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Nr. 89.

Freitag den 17. April.

1891

Amtliches.

KeLanritmaLMngeN König!. LandraLhsSMts.

Auf Nachsuchen des Oekonomen Konrad Schadt dahier ist der am 17. Februar 1890 dahier geborenen Johanna Georgine Kurz gestattet worden, fortan den Familiennamen Schadt zu führen.

Hanau am 15. April 1891.

Der Königliche Landrath

V. 2471 v. Oertzen.

Tagesschau.

Berlin, 16. April. Se. Majestät der Kaiser und König begaben Sich heute Vormittag nach Potsdam zu den Kompagnie-Besichtigungen des 1. < Garde-Regiments z. F. und frühstückten daselbst mit dem Offizierkorps des 1. Garde-Regiments in dessen Kasino.

I' Berlin, 16. April. Im Reichstage wird die Berathung der ^Gewerbeordnungsnovelle fortgesetzt. Stolle hebt bei § 135 hervor, eine 0 Industrie, welche der Kinderarbeit bedürfe, sei werth zu Grunde zu gehen.

!ach längerer Debatte, woran Hirsch, Grillenberger und Bebel ff r die Auer'schen Anträge, Möller und die Bundeskommissare dagegen - Preten, werden die Abänderungsanti äge verworfen und die Kommissions- P jung unverändert genehmigt. § 136 bestimmt den Beginn der Arbeitszeit P zendlicher Personen nicht vor 5^2, das Ende nicht nach S1^ Uhr, sowie 58 e Dauer der Pausen. Auer beantragt, zwischen 6 Uhr morgens und »2. Uhr abends die Arbeit zu legen. Uhlendorf wünscht für den Ziegelei- i )«L,Uieb die Gestattung eines früheren Anfangs, was Wurm bekämpft. MI r t m a n n empfiehlt, die Ausnahmen dem Bundesrathe zu überlassen. ^Ächdkm der Bundeskommissar Löhmann sich gegen den Sozialisten- >erMrag erklärt hat, wird der Paragraph unverändert angenommen. Auer r2 nd Genossen beantragen einen neuen Paragraphen 136a, betr. die sofortige »»Einführung eines zehnstündigen Maximalarbeitstages, für 1894 eines ^neunstündigen, für 1898 eines achtstündigen; außerdem die sofortige Ein­führung eines achtstündigen Arbeitstages für Arbeiten unter Tage und ununterbrochene Betriebe. Nach Begründung des Antrages durch Grillen­berger wird die weitere Berathung auf morgen vertagt. (Fr. N.)

Berlin, 16. April. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute, -ach demRh. Kur.", nach wenig erheblicher Debatte in zweiter Lesung JI Landgemeindeordnung die §§. 126 bis 141, indem es dieselben meist »verändert nach den Kommissionsanträgen annahm. Im Laufe der Debatte suchte Minister Herrfurth das Haus, die gesammte Vorlage noch heute in zweiter Lesung zu erledigen, damit die dritte Lesung im Anfang der nächsten Woche stattfinden könne. Demgemäß erledigte das Haus unter: Wenig erheblicher Debatte in zweiter Lesung den Rest der Vorlage meist ' nach den Anträgen der Kommission. Die nächste Sitzung findet am Mon­tag Vormittags um 11 Uhr statt; Tagesordnung: dritte Lesung der Land­gemeindeordnung.

Berlin, 16. April. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Er­nennung des Reichsgerichtspräsidenten Oehlschläger zum Präsidenten, des Reichsgerichtsrathes Foertsch zuin Mitgliede des obersten Disziplinarhofes.

Berlin, 15. April. Heute fanden der Nordd. Allg. Ztg. zufolge auf Anregung des Grafei» Udo v. Stolberg Verhandlung zwischen Reichs- tagsabgeordneten und Vertretern der Zuckerindustrie statt, um Vorschläge für die demnächst im Reichstage stattfindende Berathung des Zuckersteuer- gesetzes zu vereinbaren.

Berlin, 16. April. In Betreff der Zeitungsnotiz, Beamte der Ge- yennpouzei hätten den Auftrag gehabt, innerhalb der Börse über Hauffege- j Mäste in Getreide zwecks Preissteigerung Erkundigungen einzuziehen, heißt i ui dein Protokolle der gestrigen Sitzung des Aeltestenkollegiums, letz­tem sei von derartigen Maßregeln, wovon es hätte erfahren müssen, mchts bekannt geworden. Gänzlich unbegründet sei auch das Ge.ücht, das Aettestenkollegmm sei offiziell aufgefordert worden, der Errichtung eines tauimanmschnl Ehrenrothes näher zu treten, der Unwürdige von der Börse ! auszustoßen hätte. * srj

Berlin, 16. April. Das Uebungsgeschwader, bestehend' aus S. J"2 M»^!ch-Mn Kaiser, Deutschland, Friedrich Karl und Preußen, sowie

Aviso Pfeil, Geschwaderchcs Kontieadmiral Schröder, ist gestern '

von Plymouth nach Wilhelmshaven bezw. Kiel in See gegangen. S. M. Kanonenboot Iltis, Kommandant Korvettenkapitän Ascher, ist heute in Chinkiang eingetroffen und beabsichtigt morgen nach Hankeu (China) in See zu gehen.

Der Verband Berliner Metalindnstrieller erläßt gegenüber den Angriffen sozialdemokratischer Blätter eine Erklärung, in welcher er betont, daß er zu dem Zwecke zusammengetreten ist: 1. Geschlossen und einheitlich unberechtigten Ausständen der Arbeiter gegenüberzustehen. 2. Anerkannten Unruhestiftern und wüsten Hetzern den Eingang in seine Werk­stätten zu verschließen. 3. Aber auch berechtigten Klage»» der Arbeiter durch gemeinsames Wirken Abhülfe zu verschaffen. (K. Z.)

Wilhelmshaven, 15. April. Der Inspekteur der Marine- Artillerie, Kontre-Admiral Thomsen nahm einer Mittheilung derKöln. Ztg." zufolge heute Vormittag die Seeklarbesichtigung des Kadetten-Schul- schiffs, Kreuzer-FregatteStosch", vor, welche, nachdem der Salut gefeuert, Anker lichtete und nach Kiel in See ging.

Friedrichsrnh, 15. April. Heute Mittag gegen 1 Uhr traf die Abordnung ein, welche dem Fürsten Bismarck das vomZentralverbande deutscher Industrieller" gestiftete Tafelsilber überreicht. Die Abord­nung bestand aus den Herren Geh. Rath Schwartzkopff aus Berlin, Kommerziennath Haßler aus Augsburg, Geh. Rath Jencke aus Essen, Generalkonsul Russell aus Berlin, Geh. Rath Langen aus Köln, General­sekretär Bueck aus Berlin, Generaldirektor Richter aus Berlin, Geh. Rath Dr. Jansen a»»s Dülken, Generalsekretär Dr. Beumer aus Düsseldorf, Generaldirektor Servaes aus Ruhrort, Geh. Rath Hanil aus Ruhrort, Kommerzienrath C. Lueg aus Oberhausen, Direktor Krabler aus Altenessen, Kommerzienrath Frommel aus Augsburg und Kommerzienrath Kracher aus Frankenthal. Die Abordnring begab sich vom Bahnhof sofort ins Schloß und wurde dort vom Fürsten empfangen.

Thorn, 16. April. Ein Trupp polnischer Auswanderer, welche heimlich mit einem Kahn über die Drewenz fuhren, wurde, nach der K. Z.", von den russischen Grenzsoldaten angehaiten. Der Kahn schlug utn und sämmtkiche Insassen fielen ins Wasser. Drei ertranken, die übrigen würben ins Plocker Gefängniß gebracht.

Geestemünde, 16. April. Aus 88 Wahlbezirken ist das Resul­tat bekannt; Bismarck erhielt 6995, Adlof 2369, Plate 2927 und Schmal­feldt 3853 St. Es stehen nur noch einige Landbezirke aus, eine Stichwahl bleibt erforderlich. rgr N )

Esten, 16. April. DerRheinisch-Westfäl. Ztg." zufolge' streikt seü heute früh aus ZecheEintracht Tiefbau" bei Steele, auf Schacht zwei, die ganze Belegschaft infolge der Weigerung der Verwaltung, die bekannten Forderungen einer Lohnerhöhung und betreffs der Schichtdauer zu bewilligen; auf Schacht eins arbeitet alles. Heute Morgen streikte auf der ZecheSellerbeck" bei Mülheim die ganze Belegschaft; vom Schacht Carnap" streiken 247, weil die Verwaltung wegen einer technisch erfor­derlichen Beschränkung 36 Arbeitern zum 30, April kündigte.

Zu Pfingsten wird in Halle der Abgeordnetentag des deutschen Kriegerbundes stattfinden. Der deutsche Kriegerbund umfaßt 6010 Vereine mit 504 655 Mitgliedern.

München, 16. Ap»il. (Reichsanz.) Die Handelskammer von Oberbayern sprach sich in ihrer gestrigen Sitzung für den schleunigen Ab­schluß eines Meistbegünstigungsvertrages mit Brasilien aus und besü wor- tete eine deutsch nationale Ausstellung in Berlin. Dem Münchener Lokal­komitee für die Londoner Ausstellung wurde die Hälfte der demselben er­wachsenden Kosten bewilligt. Die Handelskammer ° sprach ferner ihre Be­friedigung über den voraussichtlichen Abschluß eines deutsch-österreichischen Handelsvertrages sowie die Hoffnung aus, daß ähnliche Verträge mir an­deren Kulturstaaten bald nachfolgen würden.

Stuttgart, 15. April. In der heutigen Kammersitzui g führte bei der Berathung über den Etat der Bodensec-Dampfsckifffabrt der der Linken angehörigen Abgeordnete von Tettnang, Büble, Klagen über die Anstellung einiger norddeutscher Matrosen. Ministerpräsident v. Mittnacht wies aufs entschiedenste die auf Partikularismus beruhenden Beschwerden zurück. Das Haus stimmte dem Minister zu. (K. Z.)

Prag, 16. April. Ein akademischer Verein ist wegen einer Zu- stimmuugskundgebung an die ausständigen Arbeiter aufgelöst worden.