir stark bezweifeln. (K. Z.) Zur Allsftandsbewegimg berichtet dieK. Z." wie folgt:

Essen, 23. April. Auf den zehn im Ausstande befindlichen Zechen des Oberbergamlsbezirks Dortmund fuhren in heutiger Morgenschicht von

insgesammt 4970 Mann unter Tage 1288 Mann an, von 1931 über Tage 1634 Mann. Es befinden sich somit von der Morgenschicht 3979

Mann im Ausstande. Die Gerüchte von einem Ausstande auf Baaker

Mulde und Rhein-Eibe bestätigen sich nicht. Die Reviere Dortmund, Gel­senkirchen, Essen scheinen sich an demKartoffelstreik" nicht betheiligen zu wollen. Schröder, Bunte und Siegel wühlen im Streikbezirk, besonders in Wattenscheid. Umfangreich w-rd der Ausstai d nicht vor Montag, da heute, Freitag und Samstag erst die Lohnauszahlnngen für März erfolgen. Der Bergbauoerein hat beschlossen, den Zechen zu empfehlen, den Aus- siândischen eine angemessene kurze Frist zur Aufnahme der Arbeit zu stellen, widrigenfalls sie die Zugehörigkeit zur Belegschaft ihrerseits verwirken. Ruhestörungen sind nicht zu befürchten.

Bochum, 23. April. Im hiesigen Grubenbezirk ist die Belegschaft der ZecheKarolinenglück" (450 Arbeiter) neu arisständisch; sonst ist der Stand der Dinge unverändert. (Die Gesammtzahl der feiernden Berg­arbeiter ist auf einige Tausend zu berechnen gegenüber einer Belegschaft von insgesammt 127,000 im Ruhrkohllnbezirk.)

Gelsenkirchen, 23. April. Seit heute Früh ist auch die Be-