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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 204,
Dienstag den 2. September
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Amtliches.
Die Herren Vertreter der gemeinsamen Ortskrankenkasse werden hierdurch zu der auf
Freitag den 5. September c„ Nachmittags 3Va Uhr, in das obere Sälchen „zur Karthaune" (Salzgasse 23) anberaumten Generalversammlung crgebcnst eingeladcn.
Tagesordnung:
1) Abnahme der Rechnung pro 1889,
2) Ergänzung des Vorstandes.
3) Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahres.
4) Einführung einer Strafbestimmung für Simulanten.
5) Berathung über Beschränkung des §. 21 des Statuts.
6) Aenderung des §. 22 des Statuts.
7) Anträge aus der Versammlung.
Hanau am 28. August 1890.
Der Vorstand der gemeins. Ortskrankenkasse des Landkreises Hanau. Dr. Gans, Vorsitzender.
Sedan!
Mit blut'ger Feder schrieb der Schlachtenlenker Sedan ins Buch der Weltgeschichte ein, doch golden glänze» nun die blut'gen Zeichen, und jeder Deutsche jauchzt bei ihrem Schein.
Es fielen nicht umsonst die vielen Helden, an deren Gräbern wir heut' wieder stch'n, denn aus des Grabes Nacht und seinem Grauen sah'n unser Vaterland wir neu ersteh'n.
Zwei deutsche Perlen reihten sich der Krone nun schöner leuchtend wieder dauernd ein, und was bisher getrennt im deutschen Reiche, das sollte fest und eng verbunden sein.
Die tiefen Wunden, die der Krieg geschlagen, sie heilten sicher, wenn auch nicht sogleich, doch rastlos mühten sich gewalt'gc Männer und bauten sorgsam wägend an dem Reich.
Wohl brachten oft die unruhvollen Geister dem Vaterlande Weh' und tiefen Schmerz, jedoch geschützt von wachen Heldenaugen blieb unversehrt des deutschen Reiches Herz.
Doch Hefter Schmerz war allen noch beschieden, als durch das Land die Tranerkunde lief, daß uns zu früh der greise Heldenkaiser, nach schwerstem Leid' sein Heldensohn entschlief.
Und sieh'! ob lang auch mancher Deutsche harrte, der Enkel leitete auf sich'rer Bahn das Roß mit rasch ergriffnem, straffem Zügel, und segnend schützte ihn der große Ahn'.
Nun blinkst du wieder in der deutschen Krone, du, Helgoland, der letzte Edelstein, und daruin sollst du, heil'ges Land, auch ferner des deutschen Reiches edle Bürgschaft sein.
Ein heilig Land von Wassern rings umbrandet, steh'st unerschütterlich du in dem Meer, die Heilstatt vieler siechen Menschen, im Sturm der müden Schiffer sich're Wehr.
So ruft, Sedan, dein Name unaufhörlich vergang'ner Zeit Gedächtniß in uns wach, und wenn uns Freude oder Leid' begegnet klingt stets dein Name unvergeßlich nach.
E.
Zum 2. September 1890.
Zwanzig Jahre sind verflossen seit jenen Tagen, in denen das deutsche Volk einen frevelhaften Angriff dtirch eine Reihe von Waffenthaten zurnck- wies, wie sie die Weltgeschichte bis dahin nicht zu verzeichnen gehabt hatte. Das gewaltigste Ereignis; der großen Zeit war aber die Schlacht bei Sedan, die Kapitulation des großen französischen Heeres und die Gefangennahme Napoleons, der wenige Jahre vorher auf dem Gipfel seiner Macht gestanden hatte und an jenem Tage von der schwindelnden Höhe in den Abgrund stürzte. König Wilhelm selbst sagte in einem Briefe, den er am 3. September 1870 von Vendresse an seine Gemahlin richtete, das große geschichtliche Ereigniß sei wie ein Traum, selbst wenn man es Stunde für Stunde habe abrollen sehen. So feiert denn das deutsche Volk nicht den Tag, an dem der Friede geschlossen wurde, sondern den Tag von Sedan, der auch heute wieder im ganzen deutschen Vaterlande festlich begangen wird. Die Städte schmücken sich mit Fahnen und von den Thürmen mahnen die Glocken mit feierlichen Stimmen an die große Zeit. Ja, cs ist eine große Zeit, — wenn durch ein großes Volk ein großer Gedanke dahinfährt wie ein Sturm, der nur Großes und 'Starkes stehen läßt, alles Kleine und Kleinliche aber mit sich reißt. Nur ein Gedanke erfüllte die deutschen Herzen, die Ehre und Freiheit des Vaterlandes. Mit stolzer Freude darf das deutsche Volk zurückblicken auf die Tage, in denen geniale Feldherren seine begeisterten Söhne zu den glänzendsten Siegen führte. In stiller Trauer und nie erlöschender Dankbarkeit gedenkt es der Helden, die auf den Schlachtfeldern für des Vaterlandes Ehre und Freiheit geblutet haben, die den ruhmvollen Tod für's Vaterland gestorben sind. Diese Dankbarkeit darf nie erlöschen! „Vergiß die treuen Todten nicht!" Denn sie haben durch ihr Blut das kostbarste nationale Gut, die Einheit, das deutsche Kaiserreich erringen helfen. So lenkt sich der Blick an diesem Tage weniger auf das besiegte Frankreich ; fern ist das deutsche Volk der Ueberhebnng über den unterlegenen'Gegner; es freut sich nur des lang ersehnten, nun endlich erworbenen Gutes; in Frieden will cs den inneren Ausbau des neuen Reiches vollenden. So wird der Tag von Sedan zu einein Frie- dcnsfest, an dem wir uns erinnern sollen, mit wie schweren Opfern Deutschlands Einheit errungen worden ist, damit wir im Andenken an diese Opfer alles thun, um jenes kostbare Gut zu erhalten; denn nur der Staat ist fcstgegründet, in dem jeder einzelne Bürger durchdrungen ist von dem Gedanken, daß nur in der Einheit seine und des Vaterlandes Kraft beruht.
Der Tag von Sedan ein Friedensfest!
Auf Seite Deutschlands ist kein Groll gegen Frank, eich vorhanden, und auch in Frankreich hat die alles mildernde Zeit die Gemüther ruhiger und gerechter gemacht. Diesseits und jenseits der Vogesen wird man deshalb an diesem Tage besonders lebhaft daran denken, daß die Völker nicht dazu bestimmt sind, sich zu zerfleischen, sondern in friedlicher Kulturarbeit mit einander zu wetteifern. Und mir Deutsche freuen uns, daß unser Vaterland, das früher im Rathe der Völker gering geachtet war, jetzt dasteht als ein fester Hort des Friedens, geleitet von einem Monarchen, der seine schönste unb erhabenste Aufgabe im Schutze des Friedens ei blickt, der wie der erste Kaiser des neuen deutschen Reiches sein will „ein Mehrer des deutschen Reiches, nicht an kriege,ischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens, auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung."
Unser Wahlspruch für alle patriotischen Gedenktage und insbesondere für den Tag von Sedan sei:
An's Vaterland, an's theure schließ' dich an! Das halte fest mit deinem ganzen Herzen! 8.
T a K e s s ch K tt.
Vc-klirr, 1. Septbr. Se. Majestät der Kaiser und König iuspi- zute heute Nachmittag um 2% Uhr auf dem Tempelhofer Felde, westlich