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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 65. Mittwoch den 18. März. 1891
Amtliches.
Bekanntmachung.
Jeder Landbriefträger führt auf seinen Bestellgängen ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packele, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Wüuscht der Absender die Eintragung selbst zu bewirken, so ist diesem das Annahmebuch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.
Cassel, 24. Februar 1891.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor
________Zielcke.
BämrLrnaümngen König!- Landrathsomts.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden hierdurch erinnert, die in doppelter Ausfertigung aufzustellenden Klaflen- sie«er-Z«- «nv Abgangslisten pro 1I. Semester 1890 91 nebst Belagen an die Königl. Steuerkaffe und die Listen der zu den Klasfensteuerstufen 1 und 2 durch ZugangssteUung neu veranlagten — in keine Rolle ausgenommenen — Personen ebenfalls in duplo sofort hierher rinzusenden, eventuell Vakatanzeige zu erstatten.
Hanau am 16. März 1891.
Der Königliche Landrath.
St. 467 J. V.: Baabe.
Die technischen Revisionen der Maaße und Gewichte im Landkreise Hanau finden für die nachbezeichneten Gemeinden wie folgt statt:
In Großauheim am 13., 14. und 15. April c.,
„ Großkrotzenburg am 16. und 17. April c.,
„ Langenselbold am 18. und 20. April c.,
„ Langendiebach am 21. und 22. April c.,
„ Marköbel und Ostheim am 23. und 24. April c.,
„ Windecken am 25. und 27. April c.,
„ Bergen mit Enkheim am 28., 29., 30. April und 1. Mai c.,
„ Fechenheim am 2., 4. und 5. Mai c.
Die Revisionen werden durch die Organe der Ortspolizeiverwaltungen und den Aichmeister T r o st aus Hanau ausgeführt.
Die Gewerbetreibenden werden hierdurch aufgefordert, ihre Maaße rc., soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, vorher zur aich- amtlichen Prüfung zu bringen. Werden zweifelhafte Maaße rc. bei den Revisionen vorgefunden, so wird Einziehung derselben bezw. Bestrafung nach §. 369 Nr. 2 des Strafgesetzbuches eriolgen. Den ungestempelten Maaßen rc. gelten diejenigen gleich, deren Aichstempel unkenntlich geworden sind.
Hanau am 2. März 1891.
Der Königliche Landrath.
P. 1484 I. V.: Baabe.
Die Maul- und Klauenseuche in Großwelzheim ist erloschen und der Amtsbezirk Alzenau z. Zt. seuchenfrei.
Hanau am 18. März 1891.
Der Königliche Landrath.
V . 1786 I. V.: Baabe.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein großer schwarzer Spitz m. Geschl.; Empfangnahme bei Ernst Jung in Großauheim.
Gefunden: Ein leeres Portemonnaie. Ein goldener Ring mit Stein. Ein dunkelblauer Herbstüberzieher.
Hanan am 18. März 1891.
Die Militärpflichtigen hiesiger Stadt werden Hierdurch anfgefordert, ihre Loosnngsscheine binnen
8 Tagen ans dem hiesigen Meldeamte in den Büreaustunden Vormittags von 8 bis 12 und Nachmittags von 2 dis 4 Uhr adzuholen.
Hanau am 17. März 1891.
Der Oberbürgermeister Westerburg.
t Der Wechsel im Kultusministerium.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegen- heiten v. Goßler hat um seine Entlassung gebeten, die von Seiner Majestät in Gnaden bewilligt worden ist. In den Blättern war schon seit längerer Zeit gerüchtweise von Schwierigkeiten die Rede, die für die Stellung des Herrn v. Goßler entstanden seien. Man sprach von Meinungsverschiedenheiten in den Fragen der Schulreform, verwies auf die parlamentarischen Meinungskämpfe, die beim Volksschulgesetz hervorgetreten seien, und namentlich auf die ungünstige Aufnahme der Vertheidigung der neuen Sperrgeldervorlage durch den Kultusminister. Was ihn in Wirklichkeit bewogen hat, um Enthebung von seinem Amte einzukommen, ist authentisch nicht bekannt und mag daher dabingestellt bleiben.
Herr v. Goßler ist seit Juni 1881 Kultusminister gewesen. Er folgte damals dem Kultusminister v. Puttkamer nach dessen Uebertritt an die Spitze des Ministeriums des Innern nach. Mit 43 Jahren war er der an Lebensalter jüngste unter seinen Kollegen und blieb es bis zum Eintritt des Freiherr» v. Berlepsch als Handelsministers in das Staatsministerium. Seine Laufbahn in der Verwaltung hatte er Mitte der sechziger Jahre als Landrath in Darkehmen begonnen. Im Jahre 1874 wurde er als Hülfsarbeiter ins Ministerium des Innern berufen und trat 1879 als Unterstaatssekretär ins Kultusministerium ein. Dem Reichstage gehörte er für den Kreis Stallnpönen—Goldap—Darkehmen während der III., IV. und V. Legislaturperiode an und nahm in der Session vor seiner Ernennung zum Minister den Präsidentenstuhl ein, auf dem er die Geschäfte des Reichstags mit strenger Sachlichkeit führte.
Herr von Goßler hat in seiner mehr als zehnjährigen Ministcrschaft eine außerordentlich segensvolle Thätigkeit entfaltet. Seine größten parlamentarischen Thaten lagen in jener Reihe von Gesetzen, durch die der kirchenpolitische Friede angebahnt und schließlich hergestellt wurde. Was die evangelische Kirche betrifft, so bezeichnete er es noch am 24. Januar im Abgeordnetenhause als einen verklärenden Lichtstreifen, der auf seine Thätigkeit falle, daß nun endlich nach der Erklärung des Ministerpräsidenten von Caprivi die Entschädigung der Geistlichen für den Wegfall der Stol- gebühren geregelt werden solle. Unter seiner Verwaltung ist das Volksschulwesen mannigfach vervollkommnet worden; viel geschah auch für die Ausbesserung der äußeren Lage der Volksschullehrer und Emeriten, sowie auch der Lehrerwittwen und -Waisen. Die höheren Lehranstalten, die Pflege von Wissenschaft und Kunst hatten an ihm einen begeisterten, in die verschiedensten Gebiete mit unermüdlichen Fleiße cindringenden Förderer, und es wird ihm eine dauernde dankbare Verehrung aus diesen Kreisen sicher sein. Das schönste Zeugniß hat dem scheidenden Kultusminister unser Kaiser selbst ausgestellt, als er in seiner Ansprache an die Schulkonferenz am 4. Dezember v. Js. von ihm sagte, Preußen habe seit langen Jahren keinen so tapferen, hingebenden und hervorragenden Kultusminister gehabt.
Der nenernannte Kultusminister, bisherige Oberpräsident der Provinz Posen, Graf von Zedlitz-Trützschler steht im 54. Lebensjahre. Nach dem Ausscheiden ans der militärischen Laufbahn hatte er sich der Bewirthschaf- tung seines Rittergutes im Kreise Fi eistadt in Schlesien gewidmet und dabei vielfachen Antheil an der Selbstverwaltung der Provinz genommen. Nachdem er einige Jahre Regierungsp^isident in Oppeln gewesen war, kam er 1886 als Ober Präsident und zugleich als Vorsitzender der Ansiedelnngs- kommission nach Posen, in welch schwierigen Stellungen sein praktischer Scharfblick und eine seltene organisatorische Befähigung ihm hohe Achtung erwarb.
Tagesschau.
Berkin, 17. März. Se. Majestät der Kaiser und König hörten