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Nr. 31.
Freitag den 6. Februar.
1891
Amtliches.
Bekanntmachungen König!. Landrathsawts.
Der Vorstand der Jnvaliditäts- und Altcrsversicherungsanstalt Hessen- Nassau hat sich dahin schlüssig gemacht, von der Einrichtung eigener Marken-Verkaufsstellen (S. 99 Absatz 2 des Reichs-Gesetzes vom 22. Juni 1889), welche den Vertrieb der Marken auf Kosten und Gefährder Anstalt neben der Post zu besorgen hätten, vorläufig ganz abzusehen, dagegen Privatpersonen, welche in ihren Verkaufsläden die Marken der Anstalt auf eigene Bestellung und Gefahr zu vertreiben sich bereit erklären, dadurch zu unterstützen, daß denselben aus Kosten der Anstalt ein Aushängeschild mit der Aufschrift „Marken-Verkaufs-Stelle der Jnvaliditäts- und Alterversicherungsanftalt Hessen-Nassau" portofrei zugestellt wird. Dieses Schild würde Eigenthum der Anstalt bleiben und zurückzuliefern sein, falls der Vertrieb der Marken eingestellt wird.
Cassel den 14. Januar 1891.
Der Vorstand
gez. E. von Hundelshausen,
Nr. 542 V. A. Landesdirektor.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, vorstehende Mittheilung in der Gemeinde in ortsüblicher Weise mit dem Hinzufügen bekannt zu machen, daß etwaige Bewerbungen bei mir einzureichen sind.
Hanau am 26. Januar 1891.
Der Königliche Landrath.
J. 57 J. V.: Baabe.
—
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, nachfolgende Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 30, Januar 1891.
Der Königliche Landrath.
L. 9 I. V.: Baabe.
Landwirtschaftlicher Kreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag bitt 7. Februar, Nachmittags 2 Ühr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.
Tagesordnung:
1) Bildung von Zuchtverbänden und Beschaffung von Simmenthaler Zuchtvieh aus der Schweiz.
2) Verminderung der Sperlinge; Referent: C. Lattich III.
3) Die landwirthschaftliche Ausstellung in Hanau und Wahl des Hauptkomitees.
Der Vorstand.
Den Pferdebesitzern des Kreises wird bekannt gegeben, daß nach einer * Mittheilung der Landgestüt-Direktion in Dillenburg die Königlichen Be- ' schäler am 27. d. M. auf der Station Wilhelmsbad eintreffen.
Hanau am 4. Februar 1891.
Der Königliche Landrath.
V. 768 I. V : Baabe.
Bewerber um die erledigte zweite Lehrerstelle an der katholischen ; Schule in Großauheim wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen an den unterzeichneten Schulvorstand binnen 14 Tagen einreichen.
Mit der Stelle ist ein Einkommen von 900 Mk. neben freier Wohnung und eine Feuerungsentschädigung von 90 Mk. verbunden.
Hanau am 30. Januar 1891.
Namens des Schulvorstandes:
_ Der Königliche Landrath.
v 609 I. V.: Baabe.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein vernickeltes Hundehalsband.
Gefunden: Ein weißer Kinderhandschuh. Ein fast neuer wollener Schuh. Ein Päckchen Seidenbänder (auf dem Wege von Rückingen nach Langenselbold).
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund mit 2 weißen Vorderpfoten, w. Geschl. Ein junger schwarzbrauner Spitz m. Geschl.
Hanau am 6. Februar 1891.__________________________________
t Parlamentsschau.
Der diesmalige Rückblick auf die Partamenlswoche hat sich, da am Geburtstage Sr. Majestät des Kaisers die Arbeit ruhte, da ferner der Reichstag am Freitag (30. Januar), das Abgeordnetenhaus sogar schon am Donnerstag seine Thätigkeit bis Dienstag (3. Februar) unterbrach und das Herrenhaus sich bereits am Montag (26. Januar) auf unbestimmte Zeit vertagte, mit nur wenigen Sitzungstagen zu beschäftigen; trotzdem haben diese einen ziemlich reichen Stoff für die Berichterstattung zu Tage gefördert.
Der Reichstag setzte am Mittwoch die zweite Berathung des Etats fort und erledigte die Etats des Jnvalidenfonds, der Post- und Telegraphenverwaltung, des Reichsjustizamts und der Reichsdruckerei. Bei dem erstgenannten Etat lagen Anträge vor, welche einerseits den Militärinvaliden der Unterklassen in Gemäßheit der Aufbesserung der Offizierspensionen eine Erhöhung an Pensionszulagen oder eine Erhöhung der Entschädigung für Einbuße an Erwerbsthätigkeit zuwenden, andererseits eine Abänderung des Militärpensionsgesetzes, insbesondere in Bezug auf die im Staats- und Gemeindedienft eingestellten Beamten, herbeiführen wollen. Seitens der Regierung wurde erklärt, daß bereits Verhandlungen hierüber schweben; die Anträge wurden der Budgetkommission überwiesen. Der Post- und Telegraphenetat führte zu lebhaften Erörterungen über Petitionen wegen Herabsetzung der Telephongebühren und wegen Ermäßigung der Telegraphengebühren für Zeitungen. Es wurden hierfür die Verkchrs- interesscn und die großen Ueberschüsse der Verwaltung ins Feld geführt. Der Staatssekretär von Stephan, welcher den Ausfall durch die gewünschte Herabsetzung der Tclephongebühren auf etwa 3 Millionen Mark berechnete, hielt bie Zeit noch nicht für gekommen, hiermit vorzugehen, da sich durch eine Herabsetzung dieser Gebühren der Telcphonverkchr nicht so heben würde, daß der Ausfall gedeckt werden könnte; einen Ausfall ohne Deckung aber gestatte die Finanzlage nicht. Desgleichen erklärte er auf die Herabsetzung der Telegraphengebühren für Zeitungen nicht eingehen zu können, weil hiermit eine durch kein allgemeines Interesse begründete Ausnahmestellung eingeführt werden würde; denn ebenso gut wie Zeitungen, könnten dann anderen öffentlichen Instituten Ausnahmetarife gewährt werden, deren Einführung dem öffentlichen Verkehrsinteresse widerspräche. Die Post- und Telegraphenverwaltung gehe stets mit Reformen vor, wo es nothwendig sei, und sie habe dies namentlich auch in letzter Zeit gethan ; aber Privilegien zu schaffen, dazu lasse sie sich nicht herbei ; mit einer Herabsetzung der Telegrammgebühren für Zeitungen würden die Selbstkosten nicht gedeckt, vielmehr die Zeitungen auf Kosten sämmtlicher Steuerzahler bevorzugt werden. Konservativer- und nationalliberalerseits wurde diesen Ausführungen sehr entschieden beigetreten, während auf freisinniger Seite, wo man lebhaft für die gedachten Petitionen eintrat, widersprochen wurde. Bezüglich der Telegraphengebühren auf dem Lande stellte der Staatssekretär in Aussicht, daß der Botenlohn von 40 auf 20 Pfennig vielleicht noch in diesem Jahre herabgesetzt werden wird, falls es die Finanzinteressen erlauben. Den bezeichneten Wünschen nach Herabsetzung der Telephongebühren und der Depeschengebühren für Zeitungen wurde irgend eine Folge nicht gegeben. Die von einer Seite angeregte Frage, ob die abermalige Vorlegung eines Post- sparkassengesetzes zu erwarten sei, wurde von dem Staatssekretär dahin beantwortet, daß der Reichskanzler diese Frage in wohlwollende Erwägung ziehe, daß aber diesmal die Postverwaltung den Aufschub veranlasse, weil ihr durch die soziale Gesetzgebung große neue Lasten erwachsen seien, die durch Einführung von Postsparkassen erst dann noch erhöht werden könnten, wenn es sich zeige, daß sie im Stande sei, die ihr bisher auferlegten Lasten zu tragen. Schließlich wurde ein Antrag Richter angenommen, welcher um Auskunft über die Beziehungen der Regierung zu dem Wolff'schen Telegraphenbüreau bittet; einige Bauraten für Postgebäude wurden gestrichen bezw. verkürzt, im übrigen aber alle Positionen unverändert genehmigt.