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Nr. 6.

Donnerstag den 8. Januar.

1891

ÄmtlicheS.

Oekanntma ungen Königs. LandraLhsamts.

Nachstehende Bestimmungen, betreffend die Nachsüchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienste, werden hierdurch wiederholt bekannt gemacht:

Die Berechtigung zum einjährig-freiwillige» Dienste darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahre nachgesucht werden. Der Nachweis derselben ist bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 1. April des ersten Mili­tärpflichtjahres zu erbringen.

Wer die Berechtigung nachsuchen will, hat sich bei der Prüfungs­kommission, in deren Bezirk der Wehrpflichtige gestellungspflichtig ist, spätestens bis zum 1. Februar des ersten Militärpflichtjahres schriftlich zu melden.

Alljährlich finden zwei Prüfungen statt, die eine im Frühjahr, die andere im Herbst.

Das Gesuch um Zulassung zur Prüfung muß für die Frühjahrs­prüfung spätestens bis zum 1. Februar, für die Herbstprüfung spätestens bis zum 1. August angebracht werden.

vf Hanau am 2. Januar 1891.

" Der Königliche Landrath

-' M. 2 v. Oertzen.

Durch Polizei-Verordnung vom 20. Oktober 1884 ist angeordnet, _ daß, wer im hiesigen Bezirk einen Hund zum Anspannen und Ziehen ver- wenden will, durch ein nur für das laufende Jahr der Ausstellung gültiges Attest des Kreisthierarztcs des laudräthlichen Bezirks seines Wohnortes oder f des hiesigen Kreisthierarztes nachzuweisen hat, welche nach dem Gewicht zu bestimmende Last der in dem Attest genau zu bezeichnende Hund zu ziehen geeignet ist. ^ ,,.. W

Die infolgedessen stattfindende Besichtigung der Hundefuhrwerke des diesseitigen Bezirks wird für dieses Jahr in den Tagen des 13., 14. und 16. d. Mts., jedesmal Vormittags von 101 Uhr, abgehalten und ersuche ich das Königliche Landrathsamt demnach ergebenst, die betreffenden Kreis­eingesessenen, welche mit Hundefuhrwerken nach dem hiesigen Bezirk kommen, auf den Inhalt obiger Verordnung hinweisen und denselben bekannt zu geben, daß in der angegebenen Zeit der hiesige Kreisthierarzt auch zur Be­sichtigung der Hundefuhrwerke dieser Interessenten sich bereit halten wird.

Die Besichtigung findet in der landwirthschaftlichen Halle, Eingang durch das Thor am Ende der Uhlandstraße, statt, und sind die betr. Zieh­hunde mit eigenem gut hergerichteten Geschirr angeschirrt und an dem zu­gehörigen Fuhrwerk (Wagen oder Stoßkarren) angespannt vorzuführen. Frankfurt a. M. den 3. Januar 1891.

Der Polizei-Präsident v. Müffling.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 6. Januar 1891.

Der Königliche Landrath

* P. 88 v. Oertzen.

^ Das Ausschrciben vom 11. Dezember v. I., P. 8686, Hanauer Anzeiger Nr. 291, betreffend den Dachdecker Christian Krenkel von Darmstadt, ist erledigt.

Hanau am 6. Januar 1891.

Der Königliche Landrath

116 v. Oertzen.

Tagesschau.

Berlin, 7. Jan. Heute, am Sterbetage Ihrer Hochseligen Majestät der Kaiserin Augusta, fand im Mausoleum zu Charlottenburg an der Grab­stätte der Entschlafenen in Gegenwart Sr. Majestät des Kaisers und Kö­nigs und der Königlichen Familie eine Gedenkfeier statt. Das Mausoleum war mit einer Fülle herrlicher Blumen geschmückt. Ihre Majestäten der 1' Kmser und die Kaiserin widmeten einen kostbaren Kranz aus Veilchen mit

zwei über Kreuz gelegten Palmen. Se. Majestät der Kaiser legten Aller- höchstselbst den mit großer Schleife geschmückten Kranz am Sarge nieder. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin von Baden hatte ein prachtvolles Blumenarrangement aus Baden mitgebracht. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich spendete einen Kranz aus Maiblumen mit schwarzer Moireeschleife und goldenen Franzen. Die Königin von Großbritannien ließ einen Kranz mit Veilchen undweißen Kamelien auf den Sarg niederlegen. Die Prin­zessin Luise von Preußen sandte einen weißen Rosenkranz. Unter den sonsti­gen Blumenspenden fiel noch ein prächtiger Kranz der Erbprinzlichen Sachseu-Meiningen'schen Herrschaften auf; derselbe zeigte auf der einen Seite buschige Ilex, auf der andern weiße Rosen, Nelken und Veilchen. Auch die Vereine, denen die Kaiserin nahe gestanden, gedachten in treuer Anhänglichkeit des Tages, so der Verein Berliner Volksküchen und das Kaiserin Augusta Stift in Charlottenburg. Ebenso hatten das Kürassier- Regiment Königin und das Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment, deren Chef die Hochselige Kaiserin gewesen, duftige Zeichen der Vereh­rung und Dankbarkeit gesandt. In treuer Anhänglichkeit hatten endlich auch die Herren und Damen des Hofstaates der Entschlafenen sich dankbar erinnert und Liebeszeichen am Sarge niedergelegt.

B erlitt, 7. Jan. Dem Staatssekretär v. Stephan wurden an seinem heutigen 60. Geburtstag zahlreiche Zeichen der Verehrung darge­bracht; meistens Blumen. Eine offizielle Feier hatte sich Dr. v. Stephan verbeten.

Berlin, 7. Jan. Die Photographie, welche dem Staatssekretär Stephan zu dem heutigen Geburtstage vom Kaiser zuging, ist, wie die N. A. Z." meldet, mit dem Ausspruche:Die Welt am Ende des neun­zehnten Jahrhunderts steht unter dem Zeichen des Verkehrs; er durchbricht die Schranken, welche die Völker trennen, und knüpft zwischen den Nationen neue Beziehungen an", sowie mit der eigenhändigen Unterschrift des Kaisers versehen.

Berlin, 7. Jan. Zur Uebernahme der Pathenstelle bei dem neu­geborenen Prinzen sind u. a. der König von Italien, die Königin-Regentin der Niederlande Emma und der Generalfeldmarschall Moltke eingeladen; die Taufe findet voraussichtlich am 25. Januar statt.

Berlin, 7. Jan. Die nächste Plenarsitzung des Herrenhauses ist auf den 20. Januar festgesetzt.

Berlin, 7. Jan. Der pensionirte Oberhofkapcllmeister Taubert ist heute früh, 69 Jahre alt, plötzlich gestorben.

Danzig, 7. Jan. Die Greifswalder BriggElisabeth" strandete bei Oxhoft. Das RettungsbootNeufahrwasser" arbeitete, nach denFr. N." bei schwerem Wetter 17 Stunden in See und brachte die Mannschaft der Brigg Mittags halb erstarrt bei Gdingen ans Land. Zur Bergung des Rettungsboots lief ein Dampfer aus.

Mühlheim a. RH., 7. Jan. Auf Antrag des Stadtverordneten Lukas beschloß die Stadtverordnetenversammlung, an den Kaiser die Bitte zu richten, als Ort für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal der Rheinprovinz das Siebengebirge zu bestimmen. (K. Z.)

Aus der Eifel wird derSaar- und Mosel-Ztg." berichtet, daß bei Mahlberg unweit Münstereifel ein Steinkohlenflöz entdeckt worden sei. Ob dasselbe einem größeren Lager angehöre, stehe freilich noch dahin. Die Bergbehörde sei benachrichtigt worden. Für die Eifel wäre die Erschließung größerer Kohlenlager ein unberechenbarer Gewinn.

Cuxhaven, 7. Jan. Der Hafen ist durch Eisberge blokirt, welche auf der Unterelbe bis zu 20 Fuß hoch sind. Viele Schiffsunfälle werden gemeldet. Die Eisbrecher können nicht durchkommen.

Lübeck, 7. Jan. Die Schneeverwehungen halten an. Der Ver­kehr ist nach Travemünde-Kleinen zu gänzlich eingestellt und auf der Strecke nach Büchen' gefährdet. Die Verbindung mit Hamburg wird nur eingcleisig aufrechterhalten und die fZüge nach Eutin gehen nur bis Gletschendors.

(K. Z.)

München, 7. Jan. DieAllgem. Ztg." meldet aus Straßburg: Sicherem Vernehmen nach sei eine neue Regelung der Fremdenpolizei in den Reichslanden durch Einführung von Aufenthaltskarten für dauernd im Lande sich aufhaltende Fremde nahe bevorstehend. Die versuchsweise ge­statteten Erleichterungen des Grenzverkehrs würden beibehalten und thun- lichst weiter ausgedehnt werden. Die Umgestaltung der Fremdenkontrolle