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Nr. 59.

Mittwoch den 11. März.

1891

Der Herr Minister des Innern, der Herr Kriegsminister und der Herr Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten haben den Ab­schnitt III Ziffer 2 des in Nr. 19 des Amtsblattes vom Jahre 1887 (Seite 75) bekannt gemachten Erlasses vom 1sten Februar 1887 durch einen Erlaß vom 22. Januar d. J. dahin abgeändert, daß Forstversorgungs- Berechtigte und Reservejäger der Klasse A. im Gemeinde- und Anstalts- Forstschutzdienste auch über die Probedienste hinaus provisorisch angestellt Werden dürfen, ohne daß von denselben ein Aufgeben ihrer Ansprüche aus Anstellung im Staatsdienst verlangt wird.

Cassel den 10. Februar 1891.

Der Regierungs-Präsident Rothe.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Am 9. ds. Mts. 3 Packkörbe und 3 Mahnen, woran sich eine Marke mit der Aufschrift:Heinrich Fellenbach, Bonn, Wild­bret-, Geflügel- u. Konserven-Handlung", befand. Ein Portemonnaie mit Geld, auf der Post liegen geblieben. Eine silberne Brille. Baares Geld. Verloren: Zwei Milchkannen, â 5 Liter haltend. Ein Zwicker mit Nickelfassung. Ein Portemonnaie mit 50 Mark Inhalt.

Hanau am 11. März 1891.

t Die Krankenversicherung.

Es hat auch Gegner der obligatorischen Krankenversicherung gegeben, tote es Gegner des Invaliden- und Alterversicherungsgesetzes gibt. Aber T jene Gegner sind allmählich durch die thatsächlichen Wirkungen, welche die Krankenversicherung ausgeübt hat und ausübt, verstummt und nur theil­weise Ausstellungen werden an dem Gesetz gemacht, welche soweit sie als berechtigt anzuerkennen durch die jetzt dem Reichstage vorliegende, bereits von einer Kommission durchberathene Novelle erledigt werden dürften. Der allmähliche Umschwung, der in Beurtheilung der obligatorischen Kranken­versicherung kingetreten, wird sicherlich ebenso auch gegenüber der Jnvaliden- «nd Altersversicherung hervortreten, wenn erst hier sich die Wirkungen all­gemeiner sichtbar machen werden.

Was die Krankenversicherung anbetrifft, so ist das Hauptgesetz über diesen Gegenstand am 1. Dezember 1884 in Kraft getreten. Es ist später aus verschiedene andere Betriebe, schließlich auch auf die land- und forst- Wirthschaftlichen, ausgedehnt worden; letztere sind aber erst zum Theil in die Krankenversicherung einbezogen worden. Gegenwärtig liegt nun eine vorläufige Uebersicht der statistischen Ermittelungen über die Krankenver­sicherungsergebnisse während des Jahres 1889 vor. In diesem Jahr be­trug die Durchschnittszahl der Versicherten 6 144 199 Personen. Im vor­hergehenden Jahre waren 5 398 478 Personen versichert, so daß sich das Mehr auf 745 721 beläuft. Die größte Zahl war, wie auch im Vorjahre, in Ortskrankenkassen versichert, nämlich 2 542 997; cs folgen die Betriebs­krankenkassen mit 1 543 717 und die Gemeindeversicherung mit 1025 896 Versicherten. In den Ortskrankenkassen hat sich gegen das Vorjahr die Zahl der Versicherten um rund 322 000, in den Betriebskrankenkassen um rund 109 000 und in der Gemeindeversicherung um 255 000 gehoben. In den eingeschriebenen Hilfskaffen waren 786 272 Arbeiter (gegen 745 171 im Vorjahre) versichert, in den landesrechtlichen Hilfskassen 144 872 (gegen // 142 895), in den Jnnungskassen 63 237 (gegen 55 428) und in den < Baukassen 37 208 (gegen 28 627).

Für die 6 144199 Arbeiter sind im Jahre 1889: 2 Millionen Erkrankungsfälle mit 33,4 Millionen Krankheitstagen zu konstatiren gewesen. Auch hier zeigt sich der entsprechende Zuwachs gegen das Vorjahr, welches 1762 000 Erkrankungsfälle mit 29Va Millionen Krankhcilstagcn aufzu- weisen hatte. Die Zahlungen für Krankheitskosten beliefen sich aus 71 Millionen Mark (gegen 61 Vi Millionen Mark im Vorjahre); die Ge- sammtausgaben der Kassen inkl. Verwaltungskosten und Rücklagen betrugen 95,4 Millionen Mark (gegen 85 517 100 Mark im Vorjahre).

Diese Summen sprechen für sich selbst; sie zeigen, was die Ge­sammtheit aufzubringen vermag zum Schutze gegen die wirthschaftlich nach- theiligen Folgen von Krankheit. Dabei sind die Lasten, welche das einzelne Mitglied zu tragen hat, verschieden: in den Ortskrankenkassen entfielen auf

i 1 Mitglied 10,8 Mark an gezahlten Krankheitskosten, bei den Betriebs­krankenkassen 15 Mark, bei den Gcmeindekrankenkafsen 6,9 Mark, bei den eingeschriebenen Hülfskaffen 12,9 Mark, bei den landesrechtlichen Hülfs- kassen 12,5 Mark, bei den Jnnungskrankenkassen 8,8 Mark, bei den Bau­krankenkassen 19,5 Mark. Im Durchschnitt entfielen auf den Versicher­ten an Krankheitskosten 11,6 Mark (im Vorjahr 11 Mark), auf den wirklich Erkrankten 35 Mark (im Vorjahr 34,93 Mark), auf den Krqpk- : heitstag 2,10 Mark (im Vorjahr 2,08 Mark); ferner hat im Durchschnitt ein Erkrankungsfall etwa 16,2 Tage (gegen 16,8 Tage) gedauert. Im Ganzen war der dritte Theil der Versicherten im Laufe des Jahres einmal krank.

Die ausführlichen Ergebnisse der Erhebungen für das Jahr 1889, insonderheit auch bezüglich der Beiträge und der finanziellen Lage der Kassen, werden erst später veröffentlicht werden. Aber aus den vorstehenden Mit­theilungen ergibt sich zur Genüge, welcher Segen mit der Krankenversiche­rung verbunden ist: sie faßt die Kräfte zusammen, um sie eintreten zu lassen für den Fall der Krankheit der Einzelnen, die ohne diese Hülfe auf Almosen oder auf eigene Kraft angewiesen wären und damit in vielen Fällen den Grund zur Vernichtung ihrer wirthschaftlichen Existenz legen würden!

Lagesschait.

Berlin, 10. März. Se. Majestät der König haben Allergnä- digst geruht dem Präsidenten des Evangelischen Ober Kirchenraths, Wirk­lichen Geheimen Rath Dr. Hermes den Rothen Adler Orden erster Klasse mit Eichenlaub zu verleihen.

Berlin, 10. März. Dem zum Konsul der schweizerischen Eidge­nossenschaft mit dem Sitze in Mannheim ernannten Kaufmann Johann Hafter ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.

Berlin, 10. März. Se. Majestät der Kaiser und König nah­men heute Vormittag die Marinevorträge, den Vortrag des Chefs des Militärkabinets und denjenigen des Reichskanzlers und daran anschließend militärische Meldungen entgegen. Um 1 */< Uhr war Frühstückstafel zu Ehren des Geburtstages Seiner Majestät.des Kaisers von Rußland.

Berlin, 10. März. Der Reichstag verweigerte die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Abg. Metzger (Hamburg) wegen Be- amtenbeleidigung. In zweiter Lesung wurde die Novelle zum Strafgesetz­buch (Beschädigung von Telegraphenanlagen) nach kurzer Debatte angenom­men. Es folgt die zweite Berathung des Gesetzes, betreffend die kaiserliche Schutztruppe in Ostafrika, von Keudell bespricht das deutsch-englische Abkommen und konstatirt, es habe einen Moment gegeben, wo England größeren Werth auf das Abkommen gelegt habe als Deutschland. Bam­berger ist gegen das Gesetz. Graf Arnim-Muskau wünscht Berück­sichtigung Derjenigen, die vor dem Reichskommissar in Afrika gearbeitet haben. Die einzelnen Paragraphen werden genehmigt. Es folgen Wahl­prüfungen. Die Wahl Schier's (Cassel 8) wird beanstandet und beschlossen Erhebungen zu veranstalten. Die Wahl von Evers (Minden 3) wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten für giltig er­klärt. Bei der Beschlußfassung über die Wahl Grumbt's (Sachsen 8) ergibt sich Beschlußunfähigkeit. Morgen: Wahlprüfungen und Petitionen. (Fr. N.)

Berlin, 10. März. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute die Gewerbesteuervorlage bis §. 58 einschließlich, indem es eine wesentliche Aenderung der Vorschläge der Kommission nur bei den §§. 30 bis 38 vornahm. Hier wurden die Anträge von Tiedemann angenommen, wonach die erste Berufungsinstanz die Bezirksregierung, die zweite Instanz das Oberverwaltungsgericht (statt der Finanzminister) bildet. Die Fortsetzung der Berathung wird dann auf morgen 10 Uhr vertagt. (Rh. K.)

Berlin, 10. März. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Er­nennung des Unterstaatssekretärs Barkhausen zum Präsidenten des evange­lischen Oberkirchenraths unter Beilegung des KaraktersWirklicher Geheimer Rath" mit dem Prädikat Exzellenz.

Berlin, 10. März. S. M. S.Carola", Kommandant: Kor- vetten-Kapitän Valette, ist am 8. März in Lissabon eingettoffen und be­absichtigte am 14. die Heimreise fortzusetzen.

Kaiser Wilhelm hat, nach derK. Z.", das in seinem Auftrage von Dr. Güßfeldt herausgegebene und mit reichen Illustrationen ausge-