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Nr. 66. Donnerstag den 19. März. 1891
Amtliches.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Ortskrankenkassenbuch, auf den Namen Christine Kraus lautend. Ein Gesindedienstbuch für Auguste Giez aus Burghaun. Ein Spazierstock mit Metallgriff, am 8. d. Mts. in der Marienkirche stehen geblieben. Ein Uhrschlüssel.
Verloren: Ein Kohlenkassenbuch nebst einem Weihnachtssparkassenbuch.
Hanan am 19. März 1891.
Iulius Theodor Fliegner, geboren dahier am 19. Juni 1874, hat behufs seiner Niederlassung in Amerika um Entlassung aus dem Preußischen Staatsverbandc nachgesucht.
Hanau am 16. März 1891.
Der Oberbürgermeister Westerburg.
Tagesschau.
Berlin, 18. März. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag den Vortrag des Reichskanzlers und daran anschließend den des Chefs des Zivilkabinets. Um 11 Uhr begaben Seine Majestät Sich nach Spandau, um daselbst einer Schießübung beizuwohnen.
Berlin, 18. März. Der „Reichsanzeiger" publizirt das Privilegium wegen Ausgabe aus den Inhaber lautender Anleihescheine der Stadt Frankfurt a. M. über 12 Millionen Mark. — In der Sitzung der medizinischen Gesellschaft mahnte Professor Guthmann zur Vorsicht bei Anwendung des Liebreich'schen Mittels. Unter 7 Fällen zeigten 3 bedenkliche Einwirkung auf die Nieren, den Harn u. dgl. Doktor Lublinski hat bei 22 Kehlkopsfâllen unangenehme Nebenwirkungen nur vereinzelt und vorübergehend beobachtet, dagegen vielfach Verheilung oder verbessertes Aussehen konstatirt. Er glaubt, daß Guthmann zu vorgeschrittene Fälle ausgewählt habe. (Fr. N.)
Berlin, 18. März. Im Abgeordnetenhause wird der Antrag Sack auf Annahme eines Etatsnothgesetzes vom Antragsteller zurückgezogen, nachdem der Finanzminister Miquel dagegen gesprochen und hervorgehobeu hat, eine Reihe dauernder Ausgaben für 1890 — 91 solle nicht gemacht werden, für 1891—92 seien jedoch neue Ausgaben in Aussicht genommen, die nicht gemacht werden könnten. Auch entspreche die Regierungsvorlage mehr dem Geiste der Verfassung. Die Regierungsvorlage wird der Budgetkommission überwiesen. Der Gesetzentwurf wegen Abänderung des Gesetzes, betreffend die Bildung von Wassergenossenschaften, wird nach unerheblicher Debatte nach der Regierungsvorlage angenommen mit dem Antrag Tiedemann Bomst, betreffend die Ausdehnung des Gesetzes auf die Lenne und ihre Nebenflüsse. Die Resolution Schultz Lupitz (Waldschutz im Quellengebiete der Wupper) wird der Agrarkommmission überwiesen. Der Gesetzentwurf, betreffend den Rechtszustand der von Sachsen- Meiningen an Preußen abgetretenen Gebiete im Kreise Weißenfels wird in erster und zweiter Berathung debattelos erledigt. Der Gesetzentwurf, betreffend die Erweiterung des Staatsschuldbuchs, wird mit einem unwesentlichen Antrag Cuny in erster und zweiter Lesung angenommen. Morgen kleinere Vorlagen. (Fr. N.)
Berlin, 17. März. Die Angabe, daß der Minister a. D. von Puttkamer zum Oberpräsidenten der Provinz Pommern ernannt werden soll, darf dem „Hann. Cour." zufolge als feststehend betrachtet werden. Herr v. Puttkamer dürfte die neue Stellung am 1. Juli antreten.
Im Abgeordnetenhanse wird der Etat bekanntlich bis zum 1. April nicht fertig. Das Nothgesetz, welches infolge dessen nunmehr eingebracht ist, lautet: „Die bis zur gesetzlichen Feststellung des Staatshaushaltsetats (§. 1) innerhalb der Grenzen desselben geleisteten Ausgaben werden hiermit nachträglich genehmigt."
Altona, 18. März. Bei ber heutigen Wahl des ersten Bürgermeisters für den bisherigen Oberbürgermeister Adickes wurde nach dem bis jetzt bekannten Wahlergcbniß Senator Giese mit großer Majorität gewählt.
Wilhelmshaven, 18. März. Premierlieutenannt a. D. Zalewski wurde zum Kommandeur der Schutztruppe in Deutschostafrika ernannt.
Hannover, 18. März. Die Leiche des Abgeordneten Dr. Windt- horft traf heute Nacht um 2 Uhr hierselbst ein und wurde im Nebenraum des Fürstenzimmers des Bahnhofs aufgebahrt. Eine reiche Fülle von Kränzen verdeckt den Metallsarg. Besonders fällt der prachtvolle Kranz in die Augen, den der Kaiser gespendet hat. Dieser Kranz, ebenso wie die Kissen mit den Orden des Verstorbenen, ruhen am Fußende des Sarges. Weitere prachtvolle Kränze sind eingetroffen von der ehemals hannoverschen Königsfamilie, von allen parlamentarischen Fraktionen, von der hiesigen katholischen Gemeinde und vielen anderen Körperschaften. Die niedergelegten Kränze, deren Zahl sich noch fortwährend vermehrt, füllen das ganze Zimmer. Von 8V2 Uhr ab werden die Deputationen und andere Leidtragende in kleineren Abtheilungen zu dem von acht brennenden Kandelabern umgebenen und zwischen Lorbeerbäumen aufgestellten Sarge zugelassen. Eine außerordentlich große Anzahl von Vereinen mit ihren Fahnen versammelt sich auf dem Ernst August-Platz. Viele auswärtige Vereine sind durch Deputationen vertreten. (Reichsanz.)
Hannover, 18. März. Der Leichenzug Dr. Windthorsts wurde von einem Musikkorps und zahlreichen Geistlichen eröffnet. An der Marienkirche empfing der Bischof von Hildesheim mit der Geistlichkeit den Sarg. Die Kirche war prächtig beleuchtet und mit Trauerflorfahnen geschmückt. Die Ehrenplätze in der überfüllten Kirche waren für die Familie Windthorsts, den Vertreter des Kaisers, den Oberpräsidenten von Bennigsen, die Führer des Zentrums rc. vorbehalten Der Bischof von Hildesheim zele- brirte das Requiem, die Trauerrede hielt Generalvikar Hugo. Hierauf folgte die Einsegnung der Leiche und die Versenkung derselben in die Gruft, welche verschlossen wurde. Der Bischof hielt an der geschlossenen Gruft eine Rede, worin er Windthorst als den treuen Sohn der Kirche und den Führer der Katholiken feierte, dessen Treue gegen Kaiser und Reich betonte und die Hoffnung aussprach, daß der Geist Windthorsts fortwirken werde. (Rh. K.Y
Stratzbnrg, 17. März. Durch kaiserliche Entschließung sind der Rechtsanwalt Justizrath Schneegans und der Gutsbesitzer Reichstagsabgeordneter Frhr. Zorn v. Bulach zu Mitgliedern des Staatsraths für Elsaß- Lothringen auf die Dauer von drei Jahren ernannt worden.
Myslowitz, 18. März. (K. Z.) Zahlreiche deutsche Beamte, die aus Rußland ausgewiesen worden, find hier eingetroffen.
Bremen, 18. März. Seine Majestät der Kaiser übersandte dem „Reichsanzeiger" zufolge dem Senat anläßlich des Todes des Bürgermeisters Buff folgendes Telegramm: „Ich spreche dem Senat und der Bürgerschaft Meine aufrichtige Theilnahme an dem schmerzlichen Verlust aus, welchen das engere und weitere Vaterland durch den Heimgang Ihres verdienstvollen Bürgermeisters erlitten, den Ich selbst bei Meinem vorjährigen unvergeßlichen Besuch Ihrer Stadt als einen echten deutschen Mann von treuer und fester Gesinnung schätzen lernte. Wilhelm."
Reichenberg, 18. März. (K. Z.) Die Generalversammlung des Zentralvereins nordböhmischer Wollindustriellcr beschloß, den 1. Mai als Arbeiterfeiertag nicht anzuerkennen.
München, 17. März. Wie die „Allg. Ztg." von zuverlässiger Seite erfährt, hegt man an kompetenter Stelle die Befürchtung, daß sich Heuer eine Nonnenkalamität des Vorjahres zum mindesten wiederholen werde, wenn nicht eine Steigerung derselben eintritt. Seitens der baierischen Forstverwaltung sind die umfassendsten Vorkehrungen getroffen und bereits ist die Summe von 1 400 000 Mark ausgeworfen worden, um der Kalamität energisch zu begegnen. Man verspricht sich von der Anbringung von Leimringen an jedem Baum bedeutenden Erfolg. Die Schutzvorlehrungen sind auf sämmtliche Staatsforste ausgedehnt.
Gibraltar, 18. März. Der Dampfer „Utopia", von Triest nach New Jork mit 700 italienischen Auswanderern unterwegs, sank nach einem Zusammenstoß mit den englischen Panzern „Anson" und „Rodney" in der Bucht von Gibraltar. Alle dort liegenden Kriegsschiffe sandten Boote zur . Rettung aus. Die Zahl der Umgekommenen soll 200 betragen. Die ! Schiffsbesatzung soll gerettet sein.
London, 18. März. Nach einer Lloydmeldung aus Gibraltar ■ wird die Zahl der Ertrunkenen des gesunkenen Dampfers „Utopia" au