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Hanauer Anzeiger.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 94.

Donnerstag den 23. April.

1891

Amtliches.

In letzter Zeit sind dem Königlichen Generalkommando zahlreiche Gesuche um Beurlaubung von Mannschaften zur Disposition der Truppen- rheile direkt zugegangen. Solche Gesuche können indeß nicht berücksichtigt, müssen vielmehr den Bittstellern zurück gegeben werden.

Wie u. A. in der Nr. 283 des Hanauer Anzeigers vom Jahre 1885 wiederholt darauf hingewiesen, können derartige Anträge nur dann Berück­sichtigung finden, wenn dieselben rechtzeitig bei dem Landrathsamte einge­reicht werden.

Die Herren Ortsvorstände wollen die Betreffenden darauf aufmerksam machen.

Hanau am 20. April 1891.

Der Königliche Landrath

M. 2126 v. Oertzen.

Unter der Schafheerde des Gastwirths Konrad SHweinsberger in Langenselbold ist die Räude ausgebrochen.

Hanau am 21. April 1891.

Der Königliche Landrath

V. 2691___________________v. Oertzen.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Pferdedecke, M. Herkert gez. Ein Regenschirm nebst Spazierstock (auf der Post stehen geblieben). Ein goldener Kinder­ohrring. Ein Kontobüchelchen. Ein Zwicker.

Zugelaufen: Ein mittelgroßer weiß und schwarzer Hund, m. Geschl.

Hanau am 23. April 1891.

Lagesschau.

Des gestrigen Buß- und Bettags in den älteren Provinzen halber sind heute die Berliner und Kölner Blätter ausgeblieben.

Berlin, 21. April. Die Staatsregierung beabsichtigt nach den Berl. Pol. N." nunmehr einer planmäßigen Lösung der Frage der Her­stellung billiger Wohnungen, soweit Berlin in Betracht kommt, nahe zu treten. Zunächst handelt es sich indessen erst darum, die Grundlinien des Vorgehens festzustellen, bevor zu der weiteren Durchbildung des Planes und demnächst zu der Ausführung übergegangen werden kann.

Berlin, 21. April. Nach einem von Herrn v. Wißmann aus ' Bagamoyo eingelaufenen Telegramme wird derselbe Ende Mai zu kurzem Aufenthalte in Deutschland eintreffen. (Rh. K.)

Berlin, 21. April. Die Beschickung der Weltausstellung in Chicago von Reichswegen ist, derAllg. Ztg." zufolge, endgiltig beschlossen worden.

Berlin, 21. April. DieFr. N." schreiben: Die Reichsregierung plant, wie schon gemeldet, eine Erweiterung der telegraphischen Verbindung der Insel Helgoland mit dem Festlande, welche bisher durch ein unter­seeisches Kabel, das über die Insel Neuwerk nach Cuxhaven führt, herge­stellt war. Der Leitungsdraht dieses Kabels ist von der Reichs-Telegraphen­verwaltung vor zwei Jahren von der Hamburg-Helgoländer Telegraphen- Gesellschaft gekauft worden. Nach Einverleibung Helgolands in das deutsche Reich wird diese Verbindung der Insel mit dem Festland weder } « ausreichend, noch als gesichert erachtet. Eisgang oder sonstige elementare i Störungen haben die Insel wiederholt, zuletzt noch im vorigen Sommer, i von jeder telegraphischen Verbindung mit dem Festlande abgeschnitten. | Kabelunterbrechungen im Winter waren wiederholt auf Monate hinaus j vicht auszubessern. Rücksichten des Verkehrs wie des Interesses der ollge- weinen Landesvertheidigung haben die Nothwendigkeit einer Verbesserung* unabweisbar erscheinen lassen. Es soll daher ein zweites einadriges Kabel; vach Helgoland gelegt werden, und zwar in einer Richtung, die für die Anlage des Kabels in Bezug auf Meeresgrund, Meeresbewegung :c. ' günstiger ist als die frühere und zugleich einen praktischen Anschluß an ein hervorragendes Marine-Etablissemint des Reiches und an die Telegraphen- linien des Festlandes gestattet. Man hat aus diesen Rücksichten eine Ver­bindung von Wangeroog nach Helgoland geplant. *

Der Gesammtverband der evangelichen Arbeitervereine Deutsch- ! lands wird am 27. Mai in Berlin tagen, und zwar in Verbindung mit I dem am 28. und 29. Mai ebendaselbst tagenden evangelischen sozialen Kon- i greß.

Wattenscheid, 22. April. Die Belegschaften vonFröhliche Morgensonne" undZentrum" waren einig in der Durchsetzung der be­kannten Forderungen; die Belegschaften vonHolland" undHannover" faßten keinen Beschluß über den Streik; die Delegirten wollen es den Bergleuten überlassen, wie die ausständigen Kameraden zu unterstützen seien. Die Stimmung ist gereizt. Am Sonntag ist in Bochum eine Ver­sammlung der Vertreter aller deutschen Bergleute, die entscheidend sein soll. Die Versammlungen im Revier verlaufen ruhig. (Fr. N.)

Ruhrort. Am Hafenmunde wird sich demnächst ein stattliches Kaiser Wilhelm-Denkmal erheben, auf dem auch Fürst Bismarck eine her­vorragende Stelle einehmen soll. Die Kosten, welche sich auf etwa 100 000 Mk. belaufen, sind durch freiwillige Beiträge beinahe gedeckt. Augenblicklich erhebt sich auf der für das Standbild erwählten Stelle ein mit der deut­schen Flagge gekrönte Holzppramide, welche außer der Lage auch die Sockel­höhe des Denkmals veranschaulicht. Ein Preisausschreiben erfolgt in aller­nächster Zeit.

Zoppot, 22. April. (Fr. Ztg.) Der Oberpräsident von West­preußen, Herr v. Leipziger, ist heute Nachmittag gestorben.

Aus dem Elsaß, 21. April. Vom Wasgau kommt die Kunde, daß man in einem Orte einer groß angelegten Weinschmiererei auf die Spur gekommen ist. Das Rentamt hat gegen drei Weinversertiger Strafen von 14 000, 2000 und 1000 M. wegen Hinterziehung der Zuckersteuer ausgesprochen, da die Herren nach demPf. K." übersehen hatten, den zur Weinbereitur g seit Jahren verwendeten Zucker zur Versteuerung anzumelden. Da die Betreffenden offiziell nurNaturwein" verkauften, so werden sie sich auch noch wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz zu verant­worten haben.

Leipzig, 21. April. In der Nacht von Sonntag auf Montag erschlug der Kleingrundbesitzer Damm in Albrechtshain bei Leipzig seine zwei Kinder, verwundete die zwei anderen und seine Frau lebensgefährlich. Der Mörder hatte vorher in einem Gasthof Skat gespielt und zwei GlaS Bier getrunken. Die Mordthat ward gestern Mittag entdeckt. Die Ver­wundeten sind nach dem Leipziger Krankenhaus übergeführt. Der Mörder ist erhängt aufgefunden worden. (Rh. K.)

Hildburghausen. Der Braud in Römhild zerstörte 72 Gebäude oder nahezu ein Drittel der Stadt. 80 Familien sind obdachles geworden; eine Frau ist verbrannt. Ein Hilfskomitee hat sich bereits gebildet.

Stehr, 22. April. Die Meldung, daß der Besuch der hiesigen Waffenfabrik durch russische Offiziere mit dem Abschlusse eines Waffenliefe­rungsvertrags mit Rußland Zusammenhänge, wird unterrichteterseits für grundlos erklärt. Der Besuch galt lediglich der Besichtigung der Waffen­fabrik, von einem Vertragsabschluß ist keine Rede. (Fr. Z.)

Lüttich. Die Einfuhr französischer Weine hat seit einem Monat hier einen vorher nie gekannten Umfang erreicht, sodaß die zahlreichen Spediteure der Stadt kaum im Stande sind, die Zustellung der Sendungen an die Empfänger zu bewältigen. Gleiches wird aus andern Städten der Provinz, besonders auch aus Spa gemeldet. Man führt diese riesige Wein­einfuhr auf die geplante neue Zollgesetzgebung zurück.

Paris, 22. April. Der von der Regierung eingebrachte Gesetzent­wurf betreffend die Förderung der Seidenzucht wurde, nach denFr. N.", von der Kommision der Kammer dahin abgeändert, daß den Züchtern größere Prämien zugesichert werden sollen. Die dadurch entstehenden Kosten dürften im ersten Jahre sich auf vier Millionen belaufen. In der nächsten Sitzung der Kammer wird der Bericbt über die Arbeiterschutzverhältnisse in Italien zur Vertheilung gl langen. Das Znchipolizeigericht verurtheilte den Herausgeber desNational" wegen Verleumdung des Er,dir Eommer- cial et Industrie! 311 100 000 Frs. Schadenersatz nebst Zinsen, vier Mo- naten Gefängniß 2000 Frs. Geldstrafe, fünfundzwanzig JnMiozren in Pariser und fünfzig in Provinzialblättern.

Washington, 22. Apr il. Die FinanzkomMission des Senats setzte eine fünfglieorige Subkommission ein behufs Prüfung der Wirkung der Mac Kinley-Bill. Diese Kommission wird, nach derFr. Z.", zunächst