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Nr. 12.

Donnerstag den 15. Janvar.

1891

Amtliches.

Nach Beschluß des Bundesraths findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Monats Februar 1891 eine Ermittelung des Ernte­ertrages für 1890 statt, welche den Zweck verfolgt, durch direkte Umfragen möglichst zuverlässige Angaben über Die im Jahre 1890 wirklich geerntete Menge an Bodenprodukten zu gewinnen. Die bei den gleichen Aufnahmen in den jüngst verflossenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirthschaftlichen Vereine, sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht worden. Dies berechtigt zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Ernteergebnisse sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als auch sonstige sachkundige und erfahrene Männer ihre thatkräftige Mitwir­kung in den Schätzungs-Kommissionen nicht versagen werden.

Cassel am 20. Dezember 1890.

Der Regierungs-Präsident. I. V.: von Pawel.

Der Herr Minister des Innern hat dem Komitee des für den 9. dis 12. Mai dieses Jahres geplanten Pferdemarktes zu Stettin die Er­laubniß ertheilt, bei Gelegenheit des letzteren eine öffentliche Verloosung von Wagen, Pferden, Pferdegeschirren 2C. zu veranstalten und die in Aussicht genommenen 300 000 Loose zu je 1 Mark im ganzen Bereiche der Mo­narchie zu vertreiben.

Cassel am 5. Januar 1891.

____________Der Regierungs-Präsident. I. V.: v. Pawel.

OekanKtMachlmgeR KömgL. LandrathMMts.

Nach einer Mittheilung der Kaiserlichen Ober-Postdirektiou zu Cassel sind in letzter Zeit wiederholt Beschädigungen der Reichs-Telegraphenlinien und Betriebsstörungen von Telegraphenleitungen durch unvorsichtiges und unzweckmäßiges Verfahren beim Fällen von Bäumen in der Nähe der Telegraphenanlagen herbeigeführt worden.

Um der Wiederkehr ähnlicher Fälle vorzubeugen, werden nachstehend die in den §§. 317 und 318 des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich zum Schutze der Reichs-Telegraphen erlassenen Bestimmungen dem Publikum in Erinnerung gebracht und dasselbe gleichzeitig darauf hingewiesen, daß bei vorkommenden vorsätzlichen und fahrlässigen Beschädigungen der Tele­graphenanlagen die Schuldigen nicht nur gerichtliche Bestrafung zu gewärtigen haben, sondern unter Umständen auch zum Ersatz der entstehenden Instand­setzungskosten herangezogen werden können.

Hanau am 10. Januar 1891.

Der Königliche Landrath

V. 152 v. Oertzen.

§. 317. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegraphen- Austalt vorsätzlich Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß von Einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.

§. 318. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegraphen- Anstalt fahrlässigerweise Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß bis zu Einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neunhundert Mark bestraft.

Gleiche Strafe trifft die zur Beaufsichtigung und ' Bedienung der Telegraphen-Austalten und ihren Zubehörungen angestellteu Personen, wenn sie durch Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten die Benutzung der Anstalt verhindern oder stören.

Die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Michelbach, Be­zirksamts Alzenau, ist erloschen.

Hanau am 13. Januar 1891.

Der Königliche Landrath.

Y ~0Q ______________J. V.: Baabe.

^Die nächste Prüfung der Hufschmiede, welche nach dem Gesetz vom

Juni 1884 die Befähigung zum Betriebe des Dufbeschlaggewerbes , erwerben wollen, wird Samstag den 7. M ärz 18 91, von Vor- ! mittags 8 Uhr an, in der Werkstätte des Schmiedemeisters M. Wilscheck I hierfelbst abgehalten.

1 Anmeldungen zu dieser Prüfung sind mindestens vier Wochen vorher unter Einreichung des Geburtsscheins und etwaiger Zeugnisse über die er­langte technische Ausbildung, sowie unter Einsendung der Prüfungsgebühr (10 Mark) an den Unterzeichneten zu richten.

Zur Vorbereitung auf die Prüfung wird das Buch:Anleitung zum Bestehen der Hufschmiede-Prüfung von Professor Dr. Möller. (Berlin, bei Paul Parey, Preis 1 Mark)" angelegentlichst empfohlen.

Hanau am 27. Dezember 1890.

Der Vorsitzende der Prüfungs-Kommission. Coll mann, Königl. Kreisthierarzt.

Tagesscharr.

Berlin, 14. Januar. Heute Vormittag arbeiteten Se. Majestät der Kaiser und König von 10 Uhr ab mit dem Reichskanzler, von 11 Uhr ab mit dem Ches des Civilkabinets Dr. von Lucanus und von 12 Uhr ab mit dem Chef des Militärkabinets, General-Adjutanten von Hahnke. Heute Nachmittag um 5 Uhr gedenken Se. Majestät beim Staats-Minister Dr. Mignel zum Diner zu erscheinen.

Berlin, 14. Jan. (R eichsta g.) Die Berathung der gestrigen Tagesordnung wird fortgesetzt. Brömel (dfr.) legte in längerer Rede die Schädlichkeit der agrarischen Zölle für die kleinen landwirthschaftlichen Be­triebe dar. Leuschner (Reichsp.) bekämpfte diese Ausführungen als unzu­treffend. Frhr. v. Hornstein (fraktionslos) spricht sich für eine enge Verbindung mit Oesterreich aus, verzichtet aber gerne darauf, wenn unser Bauernstand dadurch nothleiden solle. Stolle (Soz.) hält die Schutzzölle für die besten Verbündeten der Sozialdemokratie. Burlein (Zentrum) spricht gegen die Anträge. Graf v. Kanitz (kons.) hält das Aufgeben der landwirthschaftlichen Zölle für unmöglich und Richter (dfr.) will sich, nach demRh. K.", trotz Einsprache des Präsidenten das Recht der Kritik über den Fürsten Bismarck wahren. Nächste Sitzung morgen.

Berlin, 14. Jan. Der Militärbevollmächtigte bei der kaiserlich deutschen Botschaft in Wien, Oberstlieutenant und Flügeladjutant v. Deines, ist gestern Abend von hier auf seinen Posten nach Wien zurück­gekehrt.

Berlin, 13. Januar. Die Volksschulkommission berieth den Parapraphen 17 (Leitung des Religionsunterrichts durch Religionsgesell- schaften) und lehnte die Anträge Windhorsts ab, welcher den zuständigen Religionsgesellfchaften die Feststellung der Zahl, der Zeit und der Stunden, ebenso die Bestimmung über die Lehrpläne und die Schulbücher für den Religionsunterricht überlassen haben will.

Berlin, 14. Jan. DieNordd. Allg. Ztg." erfährt, bei dem von denßZeitungen gemeldeten Konflikte der amerikanischen Polizei in Hoboken mit Offizieren und Mannschaften des deutschen LloyddampfersElbe" handele es sich um einen älteren Zwischenfall, der in keiner Weise aus den Rahmen der üblichen Reklamationen an fremde Regierungen heraustrete; seine Erledigung verzögere sich, weil die Vernehmung der Matrosen, die nach allen Winden zerstreut seien, nöthig sei.

Berlin, 13. Jan. In der morgen erscheinenden Nummer der Deutschen medizinischen Wochenschrift" gibt Koch weitere Mittheilungen über sein Heilmittel gegen die Tuberkulose. Er beschreibt den Entdeckungs- weg und die Bereitungsweise. Das Mittel ist ein Stoffwechselprodukt, wahrscheinlich den Eiweißkörpern zugehörig, jedoch trotz seiner Reaktionen noch kein Toxalbumin, es tödtet in gewisser Konzentration das lebende Protoplasma, macht es nekrotisch und bringt den Bazillus durch Entziehung der Bedingungen für sein Wachsthum zum Absterbcn. (Rh. K.)

Berlin, 15. Januar. S. M. KreuzerHabicht", Kommandant Korvetten-Kapitän von Dresky, ist am 12. Januar in Loanda eingetroffen und beabsichtigte gestern nach Kapstadt in See zu gehen.

Berlin, 14. Jan. Gestern Mittag beschlossen zwei sehr stark be­suchte, von Sozialdemokraten einberufene Versammlungen Arbeitsloser Er­klärungen, welche sich unter entschiedener Zurückweisung jeder armenunter- stützungsartigeu Hülfe für den Anschluß an eine Arbeiterorganisation aus- fprachen und von den Gemeindebehörden Beschäftigung der angeblichen 62000 Arbeitslosen bei der städtischen Straßenreinigung, später bei öffent­lichen Bauten, sowie für Schulkinder warme Speisen forderten; die Ent- fendung einer Abordnung an den Polizeipräsident behufs Gestattung einer Straßenkundgebung wnide einstimmig abgelehnt. (K. Z.)

Königsberg, 14. Jan. (K. Z.) Infolge eines in der vergangenen Nacht eingetretenen fehr starken Schneesturms ist der Verkehr überall ge-