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Nr. 85.
Montag den 13. April.
1891
Amtliches.
BeèamrLmachmtgcn König!. Landrsèhsamts.
An die Herren Bürgermeister der Gemeinden im Bücherthal.
Sie wollen nach vorherigem Benehmen mit den Herren Geistlichen binnen 6 Tagen diejenigen bedürftigen und würdigen Personen hier namhaft machen, welchen eine Unterstützung aus der Schl in gloff' scheu Stiftung zugewendet werden kann.
Es wird hierbei darauf aufmerksam gemacht, daß zur Unterstützung nur wirklich Hülfsbedürftige im Sinne der Armengesetzgcbung und nach der Stiftungsurkunde aus jedem Haushalt nur ein Armer in Vorschlag kommen dürfen.
Hanau am 10. April 1891.
Der Königliche Landrath
V. 2370 v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Entflogen: Eine Brieftaube, fahl mit rothen Leisten.
Gefunden: Ein Regenschirm (auf der Poft stehen geblieben).
Zugeflogen: Ein Huhn.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund m. Geschl.
Hanau am 13. April 1891.
Lagesscharr.
I Berlin, 11. April. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag die Vorträge des Kultusministers, des Chefs des Gkneralstabes der Armee und des Chefs des Militärkabinets und hierauf militärische Meldungen entgegen. Um 1 Uhr ertheilten Seine Majestät dem neuernaunten chinesischen Gesandten an Allerhöchstihrem Hofe Hsü- Ching-Cheng Behufs Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens Audienz.
Berlin, 11. April. Der „Reichsanz." Nr. 86 veröffentlicht: Patentgesetz, vom 7. April 1891.
Berlin, 11. April. Der Reichstag genehmigte heute in dritter Lesung ohne Debatte den Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der Bestimmungen über die Bestrafung der Benutzung von gebrauchten Postwerthzeichen und der Beschädigung von Telegraphenanlagen, ebenso in erster und zweiter Lesung den Vertrag zwischen dem Reich und Dänemark über die Aufhebung des Abfahrtsgeldes. Zum Schriftführer an Stelle von Dr. Hermes wird durch Zuruf Krause (freis.) gewählt. Das Haus erledigte sodann Wahlprüfungen ohne allgemeines Interesse. Die nächste Sitzung findet Montag um 1 Uhr statt. Auf der Tagesordnung steht die Interpellation des Abg. Hacke-Aurich, betreffend den Bildungsstand der ostfriesischen Rekruten, und die zweite Lesung der Gewerbeordnungsnovelle. (Rh. K.)
Berlin, 11. April. Das Abgeordnetenhaus setzt die Berathung der Landgemeinde-Ordnung fort. Bei § 47 (Stimmrecht) erklärte sich Minister Herr für t gegen das von der Kommission eingefügte Stimmrecht der weiblichen Gemeindemitglieder. Nach längerer Debatte wurde der Antrag Echalscha auf Streichung des weiblichen Stimmrechts angenommen. Die §§ 43 bis 46 werden unverändert angenommen, § 47a mit dem Zusatz, daß Armengeldempfänger zur Vertretung von Stimmberechtigten nicht ermächtigt sind. Beim § 48 bekämpft der Minister sowohl den Antrag Huene, wonach schon geringere Grundsteuerbeträge, als die Kommission festgesetzt, zu zwei und mehr Stimmen berechtigen, als auch namentlich den Antrag Rauchhaupt, wonach das Stimmrecht durch Gemeinde- Beschluß und den Kreisausschuß zu erweitern möglich sein soll. Ein so wichtiges Recht wie das Wahlrecht, sagt der Minister, müsse gesetzlich sest- gelegt sein. Nach längerer Debatte, woran sich die Abgg. Huene, Rauchhaupt, Krause, Tiedemann, Kanitz, Eberty und Heydebrand und wiederholt der Minister Herrfurth betheiligen, werden alle Abänderungen und auch die Kommissiousfassung abgelehnt; angenommen wird lediglich der Absatz der Regierungsvorlage, wonach mindestens zwei Drittel sämmtlicher Stlnimen den Grundbesitzern zufallen müssen. Die Forschung erfolgt am Montag 11 Uhr. (Fr. N.)
Berlin, 11. April. Der „Reichsanzeiger" gibt eine aktenmäßige
Darstellung über den Prozeß Fischer gegen den Assessor Gerschel wegen Zahlung von 2000 Mark, die der Verklagte dem Kläger für eine Stelle im Auswärtigen Amt versprochen habe. Aus der Darstellung erhellt, daß irgend ein Zusammenhang zwischen den streitigen Abmachungen der Parteien und den thatsächlichen Bewerbungen Gerschels im auswärtigen Amte und den darauf erfolgten amtlichen Aeußerungen nicht besteht, daß Gerschel weder eine Konsulatstelle angeboten wurde, noch er in die Lage kam, eine solche abzulchnen, daß ihm viel mehr eröffnet wurde,irgend welche Zusicherungen könnten ihm nicht ertheilt werden.
Berlin, 11. April Wie der „Post" aus Lippe-Detmold geschrieben wird, soll der regierende Fürst Woldemar zur Lippe seine Gemahlin, die Fürstin Sophie, großherzogliche Hoheit von Baden, testamentarisch für den Fall seines Ablebens und der dauernden Regierungsunfähigkeit des Prinzen Alexander zur Lippe, des einzig noch lebenden und in der Jrrenheilanstalt St. Gilgenberg bei Bayreuth befindlichen jüngern Bruders, zur Regentin ernannt haben.
Berlin, 11. April. (K. Z.) 110 000 Mk. hat der Kaiser für die englische Stahlyacht Thistle bezahlt. Die Dacht, welche im vorigen Jahre etwa 20 000 Mk. an Preisen gewann, soll in „Meteor" umgetauft werden und an den Wettfahrten in England theilnehmen. Auch Prinz Heinrich läßt sich eine Dacht in England bauen.
Berlin, 11. April. Es steht nunmehr fest, daß der Wahlkreis Meppen für das Abgeordnetenhaus den Grafen Ballestrem, den jetzigen ersten Vizepräsidenten des Reichstages, und für den Reichstag den Professor Dr. o. Hertling in München zum Abgeordneten als Nachfolger Windthorsts wählen wird. Frhr. v. Hertling, am 31. August 1843 in Darmstadt geboren, hat dem Reichstag seit dem Herbst 1875 als Nachfolger des verstorbenen v. Savigny für den Wahlkreis Coblenz-Sl. Goar dis zur letzten Legislaturperiode angehört. Er wird zweifellos in der Zentrumsfraktion eine sehr einflußreiche Rolle spielen.
Berlin, 11. April. Das Uebungs-Geschwader, bestehend aus S. M. Panzerschiffen „Kaiser" (Flaggschiffs, „Deutschland", „Friedrich Carl", „Preußen", Geschwader Chef Kontre Admiral Schröder, ist am 9. April, sowie S. M. Aviso „Pfeil" am 10. April in Plymouth eingetroffen.
®ffen, 11. April. Nach dem Wochenbericht der „Rheinisch- Westfäl. Ztg." über den rheinisch-westfälischen Kohlenmarkt ist der Begehr nach Kohlen^ andauernd lebhaft. Ueberall wird auf sofortige Lieferung ab Mai oder Juni gefragt, obgleich keine Zeche vor dem 1. Juli frei ist, viele Zechen neue Lieferverbindlichkeit nicht vor dem 1. August eingehen können. Die Preise werden fest behauptet.
Bochum, 12. April. (Frankf. Ztg.) Eine heute stattgehabte ziemlich zahlreich besuchte Bergarbeiterversammlung sprach sich zu der Vertretung und Abstimmung der deutschen Delegirten auf dem Bergarbeiterkongreß in Paris, ingleichen zur Unterstützung der belgischen Bergleute bei einem etwaigen Strike billigend aus. Im letzteren Falle sollten sich die deutschen Zechenverwaltungen verpflichten, keine Kohlen nach Belgien zu liefern, widrigenfalls auch die deutschen Bergleute zum Strike übergehen sollten. Der Führerschaft soll unbedingter Gehorsam geleistet werden. Die Nieder- legung eines Kranzes aus dem Grabe der Pariser Kommunards würbe gutgeheißem
Gleiwitz, 11. April. Auf Karolinenschacht ist ein großer Brand ausgebrocheu. Zwanzig betäubte und schwer verletzte, sowie ein toter Bergmann sind bis jetzt an die Oberfläche befördert. Auch Pferde sind um- gekommen. . (K. Z.)
Aus Reichenberg wird telegraphisch gemeldet, daß die dortige Handelskammer beschlossen hat, in einem dringlichen Gesuche den Handelsminister zu bitten, durch öffentliche Kundmachung die Arbeiter auf die gesetzlichen Folgen des Rechtsbruchcs durch eine eigenmächtige Einstellung der Arbeit am 1. Mai zu verweisen.
Chemnitz, 11. April. Laut dem amtlichen Ausweise des hiesigen Konsulates hat die Abnahme der Ausfuhr nach Nordamerika aus dem " latsbezirke Chemnitz im ersten Quartal dieses Jahres bereits die be- he Höhe von nahezu einer Million Dollars erreicht.
Wien, 11. April. Die Thronrede zur Eröffnung des Reichsraths stellt fest, daß sich in allen europäischen Staaten das Verlangen nach fried- Nebeneinanderleben lundgebe, und sagt: Alle Regierungen ertheilten