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â. 277

Donnerstag oen 27. November

1890

AmtlicheS.

Bekanntmachungen Königl. Landrarhsamts.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in der Gemeinde Niederdor­felden erloschen, ist die Orts- resp. Gemarkungssperre aufgehoben.

Hanau am 26. November 1890.

V. 8633

Der Königliche Landrath

v. Oertzen.

Tagesschau.

Berlin, 26. Novbr. Se. Majestät der Kaiser und König trafen gestern Abend um 6 Uhr in erwünschtestem Wohlsein auf dem Bahnhöfe Groß-Slrehlitz ein, wurden dort von dem Grafen Tschirschky Renard em­

pfangen und fuhren durch den festlich geschmückten und illuminirten Ort, von der Bevölkerung auf das Wärmste begrüßt, nach dem Schlosse. Heute früh haben Se. Majestät Sich auf die Jagd begeben.

Berlin. Der Königliche Hof legt vom 25. d. Mts. ab für Se. Majestät den König der Niederlande die Trauer auf drei Wochen an.

Berlin, 25. Nov. Nach dem gestrigen Essen bei Caprivi soll der Kaiser auch auf die Unterschiede zwischen der ältern und jüngern Gene­ration zu sprechen gekommen sein und dieselben kurz dahin gekennzeichnet haben: die ältere Generation sagt immer ja aber; die jüngere Gene­ration sagt ja also. Der Kaiser soll dann auf Miquel zeigend hin- ; zugefügt haben:Der ist von der jüngern Generation". ; fessoren der Universität angehören, erließ, nach denFr. N.

Berlin, 26. Nov. M -.....2

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DerReichsanzeiger" publizirt eine kaiserliche ruf, welcher auffotbert, einer Petition an den Reichstag zwecks Protestes Verordnung, wonach das Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetz von - gegen die Rückberufung des Jesuitenordens beizutreten.

- Erfurt, 26. Nov. Das Betriebsamt meldet: Die Strecke Naum-

Neujahr 1891 ab in vollem Umfange in Kraft tritt.

Berlin, 25. Nov. In der heutigen (8.) Sitzung des Abge­ordnetenhauses wurde, nach demReichsanz.", die erste Lesung des Entwurfs eines Gewerbesteuergesetzes eingeleitet vom Finanzminister Dr. Miquel, welcher zunächst auf den Zusammenhang der Gewerbesteuer mit der Einkommensteuer hinwics undausführte, daß die Reform der ersten dringend nothwendig sei, um die kleinen Betriebe zu entlasten und für die großen die Bestreuerung den Verhältnisfen anzupaffen. Durch die Probeveran­lagungen seien die Grundzüge der Vorlage schon frühzeitig in die Oeffent- lichkeit gedrungen, aber davor habe er sich nicht gescheut, denn gegen den Willen der Betheiligten könne die Reform nicht durchgeführt werden. Eine einheitliche Gestaltung der Gewerbesteuer sei unmöglich, man müsse neben dem Betriebsertrag auch das Betriebskapital in Rechnung stellen. Die Betriebe stellten einen vererblichen Werth dar; aber je kleiner der Betrieb werde, desto mehr sei der Betriebsertrag lediglich das Ergebniß der Arbeit des Betriebsinhabers. Danach habe man die Grenze gezogen; der Ausfall durch die Steuerbefreiung werde hoffentlich durch die stärkere Heranziehung der Großbetriebe gedeckt werden. Die Kommunalbetriebe, welche nicht Zwecken der öffentlichen Wohlfahrt dienten, sondern auch erheblichen Ge­winn abwürfen, also z. B. die Gasanstalten, müßten der Steuer unter­worfen werden, weil es nicht richtig sei, kommunale Betriebe durch die Steuerfreiheit vor privaten Betrieben zu bevorzugen. Während sonst die Mittelsätze, weil sie eine bequemere Veranlagung böten, beibehalten seien, solle für die Großbetriebe die Gewerbesteuer individuell ermittelt werden; denn es habe keinen Werth, für einen Großbetrieb den Mittelsatz unver­ändert zu lassen, auch wenn der Betrieb sich noch so sehr vergrößere. Die Steuer auf die Schankwirthfchaften sei ein Mittelweg. Ohne den vorge­schlagenen Zuschlag werde eine Reihe von Betrieben steuerfrei werden, während es gar nicht im öffentlichen Interesse liege, den Zudrang zum Schankgewcrbc zu fördern. Die Großbetriebe würden natürlich daneben noch eine Gewerbesteuer nach ihrem Betriebsumfange zu zahlen haben. Der Minister schloß mit dem Hinweise darauf, daß die Vorlage eine Erleich- terung^bringe für diejenigen Bevölkerungsklaffen, deren Enmistung von allen Seiten als ein Werk der Gerechtigkeit betrachtet werde (Beifall). Nach längerer Debatte, an welcher sich die Abgeordneten v. Eynern, Vom Heede, Brömel, Generalsteuerinspektor Burghart, von -r l e d e m a n n - B 0 m st, Pleß und v. Rauchhaupt betheiligten, wurde die Vorlage an an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen.

©erlitt, 26. Nov. DiePost" bestätigt, daß dem früheren Mi- «>Iter uiciuâ der Stempel für die Errichtung zweier Fideikommisse erlassen

. worden sei. Der Erlaß erkläre sich dadurch, daß die Stiftung der Fidei­kommisse auf Grund einer Bestimmung des Kaisers Friedrich erfolgte und mit der Erhebung des Ministers Lucius in den Freiherrnstand unmittelbar zusammenhing, für welche ihm Stempelfreiheit ausdrücklich zugesichert war.

Berlin, 26. Novbr. (K. 3 ) Die Direktionen der technischen In­stitute Spandaus haben ihren Arbeitern mitgetheilt, daß alle die, welche Rohheiten und Widersetzlichkeiten gegen die Organe der Polizei begehen, so­fort entlassen werden. Die Polizeiverwaltung ist ersucht worden, den Direk­tionen von allen Fällen, in denen Arbeiter der Militäi Werkstätten sich Aus­schreitungen zu schulden kommen lassen, Anzeige zu erstatten. Eine Anzahl Arbeiter sind wegen Widersetzlichkeiten bereits entlassen worden.

Berlin, 26. Novbr. Das KanonenbootWolfs" ist am 24. No­vember in Hiogo eingetroffen und geht am 4. Dezember nach Dokohama weiter.

Die Post von dem am 22. Oktober von Shanghai abgegangenen Reich-PostdampferNeckar" ist in Brindisi eingetroffen und gelangt für Berlin voraussichtlich am 27. d. M. Vormittags zur Ausgabe.

Köln, 25. Novbr. Morgen nimmt hier eine Konferenz der preußi­schen Bischöfe im erzbischöflichen Palais ihren Anfang. Zu derselben sind bisher eingetroffen : der Fürstbischof von Breslau, der Erzbischof von Frei­burg, die Bischöfe von Trier, Hildesheim, Münster, Kulm und Fulda und , die Generalvikare von Paderborn, Gnesen-Posen und Erniland.

Halle, 26. Nov. Ein hiesiges Komitte, dem auch verschiedene Pro­

burg-Kleinjena (auf der Linie Naumburg-Artern) ist wegen Hochwassers unfahrbar. Die Dauer der Störung ist unbestimmt.

Jena, 26. Nov. Bei dem Hochwasser wurde hier ein Ehepaar durch einen Hauseinsturz erschlagen. In Wenigen-Jena wurden 12 Häuser, in Naschhansen 10 zerstört. In Wenigen-Jena haben 9 Personen den Tod durch das Wasser gefunden. (Fr. N.)

Bremen. Die Rettungsstation in Swinemünde telegraphirt: Am ! 25. November von der auf Westergrund gestrandeten Bark9taomi", Kapitän Jonasson, 17 Personen gerettet durch das Rettungsboot der Sta­tion SwinemündeWest". Unter den Geretteten befinden sich die Frau und die Tochter des Kapitäns sowie ein Passagier.

Agram, 26. Novbr. Heute Morgen 5* 2 Uhr wurde hier ein schwaches Erdbeben verspürt. (Gestern Morgen um 10 Uhr 48 Minuten wurde in Preßburg ein Erdstoß wahrgenommen.) (K. Z.)

i Haag, 26. Nov. Die Königin-Mutter Emma leistet den Eid als i Regentin und Vormünderin der Königin Wilhelmine am 5. Dezember, einen Tag nach der Beisetzung der Leiche des Königs. Die zweite Kammer beschloß mit allen gegen eine Stimme des Sozialistenführers- i mela Nieuwenhuis eine Beileidsadresse an die Königin Mutter. Domela ; Nieuwenhuis protestirte als Republikaner. (Fr. N.)

Brüssel, 25. Novbr. Soviel Belgier überhaupt waren wohl nie- ; mals gleichzeitig in Berlin als jetzt lediglich belgische Aerzte. Ihrer 50 werden ganz gewist dort weilen. Diejenigen, die als glückliche Besitzer eines Fläschchens Lymphe schon zurückgekehrt sind, beginnen sofort mit den Ein- i spritzungen, so u a. Dr. Dever in einer Klinik der Chaussee de Wavre. i Alles läßt darauf schließen, daß in einiger Zeit hie, selbst ein umfangreiches Beobachtungsmaterial vorliegen wird. Die belgischen Aerzte werden, da bisher aus Frankreich anscheinend nur wenige nach Berlin gereist sii d, bei ; den späteren wissenschaftlichen Erörterungen über das Koch'sche Heilverfahren i eine wichtige Rolle spielen. (K. Z)

I Die finanzielle Transaktion wegen Erwerbung der orienta­lischen Eisenbahnen geht, nach denFr. N.", nunmehr ihrer Realistrung entgegen. Das Konsortium der deutschen Banken, welches mit dem Wiener Bankverein an der Spitze die Orientbahnen erworben, hält gegenwärtig in Berlin Konferenzen ab, um über die Finanzirung schlüssig zu werden. Von Wiener Bankdirettoren nehmen an diesen Konferenzen Herr Direktor Bauer und Herr p Hahn Theil.

Dr. Pasteur in Paris erhielt demReichsanz" zufolge vom Professor Koch ein Dankschreiben für dessen Glückwunsch; dem Schreiben