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Nr. 215.
Montag den 15. September
1890
Amtliches.
Bekanntmachung.
Postpacketverkehr mit L-iam.
Von jetzt ab können Postpackete ohne Werthangabe im Gewicht biâ gu 3 kg nach Siam (vorerst jedoch nur nach Bangkok) versandt werden. Die Packete müssen frankirt werden.
Ueber die Taxen und Versendungsbedingungen ertheilen die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.
Berlin W., 10. September 1890.
Reichs-Postamt, I. Abtheilung.
____Sachse.______
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Gasbrenner. Ein Regen- und ein Sonnenschirm nebst einer Handtasche, bei Herrn Lossow im Laden stehen geblieben. Eine Taschenuhr.
Verloren: Ein Armband, schwarze Emaille in Maiglöckchen mit
4 Perlen als Verzierung, von hier nach Wilhelmsbad oder dort. Ein Riemen mit Karabinerhaken.
Entlausen: Ein gelber Mops m. Geschl. am 10. ds. Mts. Hanau am 15. September 1890.
Die stimmberechtigten Wohlthäter der Kinderheilanstalt zu Bad Orb werden hierdurch zu einer Generalversammlung auf
Mittwoch den 24. d. Mts.,
Nachmittags 3 Uhr, nach dein Sitzungssaal des Bürgermeisteramtes zu Orb ergebenst eingeladen. Tagesordnung:
1) Vorlage der Rechnungen 1888 und 1889.
2) Feststellung des Etats für das Jahr 1891.
3) Entgegennahme des Jahresberichts.
4) Wahl eines Vorstandsmitgliedes.
Gelnhausen am 12. September 1890.
Der Vorstand.
__________________Frhr. v. Riedesel, Vorsitzender.__________________
Tagesschau.
Beeston, 14. Sept. Der Trinkspruch, welchen der Kaiser bei dem gestern Nachmittag 6 Uhr für die obersten Behörden der Provinz Schlesien gegebenen Diner ausbrachte, hatte, nach dem „Fr. I." folgenden Wortlaut: „Noch einmal wiederhole Ich den Dank der Kaiserin und den Meinigen für den freundlichen Empfang in der Provinz und für die treuen Gesinnungen, die Uns entgegengeschlagen sind. Zugleich erneuere Ich nochmals den Ausdruck Meiner Freude darüber, daß es Mir endlich vergönnt ist, einmal mit Meinen Schlesiern zusammen zu sein. Wie in früherer Zeit, in der Zeit der Erhebung, die Provinz die erste war, die dem Rufe Meines hochseligen Herrn Urgroßvaters folgte, um dem Lande feine Unabhängigkeit wiederzugeben, so ist zu Meiner größten Freude auf dem inneren Gebiete die Provinz diejenige gewesen, die die ersten Schritte gethan hat, um Meinen auf das Wohl der arbeitenden Bevölkerung gerichteten Gedanken Folge zu geben. In lobenswerthem Wetteifer gehen hier Kirche und Laien zusammen, um das Wohlergehen der unteren Klassen zu heben und dem Leben der Provinz die Ordnung zu erhalten. Männer wie Fürst Pleß und der Fürstbischof sind mit gutem Beispiel vorangegangen, und das Beispiel ist nicht ohne Wirkung geblieben. Ich verfehle hierbei nicht, diesen Herren, sowie manchen anderen in der Provinz, die diesem Beispiel sich angeschlossen haben, Meinen königlichen Dank auszusprechen. Ich knüpfe hieran den Wunsch, daß dieses gute Beispiel, welches die Provinz gegeben hat, ohne Unterschied der Parteien und Konfessionen von allen Theilen Meines Staates befolgt werde, daß unsere Bürger endlich aus dem Schlummer erwachen mögen, in dem sie sich so lange gewiegt haben, und nicht blos dein Staat und seinen Organen die Bekämpfung der umwälzenden Elemente überlassen, sondern selbst mit Hand anlegen. Ich habe die Ueberzeugung, daß wenn die Provinz beharrt auf dem jetzigen Wege, es
nicht nur der Provinz, sondern auch Meinem ganzen Lande gelingen wird, wiederherzustellen die Achtung vor der Kirche, den Respekt vor dem Gesetz und den unbedingten Gehorsam gegen die Krone und deren Träger. Ich erhebe das Glas und trinke auf das Wohl und das Gedeihen der Provinz Schlesien: Sie lebe hoch! und nochmals hoch! und zum dritten mal hoch!
Berlin, 13. Septbr. Der Oberbürgermeister von Breslan, Friedensburg, hat gestern folgende Bekanntmachung veröffentlicht: „Se. Majestät der Kaiser haben Allerhöchstihre Befriedung über den patriotischen Empfang und über die Ausschmückung der Straßen und Häuser bei Seinem gestrigen Einzuge mir auszusprechen und mich zu beauftragen geruht, dafür Seinen Dank der Bürgerschaft zu sagen. Mit Freuden entledige ich mich hierdurch des mir gewordenen Allerhöchsten Auftrages."
Berlin, 13. Septbr. Der „Reichsanz." schreibt: Gegenüber den Bemerkungen, welche von einigen Blättern an den Wechsel in der Person des Kaiserlichen Kommissars für Helgoland geknüpft worden sind, dürfen wir bemerken, daß dieser Ersatz des bisherigen Kommissars durch einen jüngeren Beamten der Reichsverwaltung von Anfang an für den Zeitpunkt in Aussicht genommen war, mit welchem die wichtigeren, durch den Ueber- gang der Insel in deutschen Besitz bedingten Geschäfte abgewickelt sein würden. Dieser Zeitpunkt ist gegenwärtig eingetreten, und die Ablösung des bisherigen Kommissars erscheint demnach umsomehr angezeigt, als derselbe bei den Arbeiten für die Revision des Patent- und Musterschutzgesetzes thätig gewesen ist, welche nunmehr für die parlamentarische Berathung fertig gestellt werden müssen.
Berlin, 13. Sept. Heute Nachmittags 2 Uhr beging die große National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln" ihr 150jähriges Stiftungsfest durch eine Festarbeits-Sitzung unter Leitung des zugeordneten National- Großmeisiers, Landessyndikus der Provinz Brandenburg Gerhardt; diese und die anschließende Tafclloge wurde mit einem begeisterten Hoch auf den Kaiser eröffnet. Man zählte 500 Theilnehmer. Die deutschen Großlogen waren durch ihre Großmeister vertreten. Der Prinz von Wales als Großmeister der englischen Großlogen entsandte Wendt aus London als Vertreter. Während der Feier wurde eine Breslauer Depesche verlesen, worin der Kaiser für die Adresse und den ereilten Ausdruck treuer Gesinnung dankt und die Loge auch für die Zukunft eines besonderen Landesväterlichen Wohlwollens versichert. Unter den zahlreichen Glückwünschen ist auch einer vom Herzog von Koburg eingegangen. (Fr. N.)
Nächster Tage soll bekanntlich eine große öffentliche. sozialdemokratische Volksversammlung in Berlin über die Frage des Massenaustritts aus der Landesirche verhandeln. Die „Nat.-Lib. Corr." bemerkt dazu: Im Ziel der Verkündigung des vollkommenen Atheismus sind die Sozialdemokraten einig, aber über die taktische Zweckmäßigkeit herrschen noch Meinungsverschiedenheiten. Die klügern und gemäßigter» Führer wissen recht wohl, daß es auch unter ihren Anhängern sehr viele gibt, die man nicht durch Enthüllung der letzten Ziele vor den Kopf stoßen darf. Es könnten doch viele scheu werden, wenn man sie geradezu auf die Gottesleugnung verpflichtete. Der äußerste und unoerhüllteste Radikalismus ist das sicherste Mittel, in allen bessern Elementen das Nachdenken und die Wiederkehr der Besonnenheit zu befördern. Von diesem Gesichtspunkt aus kann es uns nur recht sein, wenn die Sozialdemokratie über ihr Verhältniß zu jeder Religion offen Farbe bekennt. Es dürfte von Interesse sein, sich bei dieser Gelegenheit die sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten auf ihr religiöses Bekenntniß hin anzusehen. In dem amtlichen Reichstagshandbuch haben von den 35 Abgeordneten dieser Partei sich 5 als religionslos, konfessionslos oder atheistisch bezeichnet (darunter Bebel), 7 als Dissidenten, 4 als freireligiös, 7 als evangelisch oder lutherisch, 1 als katholisch, 1 als altkatholisch, 3 als mosaisch; 7 haben in dieser Beziehung überhaupt keine Angabe gemacht.
Breslau, 13. Sept. Das von den Majestäten den Spitzen der Provinzialbehörden Nachmittags 6 Uhr im Schlosse gegebene Diner verlief glättzendst. Theil nahmen an demselben die Prinzenpaare Connaught, Leopold, Albrecht. Dem Kaiserpaare gegenüber saßen der Oberpräsident und die Mitglieder des hohen Adels der Provinz. • (Fr. N.)
Breslau, 13. Sept. Der Oberbürgermeister von Breslau, Friedensburg, hat gestern folgende Bekamumackung veröffentlicht: Se. Majestät der Kaiser haben Seine Allerhöchste Befriedigung über den patriotischen