seines Wasserstandes versehen sein. Jede dieser Vorrichtlingen muß eine gesonderte Verbindung mit dem Innern des Kessels haben, es sei denn, daß die gemeinschaftliche Verbindnng durch ein Rohr von mindestens sechszig Quadratcentimeter lichtem Querschnitt hergestellt ist.
§. 6. Werden Probirhâhne zur Anwendung gebracht, so ist der unterste derselben in der Ebene des festgesetzten niedrigsten Wasserstandes anzubringen. Alle Probirhähne müssen so einzcrichtet sein, daß man behufs Entfernung von Kesselstein in gerader Richtung hindurchstoßen kann.
§. 7. ^Wasser standsmarke. Der für den Dampfkessel festgesetzte niedrigste Wasserstand ist an dem Wasserstandsglase, sowie an der Kesselwandung oder dem Kesselmauerwerk durch eine in die Augen fallende Marke zu bezeichnen.
An der Außenwand -jedes Dampfschiffskessels ist die Lage der höchsten Feuerzüge nach der Richtung der Schiffsbreile in leicht erkennbarer, dauerhafter Weise kenntlich zu macheu; ferner sind an derselben zwei Wasserstandsgläser in einer zur Längenrichtung des Schiffes normalen Ebene, in gleicher Höhe, symmetrisch zur Kesselmitte und möglichst weit von ihr nach rechts und links abstehend anzubringen. Durch das hierdurch bei Dampfschiffskesseln geforderte zweite Wasserstandsglas wird die im §. 5 angeord- nete zweite Vorrichtung zur Erkennung des Wasserstandes nicht entbehrlich gemacht.
§. 8. Sicherheitsventil. Jeder Dampfkessel muß mit wenigstens einem zuverlässigen Sicherheitsventil versehen sein.
Wenn mehrere Kessel einen gemeinsamen Dampfsammler haben, von welchem sie nicht einzeln abgesperrt werden können, so genügen für dieselben zwei Sicherheitsventile.
Dampfschiffs-, Lokomobil- und Lokomotivkessel müssen immer mindestens zwei Sicherheitsventile haben. Bei Dampfschiffskesseln, mit Ausschluß derjenigen auf Seeschiffen, ist dem einen Ventil eine solche Stellung zu geben, daß die vorgeschriebene Belastung vom Verdeck aus mit Leichtigkeit untersucht werden kann.
Die Sicherheitsventile müssen jederzeit gelüftet werden können. Sie sind höchstens so zu belasten, daß sie bei Eintritt der für den Kessel festgesetzten Dampfspannung den Dampf entweichen lassen.
§. 9. Manometer. An jedem Dampfkessel muß ein zuverlässiges Manometer angebracht sein, an welchem die festgesetzte höchste Dampfspannung durch eine in die Augen fallende Marke zu bezeichnen ist.
An Dampsschiffskesseln müssen zwei dergleichen Manometer angebracht werden, von denen sich das eine im Gesichtskreise des Kesselwärters, das andere mit Ausnahme der Seeschiffe auf dem Verdeck an einer für die Beobachtung bequemen Stelle befindet. Sind auf einem Dampfschiffe mehrere Kessel vorhanden, deren Dampfräume mit einander in Verbindnng stehen, so genügt es, wenn außer den an den einzelnen Kesseln befindlichen Manometern auf dem Verdeck ein Manometer angebracht ist.
§. 10. Fabrikschild. An jedem Dampfkessel muß die festgesetzte höchste Dampfspannung, der Name des Fabrikanten, die laufende Fabriknummer und das Jahr der Anfertigung, bei Dampfschiffskesseln außerdem die Maaßziffer des festgesetzten niedrigsten Wasserstandes auf eine leicht erkennbare und dauerhafte Weise angegeben sein.
Diese Angaben sind auf einem metallenen Schilde (Fabrikschild) anzubringen, welches mit Kupfernieten so am Kessel befestigt ist, daß es auch nach der Ummantelung oder Einmauerung des letzteren sichtbar bleibt. ______________________________(Fortsetzung folgt.)_____________________________
Hskarmtma Hungen König!. Landrathsamts.
Die Maul- und Klauenseuche zu Großkrotzenburg ist erloschen.
Hanau am 1. Dezember 1890.
Der Königliche Landrath
V. 8790 v. Dertsen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Sturmlaterne.
Verloren: Eine schwarze Spitzenschürze. Eine Perloque (2-Mark stück mit Einfassung); dem Wiederbringer eine Belohnung.
Hanau am 4. Dezember 1890. __________________________
Tagesschau.
Berlin, 3. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser haben in Namen des Reichs den bisherigen Ersten Sekretär bei der Kaiserlichen Botschaft, in Wien, Legationsrath Grafen von Monts zum Generalkonsul in Budapest zu ernennen geruht.
Berlin, 3. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König nahmen heute Vormittag im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Zivilkabi- nets und des Hausministcrs von Wedell entgegen.
Berlin, 3. Dez. Der Kaiser hat der „Post" zufolge für den Bau des Dampfers Wißmann die Summe von 3000 Mk. anweisen lassen. — Die kirchlichen Fürbitten für eine glückliche Entbindung der Kaiserin werden nach Allerhöchster Bestimmung am 7. ds. ihren Anfang nehmen.
Berlin, 3. Dezember. (Reichstag) Präsident v. Levetzow eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Der Abg. Müller (Marienwerder), der zum Justitiarius der Reichsbank ernannt ist, regt in einem Schreiben
die Frage der Fortdauer seines Mandats an; dasselbe wird an die Geschäftsordnungskommission verwiesen. An Stelle des aus dem Amte geschiedenen Abg. Dr. Bürklin wird auf Vorschlag des Abg. Dr. v. Marquardsen (nl.) der Abg. Schneider (Hamm) zum Schriftführer gewühlt. Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Reiches für das Etatsjahr 1889/90 geht an die Rechnungskommission. Es folgen Wahlprâfungen. (K. Z.)
Berlin, 3. Dez. Dem „Reichsanzeiger" zufolge sind die Angaben einer Antwerpener Korrespondenz der „Frankfurter Zeitung" über Mißstände, besonders über Ueberfüllung, auf dem Auswanderschiffe „Baltimore", thatsächlich unrichtig. Der Vorwurf einer unzulässigen Duldung seitens des Reichskommissars für das Auswanderungswesen ist unberechtigt. Die „Baltimore" hatte nach amtlicher Ermittelung bei dem Verlassen des deutschen Ausgangshafens eine geringere Passagierzahl als gesetzlich zulässig ist, der Vorwarf einer pflichtwidrigen Duldung und polizeiwidrigen Ueberfüllung ist daher unbegründet.
Berlin, 3. Dez. Die Arbeiterschutzkommission nahm die von den Pflichten der Arbeitgeber zur Aufrechthaltuug des Anstandes, sowie die von dem Schutze gegen Gefahren handelnden Paragraphen'wesentlich nach den Kompromißanträgen an, dagegen unverändert nach der elften Lesung die beiden ersten Paragraphen, betreffend die Verhältnisse der Gesellen und Gehilfen. (RH. K.)
Brrlitt, 3. Dez. S. M. Kanonenboot Iltis, Kommandant Korvettenkapitän Ascher, ist am 2. Dezember in Tientsin angckommeu.
Jofolge der Koch'sche« Entdeckung dürfte die Anziehungskraft der Berliner medizinischen Fakultät für fremde Aerzte und Medizinstudierende eine bedeutende Steigerung erfahren. Schon wird aus Paris berichtet, daß die dortigen Aerzte und Beflissene der Heilkunde ihre Kenntniß der deutschen Sprache zu vervollständigen suchen, um wenigstens die deutschen Fachblätter und Werke lesen zu können, wenn sie nicht selbst nach Beilin gehen können. Am meisten ist daâ lateinische Viertel in Bewegung, wo allein 5000 Hörer der Heilkunde, darunter 700 Ausländer, sich befinden. HGar viele tragen sich jetzt mit den: Plane, wenigstens ein Jahr in Berlin ihre Studien zu betreiben. Nicht nur Ausländer, auch Franzosen befinden sich in diesem Fall. Voraussichtlich wird daher die Berliner Hochschule einen starken Zuzug medizinischer Studenten aus allen Himmelsstrichen zu gewärtigen haben. Die Vorurtheile gegen Deutschland schwinden dadurch immer mehr.
Münster, 2, Dezember. Ein Bauer in der Nachbarschaft hatte gestern Abend einem obdachlosen Arbeiter gestattet in seiner Schenne zu schlafen. Heute Nacht brannte das ganze Haus ab, wahrscheinlich durch Unvorsichtigkeit des fremden Gastes. Der Bauer rettete mit den Seinigen nur das nackte Leben, der nnglückliche Fremde kam in den Flammen um.
Hamburg, 3. Dez. Heute Nachmittags stürzte in Barmbeck ein" Neubau ein; fünf Personen wurden verletzt, darunter vier schwer. (Fr. N.)
Koburg, 3. Dezbr. Se. Hoheit der Herzog wird sich einer Einladung Sr. Majestät des Kaisers folgend, morgen nach der Göhrde begeben.
Wie«, 3. Dezbr. Zu Ehren er. Durchlaucht des Prinzen Adolf und Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Viktoria zu Schaumburg Lippe, welche am 30. v. M. aus Bückeburg hier eintrafen, fand dem „Reichsanz." zufolge gestern bei dem deutsche» Botschafter Heinrich VII. Prinzen Reuß ein Diner statt.
Wie«, 2. Dezbr. (K. Z.) Heute Nachmittag traten die deutschen Kommissare, eingeführt vom deutschen Botschafter, und die österreichisch ungarischen Delegirten für die handelspolitischen Verhandlungen im Auswärtigen Amte zusammen. Dem „Fremdenblatt" zufolge eröffnete Graf Kalnoky die Besprechungen mit einer längeren Ansprache, hob die Wichtigkeit derselben sowohl für die wirthschaftlichen Interessen der beteiligten Länder, als anch für die weitere Gestaltung der handelspolitischen Lage Europas hervor und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen trotz der unleugbar vorhandenen Schwierigkeiten zu gedeihlichen Ergebnissen führen und so auf dem Gebiete der Handelsbeziehungen eine erfreuliche Ergänzung der zwischen Oesterreich Ungarn und Deutschland bestehenden engen politischen Freundschaft bilden werden. Nachdem hierauf Graf Kalnoky den Sektionschef im Ministerium des Aeußern v. Szögyenyi als seinen Stellvertreter bei den Verhandlungen eingeführt hatte, begannen die Besprechungen unter dem Vorsitz des letzter». Morgen findet wiederum eine Sitzung statt. Innerhalb der Konferenz hatte man sich über strengste Geheimhaltung der Verhandlungen geeinigt. Man glaubt, daß bereits aus den ersten Berathungen der Entwurf eines Vertrags hervorgehen wird.
Wien, 3. Dez. Wie hiesige Blätter melden, sprach Professor Bill- roth auf Grund der gemachten Beobachtungen die Ansicht ans, das Koch'sche Mittel wirke nicht nur auf Tuberkelbazillen, sondern auch auf Eiterungen ein. (Fr. N.)
Paris, 2. Dezember. Die Gutachten der französschen Aerzte über das Koch'sche Heilmittel lauten, nach der „K. Z.", alle äußerst günstig. Man kann wohl behaupten, das die bedeutendsten Aerzte von Paris für Koch gewonnen sind; freilich machen auch alle die Vorbehalte, mit denen Koch selbst sein Verfahren eingeführt hat, und warnen vor übertriebenen Hoffnungen. Einen neuen noch nicht beobachteten Fall der Wirkung theilt der Temps mit. Danach wurde in der Cornischen Klinik bei einem mit 5 Milligramm Koch' scher Lymphe geimpften Kranken Albuminurie (Eiweiß-