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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Rr. 188.

Dienstag den 26. August

1880

Amtliches.

Bekanntmachungen Kömgl. Landraèhsamts.

Den Herren Ortsvorstândm des Kreises habe ich heute die Bescheide auf die Klassensteuer-Reklamationen pro 1890/91 zugesandt, um die Aus­fertigungen über Steuerermäßigungen und -Befreiungen zu den Belägen der Klassensteuer-Abgangslisten zu nehmen und darnach in den Listen das Nöthige zu wahren, vorher jedoch den Reklamanten Kenntniß davon zu geben. Die zurückweisenden Bescheide sind den betreffenden Reklamanten alsbald einzuhändigen. Bis spätestens zum 1. September er. ist mir berichtlich anzuzeigen, an welchem Tage die Behändigung stattge- funden hat und die Benachrichtigung der ermäßigten Steuerpflichtigen er­folgt ist.

Hanau am 19. August 1890.

Der Königliche Landrath

St. 2649 v. Oertzen.

Tagesschau.

Berlin, 23. August. Die „Köln. Ztg" schreibt: Bezüglich der Vorstufen für die die Gesetzgebung betreffenvcnden Arbeiten war seit einigen Jahren folgendes maßgebend: Die einzelnen Minister meldeten ihre Ab­sichten bezw. Vorschläge beim Staatsministerium an ; es wurden die Grund­züge besprochen und danach bestimmt, ob eine weitere Bearbeitung des be­züglichen Stoffes erfolgen sollte. Von dieser Entscheidung war dann die Ausarbeitung des Gesetzentwurfes abhängig. Diese Ausarbeitung ging i hierauf den einzelnen Ministerien zur Begutachtung zu, während schließlich eine Gesammtabstimmuug im Staatsministerium erfolgte. Es ist nicht bekannt geworden, daß man von diesem Verfahren Abstand genommen hat, und es läßt sich daraus bemessen, daß und wie viel Zeit noch erforderlich ist, bis die angekündigten Reformgesetze an den Landtag gelangen können. Die Annahme, daß die Entwürfe schon völlig abgeschlossen vorliegen, begegnet lebhaften Zweifeln und wird hinsichtlich der Steuerreform und der Landgemeinde-Ordnung von unterrichteter Seite geradezu bestritten. Es wird sich zu. zeigen haben, wie weit gegentheilige Nachrichten zutreffen.

Berlin, 25. August. Das preußisch-russische Uebereinkommen von 1872, betreffend die gegenseitige Uebernahme ausgewiesener Stoatsangehöri- / gen, ist der „Danz. Ztg." zufolge bis zum 19./31. August 1892 — also auf zwei Jahre — verlängert worden.

Berlin, 24. August. Ein hiesiges Blatt berichtet, daß der Finanz- rnti ifter Dr. Miquel infolge von Ueberarbeitung leidend sei und deshalb eilten Urlaub antreten werde. Wie die „Nat.-Ztg." hört, ist diese Mit­theilung unbegründet.

Berlin, 25. August. Dr. Peters und Lieutenant von Tiedemann sind in Begleitung der ihnen bis Jüterbog! entgegengefahrenen Begrüßungs- deputation, an deren Spitze Staatsminister a. D. v. Hofmann, Professor v. Cuny und Abgeordneter Dr. Arendt standen, um 128z Uhr hier ein­getroffen und wurden von den Mitgliedern des Emin Pascha-Komitees, der deutsch-ostafrikanischen und der Kolonialgesellschaft, darunter Drygalski- Pascha, und einem zahlreichen Publikum mit wiederholten Hochrufen bewill­kommnet. Ferner wurde ihnen ein Kranz mit Schleifen in den deutschen Farben und der Inschrift Tana-Baringo-Nil überreicht (Rh. K.)

Berlin, 25. August. Der Schießausschuß des 10. deutschen Bun­desschießens hat nunmehr die Durcharbeitung der Schießresultate beendet und danach die Feststellung der Preise bewirkt. 20 Beamte sind seit Schluß des Festes unausgesetzt mit diesen Ermittelungen beschäftigt gewesen. An den, Schießen haben insgesammt 3880 Schützen aktiv theilgenommen. Für * stdeu dieser Schützen ist eine Folioseite eines der 10 Hauptbücher bestimmt * râ auf jeder dieser Seiten waren wieder nach den Angaben der einzelnen Scheibenbücher 20 bis 25 verschiedene Konten auszufüllen. Die Ergebnisfe all dieser einzelnen Konten waren sodann für jede Scheibenart besonders zu ordnen, um die Preise feststellen zu können. Insgesammt werden 15 000 -piepe zur Vertheilung kommen. Allein für die Festscheiben sind 4202 — -piepe bestimmt. Davon sind etwa 600 Ehrenpreise, die übrigen sind Geld­preise ix ve:schiedeuem Betrage bis herab auf 10 Mk.

... ÄilMenj, 25. Aug. Der Katholikentag wählte zum ersten Prä­sidenten frecheren v. BuolDehrenberg (Mannheim), zum ersten Vize­

präsidenten Dr. Orterer (München) und zum zweiten Dieden (Trier). August Reichensperger wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Der Bischof Korum von Trier ist anwesend. — In der ersten Generalversammlung der Katholiken sprach Bischof Korum über die Bedeutung der Katholiken­versammlungen, die versöhnende Kraft der katholiichen Kirche und die Noth­wendigkeit ihrer Freiheit. Ferner sprachen Graf Schnüren (Schweiz) und Pater Weiß (Schweiz). (Fr. N.)

Posen, 25. August. Wie der „Kuryer Poznanski" bestätigt, hat der Kaiser die gejammte Kandidatenliste für den erzbischöflichen Stuhl ab­gelehnt.

Memel, 25. Aug. Kaiser Wilhelm ist, wie die „Fr. N." be­richten, um sechs Uhr Abends eingetroffen. Er wurde vom Grafen Walder- see, dem Unterstaatssekretär Marschall und den Spitzen der Behörden ehr­erbietigst begrüßt. An der Rheede bildeten zahlreiche Schiffe, Fischerboote und der Ruderklub Spalier. Unter enthusiastischem Jubel der Bevölkerung und Glockengeläute fuhr der Kaiser mit Gefolge nach dem Rathhause, dem Postgebäude und nach dem Gute Tauerlauken zur Louiseneiche. Sämmt­liche Straßen waren herrlich geschmückt. Vereine und Gewerke bildeten Spalier.

Hannover, 25. Aug. Die Bahnstrecke Hannover-Visselhövede wurde heute dem Verkehr übergeben. Ein Extrazug mit den Spitzen der Regierung, der Bahnveruvaltung und der Kreisvertretungen vollzog die offi­zielle Eröffnung. — Der erste Zug genannter Bahn ist, nach den „Fr. N." bei Bennemühlen entgleist. Niemand wurde verletzt.

Leipzig, 24, Aug. Reichsgerichtspräsident von Simson läßt auf Anfrage erklären, die Meldung von seinem Rücktritte vom Amte sei unwahr.

Regensburg, 25. Aug. Die Feier der Enthüllung des Stand­bildes Ludwigs I. in der Walhalla war sehr glänzend. Nachdem das Wal­hallalied von 3000 Sängern gesungen war, hielt der Regierungspräsident Ziegler die Begrüßungsansprache an den Prinzregmten, die mit Hochrufen schloß, welche mit Jubel ausgenommen wurden. Unter den Klängen eines Festhymnus erfolgte der Einzug in die Walhalla, alsdann hielt der Präsi­dent der ersten Kammer die Festrede, worin er hervorhob, daß das bayerische Volk ein Denkmal des Königs Ludwigs im Kreise der Walhalla verlangt habe. Die Walhalla fördere deutschen und bayerischen Sinn. Der Prinz­regent dankte für das Denkmal, das er als einen Ausfluß der bayerischen Liebe und Treue zum Königshause ansehe. Hierauf wurde eine Anzahl Kränze vor dem Denkmal niedergelegt. Der Prinzregent bielt dann sierkle. Nach der Rückkehr fand Hoftafel sowie ein Festessen der beiden Kammern des Landtages statt, welchem die Minister v. Crailsheim und Müller bei­wohnten. Bischof Stein brachte einen Toast auf den Prinzregenten, von Crailsheim einen auf den Landtag aus. ‘ (Fr. N )

Wien, 24. August. Einer Anregung des Handels - Ministers Marquis Bacquehem entgegenkommend, haben, wie die „Presse" vernimmt, die österreichischen Eisenbahn-Verwaltungen ihre grundsätzliche Bereitwillig­keit zur Einführung der Alters- und Invaliditäts-Versicherung ihrer Arbei­ter ausgesprochen, wobei allerdings einzelne Verwaltungen hieran einige Vorbehalte geknüpft haben. Gegenwärtig werden die Grundzüge, auf denen diese Versicherung organisirt werden soll, vom K. K. Ministerium des In­nern sowie den anderen zuständigen Ministerien geprüft.

Wien, 25. August. In Folge eines Orkans und eines Gewitters wurden auf der Strecke Eggenberg—Limburg der Franz - Josephbahn von mehreren Lastwagen die Dächer abgehoben und 20 leere Kastenwagen um- geworfen. Die Maschine sowie die beladenen Wagen blieben im Geleise. Zwei Bedienstete wurden vorübergehend betäubt. Der Verkehr ist auf Ne­benwege geleitet worden. (Reichsanz.)

Mons, 25. August. Die Zahl der feiernden Arbeiter hat sich heute auf 16 630 vermehrt. In den gestern zu Frameries, Cuesmes, Jemappes und Wasmes abgehaltenen Versammlungen wurde beschlossen, den Strike fortzuführen.

Paris, 25. August. Der „Paix" erblickt in der Reise des Kaisers Wilhelm nach Rußland vorzugsweise einen Fnedensakt, glaubt jedoch nicht, daß die europäische Politik dadurch eine Aenderung erfahren werde.

Paris, 25. August. Ihre Majestät die Kaiserin von Oesterreich, Königin von Ungarn, ist inkognito hier eingenoffen.