er fährt auf der „Hohenzollern", und diese begleitet nur die „Irene", kom- mandirt vom Prinzen Heinrich. Die Ankunft ist auf den 16. August Abends oder den 17. früh in Aussicht genommen. Als Landungspunkte sind Reval, Baltischport oder Narwa vorgesehen; da Narwa einen geräumigen Hafen hat, so würde durch eine Landung dort die Eisenbahnfahrt ins Lager vermieden werden, die von Baltischport oder Reval aus stattfinden müßte. Die Anwesenheit soll bis zum 23. August dauern, der Besuch von Peterhof oder Petersburg ist nicht in Ausstcht genommen, wie denn nur militärische Feste stattfinden dürften. Die Rückreise ist wieder zur See projektirt, der Landweg ist nur eventuell in Aussicht genommen; jedoch ist ein kurzer Aufenthalt des Kaisers in der Provinz Ostpreußen nicht ausgeschlossen. Der größte Theil des Gefolges begleitet den Kaiser zur See, nur das Zivilkabinet, ein Theil des Militärkabinets und der Marstall benutzen den Schienenweg."
Berlin, 1. August. Se. Majestät der Kaiser und König sind heute in der Mittagstunde mit „Hohenzollern" und in Begleitung S. M. S. „Irene" nach Ostende in Se.' gegangen.
Berlin, 1. August. Die Ablösungstransporte von S. M. S. „Carola" und S. M. Kreuzer „Schwalbe", unter Kommando des Kapitän-Lieutenants Benzler, haben am 29. Juli Dover passirt und sind am 30. in Bremerhaven eingetroffen.]
Berlin, 1. Aug. Der Abgeordnete v. Schenckendorff hat bekanntlich wiederholt im preußischen Abgeordnetenhause auf den Nutzen des sogenannten Handfertigkeitsunterrichts für Knaben hingewiesen und sich während der letzten Tagung die Mühe gemacht, eine Uebersicht der in den verschiedenen Landestheilen bestehenden Einrichtungen zur Förderung dieses Unterrichtszweiges zusammenzustellen. Nunmehr hat, wie wir hören, der Unterrichtsminister eine Vervielfältigung dieser dankenswerthen Arbeit den Schulbehörden zugehen lassen und gleichzeitig die Regierungen ersucht, dem erziehlichen Handfertigkeitsuuterrichte als einem werthvollen geistigen und körperlichen Bildungsmittel der Jugend ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und eine thunlichste Förderung zu Theil werden zu lassen.
Berlin, 1. Aug. Zwei Mitglieder des amerikanischen Schatzamts, welche sich in Europa aufhalten, werden offiziell an der Berathung der Generalkonsuln in Paris bezüglich der Mac Kinley Bill Theil nehmen. (K. Z.)
Berlin, 1. August. Die von der gesammten sozialistischen Fraktion unterschriebene Einladung zu dem am 12. Oktober d. I. in Halle a. d. Saale stattfindendcn Parteitage führt eine siegesgewisse Sprache. Das Schriftstück konstatirt die vollkommene Niederlage der Ausnahmegesetzgebung und fährt fort: „Immer neuen Boden erobernd sieht die Partei in immer weiteren Kreisen ihre Ideen dienstbar werden. Der Sozialismus ist eine Frage geworden, um die sich alles bewegt, die innere und die äußere Politik, alle Parteien und Gesellschaftsschichten werden von ihm beeinflußt und beherrscht. Er ist der wichtigste Faktor der Gegenwart und wird in nicht ferner Zeit der alles entscheidende sein. (Rh. K.)
Die „K. Z." schreibt: Auch jetzt noch halten sich Beamte der Vereinigten Staaten von Nordamerika in Deutschland auf und suchen sich über die Herstellungsart und Preise verschiedener Waaren sowie über die Arbeitslöhne eingehend zu unterrichten. Die Vermnthung liegt nahe, daß die Ergebnisse dieser Studienreise zu gunsten der für die deutsche Industrie überaus schädlichen Mac Kinley - Bill verwendet werden sollen. Man darf deshalb die Empfehlung erneuern, gegenwärtig amerikanischen Reisenden gegnüber eine gewisse Vorsicht und Zurückhaltung in der Mittheilung derartiger Angaben zu beobachten.
Wilhelmshaven, 1. August. Kaiser Wilhelm trat, nach den „Fr. N.", heute Mittag an Bord des „Hohenzollern" seine Reise nach Ostende an. Das Manövergeschwader dampfte voraus, die Korvette „Irene" folgte.
Köln, 1. Aug. Gestern Abekld traf die Abordnung spanischer Aerzte zum Berliner Medizinischen Kongreß hier ein, heute früh die französische Abordnung. Die Herren, etwa 40 an der Zahl, fuhren heute Vormittag zusammen nach Berlin.
Reichenau, 31. Juli. Die auf Befehl des Kaisers angestellte Untersuchung der Verhältniße der Weber des Eulengebirges ist soeben beendet worden. Darnach beträgt im diesseitigen Hauptbezirk der durchschnittliche Wochenlohn des Webers vier bis sieben Mark.
Helgoland, 31. Juli. Der Gouverneur hat das amtliche Protokoll des Strandgerichts über den Unfall, bei welchem der Konsul Rohlsen umgekommen ist, heute öffentlich auslegen lassen, um den ungenauen Berichten in verschiedenen Zeitungen, durch welche die Interessen Helgolands geschädigt werden, zu begegnen.
München, 31. Juli. Von den zahlreichen Telegrammen, welche von den auswärtigen Souveränen anläßlich des Unfalles Sr. Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten hier eingelaufen sind, zeichnen sich besonders die Glückwünsche des Papstes, des Deutschen Kaisers Wilhelm II. und des Kaisers Franz Joseph durch Ausführlichkeit, herzliche Sprache und gefühlvolle Antheilnahme aus. Se. Königliche Hoheit hat diese Telegramme sofort in der herzlichsten Weise beantwortet und seinen Dank für die bewiesene Theilnahme ausgesprochen. Nachdem die Fluth der Telegramme vorüber, treffen jetzt in nicht geringerer Anzahl die Glückwunschschreiben und -Adressen ein. Gewiß dürfte es gegenwärtig in ganz Bayern keine Ge
meinde, sei es Dorf oder Stadt, geben, welche nicht ihre Glückwünsche dar - gebracht hätte. Ebenso zahlreich sind die Glückwunschadressen der Vereine und Korporationen, sowie die von einzelnen Personen einlaufenden.
München, 31. Juli. Die Enquete über die Ursachen der Fleischtheuerung, welche von dem Ministerium des Innern angeordnet wurde, ist bereits in vollem Gange und erregt das lebhafteste Interesse aller betheilig- ten Kreise. Es handelt sich dabei um eine ganz vorurtheilsfreie, genaue Ergründung der Ursachen dieser Fleischtheuerung, damit eben für Abhülfe^ gesorgt werden kann. Die Annahme, daß diese Enquete ihrer Tendenz nach gegen ein bestimmtes Gewerbe gerichtet fei, ist, wie die „Allq. 3ta." betont, eine vollständig irrige.
Ostende, 1. Aug. Der Graf von Flandern und der Prinz Bal-, dum werden gleichfalls hier eintreffen, um den Kaiser Wilhelm zu begrüßen.;
Rom, 31. Juli. Der Generaldirektor des Gesundheitsamts im Ministerium des Innern, Dr. Pagliani, ist heute Abend zur Theilnahme an dem 10. Internationalen Medizinischen Kongreß nach Berlin abgereist.
Paris, 1. August. Wie verschiedene Morgenblätter heute melden, hätten die englische und die französische Regierung in einer energischen Note die Regierung der Argentinischen Republik aufgefordert, französischen und englischen Unterthanen für den während der Insurrektion erlittenen Schaden, welcher angeblich 50 Millionen Franks beträgt, Ersatz zu leisten. Die erstgenannten Regierungen seien entschlossen, ihre betreffenden Noten durch eine Demonstration der Flotten zu unterstützen.
Paris, 1. August. Die „Libertä" meldet: Von den der Kommission für die Arbeitsregelung eingesandten Antworten interessirter Körperschaften verwerfen 1850 jede Regelung, 1767 befürworten den achtstündigen Arbeitstag, 3566 schlagen verschiedene Regelungen vor. (Rh. K.)
Paris, 1. August. Der Graf von Paris scheint alle Hoffnung auf eine ^baldige Rückkehr nach Frankreich aufgegeben zu haben. Senator Bocher, der Vertrauensmann des Prätendenten, läßt eben alle Möbel des Schlosses Eu, der offizillen Residenz des Oberhauptes des Hauses Frankreichs, nach England überführen. Die Bewohner der Umgebung von Eu, sind, wie versichert wird, ob dieses Umzugs untröstlich (Rh. K.)
London, 1. August. Der „Times" wird aus Buenos Aires gemeldet: Präsident Celman erließ ein Manifest an die argentinische Nation, worin er auf den Wohlstand und die Freiheit hinweist, deren das Land sich unter seiner Regierung erfreute, sodann die Revolution dem widersinnigen Ehrgeize einer politischen Partei zuschreibt, welche sich der ganzen Republik aufdrängen wollte.
Petersburg, 1. Aug. Alle strategisch wichtigen Bahnen werden demnächst als Beamte verabschiedete Militärs erhalten, die russisch sprechen müssen.
Petersburg, 1. August. Die Gesetzsammlung enthält einesWr-^ ordnung, betreffend die Emission vierprozentiger Obligationen der Großen Russischenn Eisenbahngesellfchaft im Betrage von 15,625,000 Metallrubel. — Der „Nowoje Wremja" zufolge hat die Kommission zur Ausarbeitung eines Entwurfes für den Zoll- und Münzanschluß Finnlandes an Rußland bereits über die Hauptpunkte Einigung erzielt. (Fr. N.)
New - York, 1. August. Die ungewöhnliche Hitze verursachte gestern acht Todesfälle. Zahlreiche Personen sind außerdem infolge der abnormen Temperatur unwohl. Auch aus Boston, Providence und anderen Orten Neuenglands werden mehrere derartige Todesfälle gemeldet. (F. N.)
Zanzibar, 31. Juli. (K. Z.) Die deutsche Expedition gegen die Mafiti ist auf keinen Widerstand gestoßen; der letzte Empörer ist besiegt, in der ganzen Nordprovinz dauernd die Ruhe hergestellt. Die Mafiti sind geflohen, der gefangene Häuptling wird von der Expedition nach Zanzibar gebracht.
Kapstadt, 31. Juli. (K. Z.) Das Repräsentantenhaus hat die Resolution von Cecil Rhodes betreffend den englisch-deutschen Vertrag einstimmig angenommen, ebenso einen Antrag von Sir Thomas Upington, welcher dahin geht, daß die Kapkolonie irgendwelche Einmischung in die direkte Kontrole des Kap-Parlaments über das Walfischbai-Gebiet zurückweisen würde. !
Buenos Aires, 1. August. Die Börse war gestern noch geschlossen, ’ dagegen sind die Banken geöffnet. Laut dem Preßgesetze ist die Zensur wieder hergestellt. Die Bildung eines Versöhnungskabincts ist wahrscheinlich, > die Lage ist friedlich.
Bremen, 31. Juli. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd/ „Hermann" ist gestern in New-Aork eingetroffen.
Hamburg, 31. Juli. Der Postdampfer „Ascania" der Hamburg- Amerikanischen Packetfahrt - Aktiengesellschaft ist, von Hamburg kommend, heute in St. Thomas eingetroffen.
Aus Stadt, Provinz und Umgegend.
Königliche Zeichenakademie. Alle, welche Schulgeld für das 3. Quartal an Königl. Zeichenakademie zu zahlen haben, verweisen wir wegen der Zahltermine auf die dahinzielende Bekanntmachung in heutiger Nummer unseres Blattes.
Straßensperre. Fuhrwerksbesitzer machen wir bezüglich der neuer-1 dings verfügten Straßensperrung auf die landräthliche Bekanntmachung i»W heutiger Nummer aufmerksam.