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Nr. 248.
Donnerstag den 23. Oktober-
1890
Amtliches.
Bekanntmachungen Kömgl. Landraihsamts.
Bewerber um die mit dem 1. November d. Js. zur Erledigung kommende II. Lehrerstclle an der Stadtschule zu Windecken werden aufgefordert, ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Schulvorstande einzureichen.
Das Einkommen der Stelle beträgt 1100 Mk. und erhöht sich bis zu 1600 Mk. Feuerungsentschädigung und Wohnungsgeld sind in diesem Gehalte einbegriffen.
Hanau am 17. Oktober 1890.
Namens des Schulvorstandes:
V. 7301 Der Königliche Landrath v. Oertzen.
Da der diesjährige Buß-, Bet- und Danktag auf einen Samstag fällt, wird der Neustädter Wochenmarkt auf Freitag den 31. Oktober c. und der Altstädter Wochenmarkt auf Donnerstag den 30. Oktober c. verlegt.
Hanau am 20. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath
P. 7289 v. Oertzen.
Der Pfarramtskandidat Lambert, bisher in Steinau, ist vom 1. Oktober d. Js. an zum Gehülfen des Pfarrers Köhler in Rüdigheim, Klasse Windecken, bestellt worden.
Hanau am 18. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath.
V. 7384 I. V.: Baabè.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein goldenes Kinderohrringchen. Ein goldener Hemdenknopf. Ein schwarz emaillirtes silbernes Armband. Ein Uhrgehängsel mit verschiedenen Münzen nebst einem Stempel mit dem Namen „Konrad Müller, Rohrbach". Eine Bindekette. Eine Mütze.
Verloren: Ein Trauring. C. 8. 1887 eingravirt. Eine viereckige Sturmlaterne. Ein Buch „Englischer Lüdeking".
Zugelaufen: Ein schwarzer Dachshund mit braunen Pfoten, m. Geschl.
Hanau am 23. Oktober 1890.
Tagesschau.
Berlin, 22. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König sahen gestern den Prinzen und die Prinzessin Heinrich, den Vizepräsidenten des Staatsministeriums Dr. v. Boetticher, den General v. Hahnke und den württembergischen Kriegsminister, General v. Steinheil zur Mittagstafel bei Sich. Nach der Tafel hörten Se. Majestät den Vortrag des Staatsministers Dr. v. Boetticher und des Kapitäns zur See Freiherrn v. Senden. Um 4 Uhr unternahmen Se. Majestät einen Spazierritt und fuhren um 6 Uhr zum Diner beim Leib-Garde-Husaren-Regiment. Heute Mittag um 1203 Uhr empfingen Se. Majestät den Chef des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Rath v. Lucanus zum Vortrag.
Berlin, 22. Oktober. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge befahl der Kaiser zur ganz besonderen Ehrung Moltke's an dessen Ehrentage Vormittags alle Fahnen und Standarten der Berliner Garnison nach Moltke's Wohnung zu überbringen. Nach dem Gottesdienst in der Garnisonkirche, voraussichtlich auch der Kaiser theilnimmt, versammeln sich alle Feld- marschalle und Generalobersten, die kommandirenden Generäle, der Reichskanzler, der Kriegsminister, der kommandirende Admiral und alle General- adpttanten im Generalstabsgebäude. . Der Kaiser, umgeben vom König von Sachien, von den Großherzögen von Baden und Hesse» und allen Prinzen und gefolgt von den Generälen begibt sich darauf in Moltke's Wohnung, um demselben fetiie Glückwünsche wie diejenigen des Heeres und der Marine rarzubringen. ra
Berlin, 22. Okt. Die Zahl der Theilnehmer an dem Sonnabends stattftudenden Fackelzuge zu Ehren des Generalfeldmarschalls Grafen v. Moltke wächst stündlich; bereits sind gegen 11000 Theilnehmerkarten gelöst; die Theilnehmenden gehören allen Bevölkerungskreisen ohne .Parteiunterschied an. Am Sonntag Abend findet zu Ehren des Grafen v. Moltke ein großes Galadiner bei Sr. Maj. dem Kaiser in Potsdam statt. (Rh. K.)
Berlin, 22. Oktober. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die auf den Vorschlag der Kaiserin erfolgte Verleihung des Luisenordens erster Abtheilung mit der Jahreszahl 1866 an die Ehegattin des Gemeindeschul- Rektors Jüttner hier und an Fräulein von Kummer-Breslau, sowie der zweiten Klasse der zweiten Abtheilung des Luisenordens mit der Jahreszahl 1865 an Frau Geh. Kommerzienrath Krupp, geborene von Ende, in Essen, ferner an die Ehegattin des Fabrikbesitzers Börner-Berlin, endlich an Fräulein Königs-Berlin und Fräulein v. Holleben-Rudolstadt.
Berlin, 22. Oktober. Der „Reichsanz." widerlegt den mehrfach gegen die Staatsregiernng erhobenen Vorwurf der ungenügenden Förderung und Entwicklung der natürlichen und künstlischen Wasserstraßen und weist nach, daß in den letzten zehn Jahren zu Stromregulirungen, zur Unterhaltung der Ströme und zu sonstigen Regulierungen der Wasserstraßen einschließlich der Brücken w. insgesamt 183 Millionen aufgewendet worden seien, und daß die Staatsregierung ferner an Kosten für die in Ausführung begriffenen großen Konalprojekte mit 180 Millionen Beteiligt sei. Der „Reichsanz." reproduzirt die Reden des Arbeitsministers im Abgeordnetenhause vom 8. März 1890 und schließt: Angesichts dieser Sachlage sind jene Angriffe schwer begreiflich und gewiß nicht geeignet, die wohlerwogenen Maßnahmen und Entschließungen der Staatsregierung zu beeinflussen. .
Berlin, 22. Oktober. In Herrenhauskreisen nimmt man an, Fürst Bismarck werde sich im Laufe der Tagung an den Verhandlungen des Hauses über die Reformgesetze betheiligen.
Berlin, 22. Oktober. Von verschiedenen hiesigen großen Firmen, welche mit den Vereinigten Staaten in Verbindung stehen, ist von zuständiger Seite Aufschluß darüber verlangt worden, welche Waaren aus den Vereinigten Staaten von den betreffenden Firmen bezogen werden, und ob solche auch aus anderen und aus welchen Ländern eingeführt werden können, ohne die Leistungsfähigkeit und den Mitbewerb der angefragten Firmen zu schädigen. Man bringt dies mit der Mac Kinley-Bill in Beziehung. . (K. Z)
Berlin, 22. Oktbr. Nach einer Meldung des „Reichsanz." wird der Reichskommissar Major v. Wißmann sich am Donnerstag, 23. Oktober, nach Varzin begeben und nach der Rückkehr von dort am 27. d. M. seine Reise nach Ost-Afrika antreten.
Die „Köln. Zig." schreibt: Die Berliner Opposition in der sozialdemokratischen Fraktion wird ihrem „Genossen" Werner ein Vertrauensvotum geben und weitere Schritte thun, um sich gegen die gemachten Vorwürfe und die „unwürdige" Behandlung zu schützen. Es wäre verkehrt, die Berliner Opposition überschätzen zu wollen, aber sie ist doch um vieles stärker, als sie in Halle erschien. Zur Opposition gehören eine Anzahl älterer und erfahrener Genosfen, die in der innern Organisation eine ganz hervorragende Rolle gespielt und auch für ihre Ueberzeugung große pekuniäre Opfer gebracht haben. Die Opposition hat schon früher einmal ihren von der Fraktion abweichenden Standpunkt durchgesetzt, als sie entgegen den Wünschen der Fraktion die Resolution, durchdrückte, sich an den Stadtverordnetenwahlen nicht weiter zu betheiligen; diese Resolution wurde freilich wieder umgestoßen und heute setzt bekanntlich, nachdem die Opposition in diesem Punkte ausgesöhnt ist, die Sozialdemokratie ihre ganze Kraft daran, so zahlreich als möglich ins Rothe Haus zu kommen. Obschon augenblicklich 10 Sozialdemokraten in der Berliner Stadtverordnetenversammlung sitzen, sind dieselben mit irgendwie nennenswerthen Anträgen nicht hervorgetreten; Singer herrscht unter seinen Genossen im Rothen Haus souverän und darum sind weitgehende sozialdemokratische Anträge ausgeschlossen. Natürlich ist die Opposition auch hierüber nicht erbaut, und so kleinlich es klingt, es ist eine Thatsache, daß die herrschaftlichen Wohnungen, welche Bebel und Liebknecht inne haben und die mehr als das Doppelte kosten, als was oft ein gewöhnlicher Genosse im Jahre verdient, viel böses Blut gemacht haben und weiter machen werden. Werner war zwar in Halle ein ungeschickter Wortführer der Opposition, trotzdem sind derselben