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Nikolai sind durch kaiserliches Handschreiben zu seinem heute stattfindenden fünfzigjährigen Diestjubiläum die Brillanten zum Andreasorden verliehen worden. Baron Nikolai, welcher kurze Zeit Minister der Volksaufklärung war, präsitirte zuletzt dem Reichsraths-Departement für Gesetzgebung und Kondifikation. In dem armenischen Kloster zu Etschmiadsin fand gestern die feierliche Zeremonie der Chrysambereitung durch den Katholikos aller Armenier, Maskar statt. Zu der Feier erschienen Theilnehmer aus Ruß­land, der Türkei, Persien und anderen Ländern, wo armenische Christen ansässig sind. (Fr. N.)

Riga, 13, Oktober. Graf Herbert Bismarck ist gestern Vormittag hier eingetroffen. Er besichtigte verschiedene Sehenswürdigkeiten der Stadt und kehrte Abends nach dem kurländischen Gute Katzdargen zurück, wo heute große Jagd stattsindet. Am Dienstag wird der Graf voraussichtlich abreisen. (K. Z.)

Das neue japanische Gesetz über das Versammlungs- und Ver­einsrecht hat viel Staub aufgewirbelt, besonders in der englischen Presse Japans. Kein Soldat, kein Beamter, kein Zögling einer öffentlichen oder Privatanstalt, kein Minderjähriger und kein Frauenzimmer überhaupt darf an einer Versammlung theilnehmen. Versammlungen dürfen nicht abge­halten werden, wenn die Möglichkeit von Ruhestörungen vorhanden ist; ferner nicht, während das Parlament tagt, und wenn der Zweck der Ver­sammlung ist, einen Angeklagten zu schützen. Die Polizei darf jede Ver- sammlung auflösen, wenn sie gegen das Gesetz verstößt. Die Veranstalter werden mit 50500 Fr. und Gefängniß von 11 Tagen bis 6 Monaten bestraft. Zu jeder Versammlung muß die polizeiliche Erlaubniß eingeholt und beten Zweck erklärt werden. Jeder wohnt ein Regierungsbeamter bei.

Bremen, 12 Oktober. Der Dampfer des Norddeutfchen Lloyt Hermann" ist in Montevideo eingetroffen.

Triest, 12. Oktober. Der LloyddampferEuterpe" ist gestern aus Konstantinopel hier eiugctrofsen.

Aus Stadt, Provinz und Uurgeaend.

Geflaggt. Zur offiziellen Feier der Uebergabe der Wasserleitung an unsere Stadt ist das Neustädter Nathhaus heute beflaggt.

Große Probe. Nächsten Sonntag Nachmittag wird gelegentlich einer Hauptprobe unserer freiwilligen Feuerwehr in sehr deutlicher Weise gezeigt werden, von welch großer Wichtigkeit die Wasserleitung bei eintre­tendem Schadenfeuer ist; Die fieiw Feuerwehr rückt vom Versammlungs­ort mit 6 Spritzen ab und nimmt Stellung in Hufeisenform auf dem Paradeplatz. Dort werden 4 Hydranten geöffnet, von denen 3 je zwei Spritzen bedienen, au den vierten Hydranthen werden direkt zwei Schläuche angeschraubt. Jede Spritze liefert das Wasser zu 2 Schläuchen, so daß zu gleicher Zeit 14 Strahlen wirken. Hierauf findet große Probe an dem H e st er m an n 'schen und Ger lach'scheu Hause auf dem Altstädter Markt nach der neuen Uebungsweise statt; die hierzu Eingeladenen neh­men, um alles genau verfolgen zu können, Stellung auf der Treppe des Altstädter Rathhauses.

Stadttheater. Aus dem Theaterbüreau wirb uns geschrieben: In dem morgen Mittwoch zur ersten Aufführung gelangenden 4aktigen DramaAlexandra" von Richard Voß, worin fast das ganze Perso­nal beschäftigt ist, sind die Hauptrollen wie folgt besetzt: Frau Präsidentin von Eberti: Frau Reinhardt; Erwin, ihr Sohn: Herr Mischke; Alexandra: Fräul. Gam der; Dr. Andrea, Rechtsanwalt: Herr Door; Förster Möll: Herr Otto. Die Regie führt Herr Carl Door.

Menagerie. Wie weit man es bei verständiger Behandlung mit der Dressur wilder Thiere bringen kann, sieht man in der Weidauer'schen Menagerie auf dem Paradeplatz. Ein mächtiges Löwenpaar u. a. durch einen brennenden Reif springen zu lassen ist gewiß ein Bravourstück des im Käsig sich befindenden jungen, aber sehr ruhig auftretenden Thier­bändigers. Vorzüglich abgerichtet ist der Elephant und recht possirlich sind die Exerzitien mit den sechs jungen Löwen, von denen zwei 1 Jahr, die übrigen 8 Monate alt sind. Nochmals sei bemerkt, daß die zahlreichen Thiere sämmtlich ein sehr gutes Aussehen haben und wohl genährt sind.

Für heute. Weidauer'sche Menagerie: Geöffnet von Vormittags 9 Uhr an (Dressur und Fütterung um 4l/a und 8 Uhr). Geflügel- züchter-Verein : Abends 9 Uhr Generalversammlung; Tagesordnung: Vor­standswahl und Verschiedenes.

Zeichenunterricht. Der preußische Unterrichtsminister Dr. von Goßler hat einen Erlaß an die Provinzial-Schulkollegien gerichtet, in wel­chem er auf den Nutzen einer maßvollen Verwerthung des Zeichnens für die meisten Unterrichtsgegenstände hinweist und dem Vertrauen Ausdruck gibt, daß dieselben innerhalb der durch die vorhandenen Lehrkräfte und der zu Gebote stehenden Mittel gezogenen Grenzen auch ihrerseits nichts ver­säumen werden, diese Seite des Anschauungsunterrichtes thunlichst zu för­dern.

Reichsgerichts-Entscheidung. Eine das Lebensversicherungs­wesen betreffende wichtige Entscheidung des Reichsgerichts wird soeben be­kannt : Die Leipziger GesellschaftTeutonia" hatte in ihrer Generalver­sammlung vom Jahre 1886 beschlossen, die volle Versicherungssumme fortan auch an die Hinterbliebenen von Selbstmördern auszuzahlen, falls der durch

eigene Hand Gefallene bereits fünf Jahre oder länger versichert gewesen sei. Trotzdem verweigerte die Gesellschaft vor 12 Jahren in einem der­artigen Falle die Auszahlung der Versicherungssumme. Und zwar mit der Begründung, der Beschluß von 1886 habe keine rückwirkende Kraft, komme vielmehr nur den Inhabern derjenigen Polizen zu, welche vom 1. Januar 1887 ab abgeschlossen worden seien. Für alle älteren Polizen habe es bei den älteren Versicherungsbedingungen denen zufolge der Selbstmord die Zahlungsverpflichtung der Gesellschaft aufhebt sein Bewenden. Das Reichsgericht hat nun diesen Standpunkt der Gesellschaft verworfen und den Anspruch der betreffenden Witwe auf die Versicherungssumme für begrün­det erklärt. Die Inhaber auch der vor 1887 abgeschlossenen Polizen seien, I so lautet das Urtheil des Reichsgerichts, zu der Annahme berechligt, daß ! die laufenden Versicherungsverträge unter der neuen, für die Versicherten 5 günstigeren Bedingungen von dem Augenblicke an, zu welchem dieselben zur , öffentlichen Kenntniß gebracht worden sind, fortgesetzt werden sollen. -

Vorsicht. Der Genuß von Pilzen, die in Schlesien in diesem ! Jahre ganz besonders massenhaft feilgeboten werden, hat in Breslau ein Opfer gefordert. Das Haupt einer Familie, für welche die Hausfrau ein I Pilzgericht gubereitet hatte, ist in Folge des Genusses nach 24ftünbigem Todeskampfe verschieden. Die übrigen Familienmitglieder, welche nur we­nig gegessen hatten, liegen krank darnieder. Die Untersuchung ergab, daß : die Vergiftung durch den dem Champignon ähnlichen knolligen Blätterpilz her beigeführt wurde.

Warnung. Neuerdings sind mehreren deutschen Zeitungen An­zeigen zugesandt worden, in welchen eineTransatlantische Schiffsagentur" freie Ueberfahrtnach Amerika" für Familien ab Bremen und Antwerpen angekündigt und sich gleichzeitig zu näherer Auskunftsertheilung erbietet. Diese Agentur ist, wie diePost" erfährt, identisch mit derjenigen des be­kannten Auswanderungs-Agenten Jofö dos Santos, welcher schon seit länge­rer Zeit auch in Deutschland für die Auswanderung nach Brasilien thätig ist. Ein Hinweis auf die zahlreichen deutschen Familien, welche seiner Agi­tation zum Opfer gefallen sind, jenseits des Ozeans aber nur schwere Ent­täuschungen erfahren haben, wird in Deutschland genügen, um die Werbe­versuche dos Santo's unter dem neuen Aushängeschild derTransatlanti­schen Schiffs-Agentur" in das rechte Licht zu setzen und Leichtgläubige davor zu warnen, daß sie etwaigenAuskünften" dieses Bureaus irgendwie Glau­ben schenken.

Vockenheim, 13. Oktbr. Die Wild West-Truppe mitsammt ihrem Anführer Buffalo Bill hat gestern Nachmittag im Palmengarten wieder ihre Zelte abgebrochen und hat sich verabschiedet. Kaum war die Nach- mittags-Vorstellung beendet, so wurde an allen Enden mit Nieoerlegung j und Einpackung der Vorrichtungen begonnen und mit einer Behendigkeit, k daß noch vor Nacht Alles beendigt war und vor 6 Uhr der Zug, wie er I seiner Zeit gekommen, sich über die Schöne Aussicht dahier nach dem Bahn­höfe bewegen konnte.

Homburg v. d. H», 11. Oktober. Von dem Fürsten Bismarcks ist der Homburger Schützengesellschaft nachstehendes, aus Varzin vom 2. Oktober d. J. datirtes Schreiben zugegangen:In Erinnerung an meine freundliche Aufnahme bei dem Jubiläum der Gilde in Dornholzhausen er- I laube ich mir die Bitte, den beifolgenden Becher für die altbewährte Hom- ; burger Schützengilde anzunehmen und den Geräthen derselben einzuverleiben." Der gestern Abend eingetroffene Becher ist ein Prachtstück ersten Ranges, und von hohem materiellen Werthe. Der Becher ist in Form eines Trink- Hornes gestaltet, 53 Zentimeter groß und aus schwerem Silber gefertigt, innen vergoldet. Der obere eigentliche Bechertheil trägt in der Mitte ein Medaillon, darin das Bismarck'sche Wappen, die drei Kleeblätter mit Eichen­laub, darüber die Fürstenkrone. Um die Randung des Medaillons läuft die Inschrift:Homburg, den 5 September 1890".

Wiesbaden, 13. Oktober. Se. Kön. Hoh. Prinz Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, welcher gestern Abend von Darmstadt, wo er als Gast des Großherzogs an den Hofjagden theilnahm, hierher zurückgekehrt ist, reift morgen Abend nach sechswöchigem Aufenthalte mit Gemahlin und Prinzessinnen-Töchtern von hier ab und begibt sich zu­nächst nach Berlin. (Rh. K.)

Gießen, 12. Oktober. Wie aus einer an die großh. Kreisämter gesandten Bekanntmachung der Landesuniversität ersichtlich, werden die neuen Kliniksgebäude am 1. November d. J. bezogen und zwar von der medizinischen und gynäkologischen Klinik (einschließlich Entbindungsanstalt), während die chirurgische und ophthalmologische Klinik im alten Gebäude verbleiben.

Worms, 11. Oktober. Zur Beruhigung der Verehrer derLieb­frauenmilch" theilt die Großh. Bürgermeisterei mit, daß von dem Gebiete, auf dem Liebfrauenmilch wächst, nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil zu Hafenzwecken Verwendung findet.

WK» Fortsetzung des lokalen Theils in der Beilage. "^

Patent-Ertheilungen.

Nr. 54 375. Zahlbrett, A. Kiesel in Wiesbaden, Moritzstraße 30, vom 26. Januar 1890 ab. Kl. 34.

Nr. 54 387. Fensterputzvorrichtung, A. Rott, in Finna Adolf Otto Rott, in Frankfurt a. M., vom 17. April 1890 ab. Kl. 34.