berte und aber Hunderte eilten hinaus (Viele versäumten sogar das Mittagessen), theils nach der Steinheimer Brücke, die größte Mehrzahl aber nach Kesselstadt, um sich dieses Ereigniß aus nächster Nähe zu betrachten. Zwischen 2 und 3 Uhr kam der Fluß wiederholt zum Stehen, setzte aber kurz nach 4 Uhr seine gewaltigen Eismasscn wieder in Bewegung. So kritisch mitunter durch gefürchtete Stauungen die Lage zu werden schien, denn auch die hochangeschwollene Kinzig brachte große Eismassen, die sich zeitweise vor den Fluthbogen festsetzten: die Sache nahm einen ruhigen Verlauf und schon gegen Abend war ein merkliches Fallen von Main und Kinzig bemerkbar. Falls uns das Eis vom Obermain keine weiteren Unannehmlichkeiten bereitet, so bleiben wir vor einer Katastrophe, die leicht eintreten konnte, bewahrt (Heute Morgen sind Main und Kinzig wieder in ihren Ufern). Es hat sich diesmal gezeigt, von welcher großen Wirksamkeit die angeordneten Eissprengungen, welche gestern fast während des ganzen Tages noch an der Kinzig durch Personal Königl. Pulverfabrik vorgenommen wurden, gewesen sind. — Das andere Schauspiel, der große Zapfenstreich am Vorabend des Geburtsfestes unseres Kaisers, war aber von solchen Menschenmassen begleitet, daß es sehr schwer wurde, in den Straßen, wo sich der Zug bewegte, durchzukommcn.
Reichsbanknebenstelle. Am 30. Januar dieses Jahres wird in Apolda eine Reichsbanknebenstelle eröffnet werden. Von diesem Zeitpunkte ab werden von der Reichsbank Wechsel auf Apolda zu denselben Bedingungen wie auf die übrigen Bankplätze angekauft.
Stadtschlotz. Kürzlich wurde der Park des Altstädter Schlosses in „Stadtpark" umgewandelt und jetzt, wie aus einer Anzeige des Herrn Oberbürgermeisters hervorgeht, erhält das Altstädter Schloß von rcchiswegen den Namen „Stadtschloß"
Wasserstanb. Der Main hatte gestern Nachmittag 4 Uhr seinen höchsten Stand erreicht mit 4,02 Meter, heute Morgen zeigt das Pegel nur noch 1,48 Meter.
Bsrsteigerurrgs- und BerpachLuugs- re« Ksleudsr für Mittwoch den 28. Januar.
Holzversteigerung im Langendiebacher Gemeindewalde; Zusammenkunft Vormittags 10 Uhr auf der Leipziger Straße an der Gemeinde-Sandgrube. Verkauft werden 40 fm Eichen- und 4 fm Kiefern-Stammholz (s. Nr. 21 „Han. Anz.").
Für das hiesige Wasserwerk sollen für die Zeit vom 1. Februar bis 31. Mai d. I. 10 Doppelwaggons bester Kesselkohlen geliefert werden. Schriftliche Angebote sind bis spätestens 10 Uhr Vormittags im Geschäftszimmer des Wasserwerks abzugeben.
WuldÄU, 26. Jan. Das hiesige Dorf war gestern vom Wasser so überfluthet, daß die Einwohner die Kirche nicht besuchen konnten und mußte somit der Gottesdienst aasfallen. (H. M.)
Eschwege. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich dieser Tage in einer hiesigen Fabrik. Der Maschinist B. gerieth aus bisher unaufgeklärter Ursache in ein Schwungrad, welches ihn herumschleuderte und derartig an die Wand preßte, daß der Tod des Bedauernswerthe sofort eintrat. Dem Unglücklichen war der Brustkasten eingedrückt worden.
Hersfeld erhält, wie jetzt endgültig feststeht, eine Kriegsschule, nicht eine Unteroffizierschule.
Fulda, 26. Jan. Am Donnerstag verflossener Woche waren im hiesigen Landkrankenhause 172 Betten belegt, eine Zahl, welche, solange die Anstalt besteht, noch nicht erreicht worden ist.
FraKksurt a. M«, 26. Januar. Die Wasserschäden nahmen in demselben Maße an Anzahl und Umfang zu, je länger das starke Frostwetter andauerte. Bei anhaltendem Thauwetter aber werden die Wasserschäden womöglich noch zahlreicher und schlimmer werden, da erfahrungs- mäßig die durch den Frost brüchig gewordenen Rohrleitungen zerspringen, wodurch häufig große Ueberschwemmungen und schwere Schäden an Gebäuden, Mobilien und Waarenlagern verursacht werden. Wir machen daher wiederholt aus die Zweckmäßigkeit der Versicherung gegen derartige Wasserschäden aufmerksam. (G.-A.)
Frankfurt u. M«, 27. Januar. Die Beseitigung der Schneemassen erforderte von Mittwoch früh bis zum Sonntag Abend 8450 Fuhren mit Doppelgespann. .170 Zweispänner waren geliehen und kosteten durchschnittlich Mark 10,50 pro Tag. 380 Hilfsarbeiter waren zehn Stunden pro Tag thätig und empfingen an Lohn 24 Pfennige pro Stunde. Die Fortschaffung von Schnee und Eis ging sehr rasch von statten, und da Sonne und Regen sich als Mitarbeiter eingestellt, so sind seit gestern die Straßen aller Stadttheile fast vollständig schnee- und eisfrei. — Von gestern Abend 8 Uhr an treibt das Eis vom oberen Main in riesigen Schollen hier vorbei und seit dieser Zeit ist der Fluß in stetem Steigen begriffen. Um 11 Uhr wurden in Folge dessen am Sachsenhäuser Ufer Warnungsschüffe abgegeben. (Fr. R.)
Offenbach, 26. Jan. Gestern Nachmittag gegen 2 Uhr versuchte ein seit Freitag in der Wirthschaft „Zum Rebstock" dahier mit seiner Frau logirender Storni seine Frau zu ermorden, indem er ihr mit einem Rasir- messer einen Stich in den Hals beibrachte. Die Verwundung ist zwar nicht tödtlich, aber doch gefährlich und wurde alsbald die Ueberführung der Frau ins Krankenhaus vollzogen. Dieselbe hatte noch die Kraft, ihrem Manne zu entfliehen und nach der Wirthsstube zu eilen und Lärm zu schlagen.
Als man in das Zimmer drang, wo die That geschehen, fand man den Ehemann entseelt vor; derselbe hatte sich den Hals durchschnitten und sich so dem Arm des weltlichen Richters entzogen. Der Thäter heißt Heinrich Heine, war Tazlöhner, aus Obermeiser gebürtig. Dem Vernehmen nach wurde der Mann, der schon schwere Strafen hinter sich hatte, neuerdings wieder steckbrieflich verfolgt. Ob dies der Grund zu seiner schrecklichen That gewesen, wird die eingeleitete Untersuchung wohl ergeben. (O. Z.)
Höchst tu M«, 26. Januar. Hier wurde heute früh ein Mann Namens Bauer verhaftet, welcher bezichtigt ist, falsche Zehnpfennig-Postmarken angefertigt zu haben. Derselbe soll schon wegen Anfertigung von englischen Zehnpfund-Noten bestraft worden sein. — In dem benachbarten Sossenheim kam es gestern Abend zwischen drei Burschen in einer Wirthschaft zu Streitigkeiten, die sich auf der Straße fortsetzten. Hierbei griff einer der Burschen seinen Gegner mit dem Messer an und versetzte ihm einen Stich in die Brust. Der Getroffene vermochte noch seine nahe gelegene Wohnung zu erreichen; stürzte jedoch, dort angekommen, zusammen und verschied nach wenigen Minuten. Die beiden anderen Burschen wurden durch die Gendarmerie verhaftet. (Fr. N.)
Mainz, 26. Jan. Eine auf gestern Vormittag einberufene slrbeiter- versammlung wurde wegen tumultuarischer Szenen, die sich bei Eröffnung der Versammlung ereigneten, von dem anwesenden Polizeibezirkskommissar aufgelöst. (Rh. K.)
Marktbericht.
Frankfurt a. M., 26. Januar. Der heutige Viehmarkt brachte wieder einen Preisrückgang, namentlich bei Kälbern. Selten war der Schweinezutrieb so groß wie auf dem heutigen Markt, ohne auf den Preis zu wirken. 800 Stück Schweine waren angefahren. Angetrieben waren: 346 Ochsen, 7 Bullen, 443 Kühe, Stiere und Rinder, 256 Kälber, 179 Hämmel und 800 Schweine. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qualität pro 100 Pfund Schlachtgewicht Mk. 67—69, 2. Qualität Mk. 58—62; Bullen 1. Qualität Mk. 58—60, 2. Qualität Mk. 54—56; Kühe, Stiere und Rinder 1. Qualität Mk. 54—58, 2. Qualität Mk. 45—48; Kälber 1. Qualität per Pfund Schlachtgewicht 65-70 Pf., 2. Qualität 55—60 Pf.; Hämmel 1. Qualität 63—70 Pfg., 2. Qualität 56—60 Pfg.; Schweine 1. Qualität 59—60 Pfg., 2. Qualität 57—58 Pfg.
(Produkten-Markt vom 26. Januar.) Man kaufte den heimischen Waizen mit Mk. 19—19.25 bei den Produzenten in Empfang zu nehmen, mit Mk. 19.25—19.70 kostenfrei an die nahen Bahnstationen und hierher zu liefern. Kurhessischer Waizen Mk. 17.50—17.60, norddeutscher Mk. 19.60—19.80 und russischer Mk. 21.50—22.50. Roggen hiesiger Mk. 17.50-17.75, russischer Mk. 18—18.20. Gerste, Braugul Ms. 17—20.50, Mahlgut Mk. 14—14.50. Hafer, gering Mk. 14—14.25, mittel Mk. 14.50—15.—, feiner Mk. 15.25—15.75. — Alles per netto 100 Ko. nach Qualität. Rüböl per 100 Ko. Mk. 64.
Sprechsaal.*)
H-k. Einsender des Sprechsaal-Artikels in Nr. 17 des „Hanauer Anzeiger" war weit entfernt zu glauben, daß eine Erwiderung so schnell folgen werde. Eher nahm er an, daß solche Zeilen eine längere Zeit brauchen um zur Reife zu gelangen als übereilt beantwortet zu werden.
Die Erwiderung in Nr. 18 Ihres geschätzten Blattes (Sprechsaal) ist eingekleidet in persönliche Anschauungen. Es wird darin angeführt, in welcher Weise Herr Dr. Steffan in Frankfurt seine Thätigkeit den Unbemittelten zu Theil werden läßt; wird aber dabei vergessen zu erwähnen, daß Herr Dr. Steffan eine Privat-Klinik hat und daß ein Arzt sich eine solche in Frankfurt einrichten kann, um auch Unbemittelte aufzunehmen; für Hanau wird es einem Arzt aber schwer sollen eine solche ins Leben zu rufen mit den dazu gehörenden Einrichtungen. Möge sich der Herr Einsender persönlich überzeugen, wie solche beschaffen sind. Es kann nicht angenommen werden, daß jeder Augenleidende zum Arzt in die Sprechstunde gehen kann, es gibt auch Augenkranke, welche einer Opperation bedürfen, infolgedessen muß er eigens zu diesem Zwecke in Räumlichkeiten untergebracht sein.
In Darmstadt hat Herr Geheime Rath Dr. Weber eine Privat- Klinik, in welcher jeder Einwohner des darmstädter Landes, welcher unbemittelt ist, freie Behandlung und Aufnahme findet; derselbe bekommt dann einen Staatszuschuß.
Hier am Platze ließe sich auch ein solches Institut ins Leben rufen, wenn die Stadt sich mit der Aufsichtsbehörde des Landkrankenhauses in eine Verständigung einließe und dann Herrn Dr. Lukanus als Spezialarzt dafür zu gewinnen suchte. Es sind freilich überall Krankenhäuser aber nicht jedesmal tüchtige Augenärzte zu haben. Ferner glaubt Einsender, daß das Bedürfniß zur Zeit nicht vorliege, weil unsere Zeit unter dem Zeichen des Krankenkassengesetzes stehe. Ich bin überzeugt, daß sie in Frankfurt auch nicht unter dem Zeichen des Krebses stehen und ist doch eine städtische Augenklinik am Platze, in welcher Herr Dr. Krüger als fungirender Arzt waltet. Es ist auch nicht Sache der Krankenkassen für augenleidende Mitglieder einen Arzt zu wählen. Es muß vielmehr in Betracht gezogen
*) Für die unter dieser Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.