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Nr. 183.
Freitag den 8. August
1890
Amtliches.
Bekanntmachungen König!. Landrathsamts.
Bekanntmachung.
Auf Grund der von dem Herrn Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten unter dem 29. Oktober 1879 erlassenen Bestimmungen über die Organisation der in den Provinzen Rheinland und Hessen- Nassau zur Verhütung der Einschleppung und Weiterverbreitung der Reblauskrankheit zu bildenden Aufsichtsinstanzen habe ich vom 1. August d. J. ab den bisherigen Stellvertreter des Weinbauaufsichtskommissars Königlichen Domänenrath Czèh zu Wiesbaden seinem Anträge gemäß von dem gedachten Amte entbunden und an Stelle desselben den Königlichen Landrath Bake zu St. Goarshausen zum Stellvertreter des Weinbauaufsichtskommissars für die Provinz Hessen-Nassau ernannt.
Cassel den 22. Juli 1890.
Der Ober-Präsident gcz. Graf zu Eulenburg.
Die Ortspolizeibehörden der Weinbau treibenden Gemeinden Hochstadt, Bergen und Langenselbold werden auf vorstehende Bekanntmachung hiermit besonders aufmerksam gemacht.
Hanau am 5. August 1890.
Der Königliche Landrath
V. 5321 v. Oertzen.
Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Regenschirm (auf der Post stehen geblieben am 4. d. Mts.). Ein Portemonnaie mit Inhalt. Ein Wagentuch am 5. d. Mts. Eine goldene Damenuhr.
Verloren: Ein Portemonnaie mit Inhalt. Eine Hundemarke Nr. 68/90. Eine goldene Damenuhr.
Hanau am 8. August 1890.
Tagesschau.
Berlin, 7. August. Wie der „Reichsanz." aus Kiel meldet, trifft Se. Majestät der Kaiser und König in Begleitung Sr. Durchlaucht des Prinzen Albert von Sachsen Altenburg und des Reichskanzlers v. Caprivi sowie mit deni übrigen Gefolge Donnerstag, 14. August, in Kiel ein und beabsichtigt am Abend um 10 Uhr von dort nach St. Petersburg in See zu gegen.
Berlin, 7. August. Minister von Bötticher trifft Samstag mit einem Kriegsschiff in Helgoland ein, um die Insel als deutschen Besitz von dem englischen Gouverneur zu übernehmen. (Fr. N.)
Berlin, 7. August. Seitens des Kultusministers ist bestimmt worden, daß fortan die Studirenden der Thierärztlichen Hochschule zum Besuch der Vorlesungen an der hiesigen königl. Friedrich-Wilhelms-Universität berechtigt sein sollen.
Berlin, 6. August. Eine Abordnung des deutschen Fleischerverbandes wurde heute vom Minister v. Bötticher empfangen, um wegen der Einführung amerikanischen Specks über Holland vorstellig zu werden. Minister v. Bötticher erwiderte, daß wegen der Einführung bereits Verhandlungen im Gange wären, er wisse jedoch nicht, wie die Sache geregelt werde. Die Aufhebung des Einfuhrverbots für amerikanischen Speck und amerikanisches Schwcinefleich werde wohl aus gesundheitlichen Bedenken nicht erfolgen. (K. Z.)
Berlin, 6. August. Nach der soeben veröffentlichten stet frischen Uebersicht über die Ergebnisse des Verkehrs auf zusammstellbare Fahrscheine im Gebiete des Venus deutscher Eisenbahnverwaltungen wurden im Jahre 1889 nicht weniger als 6 349 889 derartiger Fahrscheine für 499 057 563 km, gegen einen Ertrag von 21 433 245 Mark ausgegeben.
Wilhelmshaven, 7. August. (K. Z.) Die Manöverflotte ist um 5 Uhr auf der Reede eingetroffen. — Das österreichische Geschwader wird am 10. ds. erwartet. — Der kaiserliche Sonderzug wird am Sonntag Abend um 9 Uhr 20 Minuten von hier abgehen und über Bremen- : Stendal Berlin um 4 Uhr Nachts erreichen. i
Die „Straßburger Post" schließt einen Artikel, welcher den Streit über die Aeußerungen des Fürsten Bismarck behandelt, mit folgenden zutreffenden Bemerkungen: Soviel steht fest, daß auch in der öffentlichen Meinung diejenige Gestalt, welche Fürst Bismarck durch seine ganze weltgeschichtliche Thätigkeit in dem Andenken der Mitwelt hinterlassen hat und welche in ihrem vollen Glanze erstrahlen wird, so lange es eine Weltgeschichte gibt, mit der Erscheinung des Fürsten in einigen der bekannten Unterredungen in einen Gegensatz tritt, der vielleicht erst sich verlieren wird, wenn eine zeitlich weitere Entfernung und eine genauere Kenntniß der innerpolitischen Vorgänge der letzten Jahre einen höhern Ueberblick und eine freiere Beurtheilung gestatten. Das eine wird aber auch niemals vergessen werden dürfen: daß wir in dem Bismarck unter allen Umständen den Mann verehren, dein wir in Gemeinschaft mit unserm alten Kaiser Wilhelm I. das Größte verdanken, was in der deutschen Geschichte bisher geschehen ist.
Helgoland, 7. August. Eine heute affichirte Bekannmachung des Gouverneurs publizirt das Zeremoniell zu der am Samstag erfolgenden Uebergabe der Insel. Danach wird der deutsche Repräsentant mit 17 Salutschüssen der Kriegsschiffe begrüßt und vom Gouverneur in Begleitung der Beamten und Einwohner empfangen. Bei der formellen Uebergabe verliest der Gouverneur die Artikel des Abkommens betreffs der Uebergabe, hiernach wird die deutsche Flagge neben der englischen gehißt und von den britischen und deutschen Kriegsschiffen mit 21 Schüssen salutirt; bei Sonnenuntergang werden beide Flaggen gleichzeitig cingeholt und am folgenden Morgen die deutsche allein gehißt, worauf der britische Gouverneur sich nach Salutiren der Flagge verabschiedet und an Bord des „Enchantreß" begibt, von dem deutschen Gouverneur bis zum Landungsplätze begleitet und mit einem Salut von 17 Schüssen begrüßt. — Der Kaiser wird am Sonntag hier erwartet. Ein Komitee der Helgoländer trifft nach Besprechung mit Geheimrath Wermuth Vorkehrungen zu einem würdigen Empfange. An der Landungsbrücke werden Tribünen errichtet und die Treppen der Queenstreet mit Palmen geschmückt. (Fr. N.)
Pest, 7. August. Das Städtchen Moor ist gestern durch eine Feuersbrunst fast ganz zerstört worden. 200 Häuser sind niedergebrannt. Mehrere Menschen haben das Leben eingebüßt.
Bern, 7. August. Den internationalen Vereinbarungen vom 15. Mai 1886 über die technische Einheit im Eisenbahnwesen (Beschlüsse der Berner Konferenz) sind nunmehr auch Belgien, Serbien und Griechenland beigetreten. Holland und Rumänien haben den betheiligten Staaten ihre Beitrittserklärungen bereits am 23. März 1887 bekannt gegeben. Die Türkei erklärte, sie müsse vom Beitritt absehen, da ihre europäischen Eisenbahnverwaltungen durch anderweitige Vereinbarungen gebunden seien.
Bern, 7. August. Spanien hat seine Gesandtschaft bei der Eidgenossenschaft aufgehoben; der Gesandte hat das Abberufungsschreiben schon überreicht. (K. Z.)
Genf, 7 August. Laut einer soeben hier eingetroffenen amtlichen Mittheilung des französischen Polizeikommissärs in Annemasse (Ober- Savopen) hat vorgestern in dem kleinen Bergdorfe Les Ouches am Fuße des Montblanc, in der Nähe von Chamounix, eine geheime Versammlung der Nihilisten der Schweiz und Frankreichs stattgefunden. (F. Z.)
Brüssel, 7. August. Die meisten Blätter veröffentlichen Artikel, wonach Kaiser Wilhelm bei feinem Aufenthalt in Belgien alle durch Herzlichkeit und Leutseligkeit entzückte; aus seinen Worten sei Hervorgegaugen, daß er den Frieden wünsche, erstrebe und schätze; aus Achtung vor den Rechten Aller müsse derselbe gesichert werden; in diesem Sinne sei die Aufgabe aller Souveräne aufzufassen.
Rom, 6. August. Die Fleischergesellen der hiesigen Schlachthäuser haben die Arbeit eingestellt, weil sie das Vieh nicht nach der Methode Bruneau tobten wollen. Die Behörden haben die ausständischen Gesellen durch fachkundige Soldaten ersetzt. Am Nachmittag versuchten die Ausständischen in ein Schlachthaus einzudringen, sie wurden jedoch zurückgetrieben, wobei 27 Gesellen festgenommen wurden. Falls die Fleischermeister sich weigern sollten, das von den Soldaten geschlachtete Vieh zu verkaufen, wird die Gemeinde eigene Fleischläden errichten. Mit den Aussläudischen sind heute Abend Verhandlungen angebahnt worden.
Rom, 7. Aug. Die Verhandlungen wegen Beilegung des Fleischer-