brach die Warthe in Sonnenburg den Nothdamm der Neustadt; etwa 30 Wohnhäuser mit 85 Familien wurden unter Wasser gesetzt.
Dortmund, 22. März, 5.40 N. Heute sprach sich eine hier stattgefundene Bergarbetterversammlung gegen die Einmischung der Sozialdemokratie und gegen die Beschickung des Pariser Kongresses aus. (Fr. Ztg.)
Eupen, 21. März Der in Verviers verhaftete französische Anarchist Delaporte wurde ausgewiesen, er verlangte über die deuische Grenze gebracht zu werden. — Zwei in der vorigen Woche bei einer Kundgebung wegen Aufreizung und Mißhandlung der Polizei verhaftete belgische Anarchisten, welche vom Untersuchungsrichter freigegeben worden waren, wurden auf Befehl des Generalprokurators wieder festgenommen. Zahlreiche neue anarchistische Flugblätter wurden in Verviers vertheilt. (K. Z.)
Hamburg, 21. März. Die „Augusta Viktoria" ist heute Mittag von ihrer Miltelincerfahrt wohlbehalten in den hiesigen Hafen wieder ein- gelaufen.
Hamburg, 22. März. (Frkf. Ztg.) Wie der „Hamb. Ksrresp." von gut unterrichteter Seite erfährt, wird der Kaiser über Stettin nach Kiel reisen und in Stettin die Werkstätten des „Vulkan" besichtigen.
Wien, 21. März. (Frkf. Ztg.) Nach einer Meldung der „Presse" hat ein Pariser Konsortium hier um die Erlaubniß nachgesucht, die technischen Vorarbeiten für den Bau eines Donau-Oderkanals vornehmen zu dürfen. Der Kanal soll von Wien ausgehend bei Oderberg einmünden.
Wien, 22. März, 4.50 N. Die neue Instruktion für die deutschen Kommissäre ist noch nicht eingetroffen; entscheidende Beschlüsse sollen in den Konferenzen noch vor oder unmittelbar nach Ostern gefaßt werden. Am Zustandekommen des Vertrages wird nicht mehr gezweifelt. In den heutigen Besprechungen zwischen den Finanzministern Wekerle und Stcinbach soll Letzterer den Wunsch geäußert haben, daß mit Rücksicht aus den Zusammentritt des neuen Reichsraths die meritorischen Verhandlungen über die Valutaregelung erst im Sommer stattfinden. (Frkf. Ztg.)
Prag, 21. März. Das „Prager Abendblatt" warnt die Arbeiter auf das Nachdrücklichste vor einer Agitation für die Feier des 1. Mai und hebt hervor, für die sozialpolitischen Ziele, welche durch die Feier verfolgt würden, werde durch die Feier ohne Zustimmung des Arbeitgebers nichts erreicht, da für die Faktoren, von welchen die Erfüllung der Forderungen abhängt, nur Staatsrück ichten nicht Drohungen maßgebend seien.
Poris, 21. März. Zu dem Beschlusse der Kommission des Muni- zipalathes, demselben zu empfehlen, der Arbeiterkundg-bung am 1. Mai zu- zustlmmen und sämmtlichen Stadtbediensteten diesen Tag freizugeden, bemerkt der „Temps", die Regierung werde diesem Aut, ane, falls der Mu- nizipalrath ihn annähme,, sicher entgegentreten. Die Polizei traf anläßlich der für heute Abend geplanten Demonstrationen gegen Ferry umfassende Maßnahmen. (Fr. N.)
London, 2l. März. Gestern fand in Gibraltar unter großer Theilnahme der Bevölkerung und der Marine-Ossiziere die Beerdigung der Leichen von der Utopia statt. Die Ueberl-benden wandern verzweifelnd durch die SV aßen, meist Männer, da fast alle Frauen ertrunken sind. Siebzig haben das Angebot freier Rückfahrt nach Neapel angenommen; die übrigen erwarten einen Dampfer zur Weiterreise nach Newport. Der wegeh fahrlässiger Tödtung verhaftete Kapitän der Utopia ist gegen 10,000 Pf. St. Bürgschaft in Freiheit gesetzt. (K. Z.)
Gibraltar, 22. März. (Frkf. Ztg.) Die Jury zur Untersuchung der Todesursache der Verunglückten der „Utopia" gab ihr Verdikt dahin ab, daß der Tod durch einen „Unfall" erfolgt fei und den Kapitän wie die Offiziere keine Schuld dabei treffe.
New Uork, 21. Eine Depesche der „New-Hort Tribune" aus Washington hebt hervor: Es sei unzweifelhaft, daß das Verbot der Einfuhr von amerikanischen Schweinen und Schinken nach Deutschland, auch wenn dieselben in tun Geeinigten Staaten untersucht und als gesund befunden wurden, der Regierung zu ernsten Erwägungen Anlaß gebe; doch verdiene düse Angelelgenheit nicht die sensationelle Behandlung, die ihr von gewissen Seiten zu Theil werde. In wohl unterlichteten Kreisen sei man der Ansicht, daß die Einfuhr amerikanischer Schweine nach F,ank>eich demnächst zugelassen und nur einem Zoll unterliegen werde, der nicht als Prohibitivzoll anzusehen sei. (Reichsanz.)
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Königliches Gymnasium.
Dem diesmaligen Otterprogramm Königlichen Gymnasiums, welches nur Schulnachrichten enthält, entnehmen wir folgendes: Am Schluffe des Schuljahres waren an der Lehranstalt thätig: der Direktor, 4 Oberlehrer, 4 ordentliche Lehrer, 5 wissenschaftliche Hülfslehrer, 1 beauftragter und 2 technische Lehier. Die Schülerzahl betrug am 1. Februar 1890 = 186, Frequenz am 1. Februar 1891 = 197 ; von letzteren gehörten 156 der evangel., 24 der katholischen Religion an, ein Schüler war Dissident und 16 Israeliten ; 138 sind Einheimische, 36 Auswärtige und 23 Ausländer gewesen. Im Herbste 1890 bestanden drei Oberprimaner ihr Matumäts- èxamen, von denen je einer Medizin, Rechtswissenschaft und Theologie stu- diren will; zu Ostern 1891 bestanden 4 Oberprimaner diese Prüfung, von denen je einer Medizin, Theologie, Rechts- und Staatswissenschaft und Naturwissenschaft zu studiren gesonnen ist.
Der Chronik Königl. Gymnasiums entnehmen wir folgendes:
Mit dem Schluffe des Wintersemesters schieden außer dem im vorjährigen Programm schon nach dieser Richtung hin erwähnten Pfarrer
Zimmermann auch die wissenschaftlichen Hülfslehrer Heinrich Becker, Albert Marxhausen und Karl Eichenberg aus. Der erste wurde vorübergehend am Realgymnasium zu Wiesbaden beschäftigt und bald in eine ordentliche Lehrerstelle am Gymnasium zu Montabaur berufen. Marxhausen ging an das Kaiser Friedrichs Gymnasium zu Frankfmt über, und Eichenberg übernahm eine Stelle an dem E.ziehüugsinslitute des Dr. Kühne in Godesberg. Allen dreien sei hier nochmals für ihre eifrige und erfolgreiche Thätigkeit und ihre jederzeit bereitwillige Hülfeleistung namens der Anstalt der gebührende Dank gesagt.
Am 22. Mai u> terzog Herr Provinzial- Schulrath Geh. Reg.-Rath Dr. Lahmeyer die Anstalt einer Besichtigung und wohnte in sämmtlichen Klassen dem Unterricht bei.
Am 15. Juni, als am Todestage weiland Sr. Majestät Kaiser Friedrich III., fand eine Feier zum Gedächtnisse desselben statt, desgleichen am 18. Oktober, seinem Geburtstage.
Am 1. Juli fand Nachmittags ein Turnfest der Anstalt, welchem viele Angehörige unserer Schüler beiwohnten, an dem Forsthause statt. Trotz einzelner Unterbrechungen durch kurze Regenschauer war das Fest wohlgelungen.
Donnerstag den 14. August machten die Schüler der Klassen Untertertia bis Prima unter Führung ihrer Lehrer einen gemeinsamen Ausflug in den Odenwald (Otzberg, Michelstadt und Erbach). Am Nachmittag desselben Tages mo.djteu die Schüler der unteren Klaffen unter Führung ihrer O-dinarien Ausflüge in die nähere Umgebung Hanaus.
Vom 16. bis zum 21 August fand die schnftliche Reifeprüfung statt, am 29. August die mündliche unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Reg.-Raths und Provinzial Schulraths Dr. Lahmeyer.
Am 2. September, dem Sedantage, fand Vormittags in der Aula eine Schulfeier statt, bei welcher Oberlehrer Wagenknecht eine festliche Ansprache über die Bedeutung des Tages und die würdige Feier desselben hielt. Vormittags 10 Uhr beteiligten sich die Lehrer und Schüler der Anstalt in herkömmlicher Weise an dem von dem hiesigen Kriegerverein veranstalteten Zuge nach dem Friedhofe zu den Gräbern der im letzten Krieg Gebliebenen. Mittags 121/g Uhr führte ein Sonderzug Lehrer und Schüler sowie eine große Anzahl von Angehörigen der Schüler und von Freunden der Anstalt nach Aichaffenburg, von wo, wie im vorigen Jahre das Gymnasium unter Vorantritt seines Trommle>ko'ps und eines Musikkorps nach dem Parke Schönbusch zog, um den Rest des Tages bei Spiel, Gesang, Tanz und Freiübungen zu nerbringen. Abends führte der Sonder- zug die Theilnehmer nach Hanau zurück.
(Schluß folgt.)
Redaktionell. Gestern ging uns fvkgnides^Schreiben zu:
„In Erwiderung Ihrer geschätzten Annonce im „Hanauer Anzeiger" Nr. 66 ersuche ich Sie auf Grund des §.11 des Preßgesetzes um Aufnahme folgender thatsächlichen Berichtigung: Herr Dr. Weiß hat mein durch seine Chaise überfahrenes Kind durchaus nicht untersucht, sondern dasselbe vor der Thüre abgesetzt. So kam es, daß das Kind etwa nach 3 Stunden den ersten Sei baue durch Herrn Dr. Eichelberg angelegt bekam, auch ist die Verletzung nicht am Oberschenkel, sondern am Knöchel des linken Fußes.
Hochachtungsvoll
Johann Appel, Lokomotivführer."
Wir kommen dem Verlangen mit dem Bemerken nach, daß nach Aussage des Herrn Dr. med. Weiß Herr Mittelstädt bei der Untersuchung (freilich ausgezogen würbe das Kind auf dem Marktplatze nicht) zugegen war, daß von Herrn Dr. Weiß bedeutendere Verletzungen nicht bemerkt wurden und daß Letzterer das Kind an dessen Mutter abgeliefert hat. D. Red.
Konfirmation. In den beiden Altstädter Kirchen wurden am gestrigen Palmsonntag konsirmirt: 1) In der Marienkirche durch Herrn Pfarrer Neuber 63 Knaben und 71 Mädchen; durch Herrn Pfarrer Sopp 62 Knaben und 48 Mädchen. 2) In der Johanniskirche durch Herrn Pfarrer Lamm 29 Knaben und 33 Mädchen und durch Herrn Pfarrer Wiederhold 46 Knaben und 34 Mädchen.
Leihbank. Die in der Zeit vom 1. März bis Ende August 1890 bei hiesiger Leihbank versetzten Pfander müssen im Laufe dieses Monats eingelöst oder umgeschrieben werden, falls sie nicht dem Verkauf ausgesetzt werden sollen.
Wohlthätigkeits-Konzert. Die hiesige Diakonissenstation ist dem vereyrlichen Sängerchor Hanauer Lehrer für die Zuwendung von 80 Mk. aus dem Ertrage des neulichen Wohlthätigkeits - Konzerts zu besonderem Danke verpflichtet.
E. V. S. Vortrag Westmark. Ein allgemeines Interesse für Afrika beherrscht heute die ganze gebildete Welt; die Erschließung des dunkelen Welttheiles, die Erforschung der Nilquellen sind die Werke der letzten Hälfte unseres Jahrhunderts. Gleicherweise sind es Offiziere und Gelehrte, welche sich der Schwierigkeiten und Gefahren unterziehen, um beu Schwarzen die Zivilisation zu bringen. Theodor Westmark, der in ; Brüssel Attachä der Schwedischen Gesandtschaft, ging im Jahre 1883 zum ' ersten Male nach Afrika um zwei Jahre später zum zweiten Male dahin I zurückzukehren und am oberen Kongo die Leitung einer Station im Lande I der Bangula zu übernehmen. Fünfzehn Monate brachte er dort zu und schilderte in seinem Vortrage die Verhältnisse sehr lebhaft. Seine Kritik