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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 196.

Samstag den 23. August

1890

Amtliches.

Auf Grund des $ 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des §. 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird der Beginn der diesjährigen Jagd auf Hasen auf den 15. September d. I. festgesetzt.

Cassel am 19. August 1890.

Namens des Bezirks-Ausschusses:

Der Vorsitzende Rothe.

Bekanntmachungen Königl. Landrathsamts.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises habe ich heute die Bescheide auf die Klassensteuer-Reklamationen pro 1889/90 zugesandt, um die Aus- fertigungen über Steuerermäßigungen und -Befreiungen zu den Belägen der Klassensteuer-Abgangslisten zu nehmen und darnach in den Listen das Nöthige zu wahren, vorher jedoch den Reklamanten Kenntniß davon zu geben. Die zurückweisenden Bescheide sind den betreffenden Reklamanten alsbald einzuhändigen. Bis spätestens zum L September er« ist mir berichtlich anzuzeigen, an welchem Tage die Behändigung stattge­funden hat und die Benachrichtigung der ermäßigten Steuerpflichtigen er­folgt ist.

Hanau am 19. August 1890.

Der Königliche Landrath

St. 2649 v. Oertzen.

Dem Güterbodenarbciter Gregor Haas, genannt Werth, hier ist gestattet worden, fortan den Familiennamen Werth zu führen.

Hanau am 19. August 1890.

Der Königliche Landrath

V. 5426 v. Oertzen.

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Die Ehefrau des Kaufmanns Hermann Brenz el, Lina, geb. Weitz, hier hat um Paß nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 22. August 1890.

Der Königliche Landrath

P. 5830 v. Oertzen.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Ein junger schwarzer Pinscher Judengasse 76 a. Ein weißes und ein graues Huhn Steinhstr. bei Kraft. Ein Dachshund bei Oertel, Gärtnerg. Nr. 13.

Gefunden: Ein Armband.

Hanau am 23. August 1890.

t Zur Hypothekenbewegung.

Es liegt jetzt zum dritten Male ein Nachweis über den Zu- und Abgang der Hypothekenschulden in den städtischen und ländlichen Bcziiken Preußens vor. Es stellt sich hierbei heraus, daß 1. regelmäßig die Ein­tragungen von Hypotheken die Löschungen überwiegen und daß 2. der Ue- be.schuß der Eintragungen über die Löschungen bei den städtischen Beziiken ungleich größer ist als bei den ländlichen. In den letzten drei Jahren (1886/87 bis 1888/89) hat nämlich der Ueberschuß der Eintragungen bei den städtischen Bezirken zusammen 1725 Millionen Mark, bei den länd- ; lichen Bezirken 342 Millionen Maik betragen. Speziell in den letzten Jahren (1888/89) hat der Ueberschuß der Eintragungen in den Städten ; die ganz enorme Höhe von 724 Millionen Maik erreicht, während der Ue- . bei schuß der Eintragungen in den ländlichen Bezirken in dem letzten Jahre ; 121 Millionen Mark betrug.

Suchen wir diese Zahlen an der Hand der „Zeitschrift des Königl. - Preuß. Statistischen Büreaus" (29. Jahrgang 1889, II. Halbjahr) zu deuten. Die hohen Auwachsziffern der Belastung in den Städten kön­nen nicht ohne Weiteres als eine Vctschlechtcrung der wirthschaftlichen Lage des städtischen Grundbesitzes angesehen werden; sie entsprechen vielmehr dem großen Zuwachs an Werthen, welchen die zunehmende Bebauung des Bodens und die Steigern, g des eigenen Veikehrswerihes desselben dort vielfach geschaffen haben. Verglichen mit den Ziffern der ländlichen Hypo- 1

thekenbcwegung geben die der städtischen zugleich einen deutlichen Begriff davon, wie sehr dem ländlichen Grundbesitze gegenüber der städtische an volkswirthschaftlichem Gewichte zunimmt und demgemäß auch in sozialer Hinsicht in den Vordergrund zu rücken beginnt.

Was die ländlichen Bezirke betrifft, so haben die Eintragungen in den gedachten letzten drei Jahren 624 -ft 567 + 583 Millionen, zusammen 1774 Millionen Mark, die Löschungen 491 + 479 + 462 = 1 432 Millionen Mark betragen. In diesem dreijährigen Zeitraum ist also eine Mehrverschuldung von 342 Millionen Mark zu konstatiren! Freilich kann hierin auch noch nicht ohne weiteres allein eine direkte Verschlechterung der wirthschaftlichen Lage erblickt werden; es ist vielmehr in Betracht zu ziehen, daß der Realkredit in letzter Zeit besser und billiger geworden und daß demgemäß ein Theil der Personalschulden in Hypothekenschulden umge­wandelt worden ist, so daß also eine wirkliche Mehrverschuldnng des Besitzers keineswegs überall vorliegen dürfte. Immerhin ist aber auch zu berücksichtigen, daß die Löschungen keineswegs überall eine Verbesserung der Lage der bisherigen Besitzer bedeuten, so z. B. nicht bei den Zwangsver­steigerungen und auch nicht bei den Ankäufen der Ansiedelungskommission in Westpreußen und Posen. Die Amtsgerichte haben in den Uebersichten sehr häufig als Grund der Mehrbelastungen, Eintragungen von Erbgeldern und Kaufrestgeldern, aber sehr selten als Grund der Löschungen die Abzahlung seitens kapitalkräftiger neuer Unternehmer angegeben. Welche Ursachen indeß auch den Eintragungen bezw. Löschungen im Einzelnen zu Grunde liegen, so kann an der statistisch festgcstellten Thatsache nichts geän­dert werden, daß eine stete Vermehrung der ländlichen Bezirke, im Jahre 1886/87 um 133 Millionen, im nächsten Jahre mit seiner guten Ernte um nur 88 Millionen, und im letzten Jahre um 121 Millionen Mark, zusammen also um 342 Millionen Mark vorliegt. Diese Zunahme der Verschuldung erhält ihre wirthschaftliche Bedeutung dadurch, daß es eine stetige ist — die gute Ernte des Jahres 1887/88 hat sie nur gehemmt, aber nicht aufgehoben — und daß der Kaufwerth des ländlichen Grundbe­sitzes entgegen dem städtischen Grundbesitz, überwiegend im Sinken begriffen ist. Gerade im Betracht dieser Behältnisse ist die stetige Mehrverschuldung des ländlichen Besitzes eine Erscheinung, welche nicht leicht zu nehmen ist. Die Thatsache des Sinkens des Werthes des Grundbesitzes würde an und für sich noch kein Nothstand sein, wenn in entspechender Weise auch die Verschuldung sich verminderte. Ebenso würde — wie in den Städten — die Verschuldung nicht allzuviel zu bedeuten haben, wenn der Kaufwerth im Steigen begriffen wäre. Die Ergebnisse der Statistik der Hypotheken- bewegung konstatiren aber nun im Gegentheil eine regelmäßige Zunahme der Schuldenlast bei gleichzeitigem Sinken des Werthes. Dies Beides zusammen zehrt an der wirthschaftlichen Stellung des ländlichen Grundbesitzes, welche sich auch angesichts der letzten schlechten Ernte trotz der seitdem gestiegenen Produktenpreise nicht gehoben haben dürfte.

Tagesschau.

Berlin, 22. August. Se. Majestät der Kaiser und König empfing gestern Vormittag um 9 Uhr, wie der „Reichsanz." meldet, in Narwa im Garten der Villa Polowzcw die aus den Städten Narwa, Reval, Mos­kau und St. Petersburg an Allerhöchstdenselben entsendeten deutschen Depu­tationen. Der zweite Präsident des Moskauer Vereins deutscher Reichs­angehöriger Canuescasse hielt hierbei eine Ansprache an Se. Majestät und überreichte eine statistische Darstellung der zehnjährigen Thätigkeit des Ver­eins, welcher unter bim Allerhöchsten Protektorat Sr. Majestät steht. Der Revaler Verein ließ eine Adresse überreichen. Hierauf nahmen Ihre Maje­stäten der Kaiser Alexander und der Kaiser Wilhelm die großartigen Fabrik­anlagen des Staatssekretärs a. D. Polowzew und die Kraehuholmer Ma­nufaktur eingehend in Augenschein, während Ihre Majestät die Kaiserin die Schulen besichtigte. Um l1/» Uhr reiften Ihre Majestäten der Kaiser Alexander und der Kaiser Wilhelm nach Gomautrwo ab Die Manöver werden heute in der Richtung nach Krasnoje-Selo beendigt werden. Das Hauptqua-tier befindet sich gegcnwäilig in Gomantowo.

Berlin, 22. August. Der „Reichsanzeiger" dementirt die von einigen Blättern verbreitete Meldung, daß der Kaiser jüngst drei Bergleute aus Heimsdorf in Audienz empfangen habe.

Berlin, 21. Aug. Die Kadettcnanstalt in Kulm wird mit Ende