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Preis:

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10 Pfg.

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30 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 87.

Mittwoch den 15. April.

1891

Amtliches.

* Dienstag den 5. Mai d. I., von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 80 Gestütpferde, bestehend aus Mutterstuten (meistens bedeckt), Fohlen und 4jährigen Hengsten, Wallachen und Stuten, meist­bietend gegen Baarzahlung verkauft werden.

Sämmtliche 4jährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zum Verkauf kommenden gerittenen Pferde werden am 4. Mai, von 7 bis 10 Uhr Vormittags, unter dem Reiter, sowie sämmtliche am 3. und 4. Mai, von 4 bis 6 Uhr Nachmittags, auf Wunsch an der Hand gezeigt.

Listen über die zur Auktion gelangenden Pferde werden am 22. April zum Versandt rc. fertig gestellt sein und auf Ansuchen zugeschickt werden.

Für Personenbeförderung zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhof Trakehnen wird am 3., 4. und 5. Mai gesorgt sein.

Trakehnen am 5. März 1891.

Der Landstallmeister v. Frankenberg.

Bekanntmachungen König!. Landrathsamts»

* _ Der Ackermann Christian Reichhold von Oberdorfelden ist zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und verpflichtet worden.

Hanau am 7. April 1891.

Der Königliche Landrath

A. 470 v. Oertzen.

y Unter dem Pferdebestand der Firma G. Siebert hier ist die Pferde- staupe (Influenza) ausgebrochen.

Hanau am 13. April 1891.

P. 2455

Der Königliche Landrath

v. Oertzen.

Minister von Berlepsch

ist bekanntlich der von Kaiser Wilhelm 11. bei seinen Maßregeln zur So­zialreform und zum Arbeiterschutz zugezogene Rathgeber, ist der wegen seiner Arbeiterfreundlichkeit in der Rheinprovinz allbekannte Mann, welchem gewisse Kreise des großindustriellen Unternehmerthums mit dem sichtbarsten Miß­trauen begegnen, wie die noch kürzlich wegen seiner Enquete über Export aus den Kohlenzechen das Ziel gegen ihn gerichteten heftigen Angriffe aus den genannten Kreisen bewiesen haben. Von doppeltem Interesse ist daher die Schärfe, mit welcher dieser arbeiterfreundliche Staatsmann gegen die trügerischen Machinationen der sozialistischen Führer und Agitatoren, deren Gewerbe es ist, den deutschen Arbeitern Mißtrauen gegen alle staatlicher­seits unternommenen Reformen einzuflößen und die giftige Saat des Klassen­hasses auszustreucn,, fidj in der Reichstagssitzung vom 9. d. M. gewendet hat. Nachdem er die Bestimmungen bezüglich des willkürlichen Kontrakt­bruches vertheidigt, fuhr der Minister fort:

Nun, meine Herren, haben wir ja auch heute wieder aus dem Munde des Vertreters der Sozialdemokratie gehört, was wir jeden Tag von den Herren zu hören bekommen, so lange wir mit den Arbeiten an ber Gewerbeordnungsnovelle beschäftigt sind, daß die herrschende Klasse das Gesetz gemacht habe in ihrem Interesse, daß der Unternehmergcist es ist, der die einzelnen Bestimmungen diktirt hat und dieser Unternehmergeist hat natürlich auch den § 125, sowohl den der verbündeten Regierungen ' ^ den der Kommssion diktirt. Meine Herren, es ist ja vollständig klar, atz man nach und nach gegen solche Behauptungen abgestumpft wird, wenn - I emem täglich wiederholt werden. und zwar nicht nur wiederholt werden : Paragraphen, die, in der Vorlage stehen, sondern bei allen möglichen .

Paragraphen, die zu derselben beantragt werden. Wenn die Herren So- ! Mldemokraten z. B. irgend einen Antrag einbringen, möge er lauten, wie s f .J' Wd es wird diesem Antrag von irgend einer Seite widersprochen, .

das selbstverständlich der Unternehmergeist, der das veranlaßt. Die älLa b^ sollten doch etwas vorsichtiger mit diesem Vorwurfe ' ber sRnrn^V Eolich einen Standpunkt, von dem aus auch diesen Herren " sind. Es Mna?dI £ y Ä ^' M Unternehmergeist ; benden Interessen erkennt und sich von seiner Verwirkliche

den StandnuM Thatsache. ch meine nicht etwa : und ruhige Entwicklung des höheren Schulwesens verspricht." Sie wird in

P jenigen Personen, die sich so unharmonisch zur Phil- dieser Erwartung unterstützt durch die guten Erfahrungen, welche die Re

Harmonie stellen (Heiterkeit), nein, ich meine einen viel höher stehenden Standpunkt, ich meine den Standpunkt einer Person, die die Herren So­zialdemokraten zweifellos als Autorität anerkennen werden, den des ver­storbenen Karl Marx. Lesen Sie sich den Brief durch, der vor einiger Zeit veröffentlicht ist, der aus dem Jahre 1875 stammt, in dem Karl Marx das sozialdemokratische Programm einer Censur unterwirft. Fast in jeder Zeile finden Sie den AusdruckPhrase",nichts wie Phrase", hohle Phrase". Und, meine Herren, weiter, es wird den Herren gesagt: euer ganzes Programm, die ganze Anschauung, in der ihr wurzelt, erhebt sich um nichts über das Niveau der bürgerlichen Anschauung. Der reine Unternehmergeist! Man kann kaum deutlicher in seinen Behauptungen sein. Ich gebe zu, daß das hart ist für die Herren, die sich einbilden, gute So­zialdemokraten zu sein, wenn sie solche Vorwürfe von ihrem Führer zu hören bekommen. Herr Bebel hat uns in der Kommission einem wie dem anderen, wie wir da gesessen haben, Regierung wie Parteien, gesagt, Ihr Alle, möget Ihr auch gute Leute sein, möget Ihr auch das Beste wollen, aus den Unternehmerstsefeln kommt Ihr nicht heraus; unmöglich, Ihr seid darin geboren und Ihr kommt nicht daraus heraus. Was sagt nun Karl Marx zu Herrn Bebel? Du magst ein ganz guter Sozialdemokrat sein, du unglücklicher Mensch bist in Unternehmerstiefeln geboren und du kommst da dein ganzes Leben nicht heraus, und da magst du sozialdemokratische An­träge stellen, so viel du willst, das hilft dir zu gar nichts. (Heiterkeit). Ich sage das nur, um zu zeigen, daß Sie alle Ursache haben, an das alte Sprichwort sich zu erinnern: Was du nicht willst willst, das man dir thu', das füg' auch keinem Andern zu!

Meine Herren, ich glaube mich mit dem Unternehmergeist ein für alle Mal abgefunden zu haben. Für mich bedeutet dieser Vorwurf eine Phrase ohne jeden Inhalt und ohne jede Berechtigung, und die verbündeten Regierungen sind nicht geneigt, durch solche Phrasen sich von der Erfüllung ihrer Pflicht abhalten zu lassen. Und darum handelt es sich hier. Es handelt sich um die Erfüllung einer Pflicht, wenn öffentliche Mißstände vorhanden sind, daß auf beiden Seiten gerecht abgewogen wird, wo ein Verschulden vorliegt, und dementsprechend mit der Gesetzgebung vorgegangen wird. Wenn die Arbeiter den Schutz des Sraats gegen Mißstände, die sie drücken, die sie nicht selbst beseitigen können, verdienen und brauchen, so soll er ihnen zu Theil werden. Wenn aber die Fabrikanten, die Unter­nehmer ich spreche das deutlich aus in derselben Lage sich befinden, wenn sie den Schutz und die Unterstützung der Staatsregierung gegen Mißstände fordern, die sie aus eigener Kraft zu beseitigen nicht im Stande sind, so haben sie genau denselben Anspruch auf Einschreiten der staatlichen, gesetzgebenden Gewalt wie die Arbeiter. Dieser Standpunkt allein entspricht der Gerechtigkeit, und die verbündeten Regierungen werden daran festhalten.

Diese deutliche Sprache gegenüber den Hetzereien der Umsturzpartei­führer hat derjenige Minister geführt, welcher selbst in Blättern der sozial­demokratischen Partei noch vor kurzemeine sympathische Erscheinung" ge­nannt wordeu ist.

Die Zukunft der höheren Lehranstalten.

Der Oberbürgermeister der Stadt Brandenburg hat alle städtischen Behörden, welchen die Erhaltung einer leistungsfähigen höheren Schule am Herzen liegt, zu einer Immediateingabe an den Kaiser aufgefordert, welche darauf hinausgeht, die Einführung eines gemeinsamen sechsklassigen Unter­baues für alle höheren Schulen zu erstreben.

Nachdem die Eingabe eingehend erörtert hat, daß alle Anstalten in kleineren Städten und alle einzelnen Anstalten ein Spielball der jeweiligen Ortsstimmung werden würden, führt dieselbe aus, wie sie sich den einheit­lichen Unterbau von sechs Klassen denkt. Die Eingabe führt aus:

. . . Diese Grundlage bietet sich in dem auch von der Schulfrage- konferenz erwogenen, leider aber nicht zum Beschluß erhobenen Vorschläge eines gemeinsamen sechsklassigen Unterbaues für alle höheren Schulen. Die öffentliche Meinung stimmt diesem Vorschläge besonders lebhaft zu, weil sie in ihm das natürlichste Mittel zur Ausgleichung aller widerstre­benden Interessen erkennt und sich von seiner Verwirklichung eine gesunde