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litten Zeremoniell eröffnet worden. Die Thronrede bewegte sich ganz auf dem Boden der Turiner Rede, sie wurde vielfach durch laute Beifallsrufe unterbrochen, z. B. an den Stellen, wo es hieß, daß die Thätigkeit des Parlaments vor allem der Lösung der sozialen Fragen gewidmet sein müsse, daß der Kronprinz an den Arbeiten der sozialen Gesetzgebung im Senat Ihcilnehmen werde. Mit besonderm Beifall wurde der Ausspruch des Kö­nigs ausgenommen, daß er bei der Achtung vor allen religiösen Bekenut- jüsseu nicht dulden wolle, daß die Religion zur Waffe gegen seine Regie­rung gemadjt werde. Die Thronrede hebt ferner die Achtung vor den Buudesverträgeu hervor. Reue Unternehmungen in Afrika ständen nicht bevor, auch keine Vermehrung der Militärlasten, die Finanzen wurden durch Ersparnisse geregelt werdens

Paris, 10. Dezember. Die Deputirtenkammer genehmigte der Gesetzentwurf betreffs Aufnahme einer dreiprozentigen Anleihe zur Konsoli- dirung der Obligationen mit kurzem Einlöstuigstermin und der dreißigjährigen Obligationen. Die Deputaten der Rechteil, Sozialisten und Boulangisten stimmten gegen den Entwurf. Die Zollkommission berieth heut« üben den Bericht Mezière's über die Metallzölle und beschloß die Aufrecht­erhaltung des gegenwärtigen Zolles für Gußeisen, und für Roheisen, ge- schmolzmes Eisen und Erze Zollfreiheit. (Fr. N.)

Paris, 9. Dezember. Der Temps bestätigt die Meldung verschiedener Blätter, daß die jüngst mit dem Paketboot Caledonien aus Tongking in die Heimath zurückgekehrten Soldaten in gesundheitswidrigster Weise behandelt und untergebracht worden waren. Der Temps fügt jedoch hinzu, daß die Verantwortung hierfür nicht die Marineverwaltung, sondern die Kolonial- behörden treffe.

Paris, 9. Derz. Der Obergesundheitsrath hat heute nach längerer Debatte beschlossen: Es bestehe ein wissenschaftliches Interesse, daß die Ver­suche über den Werth des Koch'scheir Heilmittels in Frankreich fortgesetzt werden. . (RH. K.)

Paris, 10. Dez. Dr. Schaffier erklärt imSiècle" im Gegen­satze zu Dr. Coruil, daß in der Klinik Dr. Pöans bei allen dreißig mit der Koch'scheir Lymphe behaudelten Fällen von chirurgischer und Lungen­tuberkulose niemals auch nur der geringste schlimme Zwischenfall in Bezug auf Lungen, Herz, Nieren und Temperatur konstatirt worden sei, sonderir daß alle Kranken ^ie größere oder geringere Besserung aufweisen.

New Volk, 9. Dez. Die .Fondsmakler Colbron, Chancey und Comany und die Bostoner Kleiderfirma Whitten, Burditte und Pounge sallirten, letztere mit einer Million Passiven. Ferner fallirten eine Seiden­firma in Paterso (New Herseys mit 400 000 Doll. und eine Bank in Kansas-City.

_ Bremen, 10. Dezember. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyl FEms" ist gestern in NewHork eingetroffen.

New - Port, 10. Dezember. Der DampferSpain" von der National-Dampfschiffs-Kompagnie (C. Messing'schen Linie) ist gestern hier eingetroffen.

Aus Stadt, Provinz und Umgegend.

Personal-Chronik (aus demAmtsblatt").

Versetzt: der Königliche Rentmeister Kiel von Marburg zur L-tèuerkasse I nach Hanau.

Beförderung. Die Lehrer der Königlichen Zeichenakademie A. O fiterdin ger, L. Nowack, Dr. v. Ubisch und W. Schulz sind, laut Verfügung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 24. Oktober d. I. in die 5. Rangklasse der höheren Beamten befördert worden.

Anmeldung zur Stammrolle. Alle Militärpflichtigen des Fahrgangs 1871, welche nicht dahier geboren aber dahier wohnen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie bei der Anmeldung zur Staminrolle 15. Januar bis 1. Februar 1891 ihren Geburtsschein vorzulegen haben und daß letzterer bei dem Pfarrer der Geburtsgemeinde kostenfrei zu erhalten ist.

Kunstwerk. In den letzten Tagen hatte sich, wie dieHan. Z." schreibt, das Atelier des Herrn Prssessor Wiese eines sehr zahlreichen Be­suches zu erfreuen, da es bekannt geworden, daß der Modellentwurf des für die Stadt Oppeln bestimmten Kaiser Wilhelm I.-Denkmals vollendet ist. Die über lebensgroße Figur des greifen Kaisers, welche durch ihre Größe imponirt, durch ihre geniale Auffassung, außerordentlich feine Aus­arbeitung bis ins kleinste und durch ihre sprechende Aehnlichkeit einen über­wältigenden Eindruck auf den Beschauer hervorbringt, wird dereinst Oppeln zur Zierde, dem Künstler zu unvergänglicher Ehre gereichen. Wie wir hö­ren, wird jetzt von dem in Thon hergestellten Modell ein Gypsabguß ver­fertigt, der dann in Oppeln zur Ausstellung gelangen soll.

Kunstverein. Von heute ab bis einschließlich nächsten Mittwoch ist seitens des hiesigen Kunstvereins in der Aula Königl. Zeichenakâmie eine Ausstellung von Gemälden neuerer Meister veranstaltet; dieselbe ist täglich von Vormittags 11 bis Nachmittags 3 Uhr geöffnet und kostet der Eintritt für Nichtmitglieder 20 Pf.

Stadttheater. Nächsten Sonntag feiert wiederum eine neue brillante Berliner Gesangsposse ihre hiesige Premiere:Der Goldfuchss" von E. Jacobson und L. Ely, Gesangstexte theilweise von G. Görß, Musik von F. Roth. Das von urwüchsigem Humor und drastischer Komik über­

sprudelnde Stück, das mit reizenden Gesangseinlagen versehen ist, ging in Berlin bereits über 100 Mal mit größtem Erfolge in Szene.

Koch'sche Lymphe. Wie wir hören sind gestern zwei Gläschen Koch'scher Lymphe im hiesigen Landkrankenhause ein getroffen und soll heute mit den Impfungen begonnen werden.

Verstorben. Der am 26. v. Mts. dahier verunglückte Hülfs- kondukteur Philipp Em rath aus Frankfutt a. M. ist am 8. d. Mts. Abends seinen Verletzungen erlegen, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die Leiche desselben wurde gestern Nachmittag nach Mainz überführt.

Hier thut Hilfe noth. Durch die gegen Ende des vorigen Monats stattgehabten Regengüsse wurden auch einzelne Theile in unserer Provinz. wie wir nachträglich erfahren, besonders hart betroffen. Ganz be­sonders haben die im Thale der Diemel liegenden Orte gelitten. Ein Ein­wohner unserer Stadt, der vor einigen Tagen die dortige Gegend besucht hat, theilt uns folgende Schilderung mit. An der Mündung der Diemel in die Weser liegt das .Heine Städtchen Karlshafen, das durch seine herr­liche Lage und schmucke Bauart schon manchen Reisenden entzückt hat. Wie steht es jetzt in diesem Orte aus. Die Mauern der Häuser sind zum Theil hinweggerissen, die Straßen mit Schutt und Trümmer bedeckt, die Brücke, die die Stadt mit der Straße verbindet, ist eingerissen, die Hafenmauer zer­stört. Die Einwohner erzählten, daß das Wasser mit einer solchen Heftig­keit und so rasch gestiegen sei, daß die Fluthen in einigen Stunden in die Stuben der Häuser eindrangen, alles mit sich fortreißend, was nicht in­zwischen gerettet werden konnte. Die Wände in den Häusern, Thüren und Fenster nahmen die Fluthen mit fort. An Rettung war nicht zu denken, da der gewaltige Strom das Fahren mit Kähnen unmöglich machte. Fuß­hoher Schlamm in sämmtlichen Straßen ist zurückgeblieben, der sich durch den plötzlich eingetretenen Frost mit einer dicken Eiskruste überzogen hat. Die Stadt hat viele Verluste erlitten und haben sie sich au den kommunal­ständigen Landtag mit der Bitte um Hülfe gewandt. Aber kaum wird dies ' genügen, um die Schäden, die die Stadt selbst gehabt hat, auszubessern. Für die vielen armen Bewohner wird die Privatwohlthätigkeit in Anspruch genommen werden müssen.

Wie in Karlshafen, so sieht es in fast sämmtlichen Ortschaften an der unteren Diemel aus. Wir veröffentlichen im Jnseratentheil einen Auf­ruf, der uns von Helmarshausen aus zugeht und sind gerne bereit, Gaben für die Städte Karlshafen und Helmarshaufen in Empfang zu nehmen.

Immobilien-Umsätze. Das an der Friedrichstraße liegende Grundstück des Herrn Kommerzienrath Döring ging um die Summe von 18 700 Mk. an Herrn Maurermeister Georg Wirth über; Vermittler war Herr Seusal A. Petri.

Für heute. Abends 8 Uhr im Saale derCentralhalle" : Erstes Auftreten der oberbairischen Sänger- und Schuhplattlergesellschaft, genannt Die Werdenfelser". Radfahrer - VereinVorwärts": Abends 9 Uhr Zusammenkunft in der Restauration Kippert. Ebenfalls Abends 9 Uhr: Freiwillige Feuerwehr, 2. Komp, imKrahnen", 3. Komp, bei I. Keßler.

Aus Cassel. Die Söhne des Prinzen Albrecht von Preußen, der 16jährige Prinz Friedrich Heinrich und der 14jährige Prinz Joachim Al­brecht werden zum April nächsten Jahres nach Cassel übersiedeln, um das dortige Gymnasium, welches auch unser Kaiser und Prinz Heinrich absol- virt haben, zu besuchen. Zum Erzieher beider Prinzen ist jetzt der Gym­nasiallehrer Dr. Erich Meyer aus Jena berufen worden.

Fulda, 10. Dezbr. Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau, Staatsminister Graf zu Eulenburg, ist gestern Nachmittag hier eingetroffen und nach einem Besuche unseres Herrn Land­raths mit dem Abendzuge nach Philippsruhe weitergereist. (F. K.)

Frankfurt a. M., 10. Dezember. Die Aufräumungsarbeiten an der alten Brücke haben einen Kostenaufwand von mehr als 5000 Mark verursacht. Viel Floßholz, welches durchgetrieben ist, wird jetzt gesammelt. Für jeden Stamm müssen Bergungskosten bezahlt werden. (G.-A.) Frankfurt a. M., 11. Dezember. Bei dem Fuhramt sollen zu den sechs vorhandenen Kehrmaschinen drei weitere angeschafft werden. Der Oberaufseher der Straßenreinigung es kommen 150000 laufende Meter in Betracht soll ein Veloziped erhalten, da Droschke zu theuer sei. (Fr. N.)

Naffau, 9. Dez. Gestern Nachmittag fanden hiesige Kinder einige Dynamitzündhütchen, welche auf der Straße in der Nähe einer Wirthschaft lagen. Die Kinder betrachteten sie neugierig, warfen sie aber später wieder weg, nur ein 11 jähriger Junge nahm seinen Fund mit nach Hause. Dort angekommen, wollte er die Sache näher untersuchen, das Zündhütchen ex- plodirte und zerschlug ihm den Mittelhandknochen der rechten Hand. Wie diese Zündhütchen an die besagte Stelle gekommen sind, wird schwerlich ermittelt werden können. (Fr. N.)

Worms. Die Augenentzündung verbreitet sich derart unter den Schülern der hiesigen Volksschulen, daß die Schulen wahrscheinlich geschlossen werden müssen. Am Samstag fand durch den Oberbürgermeister, den Kreis­arzt und verschiedene andere Herren eine Besichtigung der Schulsäle statt. Auch wurde eine Desinfektion derjenigen Räume vorgenommen, in denen erkrankte Schüler verkehrten.