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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 194.

Donnerstag den 21. August

1890

Amtliches.

Bekanntmachung.

Postpacketverkehr mit Griechenland.

Nachdem Griechenland dem Ueber einkommen des Weltpostvereins in Betreff des Austausches von Postpacketen beigetreten ist, können fortan durch Vermittelung der Griechischen Postverwaltung Postpackete ohne Werthangabe bis zum Gewicht von 3 kg nach Aeghion (Vostiza), Argostoli, Arta, Athen, Calamata, Chslcis, Corfu, Korinth, Lamia, Larissa, Miffo- longhi, Nauplia, Patras, Pyräus, Pyrgos, Sparta, Syra, Triccala, Tripolitza, Volo und Zante befördert werden. Für solche Postpackete hat der Absender an Porto zu entrichten:

a) bei der Leitung über Triest ......1 M. 80 Pf.,

b) bei der Leitung über Italien (Brindisi) . . . 2 M. — Pf. Berlin W., 16. August 1890.

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.

In Vertretung: Fischer.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein kleiner Kinderschuh. Ein weißes Taschentuch.

Ein Rosenkranz. Ein goldener Damenring.

Hanau am 21. August 1890.

Tagesschau.

Berlin, 20. August. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm wird, wie der „Reichsanz." meldet, noch bis zum 21. August in Narwa verbleiben, M sodann die zwei folgenden Nächte in Gomantowo zubringen, Sonnabend, 23. d. M., in Peterhof eintreffen und Sich noch am Abend desselben Ta­ge^ nach dem Galadiner in Kronstadt einschiffen. Das Zivilkabinet Sr. Majestät geht bereits am Donnerstag von Narwa nach Peterhof ab.

Berlin, 20. Aug. Die Adresse der Helgoländer an den Kaiser, überreicht bei der Anwesenheit des Kaisers auf Helgoland, lautete: „Ew. Majestät nahen die Einwohner Helgolands mit der Bitte, Ew. Majestät in Ehrfurcht huldigen zu dürfen. Nachdem das vom Geiste des Friedens getragene Abkommen mit der britischen Majestät, unserer bisherigen erhabe­nen und gütigen Herrscherin, uns dem Herrscher desjenigen Reiches unter­stellt, mit welchem wir durch Abstammung, Sprache und Sitte uns bereits eins fühlen, blicken wir in Freudigkeit der Zeit entgegen, welche mit der von Ew. Majestät soeben ausgesprochenen feierlichen Besitzergreifung für uns anbricht. Die von Ew. Majestät kundgegebenen Verheißungen erfüllen uns mit den Gefühlen ehrfurchtsvollen Dankes und der unwandelbaren Zu­versicht, daß es unter Ew. Majestät erhabener Regierung uns gelingen werde, durch Erfüllung des von uns hiermit abgelegten Gelöbnisses der Treue uns als Ew. Majestät gehorsame Unterthanen zu erweisen."

Berlin, 20. Aug. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine kaiser­liche Verordnung, betreffend die Rechtsverhältnisse in dem südwestafrikani­schen Schutzgebiete, wodurch Gerichtsbehörden zweier Instanzen eingesetzt werden, das Verfahren in Zivil- und Strafsachen bestimmt unb bie Regelung des Kostenwesens einer Verordnung des Reichskanzlers vorbehalten wird. Die Verordnung soll am 1. Oktober b. J. in Kraft treten.

Berlin, 20. Aug. Anläßlich der jetzigen Manöver ist den ein- quartirten Mannschaften das Tabakrauchen auf Gehöften, in den Scheunen, Stallungen u. s. w. auf höheren Befehl streng untersagt. — Vorspann zur Beförderung von Personen und Gepäck haben die Truppentheile nach Verständigung mit der Ortsbehörde in den Grenzen der vom Bundesrath beschlossenen Sätze miethweise freihändig zu beschaffen. Der Vorspann zum Transport für Verpflegungs- und Biwakbedürfnisse muß in jedem Falle durch Requisition beschafft werden. (K. Z.)

Berlin, 20. August. Dr. Peters trifft erst am Montag hier ein; eine Abordnung begrüßt ihn in Jüterbog.

Reichstagsabgeordneter Frhr. V. Schorlemer-Alft hat, wie die „Kreuzztg." erfährt, kürzlich im Westfälischen Bauernvereine zu Haltern i. W. mitgetheilt, seine Gemahlin sei nach viermonatlicher schwerer Krank- i heit als genesen zu betrachten und er werde daher im Herbste wieder in den Reichstag eintreten

Die Enquete, welche das Reichs-Versicherungsamt auf Aufforderung des Reichsamts des Innern über die Reformbedürftigkeit des Unfallver­sicherungsgesetzes bei den Berufsgenossenschaften veranstaltet, nimmt einen raschen Verlauf. Die Mehrzahl der Vorstände der letzteren hat ihr Gut­achten bereits verfaßt. Von Verschiedenen hören wir, daß sie bei einer großen Zahl der vom Reichs-Versicherungsamt aufgestellten Fragen die Reformbedürftigkeit in Abrede gestellt haben. Das Reichs-Versicherungs­amt wird jedenfalls durch die Berufsgenossenschaften bald in die Lage ver­setzt werden, dem Reichsamt des Innern die gewünschten Mittheilungen zukommcn zu lassen.

Wilhelmshaven, 19. August. Das Artillerie-Schulschiff Mars ist zur Zeit mit der Ausrüstung für seine bevorstehende Reise zur Theil­nahme an den Flottenmanövern an der Holsteinschen Küste beschäftigt. An Bord des Schiffes wird der Kaiser am 10. September ein großes Essen geben, zu welchem über 200 Einladungen ergehen sollen. Auch die Stationsyacht Farewcll ist nach Kiel beordnet, um dieselbe der Kaiserin zur Verfügung zu stellen. Zur Führung des Fahrzeuges ist der Kapitän- Lieutenant v. Arnoldi kommandirt. (K. Z.)

Köln, 20. August. Die „Kölnische Volkszeitung" erfährt, die Bischofskonferenz in Fulda werde sich mit der Errichtung eines deutschen Missionshauses für die afrikanischen Kolonieen gemäß dem Briefe des Papstes vom 20. April an den Erzbischof von Köln beschäftigen und ferner über die Sperrgelderfrage berathen. Auch sei die Vereinbarung eines ge­meinsamen Hirtenbriefes gegen die Sozialdemokratie wahrscheinlich.

Kaiserslautern, 20. Aug. Das amtliche Ergebniß der gestrigen Ersatzwahl eines Reichstagsabaeordnelen erweist für Brunck (nat.-lib.) 8352, für Grohü (Volkspartei) 6366 und für Rüdt (Sozialdemokrat) 2036 Stimmen. Zersplittert waren 5 Stimmen. Es ist also Stichwahl zwischen den beiden ersten Kandidaten, wie auch die bisherigen Mittheilungen an­gaben, nöthig. Die Gesammtstimmabgabe betrug bei dieser Wahl 16759 Stimmen gegenüber 20179 am 20. Februar b. J. (K. Z.)

Wien, 20. August. Gegenüber den Meldungen über eine neue serbische Note, betreffend Schweineeinfuhr in Ungarn mit der Androhung einer eventuellen Lösung des . Handelsvertrages, erfährt das offiziöse „Fremdenblatt", daß kompetenten Orts weder von der Absendung einer solchen Note, noch von einer hierauf bezüglichen Absicht das mindeste be­kannt sei. Die Sprache "be§ serbischen Gesandten am Wiener Hofe in biefer Angelegenheit sei vielmehr eine freundschaftlich entgegenkommende. Die wahrscheinliche Quelle solcher und ähnlicher Allarmnachrichten sei in der leidenschaftlichen Befehdung der serbischen Parteien zu erblicken. (Rh. K.)

Friedland (Mähren), 20. Aug. Die Kirche und 22 Häuser sind, nach den „Fr. N.", abgebrannt.

Bern, 20. Aug. Gestern Abend gegen 9 Uhr wurde das Jonx- thal (Waadr) von einem furchbaren Sturmwind heimgesucht. In Brassus wurden etwa an 50 Häusern die Bedachungen und oberen Stockwerke zer­stört, in Lesentier über 100 Häuser beschädigt, einige gänzlich zertrümmert, die Waldungen 20 Kilometer lang und 200 Meter breit wie wegrasirt, Hun­derte von Thieren getödtet und die telegraphische Verbindung unterbrochen.

(Fr. N.)

Madrid, 20. August. Die Königin Regentin hat die Er­nennung des Grafen Banuelos zuni Botschafter in Berlin unterzeichnet.

Paris, 19. Aug Da die Häfen von Arabien als choleraverdächtig angesehen werden, so müssen die Schiffe, welche aus Indochina kommen und in Aden angelegt haben, in Algier oder Toulon einer Beobachtungs-Qua­rantäne unterworfen werden.

Paris, 20 August. (K. Z.) Ein großer Theil des nordwestlichen Frankreich wurde am Montag Abend durch einen furchtbaren Wirbelsturm heimgesucht. Besonders schwer ist die Stadt Dreux betroffen worden; dort sind etwa 500 Häuser stark beschädigt und 20 vollständig zerstört} verschiedene Personen wurden verwundet, einige getötet.

Marseille, 19. August. In den zwischen Aix und Marseille be­legenen Forsten ist, wie der „N. Pr. Ztg." gemeldet wird, ein großer Waldbrand entstanden. 130 ha brennen.

La Rochelle, 19. August. Präsident Carnot hielt heute Abend bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Mahle eine Rede, in welcher er sagte, Frankreich wende sich mit jedem Tage mehr der Beilegung der Parteistreitig-