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? Nr. 176.

Donnerstag den 31. Juli

1890

Amtliches.

Bekanntmachungen König!. Landrathsawts.

Da nach den vom Dirigenten und den Mitgliedern unserer Abthei­lung bei dem Besuche von Volksschulen gemachten Wahrnehmungen die Be­stimmungen unseres (im Schulverordnungsblatte Nr. 2 und Nr. 3 des vorigen Jahrgangs abgedruckten) Zirkularerlasses vom 18. Dezember-1888, B. Nr. 11 981, namentlich betreffs der Beschaffenheit und der Stellung der Subsellien, der Fensterverhältnisse und des Anstrichs der Wände in den Schulzimmern, nicht überall in dem durch das Schulinteresse dringend ge­botenen Maße Befolgung gefunden haben, so sehen wir uns, mit besonde- < rer Rücksicht auf die nahe bevorstehenden Sommer-Erndteferien (welche ohne (Störung des Schulbetriebes zu den erforderlichen Arbeiten benutzt werden können) veranlaßt, jene Bestimmung hierdurch in Erinnerung zu bringen.

Cassel den 19. Juli 1890.

Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.

B. 9017. Opitz.

Die vorstehende Verfügung der Königlichen Regierung wird den Herren ( Bürgermeistern bekannt gegeben um dafür zu sorgen, daß in den Schul- lokalen etwa vorhandene Mängel beseitigt werden. Sie wollen sich dieser- halb mit den Herren Lokalschulinspektoren und Lehrern in's Benehmen setzen. Hanau am 30. Juli 1890.

Der Königl. Landrath.

V. 5105. I. V.: Baabe.

Dienst-Nachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein weißes halbleinenes Tuch. Ein Handkörbchen (auf der Post stehen geblieben). Ein polirter Gardineuhalter. Ein Wasser­leitungskrahnen.

Hanau am 31. Juli 1890.

Die Denkschrift über die Beweggründe zu dem deutsch­englischen Abkommen.

DerReichsanz." veröffentlichte, wie bereits erwähnt, eine Denk­schrift des Reichskanzlers v. Caprivi über die Beweggründe zum deutsch-englischen Abkommen. Dasselbe bezweckte, wie dieFr. N." kurz ausführen, die Beseitigung von Differenzpunkten behufs Unter­stützung und Erhaltung des europäischen Friedens. Die gesammten Streit­fragen wurden von einem Gesichtspuntte aus behandelt, um durch gegen­seitige Konzessionen bei der Verschiedenheit des Werthes einzelner Gebiets­theile eine Verständigung zu erreichen. Die Walfischbay habe keines­wegs den landläufig geschilderten Werth, desgleichen das Npamisee-Gebiet; Witu sei nach dem Verlust von Patta, Manda und Lamu werthlos. Deutsche Privatrechte blieben gewahrt. Deutschland erklärte im Jahre 1889 amtlich in London, daß Uganda und Wadelai nördlich des ersten südlichen Grades außerhalb der deutschen Kolonialbestrebungen lägen und daß die Tanganpkaküste für England hervorragendes Interesse beanspruchen könnte. (Das Gebiet zwischen Nyassa und dem Kongo staate habe keinen besonderen Werth, dagegen sei ein größerer Antheil des Nyassa- sees und ein möglichst ausgedehnter Küstenbesitz am Viktoriasee für Deutschland werthvoll. Die Denkschrift betont die Nothwendigkeit der dauernden Erwerbung des Küstenstrichs der deutsch-ost afridä­nischen Gesellschaft. Die Ueberlassung des Protektorats von Zan­zibar an England sei unschädlich; England verlange formell nur den i Einfluß, welchen es materiell schon längst besitze, und welchen zu beseitigen I den deutschen Bemühungen nicht gelungen fei. Auch die ostafrikanische Ge- I skllschaft gab bem deutschen Besitz des Küstenstriches den Vorzug. Die Denkschrift motivnt schließlich den Artikel, betreffend die freien Verkehrungen und die Religionsfreiheit.

Ueber den Wiedergewinn Helgoland's schreibt derReichsanz." folgendes:

Seit Menschenaltern hatten Deutsche aller Stämme schmerzlich em­pfunden, daß unmittelbar vor der Mündung der Elbe, der Weser und der Jade ein fiemdcs Reich Herr deutschen Landes war, und daß ein echt deutscher Stamm, von seinem Heimathlande losgerissen, trotz humanster

Behandlung verkümmerte. War dieses Gefühl schon immer lebendig ge­wesen, so steigerte es sich seit der Wiedererrichtung des Deutschen Reichs zu einer Empfindlichkeit, deren öffentliche Erörterung, weil sie schmerzlich berührte, ängstlich vermieden wurde. Die Akten des Auswärtigen Amts geben Zeugniß von den zahlreichen Gesuchen und Vorschlägen, welche seit den 70er Jahren über die Wiedererwerbung von Helgoland gemacht wurden; die öffentliche Meinung bemächtigte sich von Zeit zu Zeit in Deutschland und England der Frage nach der Abtretung der Insel an das Reich und die letztere ist wiederholentlich Gegenstand ernster Erörterungen innerhalb der deutschen Regierungskreise gewesen. Abgesehen aber von diesem pretium affectionis bedeutet der Besitz der Insel Helgoland für Deutschland eine wesentliche Erhöhung seiner Wehrkraft zum Schutz der Küsten und Fluß­mündungen in der Nordsee. Es mag daran erinnert werden, wie im Jahre 1864 die Insel Helgoland den Operationen des österreichischen Admirals Tegethoff Schwierigkeiten bereitete. Während des Krieges 1870 hat das neutrale Helgoland der französischen Flotte das Ausharren vor unserer Küste erheblich erleichtert. Die Insel bot durch das Leuchtfeuer und durch die Möglichkeit, sich unter ihrem Schutz der Einwirkung von Wind und Wetter soweit entziehen zu können, als dies zu einer Reihe von Verrichtungen, deren eine moderne Flotte nicht entrathen kann, erforderlich ist, dem Feinde eine wesentliche Stütze während der stürmischen Jahreszeit.

Deshalb erhoben sich schon während der Friedensverhandlungen im Jahre 1870 aus den betheiligten Kreisen Stimmen, welche auf die. Wich­tigkeit des Besitzes von Helgoland für Deutschland hindeuteten. So heißt es in einem Bericht des Vizeadmirals Jachmann vom 20. September 1870: In jedem Kriege bietet diese Insel, selbst bei Beobachtung der unumgäng­lichen Neutraluätsregeln, dem Feinde einen sicheren Stützpunkt, während, wenn die Insel in unserem Besitz und gut befestigt wäre, eine feindliche Flotte sich schwerlich längere Zeit vor der Elbe und Weser halten könnte; auch für Wilhelmshaven ist die Insel von großer Wichtigkeit, da jedes Schiff, das die Jade ein- und ausläuft, von dort gesehen wird."

Für England selbst ist der Besitz von Helgoland niemals werthvoll gewesen, und es war eine völlige Verkennung der thatsächlichen Verhältnisse, wenn früher hier und da der Besitz von Helgoland dem von Gibraltar gleichgeachtet worden ist. In deutschen Händen dagegen wird Helgoland die Vertheidigung unserer Nordseeküsten wie unseres deutschen Meeres er­leichtern, eine feindliche Blockade aber mindestens sehr erschweren. Die Insel liegt eben anders zu Deutschland wie zu England und hat für beide Staaten einen sehr verschiedenen We th.

Auch erhält der zur Zeit im Bau begriffene Nord^ Ostsee-Kanal erst durch ein deutsches Helgoland seinen vollen Werth für den Kriegsfall. Entzieht sich die nähere Darlegung solcher militärischer Motive naturgemäß der öffentlichen Besprechung, so kann hier doch bemerkt werden, daß, schon als Ende 1883 die Wiederaufnahme der den Nord-Ostsec-Kanal betreffenden Vorarbeiten begann, Leitens der Kaiserlichen Admiralität betont wurde, wie wünschenswerth der Besitz von Helgoland für die kriegerische Ausnutzung dieses Kanals sei. Es wurde ausgeführt, daß die Ueberführung unserer Flotte von Kiel nach Wilhelmshaven oder umgekehrt angesichts eines bei Helgoland liegenden Feindes nicht ohne ein voraussichtlich unter taktisch ungünstigen Verhältnissen durchzumachendes Gefecht möglich, und daß sie damit in Frage gestellt sein würde, ein Einwand, der nicht entkräftet werden konnte und dem gegenüber, da die Erwerbung Helgolands damals ausge­schlossen schien, von anderer Seite die Idee, den Kanal von der Elbemündung nach Westen bis in den Jadebusen fortzuführen, in Anregung gebracht wurde, eine Idee, deren Ausführung, wenn überhaupt möglich, enorme Kosten verursacht haben würde.

Wenn man endlich vielleicht einwenden wollte, daß Helgoland uns trotz seiner natürlichen Stärke im Lauf eines Krieges doch auch einmal genommen werden könnte, und daß es dann besser gewesen wäre, es hätte uns nie gehört, sondern wäre neutral geblieben, so könnte man mit ähn­lichem Grunde etwa befürworten, Diedenhofen an das neutrale Luxemburg abzutreten.

Auch für den Einwand, daß die Insel in absehbarer Zeit in sich selbst zerfallen werde, fehlt die thatsächliche Unterlage. Nach geologischen Forschungen hat sich die Insel in den letzten 120 Jahren kaum merklich verkleine: t.