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Ätr. 280 Montag oen 1. Dezember 189U

Amtliches.

Bekanntmachung.

Einziehung der Poywerthzeichen älterer Art.

Vom 1. Dezember 1890 ab werden die Verkehrsanstalten nur noch P o st w e r t h z e i ch e n neuerer Art verkaufen.

Die alsdann noch in den Händen des Publikums befindlichen Post- werthzeichen älterer Art (Freimarken, sowie gestempelte Briefum­schläge, Psstkarten, Streifbänder und Postanweisungs-Formulare) können noch bis zum 31. Januar 1891 zur Frankirung von Post­sendungen verwendet werden

Vom 1. Februar 1891 ab verlieren die älteren Post­werthzeichen ihre Gültigkeit. Dem Publikum soll indeß gestattet sein, die bis dahin nicht verwendeten Postwerthzeichen älterer Art bis spätestens zum 3 1. März 1891 gegen neuere Wert Hzeichen gleicher Gattung und von entsprechendem Werthe umzu­lauschen. Gestempelte Briefumschläge und gestempelte Streifbänder wer- , den gegen Freimarken zu 10 und 3 Pfennig umgetauscht, die He> stellungs­kosten weiden mit 1 Pfennig für jeden gestempelten Briefumschlag und /a Pfennig für jedes gestempelte Streifband baar erstattet. Der Umtausch der älteren Postwerthzeichen gegen neue wird an den Postschaltern bewirkt.

Postsendungen, welche nach dem 31. Januar 1891 noch mit Werth­zeichen älterer Art zur Auflieferung gelangen, werden dem Absender zurück­gegeben, oder wenn dies nicht thunlich sein sollte, als unfrankirt behandelt werden. I

Vom 1. April 1891 ab sind die Verkehrsanstalten zum Umtausch f -* älterer Postwerthzeichen nicht mehr befugt.

Berlin W., 27. November 1890.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.

von Stephan.

Bekanntmachungen KönigL. ^andrarhsamis.

In den Gemeinden Neuenschmidten und Kirchbracht des Kreises Gelnhausen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen; dagegen ist sie in der Gemeinde Hellstein ausgebrochen.

Hanau am 29. November 1890.

Der Königliche Landrath

V. 8743 v. Oertzen.

Die Maul- und Klauenseuche auf dem Bruderdiebacherhof ist erloschen und die Gemarkungssperre aufgehoben.

Hanau am 27. November 1890.

Der Königliche Landrath

V. 8684 v. Oertze n.

An Stelle des verstorbenen Mitgliedes der Prüfungs Kommission für Hufschmiede zu Hanau, Mühlenbesitzer Georg Brenner ist sein bisheri- - ger Stellvertreter, Oekonom Heinrich Jung zu Hanau, und an Stelle des ^ Letzteren der Gutspächter Wilhelm Koch zu Bruderdiebacherhof zum Mit­glied genannter Prüfungs-Kommission ernannt worden.

Hanau am 26. November 1890.

Der Königliche Landrath

V. 8293. v. Oertzen.

Diejenigen Herren Aerzte, welche im lausenden Jahre Impfungen vorgenommen haben, ersuche ich unter Hinweis auf §. 20 des Reglements zur Ausführung des Reichs-Jmpfgesetzcs vom 8. "April 1874 ergebens!, die Listen, soweit solches noch nicht geschehen, gefälligst an mich einreichen zu wollen.

Hanau am 22. November 1890.

Der Oberbürgermeister.

__I. V.: Heraeus.________

t Der sozialistische Zukunftsstaat.

VIIL Die kommunistische Staatsform.

Streng genommen kann man nicht von einem sozialistischen Zukunfts-

staate sprechen. Der Staat ist nach den herrschenden Begriffsbestimmun- j gen eine völkerschastliche Einigung aller Personen eines bestimmten Gebiets unter gemeinsamen Regierungsformen; das Einzelwesen steht mit seinen Sonderintei essen unter der Herrschaft der das Gemeinwohl vertretenden Staatsgewalt. In der koinmunistifchen Gesellschaft soll aber keinerlei Herr­schaft sein, sondern nur Verwaltung. Die Sozialisten sagen, der heutige Staat vertrete immer nur eine Klasse der Gesellschaft; sobald er Repräsen­tant der ganzen Gesellschaft werde, mache er sich selber überflüssig.Der erste Akt, mit dem der Staat wirklich als Repräsentant der ganzen Gesell- schlft auftritt die Besitzergreifung der Produktionsmittel ist zugleich sein letzter Akt als Staat" (Engels).Da die Herrschafts- und Knecht­schaftsverhältnisse durch die Aufhebung der bisherigen Eigenthumszustände untergehen, hat auch der politische Ausdruck dafür keinen Sinn mehr. Der Staat hört mit dem Herrschaftsre hältniß auf, wie die Religion aufhört, wenn der Glaube an üben atihlidje Wesen oder an vernunftbegabte, über­sinnliche Kräfte nicht mehr vorhanden ist" (Bebel).

i Lediglich um durch genaue Berechnung und Vertheilung der Thätig­keiten und des Arbeitsertrags allen Bürgern ein möglichst hohes Maß von Lebensannehmlichteiten" zu ermöglichen, ist die Einrichtung einer Verwal­tung erforderlich. Die Grundlage bilden die Gemeinden. Sämmtliche mündige Gcmeiudeangehörige bestimmen durch Wahl die Vert'.auenspersonen, welche die Verwaltung zu leiten haben. An der Spitze der Lokalverwal­tungen steht die Zeniralverwaltung wohl gemerkt, keine Regierung mit herrschender Gewalt. Berufsbeamte sind nicht mehr vorhanden. Man wählt und entläßt die Vertrauenspersonen, ob Mann oder Frau, wie es das Bedürfniß unddie Stimmung der Wählenden" mit sich bringt. Es sind Posten, die von Jedem nur auf Zeit eingenommen werden. Stellt sich auf dem einen Produktionsgebiet ein Ueberschuß, auf dem anderen ein Mangel an Kräften heiaus, so hät^o-VerMaltung dienöthigen Arrange­ments" zu treffen und einen Ausgleich herbeifilführe^, Das Räderwerk geht immer glatter,spielend", und schließlich können au3pTtr'Wff8^== Werkmeisterposten k.alternirend" (umsichtig) in regelmäßigem Wechsel von allen Betheiligten, natürlich ohne Unterschied des Geschlechts, versehen werden. Damit ist der Gipfel der sozialen Gleichheit erreicht.

Diese Schilderung der Zukunft ist keine Privatchimäre Bebels, schon bei Marx und Engels findet sie sich vorgezeichnet, und der Amerikaner Bellamy hat in leichtbeschwingten Phantasien, welche, Schmetterlingen gleich, bei jeder Berührung mit der Wirklichkeit ihren Schmelz und Farbenglanz verlieren und die e i n starker Lufthanch ins Meer verweht, den deutschen Sozialisten führ er noch überboten. Nach der großen Tragödie der nach Ansicht der Zielbewußten gewaltsamen Enteignung alles Privateigen­thums entwickelt sich ein reines Idyll. Alle Widrigkeiten, welche der Ge­sellschaft begegnen können, sind abgeschasft, vor allem die Kriege; wie und wodurch das bleibt Geheimniß des Zukunftsstaates. Parlamente, Ge­setzgebung überflüssige Dinge; die Beziehungen der Bürger zu einander regeln sich von selbst. Die Gefängnisse sind verschwunden, da keine Ver­brechen mehr vortommen. Für alle Vergehen aus Eigennutz fehlt ja die innere Veranlassung, Geld ist wirklich nur Chimäre, und was Rohheits- UMb Sittlichkeitsvergehen betrifft, so werden sie, soweit sie bei dem hohen Stande der allgemeinen Bildung und Erziehung noch geschehen können, als Rückfälle in die schlechten Gewohnheiten der Vorfahren (Atavismus) in Krankenanstalten behandelt.

Wir haben gesehen, welche enorme wirthschafiliche Aufgabe der kommunistischen Gesellschaft zugewiesen wird, indem sie Angebot und Nach­frage auf*§ Genaueste regeln, alle Arbeit nach ihrem gesellschaftlichen Werthe messen, alle Waaren nach den in ihnen steckenden Arbeitszeiten berechnen, jedem Wechsel der Bedürfnisse auf dem Fuße folgen, alle verheerenden Natureinflüsse 2C. voraussehen soll. Die Erfüllung der Aufgabe ist schlecht­hin nur denkbar, wenn Genies dauernd an der Spitze der Wirthschafts- leitung stehen und wenn sie "mit fast unumschränkten Machtmitteln ausge­rüstet sind und jeder Zeit vorschreiben können, was und wo erzeugt, was und wie verbraucht werden soll. Aber Genies lassen sich nicht nach Bedarf erziehen und bilden. Daher entweder unerträglicher Zwang oder Staats­bankerott, -Anarchie ein Drittes ist nicht denkbar.

Was Engels, Bebel, Belamy sich träumen ist in Wirklichkeit Anarchie. Daß auch das Herrschen gelernt sein will, wie jede andere Sache, und selbst