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Donnerstag den 12. März.
Nr. 60. â««^ «'»«»»«!!
Amtliches.
Bekanntmachung.
Jeder Landbriefträ^ec führt auf seinen Bestellgängen ein Annahmebuch, in welches er die angenommenen Sendungen mit Werthangabe, die Einschreibsendungen, die Postanweisungen und gewöhnlichen Packele, sowie die Nachnahmesendungen und die für Zeitungen vorausbezahlten Beträge einzutragen hat. Wünscht der Absender die Eintragung selbst zu bewirken, so ist diesem das Annahmebnch vorzulegen. Auch kann der Absender die Vorlegung des Buches verlangen, um von der seine Sendung betreffenden Eintragung des Landbriefträgers Kenntniß zu nehmen.
Cassel, 24. Februar 1891.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor
Zielcke.
Gekanntmacmngeu König!. LandrarhSamrs.
Die Erben des verstorbenen Dienstmannes Philipp Glas hier haben um Rückgabe der von Letzterem hinterlegten Kaution gebeten.
Es wird dies mit dem Bemerken hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß etwaige Ansprüche, welche sich auf Sachbeschädigungen Seitens des 2C. Glas in seiner Eigenschaft als Dienstmann beziehen, innerhalb 14 Tagen, vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, im Polizeisekretariat anzumelden sind.
Hanau am 7. März 1891.
Der Königliche Landralh
P. 1639 v. O ertzen.
Die technischen Revisionen der Maaße und Gewichte im Landkreise Hanau finden für die nach bezeichneten Gemeinden wie folgt statt:
In Großauheim am 13., 14. und 15. April c.,
„ Großkrotzenburg am 16. und 17. April c.,
„ Langenselbold am 18. und 20. April c.,
„ Langendiebach am 21. und 22. April cv
„ Marköbel und Ostheim am 23. und 24. April c.,
„ Windecken am 25., und 27. April c.,
„ Bergen mit Enkheim am 28., 29., 30. April und 1. Mai c.,
„ Fechenheim am 2., 4. und 5. Mai c.
Hanau am 2. März 1891.
Der Königliche Landrath
P. 1484 v. Oertze n.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Vertauscht am Z. ds. Mts. bei dem Ersatzgeschäft: ein Paar fast neue Stiefel gegen ein Paar ganz defekte.
Hanau am 12. März 1891.
NR. Politische Uebersicht.
Der Kaiser, und im Geiste mit ihm alle in deutscher Treue . schlagenden Herzen des Volkes, beging am 9. d. die dritte Wiederkehr des * Todestages Kaiser Wilhelms I. in weihevollem, ernstem Angedenken. An der Grabstätte des entschlafenen Heldenkaisers waren reiche Gabcnspenden niedergelegt, welche der Kaiser und die Kaiserin, die Kaiserin Friedrich, die , Erbprinzefsin von Sachsen-Meiningen und die anderen Mitglieder des Hofes, r sowie die Generaladjutanten, Generäle â la suite und Flügeladjutanten des Heimgegangenen Monarchen, mehrere Offizierkorps, ferner viele andere Persönlichkeiten und Vereine in treuem Gedenken gespendet hatten. Die Feier im Charlottenburger Mausoleum, am Sarge des Entschlafenen, beschränkte sich auf ein stilles Gebet; auf der Rückkehr nach dem Berliner Schlosse kehrte der Kaiser noch für eine kurze Weile im Palais seines kaiserlichen Großvaters ein und verweilte im Sterbczimmer desselben.
Die Einigkeit im Lager der Oppositionsparteien ist, trotz des äußeren Anscheins, der durch das Fraktionsprogramm, durch schroffes Auftreten der Führer und durch gelegentliche Androhung des Jinans fliegens aus der Partei bedingt wird, eine mehr als zweifel- s hafte. Mehrere Anlässe der jüngsten Vergangenheit zeigen insbesondere, ‘
1891
daß sowohl die Freisinnler als die Sozialdemokraten Elemente genug in ihren Reihen zählen, die sich der Richler'schen bezw. Singer'schen Diktatur nur nothgedrungen beugen und die erste beste Gelegenheit benutzen, ihrer abweichenden Meinung Nachdruck zu geben
Der Freisinn spaltete sich in recht ostentativer Weise anläßlich der Abstimmung über die Zurückverweisung der strittigen Marincforde- rungen an die Kommission. Während Herr Rickert für die Zurückverweisung sprach, eiferte Herr Richter heftig gegen dieselbe. Es stimmten von den Freisinnigen u. A. für die Zurückweisung an die Kommission die Abgg. Rickert, Bamberger, Schrader, Dohrn, Hirsch, Lüders, Barth, Goldschmidt, Ebertp, Horwitz. Was die Sozialdemokratie betrifft, so bildet hier die Frage des internationalen Arbeiterfeiertages das zersetzende Ferment. Die Gegner der Fraktionsautorität bestreiten der parlamentarischen Vertretung der Partei in dürren Worten die Befugniß, den Arbeitern Vorschriften über die Maifeier zu machen. Am Sonnabend tagte in dem großen Berliner Etablissement zum Eiskeller eine Massenversammlung von Arbeitern, in welcher der Fraktion die Leviten gelesen wurden. Ihre Politik wurde für „Ulk" und „Mumpitz" erklärt, und die Versammlung, deren Kompetenz sich auf den großen sechsten Berliner Rcichstags- wahlkreis erstreckt, beschloß endlich mit großer Majorität den 1. Mai als vollen Feiertag zu erklären und an diesem Tage die Arbeit ruhen zu lassen.
Die Tragweite der Altersversicherung, welche von den Sozialdemokraten aus Rancune gegen die Reformpolitik des Kaisers bekanntlich immer und immer wieder auf das Heftigste bestritten wird, ist thatsächlich weit bedeutender, als anfangs angenommen wurde. So hat beispielsweise allein die braunschweigische Altersversicherung in den ersten zwei Monaten dieses Jahres bereits über 500 Altersrenten bewilligt, deren Jahresbetrag sich über 70 000 Mark beläuft. Der älteste Rentenempfänger ist 90 Jahre alt.
Im Anschluß an die Generalversammlung der Gesellschaft vom rothen Kreuze und der Prüfung der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege fand am 5. März im Kultusministerium die zweite Delegirten-Konferenz der Genossenschaft statt. Von prinzipieller Bedeutung war der fünfte Punkt der Tagesordnung: Herr Geheimrath von Esmarch schilderte eingehend die Organisation seines Samaritervereins und empfahl der Genossenschaft dringend, daß die ganz ausgebildeten und dazu qualifizirten Mitglieder in den einzelnen Verbänden bereits in Frie- dcnszeiten bei plötzlichen Unglücksfällen sich hülfreich erweisen. Nur wenn die Genossenschaft praktische Aufgaben bereits in Friedenszeit zu lösen hat, werde sie nach seiner Ueberzeugung zusammengehalten werden können. Es konnte bei dieser Gelegenheit konstatirt werden, daß bereits in einem der Verbände, Frankfurt a. O., in einer ganzen Reihe von Fällen dankens- werthe Hülfe bei plötzlichen Unglücksfällen geboten werden konnte.
In Paris tagt soeben ein nationaler französischer Bergarbeiter-Kongreß. Die erste Sitzung wurde Sonnabend Abend im Saale des Stadthauses zu kommen tri) abgehalten. Nach erzielter Verständigung mit den englischen, belgischen, deutschen und amerikanischen Verbänden will die nationale Föderation einen allgemeinen bergmännischen Aus st and erörtern.
Tagesschau.
Berlin, 10. März. Ein Besuch des Kaisers Wilhelm II. in Altona ist dem „Hamb. Corresp." zufolge aller Voraussicht nach demnächst zu e> warten, der Besuch werde anläßlich einer geplanten Reise nach Kiel erfolgen ; der Kaiser gedenke bei seiner Anwesenheit in Altona Wohnung beim Grafen Waldersee zu nehmen.
Berlin, IL März. Kaiser Wilhelm ließ, nach den „Fr. N.", Mittags die hiesige Garnison zu einer größeren Uebung auf dem Tempelhofer Felde alarmiren, wobei er die zu zehntägiger Üebung eingezogenen Landwehrleute der Gardeinfanterie besichtigte.
Berlin, 11. März. (K. Z.) Heute Mittag gegen 12 Uhr hat eine Slaatsininisterialsitzung stattgefunden und nach derselben ist der Reichskanzler von Caprivi zum Kaiser zum Vortrag gefahren. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß es sich um den Rücktritt des Kultusministers v. Goßler gehandelt haben werde, der sein Abschiedsgesuch eiugereicht haben