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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 38.

Samstag den 14. Februar.

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Die ifpaltige Garmondzeile * beten Saum

10 Pfg.

Sie »spalt, gelte 80 Psg.

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30 Pfg.

1891

^ Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein rother gehäkelter Kinderkragen. Ein schwarzer I Pelzkragen.

Zugelaufen: Ein schwarzer Hühnerhund.

Vom Wasenmeister am 13. d. Mts. eingefangen: Ein goldge- striemter Boxerhund m. Geschl.

; Hanau am 14. Februar 1891.

t Parlamentsschau.

r - In der hinter uns liegenden Woche haben hauptsächlich die Verhand­lungen des Reichstags über das Auswärtige Amt das Interesse in Anspruch genommen. Wir halten uns indeß nicht lange bei den hierbei gemachten gelegentlichen Bemerkungen auf: Anfragen über einen Agenten, welcher angeblich einem Assessor Anstellung im Auswärtigen Amt verschaffen wollte, über die Verweigerung der Auslieferung eines Schwindlers seitens Argentiniens, über eine Mißhandlung deutscher Seeleute durch amerikanische Polizisten, über den Entschädigungsanspruch des durch die Royal-Niger- Compagnie geschädigten Kaufmanns Hönigsberg, über den Aufstand in Chile rc., fanden von Seiten der Vertreter des Auswärtigen Amts sämmtlich eine entsprechende befriedigende Beantwortung. Umfangreiche Erörterungen über k die Kolonialpolitik knüpften sich an diejenigen Positionen des Etats 'n des Auswärtigen Amts, welche sich auf Afrika beziehen: demgemäß müssen H wir hikibei etwas länger verweilen.

Als Beihülfe zur Förderung der auf Erschließung Zentralafrikas

I gerichteten wissenschaftlichen Bestrebungen, wofür im vorigen Jahre 150 000 Mark angesetzt waren, waren diesmal 200 000 Mark in Vorschlag gebracht. Der bekannte Gegner der Kolonialpolitik Bamberger beantragte Namens

I seiner Partei, die Erhöhung dieser Position um 50000 Mark zu streichen, j und begründete dies damit, daß der Fonds nicht für wissenschaftliche, sondern für koloniale Zwecke verwendet werde, also der Kolonialpolitik, welche er aus der Welt geschafft sehen möchte, und den Handelsgeschäften afrikanischer Häuser zu Gute komme. In gleichem Sinne wurde die Position von dem Abgeordneten Dichter bekämpft, während der Vertreter der Regierung her­vorhob, daß der Fonds lediglich wissenschaftlichen Interessen diene; von den Abgeordneten der übrigen Parteien wurde in gleicher Weise die Nothwendig-- Tett der Erforschung des Hinterlandes der neuen Kolonien betont. Eine i Bemerkung des Abgeordneten Richter gab dem Reichskanzler Veran- i lassung darauf hinzuweisen, daß wir uns das in Afrika Erworbene voll; nutzbar machen müssen und daß dies erst geschehen könne, wenn das Be- i dürfniß nach Erforschung der Hinterländer, namentlich von Togo und ! Kamerun, befriedigt sei. Die Position wurde bewilligt. Lebhafter gestaltete sich die Erörterung über die Position 292 300 Mark (statt bisher 268 800 ; Mark) als Zuschuß zur Bestreitung der Verwaltungsausgaben für Süd- s westafrika, deren Ablehnung die Freisinnigen mit der Motivirung for- ; derten, daß diese Kolonie werthlos sei und von Deutschland möglichst sofort i aufgegeben werden sollte. Von den anderen Parteien köurde dagegen die ■ Möglichkeit einer Besiedelung dieser Kolonie durch deutsche Landwirthe und | einer Entwickelung der Landwirthschaft und des Bergbaues daselbst, sowie ■ die Pflicht betont, etwas, was Deutschland erworben, nicht ohne Weiteres; aufzugeben. Der Reichskanzler erklärte,, daß die Hoffnung auf bessere ; Verhältnisse zunächst noch nicht aufgegeben werden dürfe, zumal eine neu­begründete deutsche Gesellschaft die Nutzbarmachung des Landes iu die Hand nehmen wolle. In die Kämpfe, welche zwischen den Eingeborenen entstanden seien, könne sich die aus 50 Mann unter Hauptmann Franyois stehende Schutztruppe nicht einmischen, so lange die Weißen nicht angegriffen würden. Eine Entscheidung über die Zukunft dieser Kolonie werde vielleicht nach i dem Ablauf dieses Jahres, welches als ein Versuchsjahr zu betrachten sei, i möglich sein. Auch diese Position wurde mit großer Majorität bewilligt, j — Die Berathung der Position 3 500 600 Mark für Maßregeln zur । Unterdrückung des Sklavenhandels und zum Schutze der deutschen Interessen : in Ostafrika wurde mit der Berathung des Gesetzes über die Schutz- truppe verbunden und erstreckte sich über drei Tage. Die Budgetkom- Mission beantragte Verkürzung dieser Summe um eine Million. Bei der | Debatte wurde auch das Kolonialabkommen mit England einer Kritik unter- ; worfen. Auch hierbei richteten die Freisinnigen wieder Angriffe auf die ■ Kolonialpolitik, deren Schädlichkeit sie mit grellen Farben zu schildern suchten,

während nationalliberale, freikonservative, konservative und ultramontane Redner sehr warm für die bisher in Ostafrika erzielten Erfolge eintraten, Einzelne unter ihnen auch in dem Erwerb von Helgoland keine genügende Kompensation für das, was in Ostafrika aufgegeben worden, erblicken wollten; doch fand dabei der Gedanke, daß Deutschland damit günstigere Beziehungen zu England erworben habe, Anerkennung. In einer großen Rede ließ sich der Reichskanzler über alle diese Fragen aus. Er ent­wickelte, wie unerwünscht und schwierig die Zustände vor einem Jahre ge­wesen seien und daß man sich darüber hätte klar werten müssen, was an deren Stelle zu setzen sei. Für Deutschland lag das Bedürfniß vor, aus diesen Zuständen herauszukommen, während für England dort ein solches Bedürfniß nicht vorhanden war. Vor Allem mußte Deutschland bedenken, daß sein Kolonialbesitz nicht größer sein dürfe, als es die Macht und die Mittel habe, ihn zu erhalten und zu verwalten. Für die am 2. Mai mit England begonnenen Verhandlungen wurden von dem Kaiser Direktiven gegeben, welche vollständig inne gehalten wurden. Witu war werthlos und hätte, wie schon die Zwischenzeit gelehrt hat, wo die Engländer wegen Er­mordung von Deutschen eine Expedition hinschicken mußten, für uns sehr kostspielig werden können. Zanzibar hätten wir niemals von England zu- gesprochen erhalten; da aber gerade das bisherige Verhältniß zu Zanzibar, wo Engländer und Deutsche um den Einfluß beim Sultan wetteiferten, in unserem Interesse nicht aufrecht erhalten werden konnte, hätten wir gut daran gethan, das Protektorat über die Insel England zu überlassen und dafür den Küstenstrich von Ostaf'.ika in Besitz zu nehmen. Ebenso ent­spreche auch die billige Abfindungssumme an den Sultan und der von dem Reich mit der ostafrikanischen Gesellschaft abgeschlossene Vertrag den Inte­ressen des Reichs. Das Innere von Ostasrika könne nun von der Küste aus organisirt werden, die Verwaltung werde eine unmittelbare Reichsver­waltung werden müssen. Aus diesem Grunde, und da das Land noch nicht völlig pazifizirt sei, dürfe die Wißmann'sche Truppe nicht verringert werden;. man müsse vielmehr aus ihr eine Reichstruppe machen. Hauptstadt des Landes soll Dar-es-Salaam werden, welches zugleich einen guten Hafen hat. An die Spitze des Landes soll ein dort residirender Gouverneur (Freiherr von Soden) gestellt werden. Das Bild, das uns Ostafrika jetzt gewähre, sei ein besseres als das vorjährige. Von den Abgeordneten Windt­horst, von Helldorff und von Keudell wurde nach diesen Darlegungen der Werth des deutsch-englischen Abkommens, namentlich aber auch der Werth eines guten Verhältnisses zu England anerkannt, den weiteren Plänen be­treffs der Nutzbarmachung Ostafrikas zugestimmt und volles Vertrauen für die Regierung ausgesprochen. Demgemäß wurde die Forderung von 2‘/» Millionen dem Kommissionsantrage gemäß mit großer Majorität bewilligt; das Gesetz über die Schutztruppe soll ohne Kommissionsberathung im Plenum erledigt werden.

Aus den Reichstagsverhandlungen ist ferner noch zu erwähnen, daß das Gesetz über die Prüfung von Handfeuerwaffen unter beifälliger Auf­nahme und das Gesetz wegen Abänderung des Branntwein st euerge- s e tz e s, welches eine Begünstigung der kleinen landwirthschaftlichen Brenne­reien, eine Erhöhung des Zolles auf Arrac, Cognac und Rum und eine Ermäßigung des Zolles für den übrigen Branntwein fordert, Kommissionen zur Vorberathung überwiesen wurden; doch wurde die Erhöhung des Zolls von einigen Seiten beaustandet und außerdem im Sinne nnes vom Bun­desrath abgelehnten Antrags der badischen Regierung die Steuerfreiheit des Haustrunks befürwortet.

Im Abgeordnetenhause wurde eine Anzahl kleinerer Gesetze, darunter die Einverleibung Helgolands und die fakultative Erhöhung der Hundesteuer übereinstimmend mit den Beschlüssen des Herrenhauses in drit­ter Lesung genehmigt und alsdann die Etaisberathung fortgesetzt; erledigt wurden die 'Etats des Finanzministeriums, der allgemeinen Finanzvenval- tung, der landwirthschaftlichen, der Forst- und der Domänen - Verwaltung, der Lotterie und der Seehandlung. Außerdem wurde ein Antrag Reichens­perger wegen Errichtung katholischer Pfarreien im linksrheinnchen Gebiete nach entgegenkommender Erklärung des Kultusministers der Regierung zur Erwägung überwiesen, ein Antrag Schmidt auf Errichtung.einet ständigen Sachversiändigungskommission über das technische UnterriMswesen, nachdem der Handelsminister erklärt, daß eine solche Kommission schon bestehe und öfter einberufen werden solle, abgelehnt und schließlich Mehrere Tage über