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Nr. 249

Amtliches.

Bekanntmachungen Königle Landrathsamts.

Auf einem Gehöfte der Gemeinde Ostheim ist unter dem Rindvieh die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre verfügt.

Hanau am 22. Oktober 1890.

Der Königliche Landrath.

V. 748L I. V.: Baabe.

Freitag den 24. Oktober

In mehreren Gehöften zu Niederissigheim ist unter dem Rindvieh die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet.

Hanau am 22. Oktober 1890.

Der Königliche Landrath.

V. 7484 I. V.: Baabe.

Tagesschau.

Berlin, 23. Oktbr. Bei Sr. Majestät dem Kaiser und König fand gestern um llVa Uhr Frühstückstafel von 51 Gedecken im Muschel­saale des Neuen Palais statt. Von 4 bis 5l /a Uhr unternahmen Beide Majestäten einen Spaziergang. Danach erledigten Se. Majestät Regie­rungsangelegenheiten. Um 8 Uhr war Familientafel. Heute Vormittag hörten Se. Majestät um 11 Uhr den Vortrag des Kriegsministers und um 11^ Uhr den des Chefs des Militärkabinets. Um 2 Uhr 20 Mi­nuten erfolgte die Abreise Sr. Majestät nach Blankenburg zur Jagd.

Berlin, 23. Oktbr. Als Theilnehmer am Moltke Fackelzug haben sich bis jetzt 20 000 Personen, darunter 2500 Studenten, bet dem Fest­ausschuß gemeldet. Nach der geplanten Ordnung des Zuges reiten an der Spitze Fanfarenbläser und Paukenschläger. Diesen folgen die Abordnungen in Wagen, die Studentenschaft, Schützengilde und die nach den sechs Wahl­kreisen geordnete Bürgerschaft, die Sanitätskolonne, die Künstlergruppen mit Wagen und zuletzt die Innungen. Der Vorstand des Märkischen Central-Sängerbundes hat, demBerl. Frmdbl." zufolge, beschlossen, die Mitglieder des Vereins zur Betheiligung an dem Fackelzuge aufzufordern. Es wird beabsichtigt, daß die Sänger vor dem Wohngebäude des General- Feldmarschalls unter persönlicher Leitung des Bundesdirektors Müller-Jessen einige Lieder vortragen. Die Theilnahme au dem Künstlerzuge wird größer, als man ursprünglich annahm, bis jetzt haben sich schon 150 Künst­ler gemeldet. Der Künstlerzug wird die Mitte des ganzen Zuges einneh­men. Am Generalstabsgebäude werden die Künstler dem Grafen Moltke eine besondere Ovation bereiten. Eine Dame wird ein von Ernst v. Wil­denbruch verfaßtes Gedicht sprechen und als Siegesgöttin dem Jubilar den Lorbeer reichen.

Berlin, 23. Oktbr. Wie von zuverlässiger Seite gemeldet wurde, widmet das Staatsministerium der Frage der Beschaffung von guten Woh­nungen für die breiten Schichten der Bevölkerung volle Aufmerksamkeit und lebhafte Fürsorge. Im Anschluß hieran möchten wir noch darauf verwei­sen, wie lehbaft der Finanzministcr kurz vor Uebernahme des Portefeuilles im Reichstage sein Interesse für die Frage bekundet und es dabei insbe­sondere als die Aufgabe des Staates bezeichnet hat, für die in seinem Dienste angeftellten Beamten der unteren Kategorien und seine ständige Ar­beiterschaft für gesunde und sonst ausreichende Wohnungen zu sorgen. Es bedarf der näheren Darlegung nicht, daß der Finanzminister jene Ansichten, zu denen er sich öffentlich und an verantwortlicher Stelle bekannt hat, in dem erweiterten Wirkungskreise zu verwirklichen trachten, und es an einer- entsprechenden Initiative nicht fehlen lassen wird. Man wird aber auch in der Annahme nicht fehl gehen, daß eine solche Initiative bei allen Staats- mrnistern das gleiche bereitwillige Entgegenkommen erfahren dürfte. Sicher- «ch Eann auf erfreuliche Fortschritte in Bezug auf die Fürsorge des Staa­tes für die Wohnungen seiner Unterbeamten und Arbeiter gerechnet werden.

Berlin, 23. Oktbr. Der Kaiserliche Botschafter in St. Peters­burg v. Schweinitz ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub auf stmen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Botschaft wieder über-

Berlin, 23. Oktbr. Ueber die bevorstehende Begegnung des Reichs- ranzlels v. Caprivi mit dem Ministerpräsidenten Crispi sagt dieRi-

1890

forma" : Die Begegnung werde beweisen, daß die Beziehungen der beiden Länder und ihrer Minister noch ebenso herzlich seien wie zu der Zeit, als Fürst Bismarck deutscher Reichskanzler gewesen. Das intime Verhältniß sei den Ereignissen entsprechend, welche zu der Einigung der beiden großen Völker geführt haben, und enthalte nichts, was Andere verletzen könne.

Berlin, 23. Oktober. Der Reichskanzler General v. Caprivi hat heute in längerer Audienz den Professor Dr. Fabri aus Godesberg em­pfangen und damit einen weiteren Beweis gegeben, wie gründlich er sich um die Bedürfnisse unserer Schutzgebiete und Voraussetzungen einer gesunden Entwicklung derselben zu befummeln pflegt. Dr. Fabri ist einer der besten Kenner unserer Kolonialgebiete, wie er auch zu den ersten Anregern und Förderern der deutschen Kolonialpolitik gehört. (K. Z.)

Berlin, 23. Oktober. DerReichsanz." berichtet: Nach der Statistik des Reichsgesundheitsamts für das zweite Vierteljahr 1890 hat die Maul- und Klauenseuche weiter ^genommen. Die größte räumliche Verbreitung erlangte die Seuche in den Regierungsbezirken Breslau, Posen, Liegnitz, Arnsberg und im Schwarzwaldkreis Frei waren Ende Juni Pommern, Schleswig-Holstein, beide Meklenburg, Oldenburg, Altenburg, Koburg - Gotha, Anhalt, beide Schwarzburg, Waldeck, beide Reuß, Schaum­burg-Lippe, Lübeck, Bremen und Hamburg.

Berlin, 23. Oktober. Zur Veranstaltung einer möglichst allgemeinen Illumination anläßlich des Geburtstags Moltke's (Sonntag) sind von allen Seiten Vorbereitungen im Gange. Die Deputationen derjenigen Städte, die Moltke das Ehrenbürgerrecht bereits verliehen haben oder einen Ehren­bürgerbrief überreichen wollen, werden Sonntag Nachmittags 1'/? Uhr durch Moltke im Generalstabsgebäude empfangen. hFr. N.)

Berlin, 23. Oktober. Die Zusammkunft zwischen Caprivi und Crispi findet, nach denFr. N.", zwischen dem 5. und 9. November in Mailand statt. Auf der Reise dorthin wird Caprivi München berühren.

Berlin, 22. Oktober. Dr. Karl Peters schloß heute mit der Verlagshandlnng R. Oldenburg (München-Leipzig) einen Vertrag über die Herausgabe seines Reisewerkes ab, welches die deutsche Emin - Expedition von der Kiveihobucht bis zur Hauptstadt Ugandas (die Straße Tana-Baringo- Nil) behandelt und in wenigen Monaten erscheinen soll. Die dies­jährige Rangliste für die kaiserlich deutsche Marine soll, wie diePost" hört, bereits bis zum 1. Dezember fertiggestellt werden. Die Seedienstzeit wird bis 31. Oktober berechnet, für die sonstigen Angaben sind die Ver­hältnisse maßgebend, in denen sich die betreffenden anfangs November befinden.

(K. Z.)

S. M. KanonenbootIltis", Kommandant Korvetten - Kapitän Ascher, ist am 22. Oktober d. J. in Nagasaki eingetroffen und beabsichtigt am 28. deff. Mts. nach Shanghai in See zu gehen.

Die Deputation derjenigen Städte, welche dem Grafen Moltke das Ehrenbürgerrecht bereits verliehen haben oder den Ehrenbürgerbries überreichen wollen, werden am Sonntag Nachmittag um halb 2 Uhr durch Moltke im Generalstabsgebäude empfangen.

- Auf einem neuen Gebiete haben sich, wie dieK. Z." schreibt: die Sozialdemokraten eine zentralisirte Organisation geschaffen: eine sozial­demokratischer Arbeitersängerbund ist ins Leben getreten. Es gibt hier in Berlin etwa 80 Gesangvereine, deren Mitglieder ausschließlich oder fast ausschließlich zur Sozialdemokratie gehören; insgesamt werden diese Gesang­vereine 2000 Mitglieder statt sein. 40 Gesangve:eine mit 1090 Mitgliedern haben sich nun zu einem Arbeitersängerbund vereinigt; in sozialdemokratischen Kreisen erwartet man den Anschluß der andern Gesangvereine. Seit vielen Jahren besitzt die Sozialdemokratie ein eigenes Liederbuch, welches 1889 bereits in der 12. Auflage erschienen ist.

Zur Einberufung des preußischen Landtags auf den 12. No­vember wird darauf hingcwicsen werden dürfen, daß die bevorstehende Session, die wesentlich im Zeichen einer staatserhaltenden Reformaktion stehen wird, selbst den politischen Gegnern als eine hochbedcutsame gilt. Sind es doch gerade diese letzteren, die eben deshalb schon jetzt fordern, der Reichstag solle seine Plenarsitzungen nicht eher wieder ausnehmen, als der Landtag volle Zeit gefunden hat, seinem Pensum gerecht zu werden.

Blankenburg, 23. Oktober. Der Kaiser traf um 5M Uhr, von dem Prinzregenten von Braunschweig herzlichst bewillkommnet, hier ein.