In Meerholz, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche üusgebrochen; dagegen in Mauswinkel erloschen.
Hanau am 24. Dezember 1890.
Der Königliche Landrath ~
V. 9360 • v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: 50 Stück Briefmarken. Zwei weiße Taschentücher. Ein silbernes Kettenarmband.
Verloren: Vom Teich bis zur Stadt ein silbernes Kettchen.
Zugel ansen: Ein kleiner junger Spitz m. Geschl. Ein schwarzer Pudel w. Geschl. Ein junger gelber Hund m. Geschl.
Hanau am 29. Dezember 1890.
Wir machen darauf aufmerksam, daß an unserer Gerichtstafel, an der zu öffentlichen Bekanntmachungen bestimmten Stelle der Gemeinde Oberissigheim und in dem Anzeiger des Amtsblatts der Königlichen Regierling zu Cassel Behufs Grundbuchregulirung in der Gemarkung Oberissigheim ein Aufgebot von uns erlassen ist.
Hanau den 16. Dezember 1890.
Königliches Amtsgericht III.
14154 Reul.
Tagesschau.
Berlin, 27. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen gestern Nachmittag um 3 Uhr den deutschen Militär-Bevollmächtigten in St. Petersburg, General â la suite von Villaume, hatten heute Morgen um 10 Uhr eine kurze Besprechung mit dem Staatssekretär Freiherr von Marschall.uud arbeiteten von 10Vi Uhr ab mit dem Reichskanzler. Um 11 Uhr empfingen Se. Majestät den Staatsminister Freiherrn von Berlepsch zu kurzer Audienz und arbeiteten von IPÂ ab mit dem Chef des Generalstabes Grafen von Waldersee und von 12*'4 Uhr ab mit dem Chef des Militärkabinets, Generaladjutanten von Hahnke. Um 1 Uhr nahmen Se. Majestät militärische Meldungen entgegen und empfingen darauf den neuernannten Regierungspräsidenten in Koblenz von Jtzenplitz zur Meldung.
Berlin, 27. Dezbr. Die kommandirenden Generäle sämmtlicher Armeekorps werden in den nächsten Tagen in Berlin eintresfeu, um an der Gratulationskour bei dein Kaiser theilzunehmen.
Berlin, 27. Dezbr. S. M. Kreuzer „Möwe", Kommandant Kor- vetten-Kapitäu v. Halfern, beabsichtigte am 25. Dezember von Alexandrien nach Aden in See zu gehen.
Berlin, 27. Dezbr. Die „K. Ztg." schreibt: Die Aussichten im Staatsbaufach bleiben nach wie vor höchst trübe. Wie aus einer vom Zen- tralblalt der Bauverwaltung veröffentlichen Statistik über die Ergebnisse der Staatsprüfungen im Baufach während der letzten zehn Jahre hervorgeht, beläuft sich die Zahl der Regierungs-Baumeister, welche die letzte Staatsprüfung in dieser Zeit bestanden haben, auf 1843, von denen über 1500 noch der ersten Anstellung harren. Gegenwärtig gelangen in der preußischen Wasserbauverwaltung erst die Baumeister aus dem Ende des Jahrganges 1880 zur Anstellung. Etwas besser steht es in der Hochbauver- wallung, welche diejenigen aus dem Anfang 1883 anstellt. Bei der Eisenbahnverwaltung ist man dagegen erst bis zum Ansange des Jahres 1882 vorgerückt, sodaß die durchschnittliche Wartezeit von der letzten Staatsprüfung bis zur festen Anstellung noch reichlich neun Jahre beträgt. Dazu kommt, daß die stärksten Jahrgänge erst diejenigen von 1883—1890 sind. Bis zur Anstellung der Regierungs-Baumeister aus den letzten Jahren wird, wie die Verhältnisse liegen, jedenfalls das gegenwärtige Jahrhundert vollständig abgelaufen sein.
Berlin, 27. Dezbr. Wie das „Wiener Fremdenblatt" mittheilt, steht es nunmehr fest, daß die Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn in Wien fortgesetzt werden. Die deutschen Delegirten treffen zu dem Ende am 7. Januar dort ein; am 8. Januar nehmen die Konferenzen wieder ihren Fortgang.
Berlin, 27. Dezbr. Die „N. A. Z." schreibt: Ein hiesiges Blatt verzeichnet die in freihändlerischen Kreisen bestehende Neigung, einen internationalen Freihandelskongreß zu veranstalten. Bekanntlich hatten die deutschen Freihändler ihren Jahreskongreß seit einer Reihe von Jahren ausfallen lassen; jetzt scheint man die alten Ziele „international" aufnehmen zu wollen.
Wie der „Köln. Bolksztg." gemeldet wird, würde dem Landtage nach Neujahr eine neue Sperrgelder-Vorlage zugehen, welche jenem Blatte als für das Zentrum annehmbar bezeichnet wird. Auch sei eine Vorlage, betreffend die eutfurfat - Pfarren, entsprechend der Anregung des Abg. Reichensperoer, zu erwarten.
Das bei Mytilene festgefahrene Panzerschiff „Friedrich Karl" ist nach amtlicher Mittheilung am Mittwoch Morgen wieder flott geworden und geht mit den übrigen Schiffen des Uebungsgeschwaders nach Smyrna in See.
Detmold, 27. Dez. Die Regierung machte dem Landtage Gesetzvorlagen, nach welchen Steuerpflichtige, deren Einkommen 1500 M. nicht
übersteigt, von dem für jedes schulpflichtige Kind zu zahlenden Schulgelde von 5 M. für die Jahre 1891 und 1892 befreit sein sollen.
München, 27. Dez. Die „Allgemeine Zeitung" bringt nachstehende Einzelheiten über den Tod Dr. Schliemanns. Schliemann befand sich in Neapel seit etwa 8 Tagen. Gestern Mittag wurde er in einer Seitenstraße der Tollostraße bewußtlos aufgefunden. Man brachte ihn in sein Hotel unb der ihn behandelnde Ohrenarzt zog den hiesigen Universitätslehrer Professor von Schrön zu Rathe, der den Fall sogleich als lebensgefährlich bezeichnete, da zu einem älteren Ohrenleiden Schliemanns ein Gehirnabszeß mit Meningitis hinzugetreten war. Heute um halb 4 Uhr früh verschied Schliemann, nachdem kurz vorher noch ein Konsilium von acht Aerzten auf den Vorschlag Schröns die Trepanation des Schädels als einziges Ret- tungsmittel beschlossen hatte. Die Operation kam jedoch nicht mehr zur Ausführung. (Rh. K.)
Ludwigshasen a. RH. Die pfälzische Handels- und Gewerbekammer hat durch Eingabe das zuständige bairische Ministerium ersucht, bei Gelegenheit der jetzt schwebenden Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Handelsvertrag dahin zu wirken, daß Oesterreich-Ungarn in Bezug auf die Getreidezölle nicht einseitig begünstigt werde, weil außer den zu befürchtenden Retorsionen Rußlands alsdann der Getreidehandel und der gesammte Handelsverkehr der Pfalz sowie die Rheinschifffahrt schwere Einbuße erleiden müßten ohne daß für Südwest-Deutschland ein Vortheil in Gestalt der Verbilligung des Getreides zu erwarten stände. Einer allgemeinen Herabsetzung der Getreidezölle dagegen erklärt die Kammer sympathisch gegenübemustehen. (K. Z.)
Neapel, 27. Dez. Die Leiche Dr. Schliemanns wird einbalsamirt und nach Athen überführt werden.
Puris, 27. Dez. Dem „Figaro" zufolge hat der Kriegsminister angeordnet, daß jeder Offizier sowie die gesammte Mannschaft im Augenblick der Mobilmachung mit antiseptischen: Verbandzeuge zu versehen sei.
Paris, 27. Dezember. Doktor Pean machte im Hospital toaint Louis weitere Mittheilungen über die Koch'sche Behandlung Kehlkopftuber- kuloser. Von drei Kranken wurde einer vollständig geheilt; der zweite, dessen Lungen bereits lädirt sind, und welcher Fisteln in der Gegend des Kehlkopfes hatte, befinde sich auf dem Wege der Besserung. Die Fisteln seien vernarbt; der dritte, welcher die Stimme verloren,, hätte dieselbe wiederbekommen. Da alle drei nur der Behandlung mit dem Koch'schen Heilmittel unterzogen wurden, sei anzunehmen, daß die konstatirte Besserung dem Koch'chen Mittel zuzuschreiben sei. Pean erklärt, schließlich wenn bisher keine wahrhaft dauernden Heilungen erzielt wurden, Jo seien doch bedeutende Besserungen konstatirt, welche sich der Heilung näherten. Die Behandlung nach dem Koch'schen Verfahren sei deßhalb fortzusetzen. (F. N.)
London, 27. Dez. Der „Daily Telegraph" drückt in einem Leitartikel die Hoffnung aus, daß der Besuch des 'deutschen Kaisers in Paris, wenn auch jetzt abgeleugnet, so doch einstmals verwirklicht werde. Der Haß zwischen Deutschland und Frankreich werde aussterben, wie die Feindseligkeit zwischen England und Frankreich ausgestorben sei.
Glasgow, 27. Dezbr. Die durch den Eisenbahnstrike geschaffene Lage hat sich etwas gebessert. Der Güterverkehr konnte theilweise wieder ausgenommen werden, da viele Lokomotivführer und Heizer zur Arbeit zurückkehrten und neue Kräfte engagirt wurden. Gleichwohl sind noch 9000 Bedienstete ausständig. Die Bürgerschaft von Edinburg traf Maßregeln zur Schlichtung des Strikes. (N. A. Z.)
^3ster#6Mtg, 27. Dezbr. Wie die „Börsenzeitung" meldet, ist den ausländischen Aktiengesellschaften, welche bei der Regierung die Erlaubniß nachgesucht haben, in Rußland zu operiren, gestattet worden, die Handelspatente für das Jahr 1891 zu lösen, obwohl die Gesuche noch nicht formell erledigt sind.
Petersburg, 28. Dez. Den „Moskowskija Wjedomosti" zufolge sollen nach dem neuen Zolltarife seidene Stoffe, Tücher, Tricotagen, Bänder, Passemcuterien, Tüll, Sammet und Plüsch mit 660 Kopeken pro Pfund, halbseidene Tücher und Stoffe mit 330 Kopeken pro Pfund besteuert werden.
(Frkf. W)
Odessa, 27. Dezbr. Gestern ist der Hafen zugefroren. Die Schifffahrt-stockt.
Bukarest, 27. Dezbr. Der Sanitätsrath ermächtigte zwei Spitäler in Bukai est und eines in Jassy, Tubeikulöse nach der Koch'schen Methode zu behandeln, bei privater Krankenbehandlung mit dem Koch'schen Mittel bleiben die Aerzte für etwa vorkommende Unglücksfälle verantwortlich.
Konstantinopel, 27. Dezbr. Der deutsche Botschafter v. Rado- witz, welcher am kommenden Montag eine Urlaubsreise antritt, ist heute vom Sultan in halbstündiger Abschiedsaudienz empfangen worden. — Der „Agence de Constantinople" zufolge wird in offiziellen Kreisen die anderweitig gebrachte Meldung, daß der Sultan die den Christen gewährten Privilegien aufzuheben beabsichtigt, kategorisch demenlirt und als eine böswillige Erfindung bezeichnet.
Washington, 27. Dez. Der Postvertrag zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten betr. die Einrichtung schwimmender Postämter auf den Postdampfern behufs Bearbeitung der gesammten Post während der Fahrt ist heute in Washington abgeschlossen worden. Die neue