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Nr. 242.
Donnerstag den 16. Oktober
1890
Amtliches.
Bekanntmachungen Königl. Landrathsamis.
Am 1. Dezember d. I., an welchem Tage wiederum eine allgemeine Volkszählung im Deutschen Reiche stattfindet, soll, wie in früheren Jahren, der Unterricht in sämmtlichen Schulen ausfallen.
Ich darf erwarten, daß die Lehrer bereit sein werden, sich an dem Zählgeschäfte mithelfend in der einen oder anderen Weise zu betheiligen. Daß Schüler dazu herangezogen werden, ist nicht statthaft.
Berlin den 4. September 1890.
Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.
Im Auftrage:
gez. Bartsch.
Der vorstehende Ministerial-Erlaß wird zur Kenntniß der Herren Ortsvorstände mit dem Ersuchen gebracht, denselben auch alsbald den Herren Lokal-Schulinspektoren und Lehrern vorzulegen.
Hanau am 14. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath.
V. 7262 I. V.: Baabe.
Mein Ausschreiben vom 7. d. Mts. V. 6946, betreffend Ermittelung des Tagelöhners und Wittwers Johannes Heinrich Habermann von Langenselbold, ist erledigt und wird hiermit zurückgezogen.
Hanau am 15. Oktober 1890.
Der Königl. Landrath
'. 7192. v. Oertzen.
Nachstehendes Ausschreiben wird hiermit unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 8. d. Mts., Anzeiger Nr. 236, veröffentlicht.
Hanau am 13. Oktober 1890.
Der Königliche Landrath.
P. 7151 I. V.: Baabe.
Unter Bezugnahme auf mein Ausschreibe» vom 6. d. Mts. beehre ich mich mitzutheilen, daß die vermißte Mathilde Reiß als Leiche bei Kleinwallstadt geländet wurde.
Obernburg am 8. Oktober 1890.
Der k. Bezirksamtmann.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Zwei Regenschirme.
Zugelaufen: Ein weißer Spitz w. Geschl.
Hanau am 16. Oktober 1890.
Tagesschau.
Berlin, 15. Oktbr. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute auf der Fahrt von Hubertusstock nach der Wildparkstation bezw. Mroß-Wusterwitz den Vortrag des Chefs des Marinekabinets.
r Berlin, 15. Okt. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Kabinets- vrdre, betreffend die Errichtung eines Kolonialrathes als sachverständigen Beirath für koloniale Angelegenheiten bei der Kolonialabtheilung des Aus- rvârtigen Amtes.
I Berlin, 15. Oktbr. General V. Werder, der auf einer der jüngsten russischen Hofjagden von dem Leibarzt des Zaren, Dr. Hirsch, durch einen unglücklichen Schrotschuß verwundet worden war, ist hierher zurück- Selehrt. Er wird für die nächste Zeit noch liegen müssen, doch macht der Heilungsprozeß der oberhalb des Knies befindlichen Wunde die besten Fortschritte. Das russische Kaiserpaar hat mit ganz besonderer Liebenswürdigkeit an der Pflege des Herrn v. Werder theilgenommen. (K. Z.)
Berlin, 14. Oktober. Der türkische Instrukteur v. d. Goltz Pascha iveilt seit einigen Tagen in Deutschland. Derselbe empfing, der Saale- Ztg. zufolge, vom Sultan den telegraphischen Auftrag, sich im November "ach Essen zu begeben, um dort als Delegirter der hohen Pforte den Schieß- »ersuchen mit rauchlosem Pulver beizuwohnen.
Berlin, 15. Oktober. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." vernimmt, ist die Besetzung des Postens des Regierungspräsidenten von Wiesbaden durch Herrn von Tepper-Laski unmittelbar bevorstehend.
Berlin, 15. Oktober. Die Berathung über den Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches sind im preußischen Justizministerium mit solchem Eifer fortgesetzt worden, daß jetzt bereits alle Theile des Entwurfes mit Ausnahme des Erbrechts erledigt sind; selbst während der Gerichtsferien haben Sitzungen stattgefunden. Jetzt ist die Kommission zur Vorberathung des erbrechtlichen Theils an der Arbeit und soweit vorgeschritten, daß in nächster Zeit auch über diesen Theil die Plenarsitzungen des Ministeriums stattsinden können. Es ist anzunehmen, daß auch von den Regierungen der andern Bundesstaaten die Prüfung des Entwurfs so sehr beschleunigt wird, daß spätestens Ende des Jahres alle Bundesrathsstimmen instruirt werden können.
Berlin, 15. Oktbr. Das Uebungs - Geschwader, bestehend aus S. M. Panzerschiffen „Kaiser", „Friedrich Carl", „Preußen" und S. M. Aviso „Pfeil", Geschwader-Chef Kontre-Admiral Schröder, ist am 11. Oktober in Southampton eingetroffen und beabsichtigt am 19. nach Gibraltar in See zu gehen.
Berlin, 15. Oktbr. Die Einfuhr von lebenden Schweinen aus Steinbruch und Bielitz-Biala darf nunmehr auch nach Breslau, Kosten und Hirschberg erfolgen.
Potsdam, 15. Oktbr. Der Kaiser und die Kaiserin trafen um 11 Uhr 5 Min. auf Station Wildpark ein. Die Kaiserin verließ den Sonderzug und begab sich nach dem Neuen Palais, der Kaiser setzte die Reise nach Schloß Plaue fort zur Theilnahme an der Vermählungsseier des Kommandeurs des Regiments der Gardes du Corps Oberst Freiherrn v. Bissing mit Komtesse Königsmarck.
Potsdam, 15. Oktober. In Gegenwart der Kaiserin Auguste Viktoria, des Oberpräsidenten v. Achenbach, des Regierungspräsidenten Hue de Grais und der Stadtbehörden fand Nachmittags die feierliche Einweihung des städtischen Krankenhauses statt. Dasselbe erhielt den Namen Auguste Viktoria. (Fr. N.)
Halle, 15. Oktober. Bei der heutigen Generaldebatte des Sozialistenkongresses über den Auerschen Bericht betreffs der Organisation der Partei sprachen Thierbach, Schönfeld (Dresden), Licvländer, Wilschke, Klein, Schmidt (Berlin), Keßler, Kant und Emmel gegen, Metzner (Berlin) und Stolle für den Organisationsentwurf. Nach Verlesung der Vorschlagslisten für die Organisationskommission routbe die Vormittagssitzung geschlossen. Die Kommission für die Untersuchung der Beschwerden gegen die Reichstagsfraktion hat ihre Arbeiten begonnen. — In Fortsetzung der Generaldebatte sprachen noch Gottschalk, Theiß und Schweer für den Organisationsentwurf. Auf Antrag Bebels wurde hieraus die Organisationskommission durch Akklamation gewählt. Berichterstatter Auer wies den Vorwurf des Mangels an Objektivität zurück. Die Generaldebatte wurde sodann geschlossen, worauf Liebknecht über das Parteiprogramm berichtete. (Rh. K.)
Halle, 15. Oktober. Liebknecht beantragte, auf dem nächsten Parteitag das Parteiprogramm zu revidiren und die Revisionpunkte 3 Monate vorher zu veröffentlichen. Er sagte, einzelne Programmpunkte erörternd: Die Religion müsse Prioatsache bleiben. Die Sozialdemokratie werde durch die Religion nicht überwunden, welche ungefährlich sei, solange der Klassen - staat bestehe. Ein Ansturm auf die Religion stärke nur diese. Die Weiter- berathung wird auf morgen vertagt. (Fr. N.)
Harzburg, 14. Oktober. Nachdem vor Kurzem das Posthaltereigebäude hier niedergebrannt ist, wobei der Posthalter seinen Tod durch Ersticken fand, hat in vergangener Nacht hier wiederum ein schweres Brand- unglück stattgefunden. Ein großes Anwesen des Holzhändlers Brenstadt ist vollständig eingeäschert. . Zweifellos liegt abermals ruchlose Brandstiftung vor. Die Aufregung in Harzburg ist sehr groß.
Bamberg, 15. Oktbr. Bei Haßfurth stieß heute früh ein Güterzug mit einem Personenzug zusammen. Hierbei wurden mehrere Wagen beschädigt, einige Personen verletzt. Der Verkehr ist unterbrochen.
Karlsruhe, 14. Oktober. Der vom Großherzog nach der gestrigen Fahnenweihe der Landwehrbataillone beim Frühstück ausgebrachte Trinkspruch auf den Kaiser hob die besondere Bedeutung dieser Weihe hervor, weil die Fahnen für Truppentheile bestimmt seien, die erst gebildet würden, wenn