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Hanauer Anzeiger.

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Nr. 47. Mittwoch den 25. Februar.

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Bekanntmachung.

I Ermäßigung des Drucksachenporlos im deutsche österreichischen Wechselverkehr.

Vom 1. März ab findet der für den inneren deutschen Verkehr I eingeführte ermäßigte Portojatz von 5 Pfennig für Drucksachen- i sendungen im Gewicht von über 50 bis 100 Gramm einschließ- i lich auch im Verkehr mit Oesterreich-Ungarn Anwendung.

Berlin W., 22. Februar 1891.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts, von Stephan. --

I -setKUrnmaamugen Kömgl. LandrurhsümtS.

Polizei-Verordnung.

Auf Grund des 8- 11 der Veiordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiveiwaltnng in den neu erworbenen Landestdeilen wird hierdurch für Den Umfang unseres Regierungsbezirkes, ausschließlich der . vormals Großherzoglich Hessischen Landestheile, Folgendes angeordnet:

Einziger Paragraph. Dei jenige, dessen Hund in einem fremden KJagdrevieie jagend, suchend oder aufsichtslos umherlaufend betreten wird, peifäUt, wenn es in der Zeit vom Iten September bis Iten Februar ge- flschieht, in eine Geldstrafe von Einem bis Acht Thalein, und wenn es in MW Zeit vom Iten Februar bis Iten September geschieht, in eine Geldstrafe Mvn Zwei bis Zehn Thalern.

M Cassel den 8. November 1873.

W Königliche Regierung,

M Abtheilung des Innern.

Nachdem wahrgenommen ist, daß Uebertretungen der obigen Polizei- Werordnung seitens der Ortspolizeibehörden, insbesondere der ländlichen, ^mehrfach mit Geldstrafen von Einer Mark belegt worden sind, wählend die MM.-O. einen Thaler als geringstes Strafmaß bestimmt, weise ich die Orts- s Polizeibehörden des Kreises an, Uebertretungen der Verordnung mit Geld- s strafen von mindestens 3 Mark zu ahnden.

Hanau am 23. Februar 1891.

Der Königliche Landrath

V. 1187/1212 v. Oertzen.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Briefmarke (auf der Post liegen geblieben), i Ein Portemonnaie mit Konsummarken. Ein SchulbuchChemie". Ein ! leinenes Sticktuch für Schüler.

Geländet: An der Kinzig ein ca. 3 m langer Eschenstamm.

Abhanden gekommen: Vor ca. 14 Tagen eine hölzerne mit , Eisen beschlagene Zugwaage.

: Hanau am 25. Februar 1891.

Rede Sr. Majestät des Kaisers und Königs.

Die Rede, welche S e. Majestät der Kaiser und König am Freitag bei dem Festmahl des Brandenburgischen Provinziallandtages ge- | halten, lautet folgendermaßen:

In Meinen Dank für die freundlichen Worte des Herrn Vorsitzenden möchte Ich zunächst das tiefe Bedauern und den innigen Schmerz ein­schließen, der Mein und, Ich bin fest überzeugt, Ihrer Aller Herzen durch­zogen hat bei dem Verlust eines Ihrer werthesten Mitglieder; Ich meine des Herrn von Rochow-Plessow. Ihm, einem alten märkischen Edelmann von treuem, festem Schrot und Korn, einem Vorbild aller ritterlichen Tugenden, der seinem Fürstenhause treu ergeben war bis zum letztem Athemzuge seines Lebens, möchte Ich als König noch nachträglich Meinen Dank aussprechen für das lange Leben treuen Arbeitens, welches er für Meine Vorfahren und für Mich im Dienste der Provinz zügeln acht hat.

Brandenburgische Männer! Ich freue Mich von ganzem Herzen, M es Mir vergönnt ist, wieder kin/n Abend unter Ihnen zuzubringen, Jenn es ist Einem immer wohl, mit Männern sich zufammenzufindeu, von

1891

denen man weiß, daß man mit ihnen übereinstimmt und daß man sich miteinander eins fühlt.

Wir stehen gewissermaßen noch unter dem Schatten jenes Tages, den wir vor kurzer Zeit gefeiert haben, Ich meine des Jubiläums jenes großen Brandenburgers, von dem Ich so oft und gern zu Ihnen gesprochen habe, des Großen Kurfürsten, jenes Mannes, der mit seinem vollsten Herzen und allen Fibern an seinem Hcimathlande hing und mit unermüdlicher, rastloser Thätigkeit dafür sorgte, daß aus tiefer Noth und tiefem Elend die Mark Brandenburg zu einem festen, einigen Ganzen empor stieg. Es ist der Vorfahre von Mir, für den Ich die meiste Schwärmerei habe, der von : jeher Meiner Jugend als Vorbild vorangeleuchtet hat.

Ich weiß sehr wohl, daß in dieser Zeit und im vergangenen Jahr I Manches geschah und sich ereignet hat, was Ihre Herzen und Gemüther ; bewegt. Ich freue Mich, daß Meiner Aufforderung zum gemeinsamen : Arbeiten, zum einigen Thun im Lande, welche Ich damals in Schleswig- Holstein und später in Schlesien aussprach, so gerne und willig in jeder Beziehung in der Bevölkerung entsprochen worden ist, ebenso auch hier in der Mark Braudenbuig. Ich meine aber zu gleicher Zeit einen gewissen Stillstand mabruehmen zu können, ein gewisses Zagen und ein gewisses Zaudern; Ich meine zu sehen, daß es den Herren nicht leicht wird, den Weg zu erkennen, den Ich beschreite und den Ich Mir vorgezeichnet habe, um Sie und uns Alle zu Meinem Ziel und zum Heil des Ganzen zu führen.

Wenn wir Schritte thun und arbeiten wollen zum Heile des Ganzen, so müssen wir dieses auch immer im Auge haben. Zu diesem Zwecke thut es wohl gut, sich zuweilen in : unsere Geschichte rückblickend zu vertiefen.

Ich habe im vorigen Jahre an einer Stelle gestanden, die uns Allen theuer, lieb und werth, Ich möchte sagen geheiligt erscheint; es ist der Boden von Memel. Ich bin in dem Hause gewesen, wo Meine Urgroß­eltern gelebt und ihre Zeit in schwer er Anfechtung und Sorge zugebracht haben, da unser Land zerschmettert am Boden lag, den Eroberer in sich walten und schalten sehend, ohne Hoffnung auf die Zukunft. Und gerade von dort aus, da Niemand wüßte und. Niemand sich denken konnte, daß das Land sich jemals wieder erheben würde, von dort aus sind die ersten ; Anfänge zur Größe unserer Jetztzeit ausgegangen. Das Fürstenhaus, fest- i haltend an Gott, am Glauben, an der Treue zu seiner Pflicht; das Volk, fest vertrauend der Hand seines Führers: sie fanden sich Beide wieder zusammen, und in diesem Vertrauen liegt die Größe, darin liegt das Ge- i heimniß der Größe unseres Vaterlandes.

Ich weiß sehr wohl, daß es in der Jetztzeit versucht wird, die Ge­müther zu ängstigen. Es schleicht der Geist des Ungehorsams durch das Land; gehüllt in schillernd verführerisches Gewand, versucht er die Ge­müther Meines Volkes und die Mir ergebenen Männer zu verwirren; eines Ozeans von Druckerschwärze und Papier bedient er sich, um die Wege zu verschleiern, die klar zu Tage liegen und liegen müssen für Jedermann, der Mich und Meine Prinzipien kennt. Ich lasse Mich dadurch nicht be- irren. Es mag Meinem Herzen wohl wehe thun, zu sehen, wie verkannt : die Ziele sind, die Ich verfolge; aber Ich hege das Vertrauen, daß alle : Diejenigen, die monarchisch gesonnen sind, die es gut mit Mir meinen, und daß vor allen Dingen die brandenburgischen Männer nicht einen Augenblick wankend geworden sind und nie gezweifelt haben an dem, was Ich that.

Wir müssen vorwärts streben, wir müssen arbeiten und im Innern kämpfen. Aber wenn das Ganze gedeihen soll, so, seien Sie sich dessen klar, müssen hier und da im Einzelinteresse Opfer gebracht werden.

Unsere jetzigen Parteien sind gegründet auf Interessen und verfolgen dieselben oft zu sehr, eine jede für sich. Es ist ein Hobes Verdienst Meiner Vorfahren, daß sie sich nie zu den Parteien gestellt, sondern daß sie stets darüber gestanden haben und daß es ihnen gelungen ist, die einzelnen Par­teien zum Wohle des Ganzen zu vereinigen. Nun, Sie feiten ja, wie der Eifolg diese Bemühungen gehört hat jum Heil des Ganzen, zum fort- i schreitenden Gedeihen mrc er Arbeit.

Ich hoffe und spreche die feste Zuversicht aus, daß ein Jeder von Ihnen in seiner Arbeit und in seinem Wirkungskreis verstehen wird, daß er für das Ganze wirken und arbeiten soll, daß er Mir treu zur Seite