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Nr. 218.
Donnerstag den 18. September
1890
Amtliches.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, nachfolgende Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden veröffentlichen zu lassen.
Hanau am 16. September 1890.
Der Königliche Landrath
v. Oertzen.
Landwirthschaftlicher Kreis-Verein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 20» September, Nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen in Hanau.
Tagesordnung:
1) Hebung der Rindviehzucht. Referenten: Herr Landrath v. Oertzen, Herr Kreisthierarzt C o l l in a u n.
2) Bericht über die diesjährige Ernte. Referenten: Herr Bürgermeister Zeh-Kilianstädten, Herr Otto Hain-Großauheim, Herr Fr. W. Fix-Fechenheim, Herr Friedr. Bauscher-Langenselbold.
3) Saatgutwechsel für die Winterbestellung.
Mitglieder, welche Saatgut abzugeben haben, werden ersucht, Proben mit in die Versammlung zu bringen.
Der Vorstand.
Tagesschau.
Berlin, 17. September. Der „Reichsanz." schreibt: Heute trifft Kaiser Franz Josef zum Besuche des Kaisers Wilhelm in Nohnstock ein. Ist der Besuch auch nur den militärischen Uebungen gewidmet, welche sich vor den Augen der Majestäten abspielen werden, so darf die Thatsache der Begegnung beider Majestäten als ein neues Untnterpsand der — wie sich der Kaiser am 5. September bei dem Festmahl in Gravenstein ausdrückte — „ engen Beziehungen innigster Freundschaft und festester Waffenbrüderschaft" gelten, welche zwischen den beiden Monarchen bestehen. Das deutsche Volk rüst dem erhabenen Freund des Kaisers bei dem Betreten des deutschen Bodens ein herzliches Willkommen zu, womit es den Wunsch verbindet, daß sich auch diese Begegnung dem hohen Ziele, welches die beiden Majestäten für das Wohl ihrer Völker beseelen, förderlich erweisen möge.
Berlin, 17. Sept. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Sofort nach dem Erscheinen des Artikels der „Times" vom 15. September, demzufolge der stellvertretende deutsche Reichskommissar in Ostafrika mittelst einer Proklamation den Sklavenhandel für erlaubt erklärt haben sollte, demzufolge ferner unter amtlicher Mitwirkung eine öffentliche Sklavenauktion in Baga- moyo stattgefunden haben sollte, forderte das Auswärtige Amt einen telegraphischen Bericht des gedachten Beamten über das Sachverhältniß ein. In einem heute eingegangenen Telegramme berichtet der Beamte aus Zanzibar, daß er eine solche Proklamation nicht erlassen habe, daß vielmehr wahrscheinlich der Unfug eines Arabers der Nachricht der englischen Blätter zu Grunde liege. Eine Untersuchung werde sofort eingelestet werden. Daß in Bagamoyo eine Sklavenauktion unter amtlicher Mitwirkung abgehalten ; worden sei, sei undenkbar. Dr. Schmidt wird sich ungesäumt nach Baga- s moyo begeben und von dort weitere Berichte senden.
Berlin, 17. Septbr. Dem zum Konsul der Vereinigten Staaten . von Amerika in Breslau ernannten Joseph Edward Hayden ist das Exequatur Namens des Reichs ertheilt worden.
Berlin, 17. Septbr. Wie die „Post" hört, ist das Geld für die « Beschaffung des Dampfers auf dem Viktoria Nyanza bereits beisammen. Es handelt sich jetzt darum, für den zweiten Dampfer auf dem Tanganyika die nöthigen Mittel zusammenzubringen. Man würde damit die Karawanenstraße sichern, aber auch auf die Araber Einfluß ausüben, welche in Udschidschi einen ähnlichen Mittelpunkt wie in Tabora geschaffen haben. Ihr Fürst Rumariza ist fast ebenso mächtig wie Tippu Tip und N'Zigue. Diese drei Araber bilden gewissermaßen eine Handelsgesellschaft, welche eine Ausbeutung des zentralen Afrikas bezweckt. ,
Berlin, 17. Septbr. (K. Z ) Der Antrag der Sozialdemokraten auf Ueberlassung des Bürgersaales des Berliner Rathhauses zum Empfang ' der Ausgewiesenen wird vom Magistrat nicht genehmigt.
Nach Anschluß von Dar-es-Salaam und ,Bagamoyo an das | Delegraphennetz werden dort Kaiserliche Postagenturen m Wirksamkeit steten,
mit deren Verwaltung die Postpraktikanten Weber und Sachs betraut worden sind. Die Herren haben sich bereits mit dem zuletzt in Marseille abgegangenen Dampfer der „Messageries Maritimes" nach Zanzibar begeben.
Breslau, 17. September. Kaiser Franz Josef ist Mittags um 1 Uhr eingetroffen. Er wurde am Bahnhöfe von Moltke nnd dem Oberpräsidenten empfangen und von der Bevölkerung jubelnd begrüßt. Im Schlosse wurde er von der Kaiserin herzlichst begrüßt. Der Kaiser nahm das Diner mit der Kaiserin ein und fuhr sodann um 3 Uhr nach Rohn- stock. Die Kaiserin hat um 4 Uhr die Rückreise nach Potsdam angetreten, von der dichtgeschaarten Menge mit ungeheurem Jubel begrüßt. (Fr. N.) „ Rohnftock, 17. September. Kaiser Franz Joseph ist um 4^2 Uhr hier eingetroffen. Er wurde vom Kaiser Wilhelm am Bahnhöfe erwartet. Die Monarchen umarmten und küßten sich wiederholt. Caprivi und Kalnoky begrüßten sich ebenfalls herzlich. Nach dem Abschreiten der Ehren- kompagnie fuhren die Majestäten nach dem Schlosse. Caprivi und Kalnoky folgten im zweiten Wagen. Kriegervereine, Schüler und Feuerwehr bildeten Spalier. Die Menge brachte unausgesetzt stürmische Ovationen dar. — Der König von Sachsen ist um öVs Uhr auf dem Schloß Börnchen bei Nohnstock eingetroffen. (Fr. N.)
Wilhelmshaven, 16. Septbr. Gestern langte der 10 000 Kilo schwere stählerne Hintersteven für den auf hiesiger Werft im Bau begriffenen großen ^Panzer D hier an. Der in der Krupp'schen Gußstahlfabrik hergestellte toteven wurde per Achse nach Ruhrort überführt und dort mittels einer holländischen Kuff hierhergebracht. Die Reise dauerte 13 Tage. Der Steven selbst hat einen Werth von 14 000 Mk. Der Neubau des neuen Panzers macht sichtliche Fortschritte.
Essen, 17. Sept. Laut Meldung der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" wurde heute in Bochum, entsprechend den Beschlüssen der letzten Versammlung der westfälischen Kokes-Produzenten, eine Aktiengesellschaft unter dem Namen „Westfälisches Kokes-Syndikat in Bochum" errichtet. Die erste ordentliche Generalversammlung, in welcher die Zuteilung der von den Gründern sämmlich gezeichneten Aktien an einzelne Bergwerke nach Maßgabe ihrer Förderung, sowie die Wahl der definitiven Verwaltungsorgane vorgenommen werden soll, findet am 22. September statt.
Köln, 16. Septbr. Der Kaiser von Brasilien hat sich, dem „Reichsanz." zufolge, von hier zum Besuch des Krupp'schen Elablissements nach Essen begeben.
Nach neuerer Meldung der Bergwerks-Direktion zu Saarbrücken sind auf Grube Maybach nicht 24, sondern 25 Mann zu Tode gekommen.
Schweidnitz, 17. Septbr. Laut Benachrichtigung durch das Hofmarschallamt wird der Kaiser bei Moltke in Creisau am Samstag um 4 Uhr Nachmittag eintreffeu.
Bremen, 17. Septbr Die Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Aerzte wählte für das nächste Jahr als Versammlungsort Halle; zum Präsidenten wurde Hiß, zum Vizepräsidenten Winkler gewählt.
Wien, 17. Sept. Die Morgenblätter begrüßen die Zusammenkunft der Kaiser Wilhelm und Franz Josef in Schloß Rohnftock auf das sym- pathischste. Das offiziöse „Fremdenblatt" sagt: Die häufigen herzlichen Begegnungen der beiden Monarchen zeigten aller Welt, daß das deutschösterreichische Bündniß in voller Kraft dastehe und immer festere Wurzel fasse. Auch der neue Reichskanzler verfolge die alte Bahn der Friedensliebe. Die „Presse" schreibt: Die Zusammenkunft erhalte ihre besondere Weihe durch die freudigen und überzcugungsstarken Sympathieen, womit die Bürger beider Reiche an dem freundschaftlichen Verhältnisse ihrer Herrscher Theil nähmen. (Rh. K.)
Bern, 17. September. Gestern Abend zog zum ersten Mal als Zeichen, daß die regelmäßigen Uebungen wieder ausgenommen' werden, eine Bataillonsmusik der Bundestruppen in Bellinzona den Zapfenstreich blasend auf. Der Untersuchungsrichter Schneider hat das Verhör mit den in Bellinzona weilenden Mitgliedern der provisorischen Regierung gestern begonnen. Respini und Bonzanigo sind mit dem Nat'ionalrath Pedrazzini heute Morgen von Bern nach Bellinzona zurückgereist. In Lugano stellen sich die verscheuchten Fremden wieder ein. (K 8 )
Brüssel, 17. Septbr. Abermals wird aus dem Bormage ein Dynamitanschlag gemeldet, welcher gegen den Gutsbesitzer Chevalier gerichtet ist. Gegen Mitte vorigen Monats erst wurde dessen Wohnung in Dour mittels Tynamitpatronen schwer beschädigt; auch früher schon hatten seine Gegner Anschläge gegen ihn unternommen. Gestern nun platzte eine