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Beilage zu Nr. 221 des Hanauer Anzeiger.

Ruhe ttnd Ordnung im gewerblichen Leben. (A. d. Köln. Ztg.)

Von der dem Reichstag vorliegenden GewerbeordnungsNovelle suid bisher nur die eigentlichen Arbeiterschutzbestimmungen, die Vorschriften über Sonntags-, Frauen-, Kinderarbeit u. dgl., in der betreffenden Reichs­tagskommission zur Verhandlung gekommen. Die Vorlage enthält aber bekanntlich auch noch eine Reihe anderer Vorschläge, die auf die Stärkung von Zucht, Ordnung und Rechtssinn in der Arbeiterschaft, namentlich der jugendlichen, gerichtet sind. Ueber diese von der sozialdemokratischen und fortschrittlichen Presse sehr ungerecht alsArbeitertrutzbestimmungen" be­zeichneten Vorschriften wird demnächst ein noch weit lebhafterer Kampf ent­brennen als über die Schutzbestimmungen, und es könnte damit für das ganze Gesetz möglicherweise noch eine ernste Krisis entstehen. Auf radikaler Seite ist schon vielfach der Gedanke erörtert worden, die Schutzbestimmungen allein Gesetz werden zu lassen, die Ordnungsvorschriften aber abzulehnen. Davon wird indessen, so bemerkt die Nat.-Lib. Korr., nicht die Rede sein können, die beiden Theile werden von den Regierungen und wohl auch von der Mehrheit des Reichstags als zusammengehöriges Ganzes betrachtet werden. In allen Einzelheiten wird man diese Ordnungsbestimmungen vielleicht nicht zu billigen vermögen, in ihren Grundgedanken aber müssen sie als zweckmäßig und durch die thatsächlichen Verhältnisse in der Arbeiter­welt geboten bezeichnet werden. Neuere Erscheinungen in der sozialen Be­wegung haben ein bedenkliches Sinken des Rechtsgefühls, der Zucht und Ordnung, namentlich in der Heranwachsenden Arbeitergeneration, dargethan. Es ist eine erfahrungsmäßige Thatsache, daß die meisten neuern Arbeiter­ausstünde unter Vertragsbruch vor sich gingen und daß gegen Arbeiter, welche den Ausstand nicht mitmachen wollten, vielfach ein höchst gewalt- Hätiger Zwang ausgeübt wurde. Zur Verhinderung dieses Zwanges und Hur Sühne des Vertragsbruches haben sich die vorhandenen Mittel als durchaus ungenügend erwiesen. Eine Strafe für öffentliche Aufforderung zu widerrechtlicher Arbeitseinstellung, eine schärfere Bestrafung des Zwanges zur Arbeitseinstellung, die Einführung einer Buße für den Kontraktbruch sind in ihren Grundgedanken berechtigte Vorschläge, ebenso wie diejenigen, welche die elterliche Zucht über jugendliche Arbeiter stärken wollen, Aus­händigung des Arbeitsbuchs und unter Umstünden Auszahlung des Lohnes Vâderjahriger Arbeiter an die Eltern oder Vormünder, Zustimmung der letztem zur Kündigung seitens minderjähriger Arbeiter. In einer Zeit, wo die Fessel des Sozialistengesetzes hinwegfällt, wo Zuchtlosigkeiten, Rechtsbrüche und Ausschreitungen alltägliche Erscheinungen sind, kann man die auf Sicherung der Ordnung im gewerblichen Leben abzielenden Vor­schläge nicht leichthin mit etlichen freiheitlich klingenden Phrasen abthun.

Tagesschau.

Friedrichsthal bei Saarbrücken, 19. Sept. Gestern wurden die Leichen der auf Grube Maybach verunglückten 25 Bergleute unter zahl­reicher Betheiligung der auf den Saarbrücker Staatsbergwerken beschäftigten Beamten und Arbeiter sowie der Bevölkerung beerdigt. Ueber die Veran­lassung des Unglücks wird erst die amtliche Untersuchung, welche bereits begonnen hat, genauern Aufschluß geben. Vermuthlich entstand dasselbe in einer in Vorrichtung stehenden schwebenden Strecke, in welcher sich unver- merkt eine geringe Menge Schlagwetter ansammelte. Die in jener Strecke beschäftigten Arbeiter entzündeten wahrscheinlich durch einen Sprengschuß das Grubengas, dieses dagegen den in der Strecke vertheilten Kohlenstaub. Es kann als ziemlich sicher erachtet werden, daß der früher als unschädlich betrachtete Kohlenstaub auch im vorliegenden Falle wieder eine unheilvolle Rolle spielte. Die Baue der betroffenen Grubenabtheilung wurden übrigens verhältnißmäßig wenig zerstört. Die Wetterführung war sogar so schnell wiederhergestellt, daß die Rettungsarbeiten einen ungestörten Fortgang nehmen konnten. Um 3 Uhr Nachts waren unter Anleitung der bei der Berginspektion Friedrichsthal angestellten höheren Staatsbeamten, Berg­werksdirektor Stapenhorst und Bergassessor Osterkanip, bereits 24 theils verbrannte, theils erstickte Bergleute zu Tage gefördert. Der 25. wurde erst Dienstag Morgen unter den überdeckten Felsmassen Hernusgegraben. An den Rettungsarbeiten, welchen mehrere bereits besinnungslos gewordene Bergleute ihr Leben verdanken, betheiligten sich mit Außerachtlassung ihrer Persönlichen Sicherheit außer den vorgenannten Beamten, die Unterbeamten und Arbeiter der Grube Maybach. Unter letzteren verdient namentlich der Steiger Huppert genannt zu werden, welcher noch heute im Lazarelh zu Sulzbach an den Folgen der eingeathmeten Verbrennungsgase leidet. In gleicher Weise zeichneten sich die Beamten der benachbarten Bergwerke aus. Heute Morgen begann wieder die regelmäßige Anfahrt. (K. Z.)

Hannover, 20. Sept. (K. Z.) Dr. Peters ist heute aus Neu­halls kommend hier einaetroffcn und auf dem Staatsbahnhofe von dem Oberpräsidenten u. Bennigsen, dem Stadtdirektor und den Vertretern der Stadt sowie dem Präsidenten der Geographischen Gesellschaft und den Ver­tretern der studentischen Korporationen empfangen und von einer großen, die Straßen füllenden Menge herzlich begrüßt worden. Mit Dr. Peters

i trafen die Mitglieder seiner Expedition, Lieutenant v. Tiedemann, Oskar Borchert und Fritz Bley, sowie Prof. Schweinfurth, Dr. Schröder-Pogge- low und der Chef der Petersschen Somalis, Hussein Forra, ein. Dr. Peters dankte gerührt für den warmen Empfang und begab sich alsdann in das Hotel Royal, wo er Quartier nahm.

Airs Stadt, Provinz und Umgegend.

Gustav-Adolf-Stiftung. Wir erhalten ferner noch folgenden Bericht:Mannheim, 18. Septbr. Der heutige Festtag versammelte die Abgeordneten der Hauptvereine in der Concordienkirche, woselbst die weiteren Verhandlungen stattfanden. Abgesandte der verschiedensten Dias­poragemeinden hielten Ansprachen und berichteten aus ihrer Heimath. Aus Südfrankreich und Spanien, aus Italien und Galizien, Brasilien und Chili erschollen die ergreifendsten Hilferufe. Die Vertheilung der großen Liebes­gabe bildete der Höhenpunkt der Verhandlungen. Dieselbe erhielt die Ge­meinde Forchheim in Baiern mit 17 605 Mk. Nachmittags entführte ein Extrazug die mehr als 1000 Festtheilnehmer nach Heidelbergder feinen", in desfen unvergleichlichen Schloßruinen sich ein prächtiges Volks­fest entwickelte. Begeisterte Ansprachen wechselten hier mit köstlichen Liedern, patriotischen und evangelischen Inhaltes. Abends boten die mit Buntfeuer beleuchteten Ruinen einen bezaubernden Anblick, der allen Theilnehmern un­vergeßlich bleiben wird. Das Berichtsjahr hat sich des höchsten Kollekten­ertrages erfreut; sie betrugen 1112 000 Mk., ein schönes Zeichen für den Verein und seine Thätigkeit.

Theater-Repertoire zu Frankfurt a. M.

Opernhaus. Dienstag, 23. September:Don Juan". Mittwoch, 24.:Meistersinger". Donnerstag, 25.:Maskenball". Freitag, 26.:Die Reise um die Erde". Samstag, 27.:Die Walküre". Sonntag, 28.:Hamlet" (Oper). Montag, 29.:Die Nachtwandlerin".

Schausp i elhaus. Dienstag, 23. September:Ein Tropfen Gift". Mittwoch, 24.:Die Ehre". Donnerstag, 25.:Wallen­steins Tod". Freitag, 26.:Die schöne Helena". Samstag, 27.: Die Geschwister".Clavigo". Sonntag, 28.:Der Bibliothekar". Montag, 29.:Aus der Gesellschaft".

Frankfurt a. M., 21. September. Ein junger Italiener, der mit Gypsfiguren hausiren geht, wurde gestern Abend von Schulknaben ge­neckt. Um letztere sich vom Leibe zu halten, ergriff er eine seiner Figuren und warf sie nach den Buben; das Geschoß verfehlte aber sein Ziel und flog in eine Ladenthürscheibe, die in Trümmer ging. Der Italiener ergriff nun die Flucht, wurde aber von dem Besitzer des Ladens, einem Barbier, eingeholt und festgehalten. Da biß ihn plötzlich der Figurenhändler in den Finger, der Barbier schrie laut auf und ließ den Menschen los, der nun schleunigst das Weite suchte. Am Friedberger Thor wurde gestern das Malter Aepfel für 6 Mark verkauft. (Fr. N.)

Seligenstadt, 19. Sept. Die Kaltwasserheilanstalt des Herrn Dr. med. Kleeblatt ist nunmehr soweit fertiggestellt, daß schon gestern die Kur begonnen werden konnte. Es sind bereits 6 Kurgäste aus den um­liegenden Gemeinden, wie auch aus Fulda und Hünfeld hier eingetroffen. Die feierliche Eröffnung der Heilanstalt erfolgt indessen erst im Laufe nächster Woche. (O. Z.)

Hattersheim, 19. Sept. Die Zuckerfabrik Maingau beginnt am nächsten Montage ihren diesjährigen Betrieb, welcher wohl länger dauern dürfte, wie im vorigen Jahre, da in diesem Frühjahre größere Zuckerrüben­bestände angelegt wurden. Die Rüben lassen, was die Menge betrifft, nichts zu wünschen übrig; auch ihr Gehalt kann infolge der sonnigen Herbst­tage nicht gering sein. Der Landwirth sowohl wie der Fabrikant können also mit der diesjährigen Zuckerrübenernte wohl zufrieden sein. (Rh. K.)

Litterarisches.

Allen Jagdliebhabern dürfte die Mitthellung von hohem Interesse und gewiß sehr erwünscht sein, daß soeben ein Blatt zu erscheinen beginnt, wel­ches es sich zur Aufgabe gemacht hat, das bisher wenig gepflegte große Gebiet des deutschen Jägerhumors den Interessenten in ansprechender, in unserer heimischen Litteratur noch nicht vertrcnen gönn, jugängig zu machen. Waid män nische Fliegende Blätter nennt sich dieses neue, im Verlage der bekannten Firma Haasenstein u. Vogler A.-G. erscheinende Un­ternehmen, das sich, nach der uns vorliegenden Probenummer zu urtheilen, sicherlich bald der Sympathieen der betheiligten Jägerkreise erfreuen wird, denen es hiermit bestens empfohlen sei.

SchMbericht.

(Mitgetheilt durch den »getitelt Georg Tissot in Hansu.)

Das Hamburg - New - Dorker PostdampfschiffRussia" , Küpitarn Schmidt, ist am 18. September, 3 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in New- Aorl eingetroffen.