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Nr. 211.

Mittwoch den 10. September

1890

Amtliches.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Unter dem Rindvieh des Landwirths Konrad Wilhelm Adam zu Eichen ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Hanau am 9. September 1890.

Der Königliche Landrath.

V. 6186 Z. V.: Baabe.

In den Schafheerden zu Lindheim und Schwickartshausen, Kreises Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden.

Hanau am 10. September 1890.

Der Königliche Landrath.

V. 6226 I. V.: Baabe.

Tagesschau.

Berlin, 9. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König ritten heute früh von Gravenstein aus in das Manöverterrain bei Nübel.

Berlin, 9. Septbr. Se. Majestät der Kaiser hat, nach einer Meldung des „Reichsanz.", Ihre Majestät die Kaiserin auf dem Manöver­terrain zum Chef des Schleswig-Holsteinischen Füsilier-Regiments Nr. 86 ernannt. Heute Mittag gedachte Ihre Majestät Gravenstein zu verlassen und um 2 Uhr von Flensburg aus die Reise nach Potsdam mittels Son­derzuges fortzusetzen.

Berlin, 9. Septbr. Ueber den Schluß des gestrigen Manövers bei Düppel meldet der „Reichsanz." : Nach Wiederaufnahme des Kampfes drangen das Ost-Korps und die Marinetruppen über Düppel nach Nübel stör, während das West-Korps nach Atzbüll zurückging. Die Truppen be­zogen Bivouaks auf dem Gefechtsfelde. Ein Angriff der Torpedoflotte und des West-Korps auf die Panzerflotte wurde die Kreuzer-Korvette „Irene" unter dem Kommando Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich abge­schlagen. Der Schluß des Manövers fand um 1 Uhr statt. Nach der Spezialidee für die heutige Fortsetzung des Manövers ist früh Morgens für das West-Korps eine Unterstützungs-Brigade auf dem linken Flügel eingetroffen, mit welcher ein Angriff auf das Ost-Korps bei Nübel gemacht werden soll. Das Ost-Korps hat am Abend vorher den Auftrag erhalten, sich Flensburgs zu bemächtigen. Der Divisions-Kommandeur beschloß um 8 Uhr mit drei Kolonnen und unter entsprechender Mitwirkung der Pan­zerflotte über Gravenstein zum Angriff vorzugehen. Das Wetter war nebe­lig und völlig undurchsichtig. Weiter wird aus Gravenstein vom heutigen Tage gemeldet: Se. Majestät der Kaiser begab Sich um 8 Uhr zu Pferde nach dem Manöverterrain. Ihre Majestät die Kaiserin fuhr im offenen Vierspänner zum Ost-Korps. Das Gefecht wurde auf der ganzen Linie ausgenommen. Das Ost-Korps rückte in der Richtung Atzbüll auf Gra­venstein vor. Die Torpedo-Division des West-Korps griff zeitweise durch Feuer ein. Das in Reserve stehende Schleswig-Holsteinische Füsilier-Regi­ment Nr. 86, zu dessen Chef Ihre Majestät ernannt wurde, paradirte vor den Majestäten. Ueberall, wo sich das Herrscherpaar zeigte, wurde es ju­belnd begrüßt.

Berlin, 9. Sept. Mit der Wahrnehmung des Amts des kaiser­lichen Kommissars für Helgoland ist dem Reichsanzeiger zufolge vom 10. ds. ab an Stelle des zu anderweiter Verwendung abberufenen Geheimen Regierungsraths Wermuth der ständige Hülfsarbeiter im Reichsamt des Jnne.n, Regiernugsrath Dr. Kelch, beauftragt worden.

Berlin, 9. September. Die „Vossische Ztg." meldet: Minister Lucius theilte dem hiesigen Magistrate mit, daß er im Einvernehmen mit dem Reichskanzler bereit sei, die Einfuhr ungarischer Schweine aus Stein­bruch und Bielitz-Biala zur Abschlachtung im hiesigen Schlachthofe widerruf­lich zu gestatten. Voraussetzung wäre die völlige Trennung der eingeführten Schlachtschweine von den auf dem hiesigen Viehhofe zum Verkauf aufge- tricbenen. Die „Vossische" theilt mit, die sür diesen Zweck polizeilich ge­forderten Einrichtungen des Zentralviehhofes würden binnen drei Tage beendet sein, sodaß dann die Einführung ungarischer Schweine beginnen könne.

Berlin, 9. Sept. Alle Nachrichten über die Bestätigung Forcken- becks sind unrichtig, bis heute ist eine solche noch nicht eingetroffen, doch ist an der Bestätigung selbst nicht zu zweifeln. — Die hiesigen Sozial­

demokraten haben die Absicht, den 1. Oktober durch eine Illumination zu feiern; in einer sozialdemokratischen Versammlung wurde gestern unter leb­haftem Beifall vom dem Arbeiter Günther ein dahinzielender Vorschlag gemacht. (Fr. N.)

Potsdam, 9. Sept. Der Herzog und die Herzogin von Connaught sind mit ihren drei Kindern heute Nachmittag 5 Uhr 17 Minuten hierselbst eingetroffen und nach dem Schloß Glienicke gefahren.

Die „K. 3»" schreibt: Wie verschiedene Blätter berichten, sind in Preußen die königlichen Regierungen und Handelskammern seitens des Ministeriums für Handel und Gewerbe und des Ministeriums der öffent­lichen Arbeiten zu Berathungen darüber aufgefordert, ob es zweckmäßig er­scheint, eine Einheitszeit für das gesammte bürgerliche Leben in Deutsch­land auf dem Wege der Reichsgesetzgebung einzuführen. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man daraus schließt, daß von den zuständigen Re­gierungsstellen der anderen Bundesstaaten dieselben Erhebungen veranstaltet werden.

Breslan, 9. Sept. (K. Z.) Infolge des Hochwassers ist die Schiff­fahrt unterbrochen. An den Brücken und Wehren find Sicherheitswachen ausgestellt. Das Wasser steigt.

Caub, 8. September. Eine der gefährlichsten Stellen für die Schifffahrt und Flößerei im Rheine ist die Wirbelei bei Bacharach, benannt nach den vielen Wirbeln, welche sich dort im Strombette befinden. An dieser Stelle, wo der Rhein eine scharfe Biegung macht, verunglückte heute ein Schiff: der Schraubenschleppdampfer „Faber I." kam mit 2 Schlepp­schiffen, die eine Ladung Kohlen an Bord hatten, gegen 1 Uhr Mittags zu Berg gefahren, als plötzlich das Ruder des einen Kohlenschiffes entzweibrach, was zur Flolge hatte, daß das Schiff seinen Kurs nicht mehr sicher ein­hielt ; doch gelang es noch dem Steuermanne, das Fahrzeug mittels des beschädigten Ruvers an das Land zu lenken. Bald darauf erlitt aber das Ruder derart weiteren Schaden, daß das Schiff dem Steuermann nicht mehr gehorchte, sondern von dem Strudel hin- und hergeworfen wurde. Auch war es nicht mehr möglich, das Fahrzeug an einen Pflock am Lande durch ein ausgeworfenes Tau zu befestigen; es trieb gegen einen Felsen und wurde dermaßen leck, daß es sofort sank. Die ganze Ladung, 5000 Ztr. Kohlen, das Mobiliar u. a. verschwand in den Fluten. Von dem Schiffe ist keine Spur mehr zu sehen. Da der ganze Vorgang sich in ungefähr 10 Minuten vollzog, konnten nur wenige Gegenstände gerettet werden. Menschenleben sind zum Glücke nicht umgekommen, obgleich die Schiffsleute sich in einer sehr gefährlichen Lage befanden; die Schiffsmannschaft hatte sich auf einen angehängten Nachen gerettet, der beinahe mit in die Tiefe gezogen worden wäre. Der Steuermann rettete sich dadurch, daß er in den Rhein sprang und nach dem zweiten Schleppschiffe schwamm. (Rh. K.)

Hamburg, 9. September. Nach der „Börsenhalle" sind bei dem gestrigen Diner zu Ehren Wißmann's und au der heutigen Börse für Erbauung eines Dampfers auf dem Viktoria - Nyanza 70,000 Mark gezeichnet worden. Da auch im übrigen Deutschland Beiträge gezeichnet sind, gilt der Dampfer, dessen Kosten, den Transport inbegriffen, auf 150,000 Mark veranschlagt sind, gesichert. . (Fr. N.)

Dresden, 9. Sept. Das Wasser der Elbe ist bis auf 4 Meter über Normalhöhe zurückgegangen. Alle Straßen und Plätze sind wieder wasserfrei.

Gravenstein, 9. Sept. Nach den nunmehrigen Bestimmungen wird der Kaiser morgen auf dem Artillerie-Schulschiffe „Mars" das Früh­stück einnehmen und sich sodann an Bord der „Hohenzollern" nach Kiel begeben, von wo er um 11 Uhr Abends über Berlin nach Breslau weiter­reist. (K. Z.)

Wien, 9. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König begibt sich heute Abend zu den Manövern nach Ungarn.

Wien, 9. September. Heute ist auf der Strecke Gmuend-Budweis der Gesammtverkehr, auf der Strecke Budweis-Frauenberg der Personen­verkehr, auf der Strecke Wcsely -Budweis-Gaisbach der Schnellzugverkehr, auf der Strecke Prag-Gmuend vorerst nur der Schnellzugverkehr wieder ausgenommen worden. (F(- N.)

Troppan, 8. Sept. Bei dem czechischen Festzuge des Sokolisten- vereins kam es heute zu Schlägereien. Ein czechischer Feuerwehrhornist ritt in die Zuschauermenge hinein und rief: „Ihr deutschen Hunde seid nicht