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Nr. 29.
Mittwoch den 4. Februar.
1891
Amtliches.
BekanntmachungeN König!. LandrathsKMts.
Der Vorstand der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt Hessen- Nassau hat sich dahin schlüssig gemacht, von der Einrichtung eigener Marken-Verkaufsstellen (§. 99 Absatz 2 des Reichs-Gesetzes vom 22. Juni 1889), welche den Vertrieb der Marken auf Kosten und Gefahr der Anstalt neben der Post zu besorgen hatten, vorläufig ganz abzusehen, dagegen Privatpersonen, welche in ihren Verkaufsläden die Marken der Anstalt auf eigene Bestellung und Gefahr zu vertreiben sich bereit erklären, dadurch zu unterstützen, daß denselben auf Kosten der Anstalt ein Aushängeschild mit der Aufschrift „Marken-Verkaufs-Stelle der Jnvaliditäts- und Alterversichcrungsanstalt Hessen-Nassau" portofrei zugestellt wird. Dieses Schild würde Eigenthum der Anstalt bleiben und zurückzuliefern sein, falls der Vertrieb der Marken eingestellt wird.
Cassel den 14. Januar 1891.
Der Vorstand
gez. E. von Hundelshausen,
Nr. 542 V. A. Landesdirektor.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, vorstehende Mittheilung in der Gemeinde in ortsüblicher Weise mit dem Hinzufügen bekannt zu machen, daß etwaige Bewerbungen bei mir einzureichen sind.
Hanau am 26. Januar 1891.
Der Königliche Landrath.
J. 57 I. V.: Baabe.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, nachfolgende Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 30. Januar 1891.
Der Königliche Landrath.
L. 9 J. V.: Baabe.
Landwirthschaftlicher Kreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 7» Februar, Nachmittags 2 U^r, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.
Tagesordnung:
1) Bildung von Zuchtverbänden und Beschaffung von Simmenthaler Zuchtvieh aus der Schweiz.
2) Verminderung der Sperlinge; Referent: C. Lott ich III.
3) Die landwirthschaftliche Ausstellung in Hanau und Wahl des Hauptkomitees.
Der Vorstand.
Unter Bezug auf die im Hanauer Anzeiger Nr. 21 vom 26. Januar er. abgedruckte Bekanntmachung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 16. Januar d. J. — nach welcher auf Grund neuerer Bestimmungen die Hebammen bei der standesamtlichen Anzeige von Geburtsfällen zu verfahren haben — ersuche ich die Herren Bürgermeister, den Hebammen ihres Bezirks den Inhalt jener Bekanntmachung alsbald genau mitzutheilen und ihnen eine Abschrift zur Aufbewahrung zuzustellen.
Hanau am 3. Februar 1891.
Der Königliche Landrath.
V. 761_______I. V.: Baabe.____
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Ein Konsummarkenbuch. Ein Muff. Ein roth und schwarz gestreiftes Kinderkleid. Ein weißes Taschentuch. Ein Regenschirm. Hanau am 4. Februar 1891.
NR. Politische Uebersicht.
Der Kaiser ist unermüdlich in Erfüllung seiner Herrscherpflichten. Die letzten Tage waren noch mehr als sonst durch Vorträge der Ressort- chefs, durch Konferenzen und durch persönliches Arbeiten des Monarchen
ausgcfüllt. Die Erholung des hohen Herrn beschränkt sich bei günstigem Wetter auf eine morgendliche Fahrt nach dem Thiergarten und eine Promenade daselbst.
Vertragskündigungen sind dermalen an der Tagesordnung. Auch Deutschland ist dabei betheiligt. Uns werden Verträge gekündigt, so dieser Tage von Spanien, und Deutschland kündigt seinerseits — im konkreten Falle den diesseitigen Handelsvertrag mit der Schweiz. Frankreich hat, wie gemeldet wird, bei der Kündigung seiner Tarifverträge Verhandlungen wegen einer Erneuerung in Aussicht gestellt. Dabei sollen mehrere Regierungen den Eindruck gewonnen haben, als wolle Frankreich den von seinen Kammern angenommenen Minimaltarif nicht als sein letztes Wort ansehen, also eine Art konventionellen Tarifs daneben zulassen. Das würde, die Bestätigung vorausgesetzt, nach mehreren Seiten hin Bedeutung erlangen.
Unsere Bundesgenossen, Oesterreich und Italien, haben mit wichtigen Aufgaben der inneren Politik zu rechnen. In Oesterreich ist es die Auflösung des Reichsraths und die bevorstehende Erneuerung desselben, welche das Signal für die Parteien bildet, sich bei Zeiten auf den Wahlfeldzug vorzubereiten. Zum ersten Male wird diesmal auch die österreichische Sozialdemokratie als selbstständiger Faktor in die Bewegung eintreten; sie hat einen Wahlaufruf erlassen, welcher an Haß des Bestehenden den Brandreden der deutschen „Genossen" in nichts nachgibt, und von der diesseitigen Arbeiterhetzpresse denn auch mit Wohlbehagen veröffentlicht wird. Bei den engen Beziehungen, welche die deutsche Sozialdemokratie mit der österreichischen verbinden, wird man gut thun, das Treiben der letzteren scharf im Auge zu halten, da es nicht ohne Rückwirkung auf den Stand der diesseitigen Umsturzbewegung bleiben dürste.
Italien hat der Welt soeben eine Ueberraschung und zwar nicht gerade der angenehmsten Art bereitet, dadurch, daß es der Kammermehrheit beliebte, den Rücktritt Crispis herbeizuführen. Den nächsten Anlaß zu dem Zerwürfniß bot die Berathung eines Gesetzentwurfes finanzpolitischer Natur, bei welcher Herr Crispi Bemerkungen über die frühere Leitung Italiens unter dem Einflüsse der Politiker der Rechten machte, welche von diesen höchst übel genommen wurden. Aus der ganzen Entwickelung des Streites empfängt man den Eindruck, daß er schon lange in der Luft lag, und wenn nicht bei dieser, so doch bei einer anderen Veranlassung zum Ausbruch gelangt sein würde. Man wird abwarten müssen, ob und was für weitergreifende Folgen die italienische Kabinetskrise nach sich zieht, insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der internationalen Politik. Zwar wird in Rom versichert, daß die Stellung Italiens im Dreibunde nach wie vor intakt bleibe; andererseits liegen Pariser Preßstinimen vor, welche auf eine Annäherung Italiens an Frankreich rechnen. Wer wird recht behalten ?
Die republikanische Schilderhebung in Portugal, welche just am letzten Tage des vorigen Monats inszenirt wurde, hat nur kurze Zeit gewährt. Ein paar Stunden hielten die Aufwiegler in Oporto die ruhigen Bürger in Athem, dann machte das energische Eingreifen der treugebliebenen Truppen dem Spuk ein Ende und die ganze Gesellschaft, ca. 300 Mann, wurde hinter Schloß und Riegel gesetzt. Im übrigen Lande, namentlich auch in der Hauptstadt Lissabon, haben die Vorgänge in Oporto nicht den mindesten Anklang gefunden.
Die Vertreter der privaten Oberschlesischen Kohlengruben waren am 31. Januar in Kattowitz versammelt und haben nachdrücklich Stellung genommen gegen den Eisenbahnwagenmangel der letzten Wochen, sowie eine Resolution beschlossen, worin mit Rücksicht auf die überaus großen Schäden, welche nicht nur die Kohlenproduzenten, sondern der ganze oberschlesische Kohlen konsumirende Osten der Monarchie erlitten hat und noch immer erleidet, mit Rücksicht ferner auf die gewaltige Lohn- einbuße, welche den rund 50 000 Grubenarbeitern in Folge des Wagen- mangels erwachsen ist, mit Rücksicht endlich auf die durch die Weiterandauer sowie die etwaige Wiederholung eines derartigen Nothstandes gefährdete Ruhe im Jndustriebezirk, der Berg- und Hüttenmännische Verein auf das Dringlichste darum ersucht wird, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln darauf hinzuwirken, daß in dem oberschlesischen Bahnverkehr baldigste Besserung und Gesundung eintritt.
Sozialdemokratische Ausschreitungen fangen an sich zu