i ■Bonnernewtl"
Preis:
Stbrlich 9 Mark. H°Ibj.Et.S0Psg.
»ierteljâhrlich • Mark 25 Psg.
Für aurwärlige
Abonnenten mit dem betreffenden Postaujschlag. Die einzetiie Nummer 10 Ptg.
Zugleich Amtliches Kvgcrn für SLcröt- unö LcrnöKveis Kanuu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
InsertinnS-
Preis:
Lie Ispaitize Earmondzeile ob.
deren Ramu
io Pfg.
Lie ifxall. geUe 20 Pfg.
Die SjpaitigeZeilc
30 Psg
Nr. 230,
Donnerstag den 2. Oktober
1890
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 7 Mark. Ein schwarzer ? Herrnrock (auf der Bruchköbler Straße). Ein neues frauzös. Lexikon von Schuster; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein Hundemaulkorb. Ein schwarzseidener Regenschirm.
Entflogen: Ein Paar s. g. Steinheimcr Feldtauben.
Gefunden: Ein Paar rothe Strümpfe. Eine Schippe. Ein Henkelkorb. Ein Strohhut.
Zugelaufen: Ein junger schwarzbrauner Hund m. Geschl. Ein kleiner brauner Hund.
Hanau am 2. Oktober 1890.
Zum L Oktober.
(A. d. Darmst. Tagt. Anz.)
Das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie ist mit diesem Tage erloschen. Müssig ist heute der Streit, ob und was es genützt hat. Die Regierung erachtet nunmehr die in der allgemeinen Gesetzgebung enthaltenen Abwehrmittel für ausreichend, den sozialen Frieden gegen Störungen zu sichern. Diesen Versuch in voller Ehrlichkeit zu unterstützen, ist, wie die Dinge liegen, Pflicht eines jeden gewissenhaften Bürgers. Die Absicht des vor zwölf Jahren geschaffenen Gesetzes war es, eine Agitation in Schranken zu halten, die zu jener Zeit z alles Maß überschritten hatte. An uns tritt jetzt die Aufgabe heran," die ^Gegenwehr aus eigener Kraft zu leisten. Eine dauernd wirksame Abwehr gegen diese Bewegung kann nur in der unermüdlichen und zweckentsprechenden Arbeit Aller bestehen, die den Umsturz verhüten wollen. Rach zwei Seiten hin muß dieselbe gerichtet sein. In erster Linie ist es Pflicht eines MJeden, den Ursachen der hervortretenden Unzufriedenheit sorgsam nachzu- " forschen, und, wo berechtigte Beschwerden anzuerkennen sind, auch auf an- : gemessene Abhilfe Bedacht zu nehmen. Soweit die Abhilfe im Wege der ; Gesetzgebung erfolgen kann, ist letztere nach Kräften zu unterstützen. Ohne deßwegen rasten zu wollen, darf die deutsche Nation mit Stolz darauf sich berufen, daß in diesen Wegen vorbildliche Muster von ihr bereits geschaffen sind, in einem Umfange, wie sie noch kein anderer moderner Staat erreicht hat. Alle Aufgaben auf diesem Gebiete der Sozialpolitik, ob sie an die Reichs- oder an die Landesgesetzgebung, an die staatliche Verwaltung oder an die gemeinnützige Vereinsthätigkeit hergntreten, müssen wohlwollendster Prüfung gewiß sein. Auch begrüßen wir verwandte Reformbestrebungen, wie die Verbesserung des Steuerwesens im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit, mit lebhafter Genugthuung. Doch vermag die öffentliche Fürsorge naturgemäß nur einen Theil dessen zu leisten, was erforderlich ist, wenn der soziale Frieden auf besser gesicherte Grundlage gestellt werden soll. Ungleich mehr bleibt der Privatthätigkeit, insbesondere der offenen Hand und dem humanen Empfinden der Arbeitgeber vorbehalten. Es gereicht der Gesammtheit des gewerblichen Unternehmerthums im deutschen Reiche zum hohen Verdienst, daß sie willig und entschlossen die bedeutsamen Opfer an persönlichen Leistungen, an Zeit und Geld, auf sich genommen hat, die mit der sozialen Hilfsgesetzgebung des abgelaufenen Jahrzehnts verknüpft waren. Mögen auch die trübsten Erfahrungen, Undank, gesteigerte y Begehrlichkeit und frecher Hohn, den deutschen Arbeitgeber doch nicht ab- i halten, berechtigten Forderungen seiner Arbeiter zu entsprechen. Als der ! rvüthschaftlich besser Gestellte, der mit geübterem Blick die sozialen Be- j Legungen der Zeit überschaut, möge er im entscheidenden Augenblick es an 1 sich nicht fehlen lassen, wo die freundliche Gestaltung des Verhältnisses < zwischen Arbeiter und Unternehmer von ihm abhängig erscheint. Dem Ge- F böte der Gerechtigkeit und Menschlichkeit soll Genüge geschehen! Dessen ' mag jeder Angehörige des Arbeiterstandes, dessen mag auch die arbeitende Klasse als solche versichert sein. Um so schärfer müssen wir auf der anderen Seite den unberechtigten Forderungen entgegen treten. In ihnen allerdings ^schöpft sich die Tatik der Sozialdemokratie. Zwietracht zu säen, die For- ^rungcn ins Ungeheuerliche zu überspannen, die Gedankenwelt des Arbeiters wit maßlosen Ansprüchen zu überreizen, um auf dem Boden der künstlich Aschaffeuen Unzufriedenheit zum Nachtheil aller ersprießlichen Gewerbethütig- Kit einer brutalen Herrschsucht zu fröhnen, das ist der'sozialdemokratische» Führer letzte Weisheit. An solcher Verhetzung hat es wohl auch in den
letzten zwölf Jahren nicht gefehlt. Aber es wird dabei nicht sein Bewenden haben. Der böse Wille, die wüstere Methode aus den siebziger Jahren wieder aufleben zu lassen, macht sich schon in den letzten Wochen recht aufdringlich bemerkbar. Die Zahl der sozialdemokratischen Zeitungen wird jetzt bedeutend vermehrt. Die öffentlichen Versanimlungen sollen einen nie gekannten Umfang annehmen. Und nicht länger will sich diese Thätigkeit auf das bisher fast ausschließlich bebaute Feld der großgewerblichen Arbeiterschaft beschränken. Mit der äußersten Anstrengung will man auch den Lohnarbeiter des platten Landes für das sinnberückende Evangelium der allgemeinen Gleichheit und angeblichen Glückseligkeit des Sozialstaates gewinnen. Hiergegen organisire sich die Abwehr! — eine Aufgabe, wie sie der bürgerlichen Selbstbethätigung bedeutsamer in der Geschichte niemals gestellt war, aber auch niemals eindringlicher!
Tagesschau.
Berlin, 1. Oktbr. Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht den Oberpräsidenten von Wolff zu Magdeburg, unter Verleihung des Karakters als Wirklicher Geheimer Rath mit dem Prädikat „Excellenz", zum Chefpräsidenten der Ober-Rechuungskammer zu ernennen.
Berlin, 1. Oktbr. Ueber den Empfang Sr. Majestät des Kaisers und Königs in Wien berichtet der „Reichsanz." noch Folgendes: Die Majestäten umarmten und küßten Sich zweimal innigst. Kaiser Wilhelm begrüßte die Erzherzoge durch Händedruck, ebenso den Bürgermeister von Wien. Die Einfahrt Ihrer Majestäten durch die festlich geschmückten Straßen gestaltete sich zu einem wahren Triumphzuge. Von den dichtbesetzten Fenstern und Balkons der Häuser wurden Blumen in den offenen Wagen geworfen. Bei der Fahrt durch die Aspern-Gasse begrüßten Se. Majestät den Kaiser Wilhelm die Klänge der Kaiser-Fanfare von dem geschmückten Balkon des Hotels „Kronprinz" herab als sinnige Huldigung des Wiener Hornistenklubs. Besonders festlich gestaltete sich die Fahrt auf dem Schwarzenberg-Platz, wo auf drei großen Tribünen der Wiener Gemeinderath in corpo e und die Elite der Wiener Gesellschaft die einziehenden Majestäten erwarteten und mit unbeschreiblichem Jubel begrüßten. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm grüßte dankend gegen die Tribüne des Gemeinderaths. Der begeisterte Empfang wiederholte sich vor dem Hofoperntheater und am äußeren Burgthor, wo von je zwei dichtbesetzten Tribünen das Publikum den Monarchen zujubelte. Um 9 Uhr 25 Minuten traf ber Zug an der Bellaria ein, wo der erste Ober-Hofmeister Prinz zu Hohenlohe und der Ober-Ceremcmienmeister Graf Hunpady den erlauchten Gast erwarteten und zum Absteigequartier geleiteten. Der ganze festliche Einzug verlief überall in musterhafter Ordnung.
Berlin, 1. Okt. Der „Norddeutschen Allgem. Feitung" zufolge bildete sich ein Komitee behufs Errichtung eines Denkmals für die verstorbene Kaiserin Augusta in Berlin.
, Berlin, 1. Oktbr. Se. Durchlaucht der Fürst zu Bentheim und Steinfurt, General-Lieutenant â la suite der Armee und erbliches Mitglied des Herrenhauses, ist am 28. d. M. zu Burgsteinfurt gestorben.
Berlin, 20. Septbr. Bei der bevorstehenden Schul-Enquète sollen, ^te die „Zeitschrift für das höhere Unterrichtswesen" hört, namhafte Ingenieure, Vorsteher chemischer Laboratorien, Direktoren landwirthschaftlicher Anstalten und Besitzer großer Fabriken um ihre Meinung angegangen werden. Der Minister selbst nmb de» Berathungen in den Räumen seines Ministeriums beiwohnen. Die Regierung stellt Vertreter, die fünf verschiedenen Verwaltungszweigen angehören, so wird auch das Kriegs- und Finanzministerium, das Ministerium des Innern und der Landwirthschaft vertrete» sein.
Berlin, 30. Septbr. Die Sozialistenversammlungen in den verschiedene» Lokalen zur Feier des Aufhörens des Sozialistengesetzes verliefen heute Abend überall ohne Störung unter zahlreicher Betheiligung, auch von Frauen und Kindern. Die Vorsitzenden konnten allenthalben mühelos die Ordnung aufrechterhalten. Die Polizei verhielt sich zuwartend.
Berlin, 1. Okt. Die sozialdemokratischen Fest licht eilen sind ruhig und ungestört verlaufen. Die Zahl der zurückgekehrtm Ausgewiesenen betrug 17. Nachts um 12 Uhr wurden überall in den Ortschaften große rothe Fahnen entfaltet. Bebels Rede gipfelte in der Behauptung, daß der