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Nr. 71.

Mittwoch den 25. März.

1891

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die Staats-Klasfcnsteuerrolle hiesiger Stadt für das Steuerjahr 1891/92 wird vom 28. März bis einschl. 4. April d. Js. im Dienstlokale der Steuerkommission (Neustädter Rathhans, 1 Treppe hoch rechts) während der üblichen Dienststunden zur Einsicht der Steuerpflichtigen offen liegen.

Reklamationen gegen die Veranlagung sind innerhalb einer zwei­monatlichen Frist, beginnend mit dem 5. April d. Js., bei dem Unterzeich­neten schriftlich anzubringen. Die Reklamationsgesuche müssen außer genauer Angabe der Wohnung auch die betreffende Nummer der Steuerrolle Nach­weisen.

Gleichzeitig

theile ich

zur Kenntnißnahme mit,

daß

die Jahres-

Klassensteuer beträgt von einem jährlichen muthmaßlichen

Einkommen von:

420

bis einschl. 660 Mark

3

M.

von mehr

als 660

900

6

tf

900

1050

9

ff ff

1050

1200 =

12

tt f!

1200

1350 =

18

ff ff

1350

1500 =

24

ff ff

1500

1650 =

30

st

1650

1800 =

36

ff ff

1800

2100 =

42

2100

2400 =

48

lf ff

2400

2700 =

60

st

ff tt

2700

3000 =

72

tt

Die Steuer

der Stufen 1 und 2 wird nicht erhoben.

Hanau den

24. März 1891.

Der Oberbürgermeister

Westerburg.

t Deutsche Sozialdemokratie und Pariser Kommune.

Am 18. März war der zwanzigjährige Gedenktag des Pariser Kommuneaufstandes. Schon während der Belagerung von Paris waren die revolutionären Elemente allmählich zur Macht gekommen. Als die republikanische Regierung nach der Kapitulation von Paris Ordnung stiften i wollte, kam es zum offenen Kampfe, in dem die Kommunisten zunächst stegreich blieben. Das Schreckensrcgiment begann mit der Erschießung der Generale Lecomte und Thomas. Am 26. März wurde die Kommune förmlich proklamirt und nun herrschte bis zum Mai über die unglückliche Stadt eine Schaar von unsinnigen Schwärmern, grausamen Fanatikern, die sich durch Gesindel aller Art verstärkte. Erst mit Hilfe der aus ! Deutschland zurückgekehrten Kriegsgefangenen gelang es der Versailler Re­gierung, den Aufstand in blutigen Straßenkämpfen zu brechen.

Die deutsche Sozialdemokratie feiert jetzt den 18. März wie einen Patriotischen Gedenktag. Die Berliner Volkstribüne vom 14. März erschien alsFeftnummer", auf rothem Papier gedruckt, und voller Verherrlichung der Thaten der Pariser Kommunarden. Der Kommunekampf wird als Heldenkampf geschildert, die Kommunebeamten und Soldaten werden als Muster hingestellt als Muster für die deutschenGenossen". Die Kommune sei an drei Fehlern zu Grunde gegangen: Der erste Fehler sei der gewesen, daß man Thiers und die Regierung sowie das Parlament und die treugebliebenen Soldaten aus Paris ziehen ließ.Man durfte", so steht in der rothen Nummer,dieses Gesindel nicht entwischen lassen". Als zweiten Fehler rügt die Volkstribüne, daß man den Mont Valerien in den Händen der Versailler gelassen hatte. Der dritte und größte Fehler aber sei dadurch gemacht worden, daß man die französische Bank mit ihren Depositen unversehrt ließ. Die Sozialdemokraten würden es anders machen: Ein Sozialist kennt den Zusammenhang der bürgerlichen Gesellschaft, er weiß, daß ihr Herz der Geldbeutel ist und daß durch die Schläge dieses Herzens der ganze Körper am Leben erhalten wird. Was ist einfacher, als fest zuzupacken und die Bank von Frankreich mit Beschlag zu belegen?" Das offizielle Parteiorgan Vorwärts schließt seinenFestartikel" mit den Worten:Vom 18. März 1871 bis zur Gegenwart ist die Welt in politischer und ökonomischer Hinsicht noch viel rascher und weiter vorge­schritten, als vom 18. März 1848 bis zum 18. März 1871; und wenn

wir sehen, wie die sozialistische Idee unwiderstehlich ihren Eroberungszug, ihren Triumphzug fortsetzt wie ohnmächtig ihr gegenüber die Macht aller Feinde ist dann können wir auch mit vollster Gewißheit sagen: es wird ein Tag des Sieges kommen, dem keine Niederlage folgen wird!"

Gleichzeitig hat W. Liebknecht im Auftrag des Parteivorstandes an den Nationalrath der französischen Arbeiterpartei (die gegenwärtigen Kom­munisten in Paris) ein Glückwunschschreiben gerichtet, in dem es heißt; Der 18. März der Gedenktag der Berliner Erhebung von 1848 und der Pariser Kommune von 1871 ist zu einem internationalen Feiertag ge­worden, dessen man in unserem Deutschland in jeder Stadt, in jedem Orte, wo es Sozialdemokraten gibt, ernst gedenkt, um das gegenwärtige Geschlecht durch die Erinnerung an die Großthaten der Vergangenheit für die schweren Aufgaben der Gegenwart und die schwereren der Zukunft zu stählen." An die Versicherung, daß die deutsche Sozialdemokratieüber den Rhein und die Vogesen" die Bruderhand reiche, schließen sich noch einige Floskeln über den Chauvinismus der Bourgeois hüben wie drüben.

So schwelgen die Führer der deutschen Sozialdemokratie in dem Ge­danken an eineDiktatur des Proletariats", wie sie in der Schreckens­herrschaft der Pariser Kommune verkörpert war, die viele Tausende von Menschen und Unsummen von öffentlichem und privatem Vermögen elend zu Grunde richtete.Großthaten der Vergangenheit",Kulturthaten par exccllance"!

Tagesschau.

Berlin, 23. März. Bei der gestrigen Grundsteinlegung zur Kaiser Wilhelms - Gedächtnißkirche sprach, wie dieKreuzzeitung" berichtet, der Kaiser mit bewegter Stimme einige Worte, in welchen er seiner Genug­thuung Ausdruck gab über den Bau der Kirche und zugleich die Hoffnung äußerle, daß dies Gotteshaus ein Glied werden möge in der Kette der Be­strebungen, das Wort seines erlauchten Herrn Großvaters, daßdem Volke die Religion erhalten bleiben müsse", zu verwirklichen.Zu diesem Ziele lege Ich den Grundstein im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes."

Berlin, 24. März. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag von 10Va bis 12 Uhr die regelmäßigen Marinevorträge, arbeiteten von 12 bis 1 Uhr mit dem Chef des Militäikabinets und em­pfingen darauf den kommandirenden General des XVI. Armeekorps, Gene­ral der Kavallerie Grafen v. Haeseler. Alsdann nahmen Seine Majestät zahlreiche militärische Meldungen entgegen.

Berlin, 24. März. Der Bundesrath stimmte heute dem Ent­würfe eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Patentgesetzes, nach den Beschlüssen des Reichstags zu. (Fr. N.)

Berlin, 24. März. Im Reichsamte des Innern fand heute Vor­mittag unter dem Vorsitze des Staatsministers Dr. v. Bötticher eine Kon­ferenz in Sachen des deutsch österreichischen handelspolitischen Abkommens statt, woran Theil nahmen der Oberregierungsrath Huber, der Unterstaats­sekretär Schraut und der Generaldirektor der baierischen Zölle und Steuern, May. Laut denBerliner Politischen Nachrichten" kehrt Huber heute nach Wien zurück. (Rh. K.)

Deutschland importirte nach den Vereinigten Staaten von Amerika im verflossenen Jahre an Rheinwein nicht weniger als 1121 000 Gallonen in Kisten und 757192 Gallonen in Flaschen. Auch die Einfuhr deutscher Biere repräsentirt ein nicht unbedeutendes Quantum, trotz des riesigen Auf­schwunges des ebenfalls meist unter deutscher Leitung stehenden transat­lantischen Braugewerbes. Im verflossenen Jahre gelangten 52 000 Kisten und 2000 Flaschen deutschen Bieres zur Einfuhr nach den Unionsstaatew

Frankfurt a. O., 24. März. Das neueste Werk des Reichs­kommissars, Majors v. Wißmann, über seine letzte afrikanische Reise ist in der hiesigen Hof Buchdruckerei von Trowitzsch u. Sohn erschienen und ge­langt am 31. d. Mts. in Berlin, Leipzig und Frankfurt a. O zur Aus­gabe.

Aachen, 24. März. Ein von Paris nach Köln durchfahrender Wagen mit zollpflichtigen Packeten lief heute Vormittag brennend auf dem rheinischen Bahnhof ein. Eine kleine Anzahl vo» Packeten ist großentheils vernichtet.

Göttingen, 24. März. General der Kavallerie z. D. v. Witzen-