f Wjimwimtl* »re»:
: -LhrNch 9 Mart O«Ibt.âS0Psg. »i«rt-ljährltch
• Mark 95 Pfg.
Kür auswärtige Dvonneuttn
Wit Dem betreff en- len Psftausichlag. L» einzelne llium» wer 10 Pig.
Hanauer Anzeiger.
Iugteich Amtttctzss gtrgan für KtcröL- unö jffanöRreis Kanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
9«f ersinn«- Pre»:
Die Ispalrige Eurmondzeile e».
deren Raunt
10 Pfg.
Sie ripalt. Seite 20 Pfg.
Tie 3ipalrlgeZeilr ao Pfg
Nr. 250
Samstag den 25. Oktober
1890
Amtliches.
Bekanntmachungen König!. LandraLhsamts.
Unter dem Rindviehbestand der Domaine Beiersröderhof bei Marköbel ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöfts- resp. Gemarkungssperre verfügt.
Hanau am 25. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath.
V. 7549 I. V.: Baabe.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine weiße Schürze. Ein goldener Ring mit Stein. Eine weiße Manschette. Eine schwarze Knabenmütze mit weißen Tupfen. Eine Laterne. Ein Päckchen Sellerie.
Entlaufen: Ein schwarzer Spitz.
Hanau am 25. Oktober 1890.
Graf Moltte'ö 90. Geburtstag.
Der große Feldherr, einer der drei Paladine des großen Kaisers, Feldmarschall Graf Moltke, „unser Moltke" vollendet am Sonntag sein neunzigstes Lebensjahr! Ein seltenes Alter! Der Psalmist sagt: „Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn es hoch kommt achtzig Jahre." Ueber diese Grenze hinaus hat Moltke weitere zehn Jahre zurückgelegt, nicht in Beschaulichkeit und Ruhe; wenn es von Einem gilt, so gilt es von Moltke, was der Psalmist weiter singt: „Und wenn das Leben köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit gewesen!"
Auf ein köstliches Leben sieht der große Feldherr zurück! Ihm war es vergönnt, in schneller Laufbahn wichtige Vertrauensstellungen und hohe militärische Ehren zu erreichen, bis er in seinem 57. Lebensjahre an die Spitze des Großen Generalstabs berufen wurde. In dieser Stellung, die er über dreißig Jahre bekleidete, hat er sich die größten Verdienste um den Thron, um Heer und Vaterland erworben! Die Schulung und Bildung des Generalstabs, welche die großen Kriegsthaten der Feldzüge 1864, 1866 und 1870/71 ermöglichten, waren ebenso sein Werk wie die Schlachtenpläne, welche die Truppen von Sieg zu Sieg führten. Die überraschte Welt folgte voll Bewunderung den glänzenden Erfolgen unvergleichlicher Kriegskunst und blickte seitdem mit Ehrfurcht, zu dieser Heldengestalt empor. Aber es war nicht allein der Geist, das Genie, welches ihm und- seinem Vaterlande diese kostbaren Früchte in den Schooß warf. Sein Leben war Mühe und Arbeit: mit eisernem Fleiß, mit Strenge gegen sich selbst, mit sorgsamer Gewissenhaftigkeit erfüllte er seine verantwortungsvollen Pflichten und die an ihn herantretenden großen Aufgaben, und so sehr auch sein Ruhm sich vergrößerte und so große Ehrenbezeugungen ihm auch zu Theil wurden, so blieb er doch stets eine einfache, schlichte Soldatennatur. Aber der große Denker hat auch weit über den Kreis seines unmittelbaren Berufes hinaus gewirkt: Kunst und Wissenschaft fanden in ihm nicht nur einen dankbaren Bekenner, sondern auch einen eifrigen Förderer. Aus den große,: Geschichtswerken des Generalstabs leuchtet auch in der Darstellung sein Geist hervor. Seine Stirn von unverwelklichen Lorbeeren umwunden, und dabei mit hoheitsvoller Bescheidenheit umgeben, so steht er schon seit Langem in dem Bewußtsein des Volkes da, und so erneuert sich auch heute an seinem Ehrentage in uns Allen das Bild von einem der größten und edelsten Söhne Deutschlands.
Die Feier seines Geburtstages gestaltet sich zu einer nationalen Festfeier. Seit Monden sind große Vorbereitungen zu würdigen Kundgebungen im Gange: sie werden aber doch nur einen schwachen Abglanz der Dankbarkeit und Verehrung bilden können, welche das Herz eines jeden Deutschen für den großen Mann erfüllt. Um so freudigeren Wiederhall hat es allenthalben gefunden, daß unser Kaiserlicher Herr selbst sich der Sorge der Veranstaltung einer würdigen Feier gewidmet hat. Auf den Wunsch des Kaisers verläßt Graf Moltke seinen Landsitz, um an seinem Ehrentage von dem Kaiser und den höchsten Spitzen des ganzen deutschen Heeres in der Reichshuuptstadt begrüßt zu werden. Unser Kaiser hat aber auch für eine würdige Feier des Tages in den Schulen gesorgt, damit der Jugend nicht nur die hohen Verdienste des greisen Feldmarschalls um die Wiederherstellung des Reichs, so«.^«. auch die Pflichten der Dankbarkeit zu tieferem
Bewußtsein gebracht werden, und diesem Beispiele folgend haben auch die Unterrichtsverwaltungen der anderen deutschen Staaten eine würdige- festliche Feier angeordnet.
So tönt denn an seinem Ehrentage dem großen Schlachtendenker ein millionenfacher Glück- und Segenswunsch, verbunden mit dem Ausdruck aufrichtiger Huldigung und verehrender Bewunderung, entgegen. Möge Graf Moltke an diesem Tage so recht empfinden, was aller Deutschen Herzen bewegt, und möge es ihm noch lange vergönnt sein, sich der dankbaren Gesinnung zu erfreuen, welche König und Vaterland für ihn beseelen.
Tagesschau.
Berlin, 24. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und Khßig traf, wie der „Reichsanz." meldet, in Begleitung Ihrer Königlichen Hoyeilen des Prinzen Heinrich, des Prinzen Friedrich Leopold und. des Herzogs von Connaught gestern Nachmittag um 5 Vs Uhr mittelst Sonderzuges in Blankenburg a. Harz ein und wurde von Sr. Königlichen Hoheit dem Regenten von Braunschweig, Prinzen Albrecht von Preußen, auf dem Bahnhöfe herzlich willkommen geheißen. Die Auffahrt durch die in Tannengrün und Flaggenschmuck prangenden, festlich erleuchteten Straßen der Stadt, in denen Vereine mit ihren Abzeichen Spalier bildeten, gestaltete sich durch die Theilnahme des dem Kaiser enthusiastisch zujubelnden Publikums zu einer großartigen Kundgebung. Abends war im Schloß Diner, nachher Theater. — Für den heutigen Tag war, der „Magdeb. Ztg." zufolge, folgendes Programm festgestcllt: Gemeinschaftliches Frühstück im grauen Saale von 7 Uhr an. Jagd im Wienroder und Blankenburger Revier. Aufbruch zur Jagd nach Wienrode für die Allerhöchsten Herrschaften um 9 Uhr, für die übrigen Jagdgäste um 8 Vs Uhr. Tafel um 5 Uhr. Strecke im Schloßhof um 6Vs Uhr. Theatervorstellung um 7 Uhr, darauf Thee im grauen Saal. — Für morgen lautet das Programm: Gemeinschaftliches Frühstück im grauen Saale von 6 Uhr an. Jagd im Heimburger und Altenbraker Revier. Aufbruch zur Jagd nach Heimburg für die Allerhöchsten Herrschaften um 9 Uhr, für die übrigen Jagdgäste um 8^2 Uhr. Aufbruch zur Jagd nach Altenbrak um 7 Uhr. Tafel um 4 Vs Uhr. Strecke im Schloßhof um 6 Uhr. Theatervorstellung um 7 Uhr, darauf Thee im grauen <Laale.
Berlin, 23. Oktober. Zur Beglückwünschung des Feldmarschalls Grafen Moltke trifft übermorgen eine Abordnung des Kolbergischen Grenadier- Regiments Graf Gneisenau (2. Pommersches) Nr. 9 aus Stargard hier ein, desfen Ehef der Feldmarschall ist. Die Abordnung wird auch die Fahnen des Regiments hierher geleiten, welche gleichzeitig mit den gesammten Fahnen des Garde Korps am Mittag des Sonntags im Beisein des Kaisers und sämmtlicher Spitzen der Armee in die Wohnung des Feldmarschalls gebracht und dort als Ehruugszeichen der ganzen Armee 24 Stunden verbleiben werden.
Berlin, 24. Oktober. Das „Militär - Wochenblatt" bringt einen schwungvollen Festartikel zum 26. Oktober mit dem Ausdruck des Wunsches, daß Graf Moltke der Armee noch lauge als hellleuchtendes Beispiel erhalten bleibe, mit dem Dank an den Allmächtigen, der ihn uns gegeben zum Heil des Vaterlandes, zum Wiederaufbau des Reiches und zum Lehrer und Führer des Heeres. Sein Wappenspruch: „Erst wägen, daun wagen" sollte Allen, dem ganzen deutschen Volke Lehre und Leitstern sein. Mögen wir Alle, als Einzelne und als Nation, wägen, ob unser Wollen vor Gott bestehen kann, ob es wahrhaft, gerecht und treu ist, dann hat's mit dem Wagen keine Noth.
Berlin, 24. Oktober. Graf Moltke traf gleich nach fünf Uhr auf dem Bahnhof in der Friedrichsstraße ein. Der Feldmarschall dankte freundlich auf die ehrfurchtvollen Grüße des Publikums. Durch die Kaiserzimmer geleitet, begab er sich in einer Droschke nach dem Gcueral- stabsgebäude. (Fr. N.)
Berlin, 24. Oktober. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Blättermeldung, der Präsident des Reichstags habe sich bereits entschlossen, die nächste Plenarsitzung auf den 18. November anzusetzen, als unzutreffend. Die Anberaumung derselben hänge wesentlich von dem Eingänge des zu erwartenden Berathungsmaterials ab.
Ein besonderes Geschenk des Kaisers an den Grafen Moltke zu seinem 90. Geburtstage ist der Staatsb.-Ztg. zufolge ein neuer Mar-